Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 24.10.2005 bis zum 19.04.2010. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Leopld II. und der Kongo.

zurück zur Forenübersicht
AutorBeitrag

waldi44


8.5.2009 17:53:13
Direktverweis
Neulich kam im ZDF ein bemerkenswerter Bericht über den belgischen König Leopld II. und dem Kongo. Nun ist der Gongo zwar ein riesen Land, jedem wohl auch bekannt, aber über dessen Geschichte weiss wohl kaum jemand etwas. Ich bis neulich auch nicht. Der Film hiess "Schatten über dem Kongo" und das waren wahrlich Schatten, die da in Gestalt des belgischen Königs und seiner kriminellen Handlanger und Mörder über weite Teile des Landes lagen.
Ich zitiere mal Wiki, da spare ich mir die Tipparbeit :
"Leopold II. galt als hervorragender Diplomat und Geschäftsmann. Während seiner Regentschaft ereigneten sich vielfach Gräueltaten im Kongo, wo er den Freistaat Belgisch-Kongo gründete, dessen persönlicher Eigentümer er von 1885 bis 1908 war. Zu dieser Zeit wurde aus dem Kongo vor allem Elfenbein und Kautschuk exportiert. Die einheimische Bevölkerung wurde dabei schwer misshandelt und ausgebeutet. Wie viele Menschen bei diesen sogenannten Kongogräueln ums Leben kamen, ist umstritten. Adam Hochschild, ein amerikanischer Journalist[2], der sich mit der Kolonialzeit in Belgisch-Kongo intensiv auseinandergesetzt hat, schätzt die Zahl auf zehn Millionen Einwohner. 1908 wurde das riesige Territorium Eigentum des belgischen Staates und im Zuge dessen in Belgisch-Kongo umbenannt."
Bemerkenswert an diesen Zutat ist schon der erste Satz:"Leopold II. galt als hervorragender Diplomat und Geschäftsmann". Demnach gilt in der Geschäftswelt derjenige als Erfolgreich, der skrupellos nach Gewinnmaximierung strebt und das tat Leopold als Privateigentümer afrikanischer Besitzungen, die das xfache der Grösse Belginens hatten. Leopold strebte nach Kolonien, die auch ein kleines Land "mächtig" werden lassen konnten. Der belgische Regierung und dem Volk, waren Kolonien egal, zumal man im eigenen Land genug Probleme hatte.
Unter dem Deckmantel geographischer Forschung gründete Leopold II. 1878 das „Comité d'Études du Haut Congo (CEHC)“ – das Komitee zur Untersuchung des Oberlaufs des Kongo. Er beauftragte Stanley, die Untersuchungen durchzuführen. Er beauftragte er Stanley insgeheim, Land zu erwerben und Elfenbein mitzubringen. 1879 wurde das Komitee umbenannt in die „Association Internationale du Congo – Internationale Vereinigung des Kongos“.
Insgeheim deshalb, weil er bei einer offenen Landnahme vermutete, auf massiven britischen Widerstand zu stossen. Alle diese Unternehmungen finanzierte er aus seinem Privatvermögen. Das allerdings reichte dann wohl doch nicht, um seine ehrgeizigen Pläne weiter verfolgen zu können. Er überzeugte das Belgische Parlament, ihm 10 Millionen Franken für seine Projekte im Kongo vorzuschießen. Es wurde mit dem Bau einer Eisenbahn von der Flussmündung bis Stanley Pool begonnen, die 1898 fertiggestellt wurde.
Schon 1888 erließ er drei Dekrete. Das erste verbot aus gutem Grund den Waffenhandel, das zweite legte die Bedingungen für die Beschäftigung einheimischer Arbeiter fest und die waren denkbar schlecht und das dritte bildete die Basis für die Schaffung der Force Publique, einer Art Privatarmee.
Ich zitiere Wiki:

"Verbrechen und Verlust des Kongos.  

Es gibt unterschiedliche Berechnungen, wie viele Menschenleben unter Leopolds Herrschaft geopfert (ermordet) wurden. Zwischen 1880 und 1920 wurde die Bevölkerung des Kongos um mindestens die Hälfte reduziert. Adam Hochschild spricht von 10 Millionen Toten, was auf einer Schätzung von Jan Vansina beruht. Eine große Zahl von Menschen wurde grausam misshandelt, gequält und brutal verstümmelt. Viele konnten in der Folge sich selbst und ihre Familien nicht mehr ernähren und starben an Unterernährung.
1890 wurde auf der 33. Sitzung der Brüsseler Konferenz beschlossen, dass dem Sklavenhandel in Afrika ein Ende gemacht werden solle. Ab 1904 zeigten die Kampagnen einiger Missionare und Zeitungsmacher, die die Verbrechen an der Bevölkerung öffentlich anprangerten, Erfolge. Große Zeitungen berichteten regelmäßig, die Kirchen verurteilten die Behandlung der Bevölkerung. Initiiert wurde die Kampagne von Edmund Dene Morel, er hatte für eine Reederei gearbeitet, die im Auftrag Leopolds Waren von und nach dem Kongo brachte. Er wurde aufmerksam, weil die Schiffe aus dem Kongo vollbeladen waren mit Elfenbein und Kautschuk, auf dem Rückweg aber nur Waffen und Munition transportierten. Das schien ihm ein seltsamer Warenaustausch. Er gab einen regelmäßigen Rundbrief heraus mit Berichten aus dem Kongo, die er von Missionaren und Reisenden erhielt.

1908 verurteilten die Regierungen Großbritanniens und der USA das Herrschaftssystem Leopolds. Auf Druck des Parlaments stimmte er einem Gesetz zu, das aus dem Kongo eine Kolonie machte, „Belgisch-Kongo“, und diesen Unabhängigen Kongostaat an Belgien überschrieb. Leopold II. wurde in der Folge dieser Ereignisse zu einer der meistgehassten Personen Europas. Seine sterblichen Überreste wurden beim Trauerzug von der belgischen Bevölkerung ausgebuht.
Die Internetseite des belgischen Königshauses schreibt: „Aufgrund der durch die Europäer in Afrika begangenen Exzesse wird der Ruf von Leopold sowie der seines überseeischen Werkes in Frage gestellt“.

Nachtrag:
Das 1967 auf Befehl des damaligen Präsidenten Mobutu Sese Seko demontierte sechs Meter hohe Reiterstandbild Leopolds in Kinshasa wurde im Februar 2005 von der Regierung des Kongo wieder aufgestellt, wurde aber bereits wenige Stunden später wieder demontiert."

Leopold wusste genau, zu welchem Preiss die Kongolesen den Kautschuck, die Haupteinnahmequelle, gewannen. Besonders brutale Aufseher und Offiziere erhielten Prämien und sonstige Belohnungen. Als Erfolgreich galt es schon, möglichst viele Afrikaner zu ermorden. Besonders beliebt war es unter den Weissen, die Schwarzen durch abhacken der rechten Hand zu bestrafen, wenn sie ihr Abgabesoll nicht erfüllten.
Eine andere Methode sie zur Arbeit "anzuspornen" war es, ihre Frauen gefangen zu nehmen und solange einzusperren, bis ihre Männer genug Kautschuck gesammelt hatten. Wann "genug" war, bestimmten die Aufseher, die oft genug die hübschesten der Frauen vorher noch vergewaltigt hatten.
Auf Strafexpeditionen tobten sich die Soldaten der Privatarmee, ihre Offiziere und die Aufseher so richtig aus. Mit Macheten Menschen verstümmeln war nach das leichteste Verbrechen. Vergewaltigungen, Bäuche aufschlitzen und enthaupten waren weitere Betrafungen. Dabei wurde weder vor Frauen, noch vor Kindern halt gemacht! Erstaunlich für mich, dass die vermuteten 10 Millionen Toten einfach vergessen wurden.
Wurde Leopold II in der Folge dieser Ereignisse zu einer der meistgehassten Personen Europas, so spricht man vielerorts nur noch vom  hervorragenden Diplomaten und Geschäftsmann. Aber selbst die Kongolesen scheinen sich mit dieser vergangenheit weitestgehend abgefunden zu haben und sehen in der Demontage des Denkmals den Gipfel des Protestes erreicht.


http://www.amazon.de/Schatten-%C3%BCber-Kongo-Adam-Hochschild/dp/3499613123







steffen04


11.5.2009 10:29:54
Direktverweis
Unbedingt dazu lesen:

Joseph Conrad: Das Herz der Finsternis



Conrad schrieb den Roman nach den Eindrücken seiner Kongoreise. Coppola hat die Geschichte interessanterweise dann vom Kongo nach Vietnam verlegt und als Vorlage für "Apocalypse now" verwandt.

Nomen Nescio


11.5.2009 13:07:32
Direktverweis
Als Kongo aber "frei" wurde, sind da aber auch viele hundert tausenden, wenn nicht Millionen Menschen gestorben. Die Bilder der Kindern aus Kantanga, den Hungertod nahe....
Ich nenne einige Stichworte: Katanga, Moïse Tschombé, Patrice Lumumba, Joseph Kasavubu und Joseph Mobutu.
Das alles kann man zusammen fassen mit "Kongo-Wirren".

steffen04


11.5.2009 16:43:22
Direktverweis
Nomen Nescio schrieb:
Ich nenne einige Stichworte: Katanga, Moïse Tschombé, Patrice Lumumba, Joseph Kasavubu und Joseph Mobutu.

Nicht zu Vergessen Bob Denard, Black Jack Schramme, Mike Hoare. Der Katanga-Konflikt stellte die Söldnerführer für die nächsten afrikanischen Konflikte, bis Executive Outcomes das Geschäft professionalisierte.

waldi44


11.5.2009 17:49:34
Direktverweis
Der Kongo war von Anfang an Spielball der Grossmächte. Gestützt auf die "Association Internationale du Congo" ("Internationale Afrikanische Gesellschaft", gegründet 1879), schuf sich der belgische König Leopold II. als Privatmann mit Zustimmung der europäischen Großmächte (Kongokonferenz, 1884-85) den "Unabhängigen Kongostaat" ("Kongoakte"). Leopold II. gelang es, Frankreich und Deutschland (Bismarck) davon zu überzeugen, dass ein gemeinsames Handeln in Afrika in ihrem Interesse sei. Zugegen waren  Österreich-Ungarn, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Italien, Niederlande, Portugal, Russland, Spanien und Schweden-Norwegen. Leopold II. bekam seinen Privatstaat.

Um einer Meuterei des Militärs und einer Abspaltung der Region Katanga unter M. Tshombe zu begegnen, rief die Regierung die UNO zu Hilfe. Der am 15. 7. 1960 begonnene, von den USA unterstützte, weitgehend von blockfreien Staaten Afrikas und Asiens getragene, von der UdSSR und Frankreich kritisierte Einsatz von UN-Truppen (etwa 20 000 Mann) dauerte bis zum 30. 6. 1964. Als im September 1960 die Regierung im Streit zwischen Präsident J. Kasavubu und Premierminister P. Lumumba zerbrach, griff die UNO nicht ein. Lumumba wurde verhaftet, am 17. 1. 1961 nach Katanga ausgeliefert und dort ermordet. Bei Vermittlungsversuchen zwischen der Zentralregierung, ab August 1961 unter Premierminister Cyrille Adoula (geb. 1921, + 1978), und Tshombe erlitt UN-Generalsekretär D. Hammarskjöld am 18. 9. 1961 einen ungeklärten tödlichen Unfall. Erst im Januar 1963 beendete die UNO gewaltsam die Sezession Katangas.

Später dann waren es wohl eher afrikanische Staaten und Mächte, die in Kongo wüteten. Armes reiches Land....
http://www.aufenthaltstitel.de/stichwort/kongo_konflikt.html#belgien


waldi44


16.9.2009 21:58:28
Direktverweis
Hochinteressant ist, wie Leopold zu seinem Kongoreich kam und ebenso, wie Belgien zu seiner Kolonie. Lese gerade darüber:"Schatten über dem Kongo". Sehr empfehlenswert. Werde auch demnächst was darüber posten....

Sturm


17.9.2009 15:53:16
Direktverweis
Ja Waldi ,
ist alles gesagt bzw. geschrieben .Ich habe das Thema wohl verpasst. Danke für den Hinweis!

Gruß  Wolfgang.

steffen04


26.9.2009 14:49:33
Direktverweis
Immer noch (oder wieder) aktuell das Thema:

Ulrich Khuon beginnt seine Intendanz am Deutschen Theater Berlin mit
"Das Herz der Finsternis" nach Joseph Conrad

http://www.br-online.de/bayern2/kulturwelt/das-herz-der-finsternis-das-herz-der-finsternis-nach-joseph-conrad-theater-ID1253255531454.xml
zurück zur Forenübersicht