Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 24.10.2005 bis zum 19.04.2010. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

WILHELM II und sein Deutschland

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AutorBeitrag

SIEGMAR


8.11.2005 12:11:27
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Um mal mit einem meiner Lieblingsthemen zu beginnen.


Für mich ist das Deutschland unter Wilhelm II eine im eigentlichem Sinne demokratischere  und freiere Gesellschaft gewesen, als die damals sogenannten westlichen Demokratien.

Für diese Feststellung habe ich schon viel Prügel bezogen.
Allerdings scheint es da in letzter Zeit bei einigen Leuten einige Geistesblitze gegeben zu haben.
So berichtete die JUNGE FREIHEIT letztlich über ein Buch (natürlich im Ausland erschienen), in dem der Autor eine ähnliche These aufstellt.

Belisar


10.11.2005 18:34:45
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Kommt meiner Meinung auf den Zeitraum an. In den letzten 5 - 10 Jahren ist die Macht von Wilhelm schon sehr geschwunden. Das zeigt ja auch nicht zuletzt die Abdankung und die nicht Berücksichtigung seiner Befehle....und sicherlich haben in England die Monarchen von je her sehr viel Macht zu der Zeit gehabt. Jedoch in Frankreich und in den USA würde ich das nicht so sehen, vielleicht kannst Du deine "Behauptung" mal etwas mehr ausführen ?

Quintus


14.11.2005 06:41:33
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Was den Vergleich England mit Deutschland betrifft:

Das Deutsche Reich war niemals eine vergleichbare und/oder parlamentarische Monarchie wie die Englands, in dem (zum Beispiel) die Ernennung und Entlassung der Regierung das Parlament bestimmte! Ernennungen und Entlassungen der Regierungen im Deutschen Reich bestimmte einzig der Kaiser!

Folglich: In England bestimmte das Parlament - also eine Mehrheit (= Demokratie), in Deutschland einzig der Kaiser (= Diktatur)...

waldi44


14.11.2005 11:17:17
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Die Buchempfehlungen der "Jungen Freiheit" würde ich schon mal skeptisch beurteilen und noch skeptischer die sowohl von der "Jungen Freiheit" als auch den, in den von ihr empfohlenen Büchern, aufgestellten bzw vertretenen Behauptungen.
Wie kann ein Staat demokratisch gewesen sein, in dem es zB. kein Frauenwahlrecht gab?
Das aktive und passive Wahlrecht erhielten die deutschen Frauen erst  am 12. November 1918 durch den Rat der Volksbeauftragten.

Belisar


14.11.2005 14:28:35
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@Quintus: Man nennt das Monarchie....

waldi44


15.11.2005 12:03:06
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Belisar schrieb:
@Quintus: Man nennt das Monarchie....

Eine Monarchie, die keine parlamentarische ist, kann man durchaus auch als Diktatur bezeichnen bzw. mit ihr vergleichen. Schliesslich spricht man in diesem Zusammenhang auch von "Absoluitismus"!

Selbst das Vorhandensein einer Verfassung ändert nichts daran, denn :
Die Verfassung geht auf Entwürfe des "Reichsgründers", des preußischen Ministerpräsidenten Otto von Bismarck zurück. Nach der Verfassung steht der deutsche Kaiser an der Spitze des Deutschen Reiches. Die Kaiserwürde ist erblich. Der Kaiser vertritt das Reich gegenüber anderen Staaten, er schließt völkerrechtliche Verträge, ist Oberbefehlshaber des Heeres, er ernennt und entlässt den Reichskanzler und die Minister. Der Reichskanzler, zugleich preußischer Ministerpräsident, ist vom Vertrauen des Kaisers abgängig. Politisch ist er nur dem Monarchen, nicht dem Reichstag, verantwortlich. Gesetze und Regierungsakte des Kaisers bedürfen der Gegenzeichnung des Reichskanzlers.

SIEGMAR


15.11.2005 16:54:10
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Na ja..

das Frauenwahlrecht gab es in so gut wie keinem Land damals, bis 1918...


Das erste Mal bin ich beim Schauen einer meiner Lieblingsserien darauf gekommen,
Königlich Bayrisches Amtsgericht.

Seitdem hat mich dieser Gedanke verfolgt und ich hab mal ein wenig nachgeforscht und geschaut.



1. Der Kaiser hatte natürlich per Verfassung eigentlich die absolute Macht.
   Wenn man aber die tatsächliche Macht Wilhelms mit der Macht eines mittleren Industriegiganten in den usa oder der Macht      gewisser "privater Gruppen und Einrichtungen" in england vergleicht, so kommt man schon ins Grübeln.

2. Das Parlament hatte zwar kaum Macht.
   Trotzdem aber Einfluß.
  Und genau hier liegt der Unterschied zu heute.
   Es gab damals eine wirkliche Gewaltenteilung.
   Regierung - Parlament - Justiz
   Ich bezweifele, daß wir heute noch bei uns von einer wirklichen Gewaltenteilung bei uns sprechen können.

Walter23


16.11.2005 23:59:08
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@Waldi44

Also ich hätte nicht gedacht, dass Du das Frauenwahlrecht als "Demokratiegradmesser" zur Hand nimmst, da jenes in "demokratischeren" Ländern zum Teil auch nach 1918 nicht Usus war.

- - - -

Ein "Problem" bei der geschichtlichen Darstellung ist in meinen Augen, dass man zum Teil zu "Zielorientiert" Kausalketten zu basteln und somit eher eine Karikatur herauskommt.

- - - -

@Quintus

[..]
Folglich: In England bestimmte das Parlament - also eine Mehrheit (= Demokratie), in Deutschland einzig der Kaiser (= Diktatur)...
[..]

"Eine Mehrheit" <=> "Einzig der Kaiser"

Ähm das ist aber sehr verkürzt und trifft nicht wikrlich den Punkt oder ?

- - - -

Gedanken am Rande.

Gruß

Walter

Belisar


18.11.2005 16:06:59
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Da muss ich Walter23 recht geben, eine Begründung wäre auch mal nicht schlecht !

@waldi:
wenn der Kaiser ein Diktator gewesen wäre, dann hätte er sich bestimmt nicht so vom Thron stoßen lassen. Wozu gibt es denn den Begriff Monarchie ? Dann kann man ja gleich Diktatur sagen. Aber ein Kaiser, König etc. ist kein Zwangsherrscher, sondern eine Autorität. Ein Diktator hat die alleinige Macht, ein Monarch nicht (jedenfalls nicht Wilhelm 2).

Gesetze und Regierungsakte des Kaisers bedürfen der Gegenzeichnung des Reichskanzlers.
An deinem eigenen Zitat siehst Du, das z.B. bei Gesetzen eine Gegenzeichung des Reichskanzlers benötigt wurde. Welcher Diktator würde die Macht so teilen ?

Jan-Hendrik


18.11.2005 16:56:43
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Vor allem sollte nicht vergessen werden , das die "Demokratie" in den USA und GB zu dem Zeitpunkt nur für einen gewissen , eingeschränkten Personenkreis Realität war und der Rest nur davon träumen konnten , gewisse Bevölkerungsgruppen in den USA , die nicht das Glück weisser Herkunft hatten sogar verdammt lange . Also lassen wir die Kirche doch lieber im Dorfe ...

Jan-Hendrik

SIEGMAR


21.11.2005 11:52:47
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Und genau da zweifele ich ja auch heute an unserer seit 1945 bzw. seit 1918 eingeführten "Demokratie".

Zumindest im Anfang gab es ja noch nicht die heutige Übermacht der Medien, obwohl man da auch vorsichtig sein müßte.


Nun aber ist dieser Staat, und da sollte man doch hin und wieder mal die alten Klassiker lesen oder einfach mal Orwell (reicht auch schon) und die damaligen Zustände mit den heutige vergleichen, eben meiner Meinung nach auf einem falschen Weg.


Wir brauchen wieder eine echte Gewaltenteilung, oder sollten, wenn wir das nicht schaffen, gleich zum römischen System der auf (4?) Jahre gewählten Diktatoren zurückgreifen, einem unserem Wahlsystem bei den Verfassungsrichtern ähnlichem Prozedere.


Zumindest bin ich halt ein Anhänger der deutschen  Demokratie.
Wir hier in Einbeck, und das gilt für viele mittelalterliche Städte, hatten schon vor 600 Jahren eine funktionierende Demokratie (mit unter 10000 Einwohnern), die sich eine eigene Verteidigung leisten konnte und eine Regierung mit kleiner Verwaltung.

Unter Wilhelm II nun gab es ,wie gesagt, zwar keine Demokratie, aber zumindest ein funktionierendes Rechtssystem mit einer Gewaltenteilung bei der man auch wirklich Zuständigkeiten feststellen konnte sowie ein halbwegs wirkliches Recht auf freie Meinungsäußerung.
Und was z.B. die Majestätsbeleidigung angeht.
In den Berichten der diversen V-S-Ämter werden immer wieder Menschen beschuldigt, die "Verfassungsorgane" herabgewürdigt zu haben....

 
 


Andreas


10.12.2005 00:20:37
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Der Wilhelm II. war ein junger Monarch, der die "schwere Geburt der Reichseinigung" nur vom hören-sagen kannte. Er war den Interessensverbänden hörig, die viel Einfluss auf ihn nahmen. Die Politik Wilhelms II. ist meiner Ansicht nach rational nicht zu erklären verglichen mit Bismarck, der ein Realpolitiker war und wusste wann er verloren hatte. Er ging zwar weniger streng gegen "innere Feinde" (vgl. Kulturkampf und Sozialistengesetze) wie Bismarck, aber er machte die ganze Bündnispolitik Bismarcks zu nichte und hat, wenn man so will, zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen.

morbid


22.12.2005 18:20:57
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waldi44 schrieb:
Die Buchempfehlungen der "Jungen Freiheit" würde ich schon mal skeptisch beurteilen und noch skeptischer die sowohl von der "Jungen Freiheit" als auch den, in den von ihr empfohlenen Büchern, aufgestellten bzw vertretenen Behauptungen.

Warum stellst Du alles unter Generalverdacht, was aus der Feder der JUNGEN FREIHEIT stammt? Allein aus Prinzip? Sind die Thesen dieser Zeitung prinzipiell falsch, nur weil Möchtegern-Moralapostel dieser demokratisch-rechts-konservativen Zeitung extremistische Bestrebungen unterstellen?

The Real Blaze


22.12.2005 21:23:14
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und hat, wenn man so will, zwei Weltkriege vom Zaun gebrochen.

Nein das kann man überhaupt nicht so stehen lassen! Es gibt keinerlei Beweise einer deutschen Kriegsschuld, aber jede Menge Fakten, wie die Entente aus dem Attentat einen Kriegsgrund machte.

Andi


22.12.2005 23:20:13
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@ The Real Blaze:

Meinst du etwa das ganze Getue von den Panslawisten und deren Hetze gegen Österreich-Ungarn bzw. Deutschland oder sprichst du von der Erbfeindschaft Deutschland/Frankreich?

waldi44


22.12.2005 23:57:29
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morbid schrieb:
waldi44 schrieb:
Die Buchempfehlungen der "Jungen Freiheit" würde ich schon mal skeptisch beurteilen und noch skeptischer die sowohl von der "Jungen Freiheit" als auch den, in den von ihr empfohlenen Büchern, aufgestellten bzw vertretenen Behauptungen.

Warum stellst Du alles unter Generalverdacht, was aus der Feder der JUNGEN FREIHEIT stammt? Allein aus Prinzip? Sind die Thesen dieser Zeitung prinzipiell falsch, nur weil Möchtegern-Moralapostel dieser demokratisch-rechts-konservativen Zeitung extremistische Bestrebungen unterstellen?

Nein! Ich bin in aber Geschichte genug bewandert um zu erkennen, was die von der "Jungen Freiheit" bezwecken! Deshalb IMMER meine warnenden(!) Hinweisen auf den Ursprung. Könnte ja auch zB. mit "Junge Union" oder "Junge Welt" verwechselt werden...

bani


23.12.2005 00:23:53
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na ganz bestimmt nicht mit der "Jungen Welt" ...

oklaf


31.1.2006 21:15:13
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SIEGMAR schrieb:
 

Um mal mit einem meiner Lieblingsthemen zu beginnen.


Für mich ist das Deutschland unter Wilhelm II eine im eigentlichem Sinne demokratischere  und freiere Gesellschaft gewesen, als die damals sogenannten westlichen Demokratien.

Für diese Feststellung habe ich schon viel Prügel bezogen.
Allerdings scheint es da in letzter Zeit bei einigen Leuten einige Geistesblitze gegeben zu haben.
So berichtete die JUNGE FREIHEIT letztlich über ein Buch (natürlich im Ausland erschienen), in dem der Autor eine ähnliche These aufstellt.

Dann teile uns deine Überlegungen doch mal mit...

Wilden


21.2.2006 12:00:02
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Wie verlief eigentlich die Abdankung von Wilhelm II? Und warum verzichtete auch der Kronprinz auf den Thron?

SIEGMAR


15.12.2006 12:14:41
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Also zur Kriegsschuld sag ich mal gar nichts.

  Aber es gibt da ein schöner Bild wie Wilhelm!! neben einem jungen Briten steht, der in irgendeiner Marineuniform steckt, WC hieß der wohl, wenn ich nicht irre....

Und ich habe mich oft gefragt, was die gute Victoria (ich weiß, nicht genau von wann das Bild ist) wohl gesagt hätte, wenn ihr Enkel, der gute Willi, aus Versehen diesem kleinen unbedeutendem Marinejüngling den Degen an eine sehr ungünstige Stelle gesteckt hätte....

Ich denke mal man hätte ein wenig püber seine Ungeschicklichkeit gelästert aber der Erde wären die Weltkriege erspart geblieben!




Wilhelm war sicher ein schwieriger Charakter.
Trotzdem sollte man ihn nicht zu streng bewerten.

Wenn ich mit so etwas nicht immer schon Probleme gehabt hätte könnte ich mit Fug und Recht sagen, ich vereher Bismarck. Natürlich kann ich auch nach einer Flasche gutem Malz Whisky noch ein Referat über das Bismarck´sche Bündnissystem halten.



Aber bleiben wir Bismarkianer mal ehrlich!
Es war Betrug!!!
Und zudem sehr schwer zu handhaben.
Ich denke mal auf Dauer wäre es eh zu Problemen gekommen. Denn Die Insulanten haßten uns nicht wegen unserer Flotte (das taten sie erst nach der Skaggerat-Schlacht).
Sie haßten uns (zumindest WC) weil wir wirtschaftlich und technisch einfach Klassen besser waren.

Und wenn man dann noch bedenkt, daß wir das alles ohne Kolonialreich erreicht hatten und wir die stärkste Macht der Erde waren (selbst die Flotte der Engländer war eben durch die U-Boote nicht mehr so stark wie früher), auch ohne Kolonien...

waldi44


15.12.2006 15:59:50
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Nunja, etwas unübersichtlich ....
Von Hass der Briten auf uns würde ich nicht sprechen, wohl aber von Angst, dass wir ihnen den Rang als Werltmacht und Weltpolizei ablaufen könnten und die Modernisierung der veralteten britischen Flotte erfolgte auch erst auf Druck der deutschen Flottenrüstung und brachte den "Dreadnaught" hervor.
Richtig ist, dass gerade Wilhelm den Briten gegenüber, eine gewisse Naivität hegte, die soweit ging, dass er zB. WC & CO an allen wichtigen Manövern zu Lande und zu Wasser teilnehmen liess. Inwieweit das nun auf Gegenseitigkeit beruhte weiss ich nicht.

"Wilhelm II. betonte in dem Gespräch sein andauerndes Bemühen um ein gutes deutsch-britisches Verhältnis. Der britische Argwohn gegenüber dem Reich sei unangebracht, denn während des Burenkriegs habe er als deutscher Kaiser die Bildung eines anti-britischen Kontinentalbundes zwischen Rußland, Frankreich und Deutschland verhindert. Er habe sogar der englischen Königin Viktoria, seiner Großmutter, einen Feldzugsplan geschickt, der dem tatsächlichen Vorgehen gegen die Buren entsprochen habe. Auch sei die deutsche Flotten- und Kolonialpolitik nicht gegen England gerichtet, sondern die deutsche Flotte böte die Möglichkeit zu einem gemeinsamen Vorgehen in Übersee. "

http://www.dhm.de/lemo/html/kaiserreich/innenpolitik/telegraph/index.html

@ Wilden

"Im deutsch-amerikanischen Notenwechsel zur Beendigung des Ersten Weltkriegs machte die amerikanische Regierung klar, daß Deutschland nur bei einem Thronverzicht des "monarchistischen Autokraten" Wilhelms II. erträgliche Waffenstillstandsbedingungen erwarten könne. Wilhelm II. neigte zunächst dazu, als Kaiser abzudanken, aber preußischer König zu bleiben."

http://www.dhm.de/lemo/html/weimar/revolution/abdankung/index.html

SIEGMAR


23.12.2006 12:23:37
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 ::)Muß mir mal irgendwann wieder mehr Zeit nehmen...

Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob die insulanten, allen voran dieser unsägliche, nicht umsonst mit übelsten Kampfhunden gleichgesetzte WC, guten Argumenten zugänglich waren.

DEUTSCHLAND unter Wilhelm II war eben etwas besonderes. Natürlich gab es mal den einen oder anderen unglücklichen Spruch, auch von Wilhelm. Aber wir waren trotz der unbestreitbaren militärischen Überlegenheit längst nicht so agressiv und imperialistisch wie die usa , die franzen die insulanten oder die Russen. Dazu muß man nur mal sehen wie oft die genannten Staaten (und weswegen) in der Zeit zwischen 1850 und 1914 Kriege führten, und das dann mal mit DEUTSCHLAND vergleichen.
Natürlich waren die Kriege 1864 , 1866 und 1871 reine Verteidigungskriege obwohl ich da auch andere Meinungen nicht ganz verdamme. Aber selbst wenn wir diese und 2, 3 Kriege in Afrika dazurechnen ist das eine sehr kurze Liste.


Ich denke mal Wilhelms Deutschland als eben nicht brutale Adels-Autokratie ala´Rußland oder Wirtschaftsdiktatur ala´usa war einigen einfach im Wege, da es einen neuen Weg der Regierung aufzeigte, der einigen Mächtigen einfach nicht paßte.

  Übrigens war die Deutsche Industrie auch nicht so einflußlos wie das vielleicht klingt, das ist mir schon klar.


.

wal


23.12.2006 21:18:08
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SIEGMAR schrieb:
 

 ::)Muß mir mal irgendwann wieder mehr Zeit nehmen...

Ich bin mir bis heute nicht sicher, ob die insulanten, allen voran dieser unsägliche, nicht umsonst mit übelsten Kampfhunden gleichgesetzte WC, guten Argumenten zugänglich waren.

DEUTSCHLAND unter Wilhelm II war eben etwas besonderes. Natürlich gab es mal den einen oder anderen unglücklichen Spruch, auch von Wilhelm. Aber wir waren trotz der unbestreitbaren militärischen Überlegenheit längst nicht so agressiv und imperialistisch wie die usa , die franzen die insulanten oder die Russen. Dazu muß man nur mal sehen wie oft die genannten Staaten (und weswegen) in der Zeit zwischen 1850 und 1914 Kriege führten, und das dann mal mit DEUTSCHLAND vergleichen.
Natürlich waren die Kriege 1864 , 1866 und 1871 reine Verteidigungskriege obwohl ich da auch andere Meinungen nicht ganz verdamme. Aber selbst wenn wir diese und 2, 3 Kriege in Afrika dazurechnen ist das eine sehr kurze Liste.


Ich denke mal Wilhelms Deutschland als eben nicht brutale Adels-Autokratie ala´Rußland oder Wirtschaftsdiktatur ala´usa war einigen einfach im Wege, da es einen neuen Weg der Regierung aufzeigte, der einigen Mächtigen einfach nicht paßte.

  Übrigens war die Deutsche Industrie auch nicht so einflußlos wie das vielleicht klingt, das ist mir schon klar.


.

Was sind Demokratie oder "brutale Adels-Autokratie" oder Wirtschaftsdiktatur? Wie kann man einen Demokratiegrad messen?

waldi44


23.12.2006 21:38:55
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Demokratie kann man an der Zufriedenheit des Volkes mit seiner Regierung messen und die liegt heute bei uns wohl so zwischen 35 und 45 %! Ist DAS noch Demokratie?

wal


24.12.2006 19:52:55
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waldi44 schrieb:
Demokratie kann man an der Zufriedenheit des Volkes mit seiner Regierung messen und die liegt heute bei uns wohl so zwischen 35 und 45 %! Ist DAS noch Demokratie?

Schwer zu sagen, aber in Russland, zum Beispiel, sind mehr als 50% mit der Putin's Regierung zufrieden. Gibt es dort mehr Demokratie?
Ich habe auch ueber eine andere Methode gehört: wie lange kann man laufen ohne von jemandem nach einen Pass gefragt.

Richtschuetze


25.12.2006 22:23:54
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Für mich ist das Deutschland unter Wilhelm II eine im eigentlichem Sinne demokratischere  und freiere Gesellschaft gewesen, als die damals sogenannten westlichen Demokratien

Ich lese bisher nur mit aber jetzt wollte ich auch was schreiben, das was Siegmar geschrieben hat sehe ich auch so!
Zur der Zeit ging es den Menschen viel besser als in einigen anderen Ländern der westlichen Welt.Wie sah es von der Lebensqualität zb in England/Frankreich aus besser als im Reich?Ich würde mal sagen nein!
Meine Oma Jahrgang 1908 erzählte mir ein wenig von damals sie meinte es wäre es schöne Zeit gewesen soweit sie das als Kind beurteilen konnte.Jedefalls hätten das auch Ihre Eltern wohl so gemeint erst mit Ende des 1 Weltkriegs(ca Ende 1916/17) ging es bergab!

Gruss

P.S für mich ist Fakt das Deutschland(Das Reich)für viele andere Nationen ein "Dorn"im Auge war!

waldi44


26.12.2006 10:24:46
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Schaut in Zille's "Bilder der Strasse" oder "Mein Milijö", lest "Die Buddenbrocks" oder "Kleiner Mann was nun" und euch vergeht die Schwärmerei von der "Guten alten Zeit", die auch für den deutschen Arbeiter überwiegend Maloche, Hunger und Krankheit bedeute, nicht anders als für den französischen und englischen Arbeiter.
Wer zB in Ostberlin wohnt, brauch nur nach Prenzelberg zu gehen. Da stehen noch viele der alten Mietskasernen und wer sucht, findet auch noch welche mit dem 4. und 5. Hinterhof und Klo auf halber Treppe- es gab auch welche mit Klo auf dem Hof und wer dort "wohnte", zu vielt in einem dunklen feuchten Zimmer, der nach 10 oder gar 12 stündiger Maloche kaum Erholung fand, fand die Zeit sicher nicht als die "gute"!
Klar, wer das Glück bzw Geld hatte woanders zu wohnen oder gar arbeiten zu lassen, statt zu arbeiten, wird das etwas anders beurteilen!

Richtschuetze


26.12.2006 11:45:18
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die auch für den deutschen Arbeiter überwiegend Maloche, Hunger und Krankheit bedeute, nicht anders als für den französischen und englischen Arbeiter

ja klar Waldi das ist so gewesen da hast Du recht aber man müßte mal genau vergleichen können wie sah das mit der Bildung aus wie die Versorgung durch Ärzte wie war die Sterblichkeit bei Kindern wieviele Menschen hatte Arbeit gab es damals eine art Armenhilfe/Arbeistlosengeld etc.??
Wie waren die Rechte/Pflichten der Bürger?
Und dann muß man vergleichen wie es in anderen Ländern gewesen ist allen voran England/Frankreich oder die USA!
Ich sage jetzt einfachmal so das Deutschland in diesen Dingen führend war zumindestens gegenüber den direkten Nachbarn!
Gibt es eigentlich nicht ein gutes neutrales Buch über dies alles?

Gruss

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26.12.2006 12:03:41
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@waldi man muß immer den Vergleich in der damaligen Zeit anstellen. Es gab eben damals keine (oder nicht viele) elektr. oder elektronische Errungenschaften, Haushaltshilfen oder Großartige Konsumentationsmöglichkeiten wie heute. Deshalb wurde auch Wohnungen anders gebaut, schnell, klein auf engsten Raum, so wie Städte in tausenden von Jahren schon immer entstanden ! Erst der große Warenverkehr und der dadurch entstandene neue Volkswohlstand ließ auch ein Umdenken in der Wohnbausituation zu. In den Hinterhöfen Berlins und in Zilles Millieü gab es klaum Facharbeiter und Handwerker, dort wohnten Hilfs,- Saison,- und Tagelöhnerarbeiter die zu Massen in die Großstädte strömten.
Auch wenn wir vom Blick der heutigen Generation zurückblicken, es gab Leute die früher diese soziale Mischung auch nicht verliessen (Vorderhaus: Facharbeiter,Beamte etc., Seitenflügel: Handwerker, festbeschäftigte Hilfsarbeiter, Hinterhaus :Hilfsarbeiter, Tagelöhner etc.). Man zog auch nicht weg wenn es einen besser ging, weil man sozial verwurzelt war.
Viele mußten malochen, manche (eigentlich wenige) mußten auch hungern, aber nie ging es den Menschen besser als zur Kaiserzeit, wenn sie zurückdachten.
Bsp.: Jeden Steinkohlebergarbeiter in Schlesien oder im Ruhrgebiet ging es besser als diejenigen Franzosen die in "Germinal" so eindrücklich beschrieben wurden.
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SIEGMAR


9.1.2007 13:43:00
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Ein gutes neues erst mal!

SIEGMAR


9.1.2007 13:56:25
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Ich bin auf dem Land in einem 300 - Einwohner Dorf aufgewachsen. Daher sehe ich das immer ein wenig aus dem Blickwinkel des Landbewohners.

Damals lebten allerdings auch die meisten Menschen auf dem Land und arbeiteten in der Landwirtschaft. Das war keine leichte Arbeit und die Geschichten über die Arbeitsbedingungen kenne ich als Sprößling einer armen Landarbeiterfamilie schon recht gut. Trotzdem ging es den Menschen auf dem Lande schon relativ gut.
Zudem hatten viele einen kleinen Garten, der recht bedeutsam war für die Versorgung der Familie.


Aber auch die Lage des kleinen Angestellten gesserte sich  vor 1914 stetig.
Daß es damals immer noch die Arbeiterfamilie gab, der mit x Kindern in einem Zimmer hauste will ich gar nicht bestreiten.  Nur wurde das eben eher weniger.



  ;DUnd die Toilette....

Also wir mußten noch bis 1974 aus der Haustür rausgehen, ja auch bei -20 Grad im Winter, dann um das Haus herum einen dunklen Weg entlang und kamen dann zu einer Holztür, und hinter derselben konnten wir dann...

 ::)Dafür war die Wohnung damals auch sehr sehr günstig!


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