Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 24.10.2005 bis zum 19.04.2010. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.
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Wilden23.12.2005 13:02:10 Direktverweis | Die Geschichte dürfte bekannt sein. Im 1. WK gingen bei der der Schlacht um Langemarck 1914 die deutschen Regimenter das "Deutschlandlied" singend zum Angriff über. Was waren die Gründe? Wirklich patriotische Begeisterung oder stimmt es wirklich, dass die deutsche Artillerie versehentlich in die eigenen Kolonnen schoss und die Landser deshalb anfingen zu singen, um den Jungs an den Kanonen ihren Irrtum aufzuzeigen. |
waldi4423.12.2005 20:12:22 Direktverweis | Nach dem Scheitern des Schlieffen-Plans hoffte die deutsche Oberste Heeresleitung (OHL), beim "Wettlauf zum Meer" einen Teil der alliierten Truppen durch einen Vorstoß zwischen Lille und der Kanalküste doch noch umfassen zu können. Seit dem 20. Oktober 1914 versuchten die deutschen Truppen immer wieder, die hier noch ungefestigte Verteidigungslinie der Entente zu durchbrechen. Bei diesen Vorstößen wurden in großer Zahl nur unzureichend ausgebildete Reservekorps von jungen Kriegsfreiwilligen, vor allem von Schülern und Studenten, eingesetzt. Dementsprechend hoch war die Zahl der Opfer unter diesen Rekruten. So wurden am 10. November 1914 über 2.000 junge Soldaten bei dem Versuch getötet, nahe der Ortschaft Langemarck eine Hügelkette zu erobern. Die Aufwärtsstürmenden waren für die von oben feuernden Schützen an den Maschinengewehren leichte Ziele und wurden förmlich niedergemäht. Am folgenden Tag betonte der offizielle Heeresbericht, daß die jungen Soldaten mit dem Gesang des Deutschlandlieds die feindliche Stellung angegriffen hätten. Als ”Mythos von Langemarck” wurde die Opferbereitschaft dieser jungen Rekruten überhöht und ihr ”Heldentod” glorifiziert. Mit ”Langemarck” wurde über die Weimarer Republik hinaus an selbstlos heroisches Sterben für Nation und Vaterland appelliert. http://www.dhm.de/lemo/html/wk1/kriegsverlauf/langemar/ Das Langemarck-Denkmal und der Weihestein der Deutschen Burschenschaft Zahlreiche Studenten kämpften im Ersten Weltkrieg, viele fielen. Seit 1919 gedachte die deutsche Studentenschaft in jedem November ihrer Gefallenen, für die das Wort "Langemarck" steht. Der Mythos von Langemarck beruht vor allem auf dem Heeresbericht vom 10./11. November 1914: "Während der Feind unmittelbar an der Küste gegen Lombartzijde etwas Gelände gewinnt und den Ort besetzt, muß er mittags auf der Linie von Dixmuijden dem deutschen Druck weichen. Die Unsrigen stürmen die in einen Trümmerhaufen verwandelte Stadt [...] Weiter westlich dringen sie auf das westliche Ufer des Yser-Kanals vor. Westlich von Langhemarq stürmen unsere jungen Regimenter gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen unter dem Gesange: 'Deutschland, Deutschland über alles' und nehmen sie...". Das Vorwärtsstürmen der national begeisterten Studenten ohne Rücksicht auf die eigenen Verluste machte sie zu Heroen ihrer Zeit, obwohl es auch kritische Stimmen wie die des Alten Herrn Prof. Dr. Dr. Otto Tornau gab. Er sprach von jenen Regimentern junger Studenten "unter der Führung von Reserveoffizieren, die bisher keine Verwendung gefunden hatten und denen jede Erfahrung in der Truppenführung fehlte [...] unter dem Kommando eines Generals, der im Infanterieangriff das entscheidende Mittel der Kriegsführung sah. Bis auf wenige liegen sie alle in Flanderns Erde." Tornau schließt: "Aber mit dem Wort 'Langemarck' haben sie der Nachwelt eine Mahnung hinterlassen, von der man nur hoffen kann, daß sie nie verblaßt." "Langemarck" stand seither ebenso für patriotische Pflichterfüllung der Studenten wie für die Sinnlosigkeit des Krieges. Ungeachtet der Kontroverse, die bald um den genauen Ablauf der Ereignisse von Langemarck entbrannte, führten die Heroisierung des Kriegstodes und das Bedürfnis, die Toten zu betrauern und zu ehren, unmittelbar nach dem Krieg zur Errichtung von Denkmälern, sowohl der Universitäten und Hochschulen wie der Korporationen und ihrer Verbände. 1927 entstand die Idee, die elf Gräberstätten in und um Langemarck zusammenzufassen und ein Denkmal zu errichten, das vom Münchner Architekten Robert Tischler und Prof. Hacker geplant, durch die studentische "Langemarck-Spende" finanziert, zwischen 1930 und 1932 gebaut und am 10. Juli 1932 eingeweiht wurde. Es wurde durch den deutschen Gesandten in Belgien der Obhut der Vertretung der deutschen Hochschüler, der Deutschen Studentenschaft, übergeben und vom Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge unter seinem Vorsitzenden Siegfried Emmo Eulen (Mitglied der Burschenschaft Teutonia Freiburg) gepflegt. http://www.burschenschaft.de/langemarck/langemarck.htm Und hier sagt Wiki seine Meinung: http://de.wikipedia.org/wiki/Mythos_von_Langemarck |
Wilden23.12.2005 20:26:52 Direktverweis | @Waldi Danke für die Mühe, aber das war mir alles dank google auch bekannt. Ich will herausfinden, ob das mit der Artillerie eine Lüge ist oder nicht. ![]() |
waldi4424.12.2005 13:11:56 Direktverweis | Hab mich schon gewundert ! Herausfinden? Wie ?Man wird sicher Literatur finden, die das eine glaubhaft behaupten und solche, die nicht minderglaubhaft alles ins Reich der Phantasie verweisen. Es werden sich sicher oder auch nicht, Berichte von Augen- Ohrenzeugen finden, die beide Versionen beeiden konnten. Da es sich aber eindeutig um Schüler, Studenten und Einjährigenfreiwilligen handelte, die auf unverantwortlicher Art und Weise regelrecht verheizt wurden, ist es durchaus denkbar, dass sie in jugendlichem Patriotismus oder aus purer Angst und Verzweiflung das Deutschlandliked angestimmt haben. Es gibt aus der deutschen Seefahrt eine überlieferte Episode- will jetzt aber nicht das Buch raussuchen- in der am Ende des 19. Jahrhunderts ein Segelschiff seiner Majestät im Sturm auf ein Riff lief und langsam unterging. Die Überlebenden, haben angesichts des nahenden Todes ebenfalls das Deutschlandlied angestimmt, nicht wissend, dass Rettung nahte und somit auch nicht wissend, dass ihr Verhalten irgend jemanden zur Kenntnis kommen würde! |
Jan-Hendrik24.12.2005 13:22:52 Direktverweis | War des zufällig irgendwo in der Ecke chinesische Küste ? Jan-Hendrik |
waldi4424.12.2005 13:27:19 Direktverweis | Ich glaube ja. Wollte es nur nicht posten, weil ich mir nicht sicher war ! |
Wilden25.12.2005 01:59:47 Direktverweis | Jan-Hendrik schrieb:Laut der mir vorliegenden Quelle war das das deutsche Kanonenboot "Iltis" unter Kapitänleutnant Braun, das am 23. Juli 1896 an der ostchinesischen Küste in einen Taifun geriet und sank. Braun soll mit den Worten: Seine Majestät der Kaiser lebe, hurra hurra hurra" untergegangen sein. Ich würde aber die Seriösität der Quelle zur Diskussion stellen. Es handelt sich um ein Heft der Reihe "nl-konkret" aus dem Verlag Neues Leben Berlin, DDR, 1985: Hermann Langer, Schulfrei für den Tod (Jugend unter Pickelhaubne und Stahlhelm). Aus dem gleichen Heft habe ich auch die Artillerie-Story zu Langemarck. |
Jan-Hendrik25.12.2005 15:34:26 Direktverweis | Hab ich aber damals och gelesen , weiß alledings nicht mehr genau in welchem Buch ( meine Beschäftigung mit der Kaiserlichen Marine liegt schon etwas zurück ...) . Jan-Hendrik |
waldi4425.12.2005 16:26:40 Direktverweis | Ich habe das erst vor kurzem gelesen und es bezog sich auf die ganze überlebende Bestzung, die auf den Wrackteilen schwamm. Sie sangen wohr:"Stolz weht die Flagge schwarz-weiß-rot..." anderswo stand was vom "Deutschlandlied". Die Frage drehte sich ja auch um den Fakt, ob es soetwas wie man Langemarck nachsagt, tatsächlich gab. Anscheinend ja, aber auch wieder mit unterschiedlichen Facetten. Grundsätzlich kann man wohl sagen, dass es solcherart Gefühlsausbrüche gab, aus welchen Gründen auch immer- allerdings scheint den Soldaten im 2. WK die Lust bei solchen Anlässen zu singen, vergangen zu sein. Dafür gab es heroische, aber auch oft zweifelhafte Funksprüche....(Zeifelhaft, ob es sie gab und wenn ja, wie der wahre Wortlaut war.) Naja, die Zeiten ändern sich eben ! |
Richtschuetze27.12.2005 07:50:22 Direktverweis | War da nicht auch was mit einem berühmten Gemälde?Wo ein deutscher Matrose als letzter auf seinem Schiff den angreifenden Engländern die Reichskriegsflagge entgegen hält!(sollen aber in wirklichkeit drei Mann gewesen sein!)Bei den Falklands? Gruss |
bani27.12.2005 10:02:40 Direktverweis | BITTE LÖSCHEN |
bani27.12.2005 10:03:17 Direktverweis | DER LETZTE MANN beliebtes Motiv für patriotische Karten |
Zerstörerfahrer27.12.2005 10:59:39 Direktverweis | Richtschuetze schrieb: Das entspricht fast der Wahrheit. Es war in der schlacht bei den Falklands. Nach britischen Beobachtungen und Berichten hielten auf der sinkenden "Nürnberg" eine zeitlang vier Männer an einer Stange eine Bootsflagge hoch. Als die Flagge später weggeschossen wurde, wurde am Kutterdavit eine neue ausgebracht, und schließlich hielten vier Mann die Flagge an einer Stange hoch, während das Schiff unter ihren Füßen in die Tiefe glitt. Der erste Offizier der Kent äußerte später: "Ich wollte, meine Leute würden so heldenhaft zu sterben wissen, wenn es mal zum letzten Augenblick käme." Nur 7 von 327 Mann wurden gerettet. Und nun das Bild dazu. ![]() "Der letzte Mann" Gemälde von Prof. Bohrdt auf einer zeitgenössischen Postkarte Das Gemälde selber gilt seit 1916 als verschollen. Quelle : kaiserliche.marine.de |
Ronny2211.1.2006 11:59:43 Direktverweis | Mal wieder zurück zum Thema: Buchtip: "Langemarck" von Karl Unruh ISBN: 3-7637-5949-2 Erschienen bei Bernar d& Graefe Verlag Hab das Buch daheim und erzählt die ganze Geschichte und räumt mit Mythen auf. ![]() |
waldi4411.1.2006 12:54:20 Direktverweis | Ronny22 schrieb: Prima! Aber bevor ich mir das Buch kaufe, vertraue ich dir: Mit welchem Mythos wird nun aufgeräumt ? |
Ronny2211.1.2006 14:43:26 Direktverweis | waldi44 schrieb:Ronny22 schrieb: Na denn... Am 11. November 1914 gab die deutsche Oberste Heeresleitung (O.H.L.) bekannt: "... westlich Langemarck brachen junge Regimenter unter dem Gesange 'Deutschland, Deutschland über alles' gegen die erste Linie der feindlichen Stellungen vor und nahmen sie. Etwa 2000 Mann französischer Linieninfanterie wurden gefangen genommen und sechs Maschinengewehre erbeutet"... Der Mythos 'Langemarck' war geboren. Er lebte während des ganzen Ersten Weltkrieges; er wirkte fort als deutsche Heldensage bis tief in den Zweiten Weltkrieg hinein; er begeisterte die deutsche Jugend - besonders die Studentenschaft - in den 30er Jahren aber er fügte sich auch lückenlos in das Vokabular des Reichspropagandaministeriums ein. Karl Unruh, Frontkompaniechef des 2. Weltkriegs, stellt hier ohne Rücksicht auf überkommende Traditionen dar, was Legende, was Wirklichkeit im Spätherbst 1914 in der großen Schlacht in Flandern gewesen ist. .... Langemarck-Bücher, Langemarck-Feiern, nationalistisches Geschrei "Die Jugend von Langemarck" haben lange Zeit das wirkliche Geschehen von damals überdeckt. Die, die Langemarck zu verantworten hatten, die sonnten sich im Nachhinein im "Mythos Langemarck"; damit aber hat der Autor gründlich aufgeräumt. In jahrelangen Vorarbeiten hat er sich mit belgischer, französischer, englischer und deutscher Literatur, insbesondere aber mit über 40 Regiments- und Bataillonsgeschichten auseinandergesetzt. Dieses erregende, ergreifende "Buch der bitteren Wahrheit" wird zum Nachdenken anregen, aber auch kontroverse Diskussionen auslösen. |
matthias_AC18.4.2006 16:32:13 Direktverweis | sehr interessant! jetzt weiss ich auch endlich woher die gleichnamige ss-freiwilligendivision ihren namen hat!! danke! |
waldi4415.2.2008 21:39:42 Direktverweis | Wilden schrieb: Was lange währt wird gut ! Nun habe ich zumersten Mal genau diese These in einem Geschichtsheft ( G Spezial) gelesen, das eben genau das sich so abgespielt hat. Eine variante der Ereignisse! Arnold Vieth beschreint in seinem Buch "Krieg", die geschilderten Ereignisse:![]() http://www.amazon.de/Krieg-Ludwig-Renn/dp/3360009762 |