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John Rabe - Der gute Deutsche von Nanking

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AutorBeitrag

TheBlackman


27.2.2006 19:35:26
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Ich hab diesen Artikel schon vor einiger Zeit im Post Scriptum Forum veröffentlicht. Ich finde ihn aber nachwievor  so faszinierend, dass ich ihn euch auch hier nicht vorenthalten will:



Oscar Schindler und seine Geschichte kennen wahrscheinlich die meisten.

Aber kennt jemand John Rabe ?

Wie jeder weiß rettete Schindler im 2. Weltkrieg 1200 Juden durch seine Emaiiefabrik das Leben.
Aber kennt jemand auch den Mann der 200.000 (!!!) Chinesen vor den vergewaltigenden und mordenden Japanern in Nanjing gerettet hat ?



Zunächst einmal ein wenig zum zeitlichen und politischen Umfeld.

Der endgültige Zusammenbruch des chinesischen Kaiserreichs Anfang des 20. Jahrhunderts führt zu einer 30-jährigen Periode politischer Instabilität in China. Während dieser Phase kämpft das nationalistische
Guomindang Regime (Kuomintang oder KMT - die nationale
Volkspartei oder nationalistische Partei), geleitet von Chiang Kai-shek und die chinesische
kommunistische Partei (CCP), unter der Führung von Mao Zedong, um die Kontrolle im Land.

Auf der anderen Seite des ostchinesischen Meeres entwickelt sich Japan nach und nach in nationalistischer und militaristischer Richtung. Es sieht in China die Möglichk eit, sich auf ein Territorium auszudehen, das in der Mandschurei und in der Shandong Provinz  nach dem Ersten Chinesisch- Japanischen Krieg (1894-95) und während des Ersten Weltkrieges besetzt wurde.


Der 1882 in Hamburg geborene Rabe reist 1908 als Kaufmann nach China.Dort arbeitet er ab 1910 für das Pekinger Büro von Siemens.
Im November 1931 geht er nach Nanjing, der vom Guomindang Regime ausgerufenen Hauptstadt  und ist von da an Repräsentant von Siemens in China.

Nur 1 Monat vorher  inszenieren Versch wörer in der Guandong Armee den „Zwischenfall in der Mandschurei“, indem sie einen Abschnitt der Bahnschiene im Süden der Mandschurei sprengen und hierfür chinesische Saboteure verantwortlich machen. Die japanischen Regierung ist nicht in der Lage einzugreifen.
Daher mobilisiert die Guandong Armee ihre Truppen, besetzt im Januar 1932 das in der Nähe gelegene Mukdan (jetzt Shenyang) und greift Shanghai an, das südlich von ihren Gebieten in der Shandong Provinz liegt.
Im März 1932 wird ein Waffenstillstand geschlossen. Die Japaner errichten einen Marionettenstaat Manchukuo, der in der Mitte der Mandschurei liegt und an dessen Spitze der letzte chinesische Kaiser , Puyi, steht.

Der Zweite Chinesich- Japanische Krieg bricht am 7. Juli 1937 aus.
Vor ausgegangen war ein Vorgefecht zwischen chinesischen und japanischen Truppen außerhalb von Peking. Die chinesischen Kräfte evakuieren Peking am 28. Juli.
Die Japaner überrennen Tianjin (100 Kilometer südöstlich von Peking) am 30.Juli. Danach Angriff auf Shanghai am 13. August. Nach einer dreimonatigen Belagerung kapituliert Shanghai und die Guomindang Truppen ziehen sich in
den Nordwesten in Richtung ihrer Hauptstadt Nanjing zurück.
Die Japaner rücken hinterher .
Ausländer , die in Nanjing zu dieser Zeit wohnten, und viele Chinesen aus Nanjing, einschließlich der Regierung werden im November 1937 evakuiert.

Rabe wird von Siemens nach Berlin zurückbeordert. Er schickt seine Familie nach Deutschland zurück, lehnt es aber selbst ab zu gehen.Stattdessen bleibt er noch mit einigen Dutz end anderer A usländer (meistens deutsche und amerikanische Missionare, Wissenschaftler, Ärzte und Geschäftsleute),
um eine vorübergehende „Sicherheitszone“ einzurichten. In dieser Zone sollten chinesische Flüchtlinge Nahrung, Kleidung und Schutz finden während des allgemeinen Durcheinanders, das sich einstellte, als die
Japaner Nanjing besetzt haben. Rabe wird Kopf eines aus 15 Mitgliedern bestehenden internationalen Ausschusses, der am 22. November gegründet wird, um die "Internationale Zone" zu ordnen.



Im westlichen Bezirk der Stadt, in dessen Mitte die ausländischen Botschaften sowie die Universität von Nanjing lagen, werden auf einer Fläche von sieben
Quadratkilometern 25 Flüchtlingslager eingerichtet. Rabe öffnet auch sein eigenes Haus und seinen Garten für Flüchtlinge; hier finden ca. 650 Flüchtlinge
Schutz.

Am 1. Dez ember 1937 wird der internationale Ausschuss vom Bürgermeister von Nanjing autorisiert, die Leitung der Stadt zu übernehmen, nachdem er und sein Personal evakuiert wurden.



Der Angriff japanischer Bodentruppen auf Nanjing beginnt am 10. Dezember
1937 nachdem die chinesischen Truppen die Verteidigung der Stadt aufgaben.
Als Nanjing schließlich am 13. Dezember fällt, einige Stunden nachdem die chinesischen Kräfte geflohen sind, beginnen die Japaner ein furchtbares Blutbad, das insgesamt sechs Wochen andauert.

TheBlackman


27.2.2006 19:35:58
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„Wenn ich es nicht mit meinen eigenen Augen gesehen hätte, würde ich es nicht glauben,“ schreibt Rabe in sein Tagebuch an jenem Tag. „Sie (japanische Soldaten) zerschlugen geöffnete Fenster und Türen und nahmen alles mit,
was auch immer sie mochten. … Ich sah mit meinen eigenen Augen wie sie das Café unseres deutschen Bäckers Herrn Kiessling plünderten. … Von den ca. Tausend entwaffneten Soldaten, die am Ministerium für Gerechtigkeit fest -
gehalten wurden, wurden 400 bis 500 mit gefesselten Händen weggefahren.
Wir nehmen an, dass sie erschossen wurden, da wir später einige Maschinengewehrsalven hörten. Dies hat uns selbst zu Tode erschreckt."
Der Überfall von Nanjing führte zu einem wahllosen Mord an 200.000 bis 350.000 chinesischen Zivilisten und an den Soldaten, die sich ergeben hatten. Es ist
das größte Massak er an unbewaffneten Truppen und Zivilisten in der Geschichte des 20. Jahrhunderts.




Japanische Truppen plündern und brennen die Stadt und die umgebenden
Städte nieder und zerstören mehr als ein Drittel der Gebäude. Chinesische Gefangene werden lebendig verbrannt, lebendig begraben, enthauptet oder gequält und aufgespießt und in Massen erschossen.
Zwischen 20.000 und 80.000 chinesische Frauen und Mädchen jeden Alters werden vergewaltigt und ermordet. Tausende werden zur sexuellen Sklaverei
gezwungen. Es ist die schlimmste Massenvergewaltigung in der Geschichte
der Menschheit. Ungefähr 250.000 Chinesen finden Schutz in der Sicherheitszone, die schnell ein dauerhafter anstatt temporärer Aufenthaltsplatz wird. Unter den
Flüchtlingen sind chinesische Soldaten, die nicht imstande waren, die Stadt während des allgemeinen Rückzugs zu verlassen. Japanische Nachfragen hinsichtlich
der Auslieferung führten zu mehreren japanischen Kontrollen der Sicherheitszone.



Rabe und die Mitglieder der Internationalen Zone versuchen die Grausamkeiten in der Stadt zu verhindern und bemühen sich darum, dass die Flüchtlinge innerhalb der Sicherheitsz one genügend zu essen haben und versorgt werden.
Sie verschicken auch Schreiben an internationale Regierungen mit der Bitte einzugreifen und dokumentieren die Vorgänge für die WeltMedien.
Rabe benutzt seine Nazisymbole (z.B . Armbinde oder Fahne mit Hakenkreuz), um die Grausamk eiten, wo auch immer möglich, zu verhindern. Er schreibt
Hitler wiederholt, und bittet, dass etwas getan wird, um das Morden zu stoppen. Zusammen mit anderen Mitgliedern des internationalen Ausschusses dokumentiert
er das Verhalten der japanischen Truppen und leitet Berichte an die japanische Botschaft weiter , mit der Bitte einzuschreiten. Rabe schreibt
auch seine Erfahrungen in seinem Tagebuch nieder und filmt die Ereignisse.

„Sie würden es nicht für möglich halten, aber die Vergewaltigung der Frauen erfolgte sogar mitten im Frauenlager unser "Internationalen Zone", in der zwischen
5.000 bis 10.000 Frauen lebten. Wir wenigen Ausländer konnten nicht
an allen Plätzen gleichzeitig sein, um alle vor den Grausamkeiten der Japaner
zu schützen. Ein Einzelner war kraftlos gegenüber den Monstern, die bis zu den Zähnen bewaffnet waren und die jedermann niederschossen, der versuchte, sich zu verteidigen. Sie hatten nur Respekt gegenüber uns Ausländern
- aber fast jeder von uns war dutzende Male dem Tod nahe. Wir fragten uns gegenseitig, „wie viel länger kann man das ertragen"?

TheBlackman


27.2.2006 19:36:29
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Am 19. Dez ember 1937 schreibt Rabe in seinem Tagebuch, „sechs Japaner , die über meinen Gartenzaun geklettert w aren, versuchten die Gatter von innen
zu öffnen. Als ich hinzukomme und mit meiner Taschenlampe in das Gesicht eines der Banditen leuchte, greift er nach seiner Pistole, aber seine Hand fällt schnell wieder nach unten, als ich ihn anschreie und mein Hakenkreuzarmband
unter seine Nase halte. Dann klettern alle 6 auf meine Anweisung wieder über die Gartenmauer zurück. Meine Türen werden nie für Gesindel wie euch geöffnet. … Die 300 bis 400 Flüchtlinge hier in meinem Garten - ich weiß nicht mehr , wieviele dort wirklich sind - benutzen Strohmatten, alte
Türen und Blechhüte, um ein wenig Schutz vor dem Schnee und der Kälte zubekommen.“



Am 24. Dez ember schreibt er , „ich mußte so viele Leichen in den letzten W ochen sehen, dass ich meine Nerven unter Kontrolle halten muß, wenn man
diese schrecklichen Fälle mit ansieht. Es kommt wirklich keine „ W eihnachtsstimmung mehr auf; aber ich wollte diese Grausamk eiten mit meinen eigenen
Augen sehen, damit ich als Augenzeuge später darüber sprechen kann. Ein Mann kann nicht über diese Art der Gr ausamk eiten sch weigen!“

Am 30. Januar 1937, wird „mein Auto auf der Hankow Straße von einerGruppe von ungefähr 50 Chinesen angehalten, die mich baten, eine Frau zu retten, die ein japanischer Soldat weggeführt hatte, um sie zu v ergew altigen.
… Ich finde das Haus vollständig geplündert, der Fußboden mit jeder Art Dreck bedeckt. In einem der geöffneten Räume steht ein Sarg auf einer Totenbahre und im Nachbarr aum, liegend auf einem Fußboden, der mit Stroh
und Unrat bedeckt ist, sehe ich den Soldaten, der dabei ist eine Fr au zu ver -
gewaltigen. Es gelingt mir , den Soldaten aus dem R aum in den Hauseingang
r auszuziehen. Als er die Gruppe der Chinesen und mein Auto sieht, rennt erweg und versch windet irgendwo in den Ruinen der nahegelegenen Gebäude.
Die Menschenmenge zerstreut sich dann aber schnell wieder , als ich ihr erkläre, "dass nicht weitere japanische Soldaten auf uns aufmerksam werden sollten".


Am 28. 1938 Februar verlässt Rabe Nanjing und reist nach Shanghai und dann nach Deutschland zurück. In Deutschland versucht er , die Regierung und
das Volk auf die Ereignisse in China aufmerksam zu machen. Er hält Vorträge in Berlin und zeigt Fotographien, Berichte und einen selbstgemachten Film über die japanischen Gew alttätigk eiten in China. Als er erneut an Hitler schreibt, und ihn bittet, seinen Einfluss auf die Japaner
geltend zu machen, damit diese den Grausamk eiten in China ein Ende setz en, wird Rabe durch die Gestapo für drei Tage lang festgehalten und verhört.
Nach einer Interv ention von Siemens wieder John Rabe jedoch wieder freigelassen.
Er verpflichtet sich aber , weder über den Überfall von Nanjing zu refererien noch zu schreiben. Er darf seine Tagebücher behalten; sein Film wird
jedoch beschlagnahmt.


Das Tagebuch mit 1.200 Seiten wurde nach dem Zweiten Weltkrieg vergessen, aber es gibt später Zeugnis dafür , dass die Grausamkeiten bei Man nimmt an, dass mehr als 250.000 Menschen durch das Eingreifen vonRabe und anderen Verwaltern der "Internationalen Zone" gerettet wurden, die
selbst konstant bedroht und eingeschüchtert wurden, einschließlich Gewalttätigkeit durch die Japaner .
Nanjing tatsächlich auftraten.




Diese Geschichte kennt in Deutschland fast niemand, in China dagegen wird John Rabe dagegen wie ein "lebender Buddha" verehrt.
Also ich persönlich finde diese Geschichte so was von beeindruckend. Bisher tat sich die Filmindustrie immer schwer auch die Geschichte deutscher Persönlichkeiten zu verfilmen. Gerade bei John Rabe ist dies schwierig da er ein bekennender Nazi war. Aber auch Schindler war Mitglied bei der NSDAP. Trotzdem erkannten beide was wirklich hinter dem Nazi Regime stand.
Immerhin die Verfilmung von John Rabes Biographie ist angekündigt.


Das John Rabe Denkmal in Nanjing


PS: auch wenn hier nicht reinpasst, aber wo ich schon mal bei Deutschen in China bin, vielleicht erinnert sich die Filmindustrie auch mal an Gunther Plüschow.

waldi44


27.2.2006 22:03:00
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Wenn es etwas an der Nachkriegszeit und der Aufarbeitung des  2. WK wirklich empört, ist die Haltung der Japaner auf allen Ebenen zu den Geschehnissen in ihrer "Asiatischen Wohlstandssphäre" wärend des Krieges, der in Asien ja viel früher anfing und etwas später aufhörte!
Allerdings, ja kreuzigt mich deswegen, sie hatten keine KZ's(im Sinne von reinen Vernichtungslagern). Iher Philosophie war eine andere als die der deutschen Nazis(Ausrottung von Völkern, Rassen oder Minderheiten war, soweit ich das weiss, nicht vorgesehen!?).
Allein das bevorzugt sie vor den Deutschen, aber rechtfertigt das ihre Untaten?
 

Hoth


27.2.2006 22:54:31
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Da irrst Du, Waldi, die japanische Politik und nicht nur die der Militärs war zutiefst rassistisch. Die Japaner hielten(halten?) sich für ein auserwähltes Volk(Rasse) und nicht nur die Weißen waren für sie rassisch unwert, unrein und zutiefst hassenswert. Auch andere asiatische Völker in der Region, wie z. B. Chinesen, Koreanern und Phillipinos usw. wurden als rassisch minderwertig und rein als Sklaven angesehen und dementprechend behandelt.

Bekanntermaßen waren selbst die Kriegsgefangenenlager der Japaner schlimmer als dt. KZ´s. Das sie keine Vernichtungslager hatten ändert nichts an der Tatsache, daß es wohl jederm Nichtjapaner in einem japan. Lager schlimmer erging, als selbst den inhaftierten polit. Gegnern in Deutschland. Dabei spielt es auch keine Rolle, wie man nun Millionen Menschen umbringt und ob dies in einem Lager geschieht oder wie von den Japanern praktiziert in unzähligen Massakern in Städten und auf dem Land. An der Sache ändert dies nichts.

Das einzige was schade ist, ist das solche Menschen wie Rabe eben im eigenen Land weitgehend unbekannt sind und nicht gewürdigt werden.

TheBlackman


28.2.2006 00:00:13
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Vielleicht erinnert sich der ein oder andere noch an den Schulbuchkonflikt zwischen Japan und China im April letzten Jahres.

Dabei ging es darum, dass die Japaner ein Schulbuch herausgeben wollten in dem viele Gräueltaten der Japaner u.a. auch das Massaker von Nanking heruntergespielt wurde.


Zur Erinnerung mal die Pressemeldung vom 10. April 2005:



Proteste gegen japanisches Schulbuch



Ein Geschichtsbuch für die japanische Mittelstufe hat Pekings größte Kundgebung seit sechs Jahren ausgelöst: Zehntausende demonstrierten, weil ihrer Meinung nach die militaristische Vergangenheit Japans beschönigt wird.


Das Geschichts-Lehrbuch hatte schon einmal für Proteste gesorgt und ist jetzt in einer überarbeiteten Neuauflage erschienen: Kritiker hatten bereits 2001 bei der Erstausgabe des Buches bemängelt, dass das Buch den Überfall der Japaner auf China im Zweiten Weltkrieg und Kriegsverbrechen wie den Missbrauch zehntausender Frauen als Sexsklavinnen verharmlost.

 

Kritisiert wird vor allem, dass in dem Buch niemals der Begriff "Invasion" für die Besetzung weiter Teile Asiens durch die japanische Armee genannt wird. Im zweiten chinesisch-japanischen Krieg 1937 bis 1949 besetzte Japan die Küstenregionen Chinas und machte sich zahlreicher Kriegsverbrechen schuldig. Das Massaker von Nangking, bei dem japanische Soldaten im Jahr 1937 rund 300.000 Menschen töteten, erwähnt das Buch lediglich als "Zwischenfall". Zudem würde ignoriert, dass sich japanische Soldaten Frauen als Sex-Sklavinnen gehalten haben.

 

Handel mit dem Feind

 

Nach Angaben des japanischen Erziehungsministeriums wurden die Autoren für die neue Ausgabe angehalten, beschönigende Darstellungen der Kolonisation Koreas durch Japan und des Nanking-Massakers zu ändern. Allerdings seien diese Teile nicht wesentlich verändert worden und manches sei sogar noch verfälschter dargestellt als zuvor, erklärten 15 japanische Bürgerrechtsgruppen. Trotz der Differenzen über die Vergangenheit unterhalten Japan und China seit Jahren enge Wirtschaftsbeziehungen. Im vergangenen Jahr war Japan der wichtigste Handelspartner der Volksrepublik.

 

Auch Südkorea ist empört

 

In Südkorea sorgte vor allem die in dem Buch unterstützte These für Empörung, die Dokdo-Inseln (Japanisch: Takeshima) im japanischen Meer gehörten zu Japan. Seoul und Tokio erheben beide Anspruch auf die Inselgruppe. Südkorea war von 1910 bis 1945 japanische Kolonie. Nach Ansicht vieler Südkoreaner hat Japan die Kolonialpolitik bisher nicht aufrichtig genug bereut. Die Beziehungen zwischen Japan und China sind noch immer durch den Krieg von 1937 bis 1945 belastet.

 

"Mit einer solchen Haltung kann Japan nicht erstrangiges Mitglied der internationalen Gemeinschaft werden", sagte der südkoreanische Ministerpräsident Lee Hae Chan in Anspielung auf Tokios Streben nach einem ständigen Sitz im UN-Sicherheitsrat. Die südkoreanische Regierung sei sehr besorgt darüber, wie zukünftige Generationen angesichts dieser falschen Geschichtserziehung zusammenarbeiten könnten, sagte ein Sprecher des Außenministeriums in Seoul. Südkorea habe Japan mehrmals zu Änderungen der Texte aufgefordert.

 

Überarbeitung gefordert

 

Das umstrittene Geschichtsbuch soll ab April 2006 zum Einsatz kommen; es richtet sich an Schüler zwischen 13 und 15 Jahren. China und auch Südkorea haben gegen das Buch formalen Protest eingelegt. In dem Buch werde "Richtig und Falsch durcheinander gebracht, Schwarz und Weiß verwechselt." Das Schulbuch müsse überarbeitet werden, um der jungen Generation die "korrekte historische Perspektive" nahe zu bringen, forderte der chinesische Außenamtsmitarbeiter Qiao Zhonghuai. (arn)





Ich denke hierdurch wird deutlich, dass in Japan eine Verarbeitung der Vergangenheit immer noch nicht wirklich abgeschlossen ist. Die Japaner haben eine völlig andere Mentalität als wir sie kennen. Der Begriff der Ehre ist gerade bei der mittleren bis älteren Generation immer noch von größter Wichtigkeit. Viele Japaner glauben z.B., dass eine sehr kritische Auseinandersetzung mit negativen Aspekten der Japanischen Geschichte wie dem Massaker von Nanking der Ehre der Veteranen schaden würden.

Also wenn ihr mich fragt, ein Soldat der an diesem Massaker beteidigt war, hat das Wort Ehre wohl nie gehört.
Etwas derartiges als "Zwischenfall" zu deklarieren, macht für mich den Aufruhr in der Chinesischen Öffentlichkeit nun wirklich verständlich.


Aber wo ich gerade die Pressemeldung noch mal lese - das Schulbuch soll ja im April an japanische Schüler ausgeben werden. Was ist denn der aktuelle Stand ? Wird das Buch ausgeben - und wenn ja wurde es abgeändert ?

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28.2.2006 08:32:58
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Man sollte nicht vom europä. Ehranspruch ausgehen!
Das ist alles sehr, sehr grausam aber in welchen Kontext steht dies ? Was ist vorher geschehen, kam das einfach nur so aus reiner Lust ?
Man sollte immer zwei Seiten betrachten, die japanische Seite wird hier überhaupt nicht erörtert,
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Andi


28.2.2006 11:23:58
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Da hab ich wiedermal etwas gelernt. Die Geschichte (nicht abfällig gemeint) kannte ich noch nicht.
Gruss,

Andreas

merlin61


28.2.2006 13:18:19
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Logo hat geschrieben:

Man sollte nicht vom europä. Ehranspruch ausgehen!
Das ist alles sehr, sehr grausam aber in welchen Kontext steht dies ? Was ist vorher geschehen, kam das einfach nur so aus reiner Lust ?
Man sollte immer zwei Seiten betrachten, die japanische Seite wird hier überhaupt nicht erörtert,
Nicht nur vom europäischen Ehr-Anspruch sollte man NICHT ausgehen, sondern auch die unterschiedliche Geschichte entsprechend berücksichtigen.
Nur die Verbrechen einer Seite und ohne jegliche Hintergrundinformationen darzustellen, ist im Fall von Japan ebenso falsch wie bei anderen Ländern.
Die Geschichte ist nun einmal wesentlich komplexer, um diese "nur" mit schwarz-weiß bzw. gut-böse-Darstellungen vereinfacht darstellen zu können.

Scheuklappen-Denken, oder sich auf einem Auge blind zu zeigen, hält aber nicht nur solch ein Land in der Vergangenheit gefangen,
sondern dies bringt auch sonst keinen weiter der daraus seine Schlüsse zieht - oft entwickeln sich dadurch nur neue Ressentiments.

steffen04


28.2.2006 15:43:32
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logo schrieb:
Man sollte nicht vom europä. Ehranspruch ausgehen!

Insbesondere, da auch dieser sich im Lauf der Zeit und von Person zu Person stark unterschiedlich äussert. Universell ist dagegen das Bestreben der Eliten, Ehrbegriffe zur Kontrolle des Fussvolks einzusetzen. Die Ehre dieser japanischen Soldaten hiess wohl auch nur Treue.

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28.2.2006 16:13:29
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steffen04 schrieb:
logo schrieb:
Man sollte nicht vom europä. Ehranspruch ausgehen!

Insbesondere, da auch dieser sich im Lauf der Zeit und von Person zu Person stark unterschiedlich äussert. Universell ist dagegen das Bestreben der Eliten, Ehrbegriffe zur Kontrolle des Fussvolks einzusetzen. Die Ehre dieser japanischen Soldaten hiess wohl auch nur Treue.

Die Leute die diese Ehrbegriffe eben nicht hatten sind auch schneller gerannt, meist gleich 100derte Km weg vom Feind. Auch nur,  ist gut, deshalb und gerade deshalb sind diese Soldaten zu den schlagkräftigsten Militärs des 20. Jhrh. von israel. Militärs eingeschätzt worden!
Übrigens trifft gerade diese Ehraussage auf die Japaner nun mal überhaupt nicht zu !
Es gab mehr als genug japan. Eliten die den freitod vor der Gefangenschaft vorgezogen haben, also nichts mit Kontrolle für das Fußvolk .
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waldi44


28.2.2006 23:05:40
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Tja und bei "Preussens" wurde die Ehre des Soldaten zur Not auch durch den Gang durch die "Gasse" aufrecht erhalten

Richtschuetze


1.3.2006 07:05:15
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@Waldi das gibt es nun schon vor dem 1 Weltkrieg lange nicht mehr!Aber die Russen schlagen Ihre Soldaten ja noch heute!!!

Gruss

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1.3.2006 08:42:51
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waldi44 schrieb:
Tja und bei "Preussens" wurde die Ehre des Soldaten zur Not auch durch den Gang durch die "Gasse" aufrecht erhalten

.....und die Franzosen mit Sklavenarbeit auf den Strafinseln mit der Überlebenschance von 1:20, bis 1920 !
Das führt doch zu nichts @waldi.......
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TheBlackman


12.3.2006 19:29:21
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Sorry, aber in diesem Thread wollte ich eigentlich nur auf die Biographie von John Rabe eingehen. Ohne Hintergrundinformationen ist es natürlich schwer dies in den historischen Zusammenhang einzuordnen und entsprechend zu bewerten. Daher hab ich dazu mal einen eigenen Thread aufgemacht:http://forumarchiv.balsi.de/andere_laender/903.html. Ich hoffe darin werden alle offenen Fragen erläutert. Natürlich könnte man gerade bei diesem Thema noch auf soviele Aspekte eingehen aber um halbwegs die Übersicht zu wahren hab ich nur mal die, meiner Meinung nach ausschlagegebensten rausgesucht.


Was die Thematik der Ehre angeht so kann man sich drüber sicherlich streiten. Falls ich da etwas falsch dargestellt habe entschuldige ich mich dafür. Nur nachdem ich den Artikel über John Rabe gefunden hatte und mit diesem Hintergrundwissen die "Schulbuchaffäre" betrachtete konnte ich die chinesische Position doch recht gut verstehen.

Nur eins verstehe ich nicht ganz - Wieso schweigen sich die Japaner über so viele Apsekte ihrer Geschichte aus ?

Gerade das eingestehen von Fehlern und eine damit verbundene Entschuldigung zeugt doch von der Reife einer Nation und der Fähigkeit aus der Vergangenheit zu lernen. Was ist der Grund wieso bei solchen heiklen Thematiken in Japan anscheinend immer noch auf schweigen anstatt reden gesetzt wird ?

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