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Übersicht über Germanisch-Römische Schlachten gesucht

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AutorBeitrag

Ronny22


14.6.2006 10:06:09
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Also ich suche eine Übersicht im Netz oder eine Buchempfehlung...


über die Schlachten die die Römer und Germanen innerhalb Germaniens bzw. an den Grenzen schlugen. Und die Hauptschlachten die dann bei den Feldzügen nach Rom hinein geschlagen wurden.

Was mich interessieren würde, wäre Ort und Ausgang sowie welche Stämme daran beteiligt waren und welche römische Kräfte ihnen gegenüber standen.

Ronny22


14.6.2006 10:13:56
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Ok also eine hab ich schonmal gefunden....aber eine Komplette-Übersicht über alle Schlachten wäre sehr wünschenswert! 


Schlacht bei Noreia

Im Jahre 113 v. Chr. tauchten die Kimbern und Teutonen auf der Suche nach einer neuen Heimat in Kärnten, bei Noreia, in der Nähe des Römischen Reiches auf. Das Land das sie hier fanden war fruchtbar und reich an Rohstoffen wie Eisen und Gold. Die Römer fühlten sich bedroht, der Konsul Carbo ließ die Alpenpässe besetzen, um die Germanen am Durchmarsch nach Italien zu hindern.


Bei Verhandlungen bot Carbo ihnen Führer an. Die aber sollten die Kimbern und Teutonen in einen Hinterhalt locken. Die kampferfahrenen Legionen glaubten leichtes Spiel mit den naiven Barbaren zu haben. Aber die Germanen siegten in der Schlacht bei Noreia. Zersprengt flüchteten die Römer in die Wälder. Ausgerechnet ein Gott der Barbaren aber kam den Römern zu Hilfe. Furchtlos seien die Germanen, nur Blitz und Donner fürchteten sie panisch, sie hatten Angst, ihr Gott Donar ließe den Himmel auf sie einstürzen. Wegen der göttlichen Zeichen ließen sie von den geschlagenen Legionen ab. Rom entging nur knapp einer kompletten militärischen Katastrophe.

Rom fürchtete ab sofort die Wilden aus dem Norden. Der römische Schriftsteller Diodor berichtete über die germanischen Recken.

Der modernen Anthropologie reicht schon ein Knochen vom Oberschenkel oder Oberarm um die Größe eines Menschen bis auf wenige Zentimeter genau festzustellen. Das Ergebnis hunderter Skelettuntersuchungen zeigte: Viele Germanen hatten einen robusten Körperbau und waren großgewachsen. Die Kimbern maßen im Durchschnitt 1,74 Meter, etliche waren entschieden größer. Damit überragten sie die eher kleinwüchsigen Römer nicht selten um Haupteslänge.

Dazu kam ein weiteres Erschrecken der Römer: Noch lange fürchteten sie den Furor Teutonicus, das Wüten der Germanen.

Zitate der Antike:

    * Im Kampf jubelten sie, weil sie hofften, das Leben auf ruhmvolle und beglückende Art verlassen zu dürfen.
    * Mit der Schnelligkeit und Gewalt eines Feuersturms griffen sie an: Tollkühn und unerschrocken, mit tierischen Stimmen und furchtbaren Schreien.

Den Schauplatz der Schlacht haben Archäologen in der Nähe des Magdalensberg in Kärnten lokalisiert. 18 schon in der Antike äußerst wertvolle Bronzehelme wurden in einem Versteck in den Alpen gefunden, vielleicht Beutegut der Kimbern und Teutonen? Auf einem dieser Helme, dem sogenannten Helm B (heute im Kunsthistorischen Museum in Wien) fand sich das älteste erhaltene germanische Schriftdokument. Von rechts nach links konnte entziffert werden: HA-RI, GAS - TI, TEIVA . Die Sprache ist eindeutig germanisch. HARI ist germanisch das Heer, GASTI ist der Gast. Mit TEIVA könnte "dem Göttlichen" gemeint sein, ein germanischer Kriegsgott.



Nachtrag:

Während die Kimbern in der Nähe von Noreia rasteten, griffen zwei römische Legionen mit einer Stärke von 12.000 Mann an. Sie wurden in der darauf folgenden Schlacht von den Germanen vernichtend geschlagen. Nur ein einsetzendes Gewitter konnte das römische Heer vor der totalen Vernichtung retten: Aus Angst, der Gott Donar könnte den Himmel einstürzen lassen, fliehen die Germanen. Historische Quellen hierfür sind insbesondere Appian und Strabo.


Darauf zogen die Kimbern, Teutonen und Ambronen nach Gallien, wo sie 109 v. Chr. nahe der italienischen Grenze wiederum siegreich waren, diesmal gegen Marcus Iunius Silanus. Die Tiguriner, ein helvetischer Stamm, der sich ihnen angeschlossen hatte, schlugen 107 v. Chr. die Römer unter Lucius Cassius Longinus. 105 v. Chr. folgte ein weiterer Sieg gegen Servilius Caepio in der Nähe von Arausio (Orange).

Eine mehrere Jahre dauernde Wanderung nach Westen brachte die Stämme bis auf die iberische Halbinsel, bevor sie sich wieder Richtung Italien wandten. Hier trennten sich die Teutonen und Ambronen von den Kimbern. Erstere zogen von Westen, letztere von Norden nach Italien ein. Dieser Einfall sollte das Schicksal der Stämme besiegeln. 102 v. Chr. wurden die Teutonen (unter Teutobodus oder Teutobuches) und Ambronen von Marius bei Aquae Sextiae (heute Aix-en-Provence) besiegt, 101 v. Chr. unterlagen die Kimbern (unter Boiorix) in der Poebene bei Vercellae den Truppen des Marius und denen des Quintus Lutatius Catulus.


Quelle: Wikipedia.de

waldi44


16.6.2006 14:29:22
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In der Zeit der Völkerwanderung folgte ja eine Schlacht nach der anderen. Aber die Römer hatten gelernt und gaben den landsuchenden Germanen Grenzländer zur Besiedlung, so dass oft Germanen unter römischen Befehl gegen Germanen die gegen Roms Grenzen anrannten, kämpften.

bani


16.6.2006 18:45:06
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Zu dem Thema gab es eine eigentlich ganz gute aber - wie üblich - zig mal wiederholte mehrteilige Doku.
Lief im Verlauf des letzten Jahres auf mehreren ARD-Sendern.

Die Römer hatten nach der heftigen Niederlage eine Heidenangst vor den Timbern und Teutonen.
So richtig konnten sie das nie verkraften und haben immer nach Möglichkeiten der Rache gesucht.
Diese boten sich dann ja endlich, als die Stämme sich trennten und daraufhin ausgelöscht wurden.

merlin61


16.6.2006 20:19:06
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Also die - zumindest für das spätere Teutsche-Land - wichtigste Schlacht, düfte wohl jene im Teutoburger-Wald gewesen sein
... und diese sollte deshalb in einem Deutschen Forum auch als eine der Ersten erwähnt werden.


Hermann


Der Cheruskerfürst Armin, römisch Arminius, wurde im Jahre 17 vor Christus als Sohn des Cheruskerfürsten Segimer geboren.

Armin einigte die germanischen Stämme und führte sie mit überwältigendem Erfolg gegen die verhasste Besatzungsmacht der Römer.
In einer dreitägigen Schlacht im Teutoburger Wald kam es zur Vernichtung des gesamten römischen Besatzungsheeres von 3 Legionen und 6 Hilfskontingenten,
insgesamt wohl annähernd 25.000 Mann. Allein einem Teil der Reiterei gelang es, das Kastell Aliso an der Lippe (das heutige Haltern/Westf.) zu erreichen.
Varus und viele seiner Offiziere begingen noch während der Schlacht Selbstmord.

Die von den Römern als Feldzeichen geführten Legionsadler wurden von den Germanen als Trophäen erbeutet.


Wie konnte es dazu kommen?

Als Kommandeur germanischer Hilfstruppen genoss Arminius in der Umgebung des Varus volles Vertrauen.
Dies hat ihm die Vorbereitung und Durchführung der Vernichtung des Besatzungsheeres sicherlich erleichtert.
Über die tatsächliche Rolle des Arminius bei der Erhebung der Germanen gegen die Römer ist bis heute in der
historischen Forschung keine endgültige Klarheit und Einmütigkeit erzielt worden.
Während die einen in ihm einen Volksfürsten sehen, der erstmalig einen Teil der germanischen Stämme zum
Abwehrkampf gegen die römische Fremdherrschaft vereinte, so meinen andere, in Arminius den Anführer einer
Offiziersrevolte erkennen zu können, der danach trachtete, seine persönliche Machtstellung zu vergrößern.


Der römische Historiker Tacitus nannte den Arminius 100 Jahre später »Liberator Germaniae«, den »Befreier Germaniens«.

In römischen Diensten erlernte Armin das Kriegshandwerk. Er war römischer Bürger und Ritter.
Im Jahre 7 nach Christus kehrte er in die Heimat zurück. Es gelang ihm, die zerstrittenen germanischen Stämme zu bewegen,
ihre Streitigkeiten zurückzustellen und sich gegen die römische Fremdherrschaft zu verbünden.
Im Herbst des Jahres 9 nach Christus, als die römischen Truppen von der Weser zurück ins Winterlager nach Aliso an der Lippe ziehen wollten,
hatte Arminius dem Feldherrn Publius Quinctilius Varus "verlässliche" ortskundige "Pfadfinder" zur Verfügung gestellt.
Diese führten das schwerfällige Heer von 3 Legionen, zusätzlicher Reiterei und dem gesamten Troß durch völlig unübersichtliches, sumpfiges Waldgebiet.
(Einfühlsam dargestellt in Heinrich von Kleists »Die Hermannsschlacht«)

In dieser Situation war das auf Ordnung getrimmte römische Heer äußerst verwundbar, und die Germanen mit ihrer unkonventionellen, flexiblen Kampfweise -
ausweichen, um sich schnell wieder zu neuem Angriff zu formieren - konnten in dem ihnen vertrauten Gebiet ihre Trümpfe voll nutzen.
Heute bezeichnen wir so etwas als Partisanentaktik. Das Ergebnis ist bekannt, siehe oben.

[...]

Quelle: Hermann im Skadi-Forum (... da der direkte Link dahin hier *gesperrt* ist - warum auch immer)
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