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Alltag in der DDR.

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AutorBeitrag

waldi44


30.12.2005 14:47:24
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Kann man eigentlich DEN Alltag in der DDR beschreiben? Muss man da nicht unterscheiden von wann bis wann und wie war wessen Alltag? Man merkt ja schon an den alten Beiträgen, dass der Alltag in der DDR von verschiedenen Leuten verschieden erlebt wurde...

Hero-Dude


30.12.2005 16:05:24
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Stellt sich die Frage, ob man Alltag überhaupt beschreiben kann? Schließlich ist das ja "Einzelschicksalsgeprägt"!

waldi44


1.1.2006 11:14:54
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Komisch ! In JEDEM Beitrag, in dem es um die DDR geht, kommen immer Alltagserlebnisse, um zu beweisen, wie gut oder schlecht die DDR war. Nur HIER, wo man sogar mit der Überschrift konform wäre, kommt nichts !
Wie war das nun eigentlich mit den Telefonen in der DDR? Wer bekam welche und wer nicht- oder Schreibmaschinen?
Waren die frei erhältlich? Zu meiner Zeit nicht. Ich musste mir eine von einem Bekannten- Sohn eines Staasioffiziers- besorgen und die hätte schon beim Führer im Vorzimmer stehen können!

bani


1.1.2006 11:40:59
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Schreibmaschinen?

Also wenn ich mich recht entsinne hab ich mir meine erste - damals noch mechanische  - ganz normal in Rostock gekauft.
Warum sollte es die nicht frei geben?

Irgendwelche "richtigen" Geräte zum "wieauchimmerkopieren" - ist klar, hätte man ja Flugblätter machen können.
Aber mit 'ner Schreibmaschine hätteste da ja Jahre gebraucht, um eine vernünftige Anzahl hinzubekommen!
Mit Kohlepapier war doch meist schon der dritte Durchschlag kaum noch lesbar ...



Aber irgendwie haste Recht:
Sonst muß nur irgendwo DDR stehen - und schon ist das Ding vollgeschrieben - ob sinnvoll oder nicht sei mal dahingestellt ...

waldi44


1.1.2006 13:01:25
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Also ich hab keine gekriegt- hab noch nicht einmal einen entsprechenden Laden gefunden und das in Berlin. Das war so degen Ende der 60er. Äh, mir hat man damals mal gesagt, dass eine Schreibmaschine durchaus ein "Vervielfältigungsapparat" sei!
Ich möchte jetzt aber nicht drauf schwören- hab vielleicht in den falschen Geschäften gesucht, bzw. nicht intensiv genug!

The Real Blaze


1.1.2006 14:22:44
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Alltag in der DDR...Naja das würde entweder Buchseiten füllen, oder eben nur auf Stichwort funktionieren.  In 40 jahren DDR gab es im Einzelhandel den Satz, den Westdeutschland nie richtig kennengelernt hat: "Das haben wir nicht" oder "Ham wr nich" Ostberlin stellte da noch die Ausnahme, ich hab mich auch deshalb freiwillig für Montagebaustellen dorthin gemeldet, um das einzukaufen, was es in der Provinz fast nie gab. 

Neben der Mangelwirtschaft gab es auch noch die Schattenwirtschaft der Vietnamesen( "V(F)itschis" genannt). Als die bei uns im Erzgebirge massenweise aufkreuzten hatten sie gleich ganze Neubaublöcke umfunktioniert. Fragte man Männer was sie früher gemacht haben kam ein "Kambodscha, bum bum". Die Frauen dagegen  kamen aus Saigon...zur Umerziehung, weil sie früher in GI Bordelle angeschafft haben. Mit Umerziehung war dann auch nicht viel, in einem Plattenbau hatten sie die gesamte obere Etage wieder in einen Puff umgewandelt. Brannte eine rote Lampe am Fenster, war frei. Manch einer "verliebte" sie in so eine "Erfahrene" und heiratete sie gegen 10000 Ostmark "Gebühr".


Ankunft von Mongolen und Vietnamesen mit der Eisenbahn im Jahre 1952 ...und da gabs doch tatsächlich ne Frau die sich darüber freute

In den mittleren Etagen wurden Klamotten genäht, Jeans und so weiter, alles irgendwie besser ,als das was die DDR Industrie mit ihren "Wiesent" Jeans auf dem Markt brachte. Der Markt brummte, lieber billig westlich aussehen, als miefig zonenmäßig. Die Vitschis kauften dann auch noch mit dem verdienten Geld den Markt mit Fahradketten leer, um sie für das zehnfache in Vietnam weiterzuverkaufen.
Da konnten sie uns bald schnell "auslächeln", so wie die dort verdienten. Hab nie verstanden, wieso das dermaßen toleriert wurde, denn bescheid darüber wußte ja der Stasistaat...

soo das sollte mal reichen fürs erste

Wilden


1.1.2006 18:40:37
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Den Alltag in der DDR zu beschreiben, ja wo will man anfangen? Gibt ja keiner einen Anstoß. 

Ich könnte über meinen Alltag berichten, in dem es sich vorrangig um Sport, erst Fußball dann Radsport, drehte. 1986 Wechsel auf die Kinder- und Jugendsportschule (KJS) "Karl-Marx" in Leipzig und zum SC DHfK Leipzig. Dort bis 1990.

KJS-Alltag:
7 Uhr bis 8.45 Uhr Schule
9.15 bis 12 Uhr Training
13 Uhr bis 18 Uhr Schule

oder 7 Uhr bis 9.45 Uhr Schule
ab 10.15 Uhr bis abends ein bis drei Trainingseinheiten

Schreibmaschinen:
Hatten wir zu Hause, sogar eine Reiseschreibmaschine. Später auch eine elektronische. Empfand nicht, dass das ein Mangel war.

waldi44


2.1.2006 11:12:19
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Ich wohnte ja in Berlin und war immer wieder überrascht, wenn ich in die Republik kam (ja, da wurde Unterschieden- Berlin und der Rest der Republik), was es da alles NICHT gab oder eben umgekehrt. Daher kommt es heute manchmal zu Missverständnissen selbst im Gespräch der Ossis unter sich.

Wilden


2.1.2006 13:34:40
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waldi44 schrieb:
Ich wohnte ja in Berlin und war immer wieder überrascht, wenn ich in die Republik kam (ja, da wurde Unterschieden- Berlin und der Rest der Republik), was es da alles NICHT gab oder eben umgekehrt.
z.B. H-Milch gabs nur in Berlin. 

Mastercloser


2.1.2006 18:51:05
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Wilden schrieb:
z.B. H-Milch gabs nur in Berlin. 

Jup, immer wenn ich bis 1987 in Berlin war, hab ich die Tetraeder gekauft. Da gab es sogar Karamelmilch. Habe ich nirgendwo anders gesehen.
Irgendwann im Winter '86 kam ich mal in eine ganz normale Kaufhalle in Lichtenberg. Da standen große Gitterboxen mit richtigen Apfelsinen rum, nicht nur diese holzigen Kuba-Orangen. Sowas hab ich in der Provinz nie gesehen.

mfg

Mc

Mastercloser


2.1.2006 19:08:59
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Hmm, wo ich gerade bei Südfrüchten bin, während meiner Armeezeit hatte ich oft im Überseehafen Rostock zu tun. Interessant, was da alles umgeschlagen wurde.  Zum ersten mal habe ich dort Limetten gesehen. Erst dachte ich, das wären grüne Zitronen, bis mich jemand über meinen Irrtum aufklärte.
85 oder 86 habe ich auch gesehen, wie W-50 in der Armee-Ausführung, sandfarben lackiert, mittels RORO verschifft wurden. Hinter der Frontscheibe waren Zettel befestigt. Auf einigen stand Bagdad, auf anderen Teheran. Ich weiss, daß das keine Hafenstädte sind, aber es stand da. Die wurden mit dem selben Kahn verschifft. Interessant, wohin überall die ollen W-50 verkauft wurden, zumal es eindeutig die Armeeausführung war (Kommandantenluk).

1989 war ich mal im Elektromarkt am Alex, im Haus der Elektronik. Da gab es Videorekorder zu kaufen. Ich wollte zwar keinen, aber es stürzte jemand rein, der unbedingt noch einen wollte. Das Ding kostete über 7000 Mark, man bekam eine (!) Kassette dazu. Der hat die Verkäuferin ewig bequatscht, hat aber keinen mehr bekommen. Tja, Geld war ja unter den Leuten, man konnte es ja auch für nichts ausgeben.

The Real Blaze


2.1.2006 21:50:04
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Tja, Geld war ja unter den Leuten, man konnte es ja auch für nichts ausgeben.

Geld war aber nicht unter allen Leuten, manche haben von der Hand in den Mund gelebt, hatten sogut wie kaum Ersparnisse. Als ich in Ostberlin gearbeitet habe, hat mir mein Vermieter erzählt, daß bei Berlin Schönefeld ein Golf für 100000 Ostmark zu haben sei. Er soll nicht lange rumgestanden haben.

Wilden


3.1.2006 14:16:32
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100.000 DDR-Mark für nen Golf wundern mich nicht. Ich war mal auf einem dieser halb-offiziellen Automärkte. Da hat es einen ja umgehauen. Allein für die Anmeldung für unseren Lada 2104 wurden 10000 Mark geboten.  Ein Wartburg 1.3 Tourist sollte 90.000 DDR-Mark kosten.  Möchte mal wisssen wo die Leute das Geld her hatten.

@Mastercloser
Hast Du nicht die Bilder von beiden Golfkriegen und dem US-Einmarsch in den Irak gesehen. Da standen ganz viele intakte und auch abgeschossene W-50 und auch L-60 rum. 

@realblaze
Das mit den vietnamesischen Nutten, die vorher GI´s bedient haben, wundert mich nun aber doch. In die DDR durften eigentlich nur verdiente Nordvietnamesen, VietKong-Aktivisten bzw deren Kinder. Wer sich von den Südvietnamesen mit den Amis eingelassen hatte wurde doch teilweise in Arbeitslager verbracht, egal ob Mann oder Frau. Nur die Bergstämme (Montangards) blieben davon weitestgehend unberührt. 

Niwre


3.1.2006 14:26:10
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Wilden schrieb:
Hast Du nicht die Bilder von beiden Golfkriegen und dem US-Einmarsch in den Irak gesehen. Da standen ganz viele intakte und auch abgeschossene W-50 und auch L-60 rum.
In Heiligengrabe standen bis vor ein paar Jahren auch ~500 nagelneue W50 und L60 rum. Die wurden dann aber alle gen Vietnam verkauft. 

Mastercloser


3.1.2006 15:33:21
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Wilden schrieb:
@Mastercloser
Hast Du nicht die Bilder von beiden Golfkriegen und dem US-Einmarsch in den Irak gesehen. Da standen ganz viele intakte und auch abgeschossene W-50 und auch L-60 rum. 

Ja, ist mir noch in Erinnerung. Aber ich war ja beim Verladen auch dabei, bzw. habe die Schiffe abgesichert.
mfg

Mc

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3.1.2006 16:39:55
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@ Wilden , das ist ganz einfach, ich war selber dabei !
Mein Kollege hat wie alle verdiente Parteigenossen und andere "Verdiente" Mitte der '80iger einen nagelneuen Lada bekommen, außerhalb der Anmeldungen (15 000 Stück DDR weit-glaube ich). Da er schon ein 1200 hatte, hatte er eine Annonce (fingiert natürlich) in die WoPo reingesetzt. Wir sind dann beide nach Thüringen zum Fleischermeister, der dann den Lada für 85.000 Mark kaufte !
Wie kam der zu so schnellen Geld? Ganz einfach, die guten Sachen kamen gar nicht auf den Ladentisch! Die wurden entweder veredelt (und noch teurer) oder sofortigst für einen satten Aufschlag unter dem Ladentisch verkauft oder gut eingetauscht. So funktionierte der DDR Markt und man kam zu schellen Geld.
Meistens hatten die Handwerker, Bauern etc. auch viel zu tun so das sie gar nicht in der Lage waren, Geld unter die Leute zu bringen, auf Banken ging es auch nicht (Wegen Steuern) also hatte man immer viel cash in der Tasche...
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Wilden


3.1.2006 17:40:04
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85.000 Ocken für nen 1200er?  Noch die Shiguli-Varinate oder doch die lada-Ausführung? Ich habe später mal 1500 D-Mark für letztere bezahlt. 

The Real Blaze


3.1.2006 21:52:15
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In die DDR durften eigentlich nur verdiente Nordvietnamesen, VietKong-Aktivisten bzw deren Kinder.

Was war in der DDR "eigentlich"   Genau das habe ich erlebt und das Vietnamesenghetto stand im Nachbarort. Als die Vitschis aus Kambodscha raus waren, hat man den größten teil in die DDR verfrachtet. Tja und die haben auch nur von Kambodscha erzählt, die kannten nur den Buschkrieg sonst nichts. Und die Saigonnutten waren eigentlich ziemlich anpassungsfähig. Hatten nie Ärger mit den Vopos und hatten trotzdem das rote Licht im Fenster und jeder hats gewußt, was dort abging. (am besten waren die Mischlingsbräute, wo ein Teil Gi Genpool war.

merlin61


3.1.2006 22:34:36
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Vielleicht interessant zum Titelthema:


Mittwoch 04.01.06
Sendezeit: 00:45 - 4:00(!) Uhr
Sender: (Phoenix)
Showview: 549-661-655

Thema: Das war die DDR - Berichte von Elf 99

Reportagen aus der Wendezeit

Da hat das Dorf geweint - Zwangsausgesiedelte brechen ihr Schweigen
Wie weiter, FDJ?
Sesam öffne dich - Mitarbeiter für nationale Sicherheit sagen aus
Mir nach, Journalisten - Monstren, Medien, Mutationen
Leben am Todesstreifen - Menschen erinnern sich


Elf99 war die Jugendsendung des DDR-Fernsehens und wurde 1989 erstmals ausgestrahlt.
In den Wendemonaten erlangte das Magazin mit bis dahin undenkbaren Enthüllungsberichten eine große Resonanz.

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4.1.2006 17:08:15
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Wilden schrieb:
85.000 Ocken für nen 1200er?  Noch die Shiguli-Varinate oder doch die lada-Ausführung? Ich habe später mal 1500 D-Mark für letztere bezahlt. 

Mensch , er hat den "Neuen" verkauft und seinen 1200 behalten !

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Wilden


6.1.2006 00:03:19
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logo schrieb:
Wilden schrieb:
85.000 Ocken für nen 1200er?  Noch die Shiguli-Varinate oder doch die lada-Ausführung? Ich habe später mal 1500 D-Mark für letztere bezahlt. 

Mensch , er hat den "Neuen" verkauft und seinen 1200 behalten !

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Ach so. Dann schreib das gefälligst das nächste Mal auch so. 

omega1jg


9.9.2006 23:08:18
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Wilden schrieb:
waldi44 schrieb:
Ich wohnte ja in Berlin und war immer wieder überrascht, wenn ich in die Republik kam (ja, da wurde Unterschieden- Berlin und der Rest der Republik), was es da alles NICHT gab oder eben umgekehrt.
z.B. H-Milch gabs nur in Berlin. 

Nicht zu vergessen die so genannte Ketwurst ( Hot Dog ) auf DDR Slang 

omega1jg


9.9.2006 23:16:51
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The Real Blaze schrieb:

Tja, Geld war ja unter den Leuten, man konnte es ja auch für nichts ausgeben.

Geld war aber nicht unter allen Leuten, manche haben von der Hand in den Mund gelebt, hatten sogut wie kaum Ersparnisse. Als ich in Ostberlin gearbeitet habe, hat mir mein Vermieter erzählt, daß bei Berlin Schönefeld ein Golf für 100000 Ostmark zu haben sei. Er soll nicht lange rumgestanden haben.

Solche Sachen habe ich auch gehört.
Nun hatte ich das Ossi-Glück, von meinem Opa einen nagelneuen Trabant 601 S de Luxe geschenkt zu bekommen.
Eine GENEX-Ausführung  11002,- Ostmark. Das Teil habe ich sage und schreibe 3 Monate gefahren, dann mußte ich zur Fahne und habe das Teil für 18000,- verklingelt. Warn günstiger Preis zur damaligen Zeit

Mario


11.9.2006 19:30:31
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Also die Ket-Wurst jibbet wieder, auch in Berlin  Hab ick letztens erst schnabuliert !

Wir waren damals auffm Automarkt in Schönefeld. 500er Trabbi: 20.000 DDR-Mark. "Wat soll dat denn?" "Meester, der hat een Blaupunkt-Autoradio, det war teuer!" ( ohne Kassette, ohne alles!?! )
Ich schätze mal, auf dem Automarkt hat die Abteilung "Wirtschaftsstrafsachen" von Memphis ihr Planziel spielend erreicht !!!
Unseren haben wir damals in Dresden gekauft: 601K, ohne Autoradio, 8000 stand auffm Zettel, Endergebnis: 10.000.- !
Die erste Fuhre von Dresden nach Hause, Brandenburg, hat Vaddern fast geheult vor Freude. Der Motor is heute noch aktiv, als Ackerfräse im märkischen Sand !!!

In diesem Sinne
Tschaudi

waldi44


8.11.2007 14:50:30
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Auch ein Stück Alltag und was für Sammler und Nostalgiker:http://veb-forschung-meissen.de/11501.html



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