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Im Kaiserreich dachte man noch an die Rentner...

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AutorBeitrag

The Real Blaze


15.1.2006 14:30:26
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Weil die Rentenkassen leer sind, die Deutschen immer länger leben hat man beschlossen das Rentenalter von 65  auf 67 zu erhöhen...

"Wie die Financial Times Deutschland (FTD) berichtet, wird das Renteneintrittsalter schrittweise erhöht. Die Zielmarke von 67 Jahren soll im Jahr 2035 erreicht werden. "

Nun es ist noch ziemlich weit weg, dieses 2035. Aber es gab noch Zeiten, wo es gerade andersherum lief und das mitten im Krieg! Also da wo der Staat von gewaltigen Kriegsanleihen belastet war.

15.1.1916: Der Deutsche Reichstag beschließt die Herabsetzung des Rentenalters von 70 auf 65 Jahre.

Na wie kann man das heute erklären? Ist es so ,daß viele Männer weil sie gefallen waren,  als Rentner ausfielen? Oder war das Finanzsystem des Kaiserreichs trotz des Krieges gesünder als heute? Nach dem Krieg war die Finanzlage durch den Reperationsdiebstahl ruiniert, aber am Rentenalter machte man trotzdem nicht mehr herum. Also mir kommt das so vor, daß man damals irgendwie besser rechnen konnte ,als heute. Gab es eigentlich vor dem 1.Weltkrieg eine Staatsverschuldung und wenn ja wie hoch war die?

waldi44


15.1.2006 15:03:20
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Mal eine Gegenfrage: Wie alt wurde 1916 der Durchschnittsarbeiter und was bzw wo wollte man damals eigentlich einen 7o jährigen beschäftigen. Ich denke fast, die Auswirkungen des beginnenden industriellen Zeitalters waren es, die eine Senkung des Rentenalters aus mehreren Gründen einfach notwendig machten und dann müsste man eventuell auch die Renten miteinander vergleichen, denn ich glaube nicht, dass ein Rentner damals auch nur halbwegs vernünftig von seiner Rente leben konnte!
Damals lebte man meistens aber im Familienverband und die Rente war lediglich ein "Zubrot"! Ausserdem denke ich, dass genau wie die Einführung der Rente durch Bismarck, politische Gründe in Bezug auf die SPD und andere linke Strömungen eine wesentliche Rolle spielten. Gerade im Krieg, wo man auf das Wohlwollen seines Volkes angewiesen war.
Allerdings verdoppelte sich dadurch die Zahl der Rentenansprüche, was nach dem Krieg zur ersten Rentenkrise führte, die dankbar von den Nazis als Wahlkampfhilfe angenommen wurde, ähnlich wie Inflation und Arbeitslosigkeit!

Rote Garde


15.1.2006 16:11:15
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Jipp, dazu kamm noch wer ein hart Arbeiternder Fabrik Arbeiter war wurde nicht mal 70, die lebens umstände waren sehr schlecht, in den Fabriken Städten man wohnte in 4 Zimmer mit 10 bis 12 Personen!


Die industrielle Reservearmee
Durch das Überangebot an Arbeitskräften (die „industrielle Reservearmee“) konnten Unternehmer die Löhne bis unter das Existenzminimum drücken. Der Grund der Unternehmer war auch die große Konkurrenz, der Preiskampf und Investition in technische Erneuerungen. Arbeiter die murrten oder arbeitsunfähig waren, wurden sofort durch andere ersetzt, die oft schon vor den Fabriktoren um Arbeit bettelten. In englischen Industriestädten betrug die durchschnittliche Arbeitsfähigkeit etwa 15 Jahre. Das Durchschnittsalter der Industriearbeiter in Manchester lag bei nur 18 Jahren.

Es herrschte ebenso strenge Arbeitsdisziplin – zum Beispiel wurde Lohn um einen halben Tageslohn gekürzt bei zehnminütigem Zuspätkommen. Ebenso musste bei fehlerhafter Ware Strafe gezahlt werden. Es gab auch keine Altersversorgung, Unfallversicherung, Schutz gegen Willkür der Unternehmer. Die staatliche Obrigkeit griff in die „freie Wirtschaft“ sozialpolitisch nicht ein – und wenn, dann kamen Polizei und Militär nur dann zum Einsatz, wenn es Arbeiterunruhen und Hungerdemonstrationen niederzuschlagen galt.

Die Arbeitsbedingungen waren schwer: Verlängerung der täglichen Arbeitszeit (bis zu 18 Stunden), keine Sonntagsruhe, katastrophale hygienische Zustände, unzureichende oder fehlende Sicherheitsvorkehrungen (Transmissionsbänder der Dampfmaschinen waren eine große Gefahrenquelle).

Die Wohnungssituation
Durch das Wachstum der Städte wuchs auch die Wohnungsnot. Es wurden in der Nähe der Fabriken oft Holzbaracken errichtet, in denen Arbeiter eng zusammengepfercht Unterschlupf fanden – sie mussten froh sein, überhaupt ein Dach über dem Kopf zu haben – egal ob in alten, verfallen Häusern, Kellern oder Dachböden. Zum Beispiel sollte es laut einem Prediger in Ostlondon nicht ungewöhnlich gewesen sein, dass zu 10 Personen auf 14m² wohnten. Es fehlten in diesen Elendsquartieren auch an Wasser- und Abwasserleitungen (für mehr als hundert Menschen gab es nur eine Toilette). Später wurden für die Arbeiter massiver gebaute, mehrgeschossige Zinskasernen errichten – zu hohen Mieten und mit schlechtem Komfort: Wasser und Klosett gab es für alle gemeinsam am Gang ; die feuchten Räume hatten nur kleine Fenster und selten eine Heizung, aber besaßen schon Gasbeleuchtungen. Die Wohnungsknappheit verursachte ein übermäßiges Ansteigen der Mietzinse, die bis zu ¾ des Lohns ausmachten. Deshalb wurden Betten oft mit einer zweiten Person geteilt – außerdem wurden diese mit anderen abwechselnd benutzt – wie in der Fabrik im Schichtbetrieb. Erst um die Jahrhundertwende wurde das Wohnungselend von Politikern und Zeitungen öffentlich angeprangert.

Grüße
Gardi

The Real Blaze


15.1.2006 16:54:38
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dann müsste man eventuell auch die Renten miteinander vergleichen, denn ich glaube nicht, dass ein Rentner damals auch nur halbwegs vernünftig von seiner Rente leben konnte!


Arbeitersiedlung 1905

Man kann die Renten auch nicht vergleichen, weil   u.a. der Lebensstandart damals niedriger war. Fakt ist aber ,daß man das mitten im Krieg tat und das hat nicht nur mit dem beabsichtigten Wohlwollen zu den deutschen Arbeitern zu tun, sondern auch ob man das auch finanziell kann.
Und das nach 17 Monaten Krieg...
 Hat man also deshalb  Schulden gemacht, oder war die Finanzlage so günstig?

Rote Garde


15.1.2006 17:16:53
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@The Real Blaze

Man kann die Renten auch nicht vergleichen, weil   u.a. der Lebensstandart damals niedriger war. Fakt ist aber ,daß man das mitten im Krieg tat und das hat nicht nur mit dem beabsichtigten Wohlwollen zu den deutschen Arbeitern zu tun, sondern auch ob man das auch finanziell kann.
Und das nach 17 Monaten Krieg...
Hat man also deshalb  Schulden gemacht, oder war die Finanzlage so günstig?
Versuchst du selber auf deine Beiträge zu Antworten ?

Nein es hat auch nichts mit wohl wollen der Parteien zu tuhn, sondern eher damit, das mann die Arbeiter ruhig stellen wollte!
Die Finanzlage war führ Deutschland im WWI nicht sonderlich gut, siehe Arbeiter Aufstände im Jahr 1917-18 der schließlich in einem Putsch endete, weil sie immer mehr überstunden bei schlechtem Lohn machen sollten!
 
Mann macht doch lieber erst mal schulden um das Volk ruhig zu stellen, da mann noch nicht so Propagandistisch hoch gerüstet war, wie im WWII es gab zu dieser Zeit keinen mehr der sich führ die Arbeiter einsetzte, wie Gewerkschaften oder andere Organisationen.
Wer nicht arbeiten wollte kam an die Front!


Grüße
Gardi

The Real Blaze


15.1.2006 18:39:02
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Versuchst du selber auf deine Beiträge zu Antworten ?

Nein es hat auch nichts mit wohl wollen der Parteien zu tuhn, sondern eher damit, das mann die Arbeiter ruhig stellen wollte!
Die Finanzlage war führ Deutschland im WWI nicht sonderlich gut, siehe Arbeiter Aufstände im Jahr 1917-18 der schließlich in einem Putsch endete, weil sie immer mehr überstunden bei schlechtem Lohn machen sollten!

Wo antworte ich auf meine Fragen??? Ich bin auf Waldis Antwort eingegangen!

Arbeiteraufstände wegen Überstunden???  1918 ging man nicht wegen zuviele Überstunden auf die Straße, sondern hauptsächlich um das vorhandene System zu stürzen und den Boden für eine bolschewistische Räterepublik zu bereiten(im Bolschewismus waren Überstunden auch kein Fremdwort!). Eine Antwort ob man deffinitiv Schulden gemacht hat, um diese Rentenentscheidung mitten im Krieg zu finanzieren ist das jedenfalls auch nicht. Und wenn du über die Finanzlage sprichst und sie pauschal als "schlecht"  bezeichnest, hast du doch sicher auch Zahlen parat, oder?

Rote Garde


15.1.2006 19:58:49
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@The Real Blaze

Fakt ist aber ,daß man das mitten im Krieg tat und das hat nicht nur mit dem beabsichtigten Wohlwollen zu den deutschen Arbeitern zu tun, sondern auch ob man das auch finanziell kann.
Und das nach 17 Monaten Krieg...
In dem du das so hinstellst könnte mann meinen, der Staat war Finanziell in der Lage, die Renten zu erhöhen, aber ich dachte das ist deine Frage?


Um es zu belegen;                     
1914
Betrag in  Millionen              Steigerung Gesamt in % gegen Vorjahr
Mark                                   
bzw. Reichsmark
16715                                     221,32
_____________________________________________________
1915

39496                                     136,29
_____________________________________________________
1916

68877                                      74,39
_____________________________________________________
1917

104945                                    52,37
_____________________________________________________
1918

156092                                    48,74

Die Schulden stiegen bis 1918!
Das Rentenalter wurde herabgesetzt, aber mußte zusätzlich aus der Staatskasse bezahlt werden, was eine zusätzliche belastung war!

Zu dem Beschluß die Renten alter herab zu setzten;
Ich habe das Datum 1914 gefunden!
Zitat;

Francke verlangt - unter Zustimmung der Teilnehmer - die Senkung des Rentenalters auf 65 Jahre, die Behebung der Wohnungsnot, eine Arbeitslosenversicherung im Rahmen einer umfassenden Arbeitsmarktpolitik, ein Reichseinigungsamt, ein tarifpartnerschaftliches Arbeitsrecht, die Sicherung des Koalitions- und Vereinsrechts und ein unbehindertes Streikrecht.

Die Gewerkschaften forderten es schon lange, und könnten es als druck mittel benutzt haben!
Es kann sein, das mann es 1914 beschloß und im Gesetzt Festlegte, aber erst 1916 zur durchsetzung des Gesetzes kam.
http://library.fes.de/fulltext/bibliothek/tit00148/00148042.htm


Grüße
Gardi


The Real Blaze


15.1.2006 22:50:33
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Das Rentenalter wurde herabgesetzt, aber mußte zusätzlich aus der Staatskasse bezahlt werden, was eine zusätzliche belastung war!

Tja das war auch mein Verdacht, daß es eine zusätzliche Belastung war. Dazu kam aber sicher auch, daß zu diesem Zeitpunkt auch nicht mit einer Niederlage gerechnet wurde. 

Rote Garde


15.1.2006 23:08:04
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Ja ich denke mann dachte tatsächlich mit Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich könnte mann den Krieg gewinnen!

Da werden gerne schon Gesetze gemacht weil mann glaubte zu gewinnen.
Was ja auch bis 1917 der fall war, warum die Habsburger verloren weiß ich bis heute nicht wirklich, es waren ja im gegen satz zu den Türken gute Soldaten!

waldi44


16.1.2006 12:18:55
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Ich bleib dabei, dass es sich um eine eher politische als humanitäre Geste handelte, denn schon 1916 war absehbar, dass der Krieg anders verfief, als man 1914 hoffte!

Die Habsburger und gute Soldaten? Das mag vielleicht für die Östereicher und eventuell Ungarn zutreffen, aber da gab es ja noch ein Dutzend anderer Völker im habsburger Reich und Heer!

The Real Blaze


16.1.2006 22:00:34
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Bin ich nicht der Meinung. Januar 1916 da waren die (nachweißlich sinnlosen) Schlachten von Verdun noch nicht geschlagen.  Man hatte schon noch Grund optimistisch zu sein(die Mehrheit, davon viele Politiker die von der wirklichen Kriegslage keine Ahnung hatten). Ständig gab irgendwelche Debatten ,um Kriegsziele. Mal ohne Annexionen, dann wieder mit. Und mitten drin in der Euphorie kam das Herabsetzen des Rentenalters um fünf Jahre. Ob nun mehr politisch, als humanitär ist mal dahin gestellt. Fakt ist man schaute eben noch optimistisch in die Zukunft und glaubte es sich leisten zu können. Mitte 1918 wäre das niemand mehr eingefallen.
Im Endeffekt ging es aber die betroffenen älteren Deutschen aber durch diese Rentenentscheidung besser als vorher.(auch wenn es insgesamt  "Pillepalle Beträge" waren)

Ach ich denke das KuK Heer hatte  an sich schon sehr gute Regimenter. Die deutschen, kroatischen und ungarischen waren die schlagkräftigsten. Die Tschechen neigten stark zum überlaufen(was sie auch reichlich taten)

oklaf


31.1.2006 21:12:15
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Rote Garde schrieb:
Ja ich denke mann dachte tatsächlich mit Österreich-Ungarn und das Osmanische Reich könnte mann den Krieg gewinnen!

Da werden gerne schon Gesetze gemacht weil mann glaubte zu gewinnen.
Was ja auch bis 1917 der fall war, warum die Habsburger verloren weiß ich bis heute nicht wirklich, es waren ja im gegen satz zu den Türken gute Soldaten!



So so...waren die Türken also Feiglinge? Ich denke da gerade an Gallipoli...fragen Sie nach bei Ihrem netten Australischen oder Neuseeländischen Gefallen um die Ecke...

waldi44


1.2.2006 15:21:12
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Gallipoli war nicht ein Sieg der "tapferen" Türken, sondern eine Niederlage der unfähigen britischen Befehlshaber und der Unerfahrenheit der australischen und neuseeländischen Soldaten! Die Unfähigkeit vieler britischer Offiziere und deren Standesdünkel kostet nicht nur auf Gallipoli vielen eigenen Soldaten das Leben.

http://www.westfront.de/gallipol.htm

The Real Blaze


1.2.2006 22:01:20
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Gallipoli war nicht ein Sieg der "tapferen" Türken

Nun genauer wirds, wenn man formuliert "war nicht nur ein Sieg der tapferen Türken(wenn sie nicht tapfer gewesen wären, hätten dort keine Türken gehalten und die Briten wären bis Konstantinopel marschiert). Wie unfähig die Briten waren muß man nicht herausstellen, weil die Sache von oben vermurkst wurde--->Churchill. Dazu kamen noch die Versenkungserfolge von U21 unter Otto Hersing.

oklaf


2.2.2006 08:49:06
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waldi44 schrieb:
Gallipoli war nicht ein Sieg der "tapferen" Türken, sondern eine Niederlage der unfähigen britischen Befehlshaber und der Unerfahrenheit der australischen und neuseeländischen Soldaten! Die Unfähigkeit vieler britischer Offiziere und deren Standesdünkel kostet nicht nur auf Gallipoli vielen eigenen Soldaten das Leben.

http://www.westfront.de/gallipol.htm


Alles etwas zuviel schwarz-weiss Malerei...

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2.2.2006 16:10:13
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Also, das muß man auch sagen die Türken hielten doch da sehr tapfer stand! Allein schon der Artelleriebeschuß aus den schweren Schiffsgeschützen hätten so manch anderen "arabischen Helden" zum Laufen gebracht !
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