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Ernst Jünger

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AutorBeitrag

hec801


8.5.2006 22:25:57
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Wisst Ihr, wofür er seinen PlM erhalten hat!?

Finde irgendwie nichts richtiges im Netz...

Gruss

Hannes

Nightwish


11.5.2006 20:50:56
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Nee, weiß ich leider auch nicht. Ich weiß nur, dass er elf Mal verwundet wurde und immer schnell zur Truppe zurück wollte.

Kennst du dir Verleihungskriterien?

hec801


11.5.2006 20:57:07
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Findste im Netz, auf jeden Fall nur an Offiziere - für herausragende Tapferkeit oder Führungsleistungen...

Nightwish


11.5.2006 21:09:34
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Orden wurden bis dahin nur an Offiziere ausgegeben, und Jünger war Leutnant AFAIK. Tapferkeit - er war als Haudegen und, ich sage mal Kampfsau, bekannt. Aber genaueres habe ich auch nicht im Kopf.

Ich habe im Regal nur eine Kurzbiographie gefunden.

Er wollte 1913 zur Fremdenlegion, wurde zurückgeholt (?), wurde 14 (!) Mal verwundet, war von 1919 - 23 Offz. i.d. Reichswehr und war im WK II im Stab 'des Militärbefehlshabers von Paris' eingesetzt.

Es gibt aber einige Bücher über ihn und welche, in denen er vorkommt. Ich schaue nächste Woche mal in unserer Bibliothek.

hec801


11.5.2006 21:20:35
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Super! Mache Dir aber nicht zu viel Mühe!

Sein Vater hat übrigens mit Hilfe des Konsulats interveniert und so kam er von der Fremdenlegion wieder weg...

Gruss

Hannes

Nightwish


11.5.2006 21:45:24
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Hatte mir schon gedacht, dass sein Vater was damit zu tun hatte ;-) .

Hab eine Bibliographie gefunden. Aber die meisten Bücher befassen sich mit seinen Werken. Da ist zwar auch biographisches drin, aber nicht ganz ausführlich.

Ernst Jünger : eine Bibliographie / Karl O. Paetel. - Stuttgart : Galerie Lutz u. Meyer, 1953

Aber wie gesagt, ich schaue nächste Woche mal in der Bibo nach.

Bis dann,

Nightwish

bani


11.5.2006 21:59:31
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Nightwish schrieb:
...Er wollte 1913 zur Fremdenlegion, wurde zurückgeholt (?), ...


Er wollte nicht zur Legion - Er war bei der Legion.
Allerdings war die Familie wohl nicht so ganz damit einverstanden und entweder war es der Vater oder ein Onkel, der über diverse Kanäle seine Rückkehr veranlaßte.

Wenn ich nicht ganz falsch liege, war er doch Stoßtruppführer ...
Schätze mal, daß der PLM damit zusammenhängt.


hec801


11.5.2006 22:54:35
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OK,

danke Euch beiden! Wäre aber schon nicht schlecht, wenn ich näheres hätte!

Gruss und Danke

Hannes

Nightwish


19.5.2006 15:17:12
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Hm, das oben genannte Buch gibt auch nicht viel her:

"...vierzehnmal verwundet... Einer der wenigen Subalternoffiziere (Leutnant), die mit dem Pour le Mérite ausgezeichnet wurden."

Es scheint für die Literaturwissenschaft irgendwie irrelevant zu sein, weshalb er ihn bekam.

Ich kann dir vielleicht noch Informationen dazu beschaffen wo er eingesetzt gewesen war.

Nightwish



Leutnant


21.5.2006 13:43:52
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Seine Taten während des 1. Weltkrieges sind in " In Stahlgewittern" relativ genau beschrieben, u.a. auch die Taten die zum PLM führten. Sehr interessantes Buch zum Thema Stosstrupptaktik im 1. Weltkrieg!

Nightwish


21.5.2006 15:59:34
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Ja, das ist ja auch sein bekanntestes Werk. Weiterhin Eingang gefunden haben seine Erlebnisse auch in "Das Wäldchen 125", "Feuer und Blut" und "Der Kampf als inneres Erlebnis".

Allerdings weiß ich nicht, wie authentisch und biographisch die Bücher sind. Also ob die tatsächlichen Ereignisse beschrieben sind, die zum Erlangen dem Plm führten.

NW

Grenadier13


21.5.2006 17:34:09
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Aus das Ritterkreuz Nr.1 . März 1998  Seite 2

Nur 14 Kompanie- und Stoßtruppführer des Heeres jedoch wurden für oft schlachtentscheidende Taten mit dem "Blauen Max" (Pour-le merite) dekoriert.
Ernst Jünger war einer davon. Als junger Infanterie-Leutnant erwarb sich Jünger, der siebenmal verwundet wurde, insbesondere in Kämpfen an der Somme diese höchste preußische Kriegsauszeichnung. Er war ein Pour-le-merite-Träger wie ihn sich Friedrich der Große wünschte: Tapfer und ritterlich.

Mehr war leider nicht rauszubekommen.

Vielleicht hift es ein bisschen.

Gruß

Dieter
 

hec801


21.5.2006 18:11:33
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Danke Euch allen für die Hilfe und die Buchtips!!!

Gruss

Hannes

Nightwish


24.5.2006 20:24:34
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Ich habe nochmal geforscht:

1914, 1. August: Kriegsfreiwilliger bei Füsilier-Regiment "Generl-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen", Hannoversches No. 73 [...]

1917, Februar: Ernennung zum Führer der 7. Kompanie des [oben genannten] Regiments. [...]

1918, Juni: Abwehr englischer Vorstöße (Das Wäldchen 125)
          1. August: Verleihung des goldenen Verwundetenabzeichens
          August: weitere Verwundung bei Cambrai
          18. September: Verleihung des Ordens Pour le Mérite

Laut Buch hat er an mehreren Aufklärungsunternehmen teilgenommen und eine "Ausbildung in Stoßtruppunternehmen" absolviert. Insgesamt hat er mehrere Auszeichnungen erhalten. Wofür aber konkret steht auch da nicht.

Hast du diese Daten schon? Möchtest du noch mehr zu den Verleihungen? Dann sag es nur.

Quelle: Bibliographie der Werke Ernst Jüngers, Horst Mühleisen, Klett-Cotta, 1996


Nightwish

Nightwish


30.5.2006 12:09:47
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So, hier kurz und knapp was ich über militärische Verwendung und Auszeicchnungen gefunden habe:


1913, 3. November: Verpflichtung in Verdun zu fünfjährigem Dienst in der Fremdenlegion
          8. November: Ankunft in Algier, Einweisung in die 26. Instruktions-Kompanie in Sidi-bel-Abbès
          20. Dezember: Entlassung des Minderjährigen [18] nach Verdun aufgrund der vom Vater erwirkten diplomatischen      Bemühungen. (Afrikanische Spiele)

1914, 1. August: Kriegsfreiwilliger bei Ersatzbataillion Füsilier-Regiment "Generl-Feldmarschall Prinz Albrecht von Preußen", Hannoversches No. 73
          27. Dezember: an die Front in der Champagne

1915, April: erste Verwundung in der Nähe Les Eparges (Lothringen). Lazarett in Heidelberg.
          Anschließend Teilnahme an einem Lehrgang für Offiziersanwärter in Döberitz. Beförderung zum Gefreiten, Unteroffizier und Fähnrich. Rückkehr zum Regiment. Stellungskämpfe bei Douchy und Monchy.
         27. November: Beförderung zum Leutnant.

1916, April: Offiziersausbildung in Croisilles.
          Juni: Rückkehr zur Truppe, Vorbereitung auf die Somme-Schlacht. Zweite Verwundung am Vorabend der Schlacht.
          November: Rückkehr zum Regiment, dritte Verwundung auf Spähtrupp bei St. Pierre-Vaast.
          16. Dezember: Verleihung des eisernen Kreuzes erster Klasse.

1917, Februar: Ernennung zum Führer der 7. Kompanie des [oben genannten] Regiments.
          Mai: Ausbildung in Stoßtruppunternehmen.
          Juli: vierte Verwundung in Flandern
          4. Dezember: Verleihung des Ritterkreuzes des Königlichen Hausordens von Hohnezollern mit Schwertern.

1918, März-Offensive, sechste Verwundung. (Feuer und Blut)
          Juni: Abwehr englischer Vorstöße (Das Wäldchen 125)
          1. August: Verleihung des goldenen Verwundetenabzeichens
          August: siebte Verwundung bei Cambrai
          18. September: Verleihung des Ordens Pour le Mérite
          Bei Kriegsende im Lazarett, Clementinenstift Hannover. (In Stahlgewittern)

1919, Frühjahr: Zugführer im Reichswehr-Inf.-Reg. Nr.16, Hannover.
          Dezember: Einsatz in Eitorf (Sieg), als Maßnahme gegen Schmuggler.

1920, Mitarbeit an der Ausbildungsvorschrift für die Infantrie bei der Heeres-Vorschriftenkommission in Berlin.
         März: Einsatz gegen Welfen-Partei die im Rahmen im Rahmen des Kapp-Lüttwitz-Putsch ihre Autonomiebestrebungen durchsetzen wollte.

1923, 31. August: Ausscheiden aus der Reichswehr.

1939, September: Offizierslehrgang in Blankenburg, Harz
          November: Chef einer Kompanie. Truppenübungsplatz Bergen. Übernahme eines Abschnitts des Westwalls am Oberrhein bei Greffern.

1940, Januar, Westwall bei Iffezheim.
          Mai bis Juli: Vormarsch und Aufenthalt in Ostrankreich.
          23. Juni: Verleihung der Spange zum Eisernen Kreuz zweiter Klasse für die Bergung eines Verwundeten am Westwall, worauf im Völkischen Beobachter gefragt wird, was aus dem Helden von damals geworden sei. (Gärten und Straßen)
         
1941, Wachregiment in Paris.
          1.Juli: Kommandostab des Militärbefehlshabers Frankreich. Arbeiten an Seelöwe und Problemen die Differenzen zwischen Militärbefehshaber und Parteistellen betreffend.

1942, Publikationsverbot für Jünger im Deutschen Reich. Veröffentlichungen nur noch im Ausland und unter Schutz der Wehrmacht.
          15. Oktober: Oberkommando der Heeresgruppe A, Inspektionsreiese an Südabschnitt der russischen Front.

1943, Januar: Tod des Vaters, Aufenthalt in Deutschland
          Februar: Rückkehr nach Paris.

1944, 1. Mai: Stab für landeseigenen Hilfskräfte
          13. August: letzter Tag in Paris.
          27. Oktober: Entlassung aus dem Heeresdienst.

1945, Kommandeur des Volkssturm im Kreis Burgdorf, verhindert Widerstand gegen alliierte Truppen.

1945 bis 49, Publikationsverbot durch britische Besatzungsmacht.


Quellen:

Bibliographie der Werke Ernst Jüngers, Horst Mühleisen, Klett-Cotta, 1996

Ernst Jünger : eine Bibliographie / Karl O. Paetel. - Stuttgart : Galerie Lutz u. Meyer, 1953


So, mehr war nicht zu finden. Kann jemand etwas zur Welfen-Partei sagen? Zur Spange zum Eisernen Kreuz zweiter Klasse? Also wieso zweiter Klasse? Er hatte doch das erster Klasse. Und zum Ritterkreuzes des Königlichen Hausordens von Hohnezollern mit Schwertern?

Gruß, Nightwish

steffen04


30.5.2006 18:29:40
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Welfenpartei: inoffizielle Bezeichnung für die Deutsch-Hannoversche Partei. 1866 nach der Einverleibung Hannovers in Preussen gegründet, strebte die Wiedererrichtung des Königreich Hannovers an, nach 1919 die Gründung eines Landes Niedersachsen. Löste sich 1933 auf.

Aus: Der große Brockhaus

Grenadier13


31.5.2006 08:20:02
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Hallo Nightwish!

Ernst Jünger hat die Spange zum EK II bekommen, weil er 1914/18 schon das EK II bekommen hat.
Vorraussetzung für die Verleihung der Spange steht in der Neustiftung des EK's vom 1.9.1939.
Dort lautet es unter Artikel 5:

Ist der Beliehene schon in Besitz einer oder beiden Klassen des Eisernen Kreuzes des Weltkrieges, so erhält er an Stelle eines zweiten Kreuzes eine silberne Spange mit dem Hoheitszeichen und der Jahreszahl 1939 zu dem Eisernen Kreuz des Weltkrieges verliehen; die Spange wird beim EK 2 auf dem Band getragen, beim EK I über dem Kreuz angesteckt.

Daraus ergibt sich, dass die Tat nicht für das EK I ausreichte, sondern nur für das EK II und da er es schon im ersten Weltkrieg verliehen bekommen hatte, bekam er die Spange.

Hoffe Dir damit geholfen zu haben.

Vielleicht wissen unsere Ordenexperten noch mehr.

Gruß

Dieter

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31.5.2006 11:39:10
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Ist das Buch "Das Wäldchen 125" eigentlich lesenswert und müßte es damit in meinen Bücherregal stehen?
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Wilden


1.6.2006 16:19:03
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Wieso hatte Jünger denn Publikationsverbot im 3. Reich??

Nightwish


1.6.2006 18:06:48
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Erstmal danke für die Informationen an alle!

@ Grenadier

Nach meinen Quellen hatte er im Ersten Weltkrieg das EK I bekommen, deshalb hatte ich mich gewundert. Aber das liegt wohl daran, dass die Bücher die mir zugänglich sind, von Literaturwissenschaftlern, nicht von Militärhistorikern geschrieben wurden. Auch die Anzahl der Verwundungen differiert.

@ Ingo

Ich kenne es auch nicht, aber es wird in Richtung 'In Stahlgewittern' gehen vermute ich.

@ Wilden

So ganz raus habe ich das auch noch nicht.

Seine Literatur passt sehr gut ins 'Blut&Boden' Bild der Weimarer Republik und des III. Reiches.

In den zwanzigern ist die NSDAP an ihn herangetreten, ob er nicht in einem Wahlkreis für sie kandidieren wolle. Das hat er abgelehnt, angeblich weil sie ihm nicht radikal genug seien. Des Weiteren hat er es wohl auch abgelehnt Bücher im Sinne der NSDAP zu schreiben, weil er sich nicht steuern lassen wollte. Deswegen waren die wohl etwas sauer und haben den Spieß umgedreht und ihn im Völkischen Beobachter verhöhnt.

In Paris hat er dann 'Auf den Marmorklippen' geschrieben, welches von einigen - nicht allen - Literaturwissenschaftlern als Anklage gegen das Regime und 'Friedensschrift' des Widerstandes angesehen wird. Mit einigen Personen im Umkreis des Widerstandes des 20. Juli, hatte er auch Kontakt.

Seine Rolle und seine Position ist sehr umstritten. Schierig zu sagen.

Wenn ich mehr weiß, komme ich wieder 

Nightwish

Nightwish


11.12.2006 20:44:46
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Habe hier ein recht brauchbares Buch gefunden:

Paul Noack: Ernst Jünger - Eine Biographie, Alexander Fest Verlag, 1998

Ich habe es gerade mal quergelesen. Sehr gut geschrieben, relativ ausgewogenen Betrachtungswinkel, vielleicht etwas zu positiv - aber da will ich mich noch nicht festlegen. Im militärischen Bereich etwas zu oberflächlich. Aber die Zeit in Paris wird erhellt.

Viele Grüße, Nightwish

Nightwish


28.10.2006 19:18:56
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... bin wieder da... 


Öhm, habe neue Infos, aber immer noch nicht viel:

Jünger hat die "Marmorklippen" unter dem Schutz der Wehrmacht veröffentlicht, welche relativ offen das Dritte Reich beschreiben, incl. Überwachung und Lagern... Dann hatte er Kontakte zum 'Umfeld' des 20. Juli, kannte aus literarischen Kreisen auch 'Nationalbolschewisten usw., und hat irgendwie den 73. Psalm zitiert (bin nicht bibelfest und muss erst nachschlagen...) und sich beim 'Völkischen Beobachter' beschwert, dass sie ihn zitieren. Der Sache nahm sich dann Freisler (ja, der Freisler) an. Aber ihm konnte nichts 'konkretes' vorgeworfen werden, was damals kein Grund gewesen wäre, es gab immerhin drei Ordner Material über Jünger. Letztlich intervenierte Hitler selbst und es lief auf das Publikationsverbot hinaus. Bis zu dem Zeitpunkt wurden die Marmorklippen im Reich verkauft!

NW

steffen04


29.10.2006 07:06:53
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Jünger war ohne Zweifel ein Kämpfer und Abenteurer im besten Sinne und die "Stahlgewitter" waren auch drittreichtauglich. Aber er war eben auch ein weltläufiger Intellektueller mit besten Kontakten in die europäischen Hauptstädte, Liebhaber von Paris, der französischen Weine und der Frauen.

Mit dem miefigen, aus Furcht vor der Umwelt umsichschlagenden Nationalsozialismus konnte er sicher nichts anfangen.

Nightwish


29.10.2006 14:21:28
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Ja, der Nationalsozialismus war ihm auch zu rückwärtsgewandt. Jünger sah die Zukunft in der Technik, während er mit der vorgeschobenen Romantik der NS-Ideologie nicht viel anfangen konnte. Und ja, er war eher 'Europäer', zumindest in seinem philosophischen denken.

Allerdings muss man auch beachten, dass er seine Werke zum Teil in überarbeiteter Form und passend zur aktuellen Situation veröffentlicht hat. Ist also nicht ganz einfach und pauschal zu beschreiben seine Rolle und einstellung.

Nightwish


29.10.2006 14:23:38
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801 schrieb:
Wisst Ihr, wofür er seinen PlM erhalten hat!?

Finde irgendwie nichts richtiges im Netz...

Gruss

Hannes

Um mal wieder zum Ausgang des threads zurückzukommen:

In der Begründung für den PIM hieß es, dass er sich "als tapferer und rücksichtsloser Führer" hervorgetan hatte.

steffen04


11.11.2006 18:32:22
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Ich habe endlich einmal die Stahlgewitter wieder- und die Marmorklippen gelesen und möchte kurz die Marmorklippen, weil sie hier wohl kein Schwein kennt, vorstellen. Ich glaube, dass ist meine erste Buchbeschreibung seit 25 Jahren!

Jünger beschreibt aus der Perspektive zweier Brüder, die auf den Marmorklippen ihre botanischen Forschungen betreiben (Jünger hat selbst Biologe und Philosophie studiert) die sozialen und politischen Veränderungen ihrer Umgebung.

Von den Marmorklippen sieht man auf die Große Marina, das kulturelle Zentrum der Welt: städtisch, zivilisiert, dem Weinbau zugetan. Umgeben wird die Marina von der Campagna, der Steppe, dem Land der Nomaden und Viehzüchter, dem Land der rauen und harten, oft aber auch grausamen Männer. Und dann gibt es noch die Mauretania, deren großer Wald beherrscht wird vom Oberförster und seinen Förstern, bewohnt von unheimlichen und grausamen Kreaturen.

Vor einigen Jahren hat die Marina ihren Krieg gegen das Alta Plana verloren, und seither ist das alte Gleichgewicht zwischen Marina, Campagna und Mauretania gestört. Die barbarischem Sitten der Campagna finden Einzug in die Stadt und schwächen deren Einheit und Widerstandskraft und die Macht des Oberförsters, der zuerst „jovial und ridikül“ erscheint, wächst.

Bei einer botanischen Exkursion in den Wald stossen die Brüder auf die Schinderhütte des Oberförsters, in der Menschen gefoltert, getötet und von den Waldkreaturen zerstückelt werden. Sie schliessen sich daraufhin dem Widerstand der alten Herrschaft an, symbolisiert durch einen Priester, einen Adligen und einen Offizier, die allesamt scheitern. Es kämpft allein ein Patriarch der Kampagna, aber auch er unterliegt der Übermacht.

Die Brüder fliehen schliesslich mit der Hilfe eines Söldnerführers, der, obwohl zum Oberförster übergelaufen, in ihnen die Waffenbrüder aus dem alten Krieg erkennt, zum ehemaligen Gegner, nach Alta Plana.

Die Erzählung ist stark allegorisch, und es kann wohl unterstellt werden, dass Jünger sich hier nicht nur gegen den Nationalsozialismus, sondern ebenso gegen alle von Kleingeistern getragenen totalitären Regime wendet.  Gleichwohl können sich die Schergen den NS-Regimes hier erkennen und sie werden sich nicht geschmeichelt fühlen. Leicht ist zu erkennen, warum Jünger sich mit den Nazis nicht verstand: es ist der Gegensatz zwischen dem stolzen und kämpferischen Individualisten und dem Rudelvieh, zwischen Wolf und Strassenköter. Jünger schreibt dem Oberförster eine gewisse faszinierende Wirkung zu, die Förster sind ernst zu nehmen, das Großteil seines Gefolges ist aber gesichtsloses Pack, dem nur Abscheu entgegen gebracht wird.

Auch wenn die Nazis die „Stahlgewitter“ mochten, kann man hier m.E. schon die Unverträglichkeit der jüngerschen Ideen mit der NS-Massenideologie erahnen. Jünger beschreibt schon hier vor allem die Gestalt des autonom agierenden Kriegers. Er sucht sich auf seinen Streifzügen durch das Niemandsland zwischen den Gräben immer eine maximale Unabhängigkeit, die schwer zu der Aufmarschästhetik der Nazis passt. Das er von Kriegsbeginn an im Alleingang die Sturmtrupp-Taktik angewandt hat, brachte im letztendlich eher unabsichtlich den PlM ein.

hec801


21.12.2006 19:45:51
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Hallo,

ich habe in der letzten Zeit noch diese Fotos von Jünger das Militär betreffend gefunden:

1. WK



2. WK



Das unten links scheint mit von Stülpnagel zu sein.

Gruss

Hannes

steffen04


2.10.2007 16:20:27
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Es gibt zwei neue Jünger-Biographien zum 10.ten Todestag.

Heimo Schwilk: Ernst Jünger. Ein Jahrhundertleben. Piper, 24,90

Helmut Kiesel: Ernst Jünger. Die Biographie.

Kiesel ist Literaturwissenschaftler. Interessanter ist wahrscheinlich Schwilk: Journalist und Golfkriegskorrespondent, war wohl auch mal Fallschirmjäger. Rezession im neuen Spiegel.

Niwre


2.10.2007 18:12:14
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steffen04 schrieb:
Rezession im neuen Spiegel.

Geht's denen wirklich so schlecht?

steffen04


3.10.2007 16:45:18
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Niwre schrieb:
steffen04 schrieb:
Rezession im neuen Spiegel.

Geht's denen wirklich so schlecht?

Niwre


3.10.2007 19:17:06
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Rezension war gemeint, oder?

steffen04


4.10.2007 11:11:40
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ups, jap, echter Schlauchsteher
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