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Mitteldeutschland

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AutorBeitrag

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1.8.2008 08:42:05
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Hallo Freunde,
habe gerade einen Meinungsstreit über den Begriff Mitteldeutschland.
Wie lange war der Begriff eigentlich noch im Sprachgebrauch der BRD ? DDR wurde ja bei Bild bis 1990 in " " gesetzt. Bis Mitte der 70iger gab es bei jeder Tagesschau und "heute" noch die Grenzen von 1937. Ostdeutschland wurde erst Sprachgebrauch an 1990, daran kann ich mich noch gut erinnern.
Wie sind Eure Erinnerungen, denn im Osten waren sie für mich sehr selektiert.
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Balsi


1.8.2008 09:18:00
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na den begriff selbts gibt es ja noch heute... MDR = Mitteldeutscher Rundfunk. Allerdings bin ich mir etwas unsicher ob  Mittel hier nun bedeutet das alles was östlich davon ist Ostdeutschland ist (da Mittel hier bis Cotbus geht)

IM


1.8.2008 09:25:18
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Beim Mitteldeutschen Rundfunk wird es wohl eher darauf hinauslaufen, daß deren Mittel für deutschen Rundfunk eher sehr beschränkt sind, ...

waldi44


1.8.2008 12:40:53
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Ich meine, das oft verschmähte "Wiki" meint dazu ganz treffend:"Der Gebrauch des Wortes Mitteldeutschland für das Gebiet der DDR wurde beginnend mit den Grundlagenverträgen 1973 und spätestens mit dem Zwei-plus-Vier-Vertrag 1990 unüblich, es wurde vermehrt von Ostdeutschland oder der DDR bzw. nach der Wiedervereinigung von den Neuen Bundesländern gesprochen.

Lediglich von manchen deutschen Vertriebenen wird der Begriff Mitteldeutschland weiter für das Gebiet der ehemaligen DDR verwendet, um den Anspruch auf die ehemaligen Ostgebiete zu bekräftigen. Es wird auch davor gewarnt, das bisherige Mitteldeutschland einfach als Ostdeutschland zu bezeichnen, da so ein beträchtlicher kultureller und geschichtlicher Teil Deutschlands einfach negiert werde."
http://de.wikipedia.org/wiki/Mitteldeutschland

In der Schule, so kann ich mich erinnern, war der Begriff "Mitteldeutschland" der Beweiss für den revangistischen Charakter der Bundesrepublik im allgemeinen und den Vertriebenenverbänden, oft als Revangistenvereinigungen bezeichnet, im Besonderen.

adrian


8.9.2008 18:06:08
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Hallo,

Ihr habt ein interessantes Thema aufgegriffen. Ich kann mich an die mitteldeutschen Ausdrücke auch noch erinnern.
Sie wurden aber immer von der Seite Westdeutschlands gebraucht. Die Ostdeutschen sprachen nicht von Mitteldeutschland.
Ich glaube, in Ostdeutschland war das Wort Deutschland mehr als verpönt, denn damit verband die regierende Clique die
Verteufelung der Deutschen des zweiten Weltkrieges, obwohl viele Deutsche des früheren Deutschland in Ostdeutschland
am Aufbau aller Institutionen mitwirkten, selbst solche, die Schuld auf sich geladen hatten. Sie sind reingewaschen worden.
Es war ja auch leicht, Sie als den Teil der guten Deutschen darzustellen, denen das Wohl der Werktätigen am Herzen lag.
Revanchismus gab es nur in der damaligen Bundesrepublik, das wurde von den Organen der DDR jedenfalls immer so dargestellt.
Was hat diese Mannschaft für Verbrechen aufgeladen, alles unter dem Mäntelchen für das Wohl des Volkes.

Was haben wir doch an Verbildung bekommen. Wenn ich heute darüber nachdenke, dann weiß ich nicht, ob ich darüber diskutieren
sollte oder ob ich mich lieber den Dingen widmen sollte, die mir nahe sind.

Ich erinnere mich an Landkarten, die völlig fehlerhaft, natürlich mit Absicht gedruckt und verbreitet wurden. Auch die Bezeichnung
von Landschaften war manchem ein Dorn im Auge. In den 50er Jahren sagte man, wir fahren nach Mecklenburg oder nach Pommern.
Aber keiner sagte, wir fahren nach Mitteldeutschland. Unser Besuch aus dem Westen Deutschlands sagte immer, er führe in die Zone,
aber nicht nach Mitteldeutschland. Ich hatte in den 50ern zu sagen, westlich von uns liegt Westdeutschland oder später die BRD.
Mitteldeutschland, denke ich, war das Wort für den mittleren Teil Deutschlands.

Ist jemand anderer Meinung, dann nur her damit.

Gruß Werner

Jan-Hendrik


8.9.2008 19:02:52
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Werner, irgendwie ist die Formatierung deines Textes sehr merkwürdig 


Wie lange war der Begriff eigentlich noch im Sprachgebrauch der BRD

Ich kenns eigentlich nur unter "Zone" oder "Dunkeldeutschland"...

Jan-Hendrik

adrian


8.9.2008 20:23:00
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Hallo Jan-Hendrik,

ja warum denn? Kann nichts an der Formatierung finden, was da nicht hingehört.

Gruß Werner

waldi44


8.9.2008 23:04:48
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Nun, der Begriff "Mitteldeutschland" leitet sich einfach aus den geographischen Verhältnissen vor 1945 her. Für die DDR desalb eine revangistische Bezeichnung, da für sie die "Oder Neisse Linie", die einzig rechtmässige Ostgrenze sowohl der DDR, auch "Friedensgrenze" genannt, als auch dem, tja, dem was eigentlich? Der Bundesrepublik von damals ja wohl nicht...
Erst mit dem "Warschauer Vertrag" von 1970 erkannte die Regierung der Bundesrepublik die Westgrenze Polens an und somit verschwand der Begriff "Mitteldeutschland" auch langsam aus dem politischen Sprachgebrauch und wurde durch "Ostdeutschland" ersetzt, obwohl dieser Begriff schon vorher existierte. Politisch korrekt wurde dieser Teil dann auch als "DDR" bezeichnet.
Vertriebene und politische Hartliner bedienen sich aber noch immer des begriffs "Mitteldeutschland". Warum der  "Mitteldeutsche Rundfunk" ausgerechnet so heisst weiss ich auch nicht, denn sein Sendegebiet legt weder in ostwest, noch in nordsüd Ausrichtung in der Mitte des heutigen Deutschlands.

Jan-Hendrik


9.9.2008 07:50:46
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Vertriebene und politische Hartliner bedienen sich aber noch immer des begriffs "Mitteldeutschland"

Öhm, ich kenn gar viele Leute, die Mitteldeutschland sagen. Warum? Weils de historische Region in der Mitte Deutschlands ist 

Oder isz Sachsen-Anhalt zum Beispiel schon der "Osten Deutschlands"?

Das kommt halt davon, wenn man versiucht, geographische Begriffe mit politischer Korrektheit zu kreuzen 

Jan-Hendrik

AK 74 ZF


10.9.2008 10:17:49
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Mhm Adrian ... in der DDR gab es hinsichtlich des Begriffs "Deutschland" zu unterschiedlichen Zeiten (in der Geschichte der DDR gab es einige "nationale Phasen") ansich keine Probleme. Der Umgang mit dem Begriff "Deutschland" bzw. dem Nationalitätenbegriff Deutsch, war in der DDR fast schon natürlicher als heute in der BRD. ... Wobei man in der DDR mit Deutschland auf keinem Fall die BRD assozierte !!!, sondern das historische Deutschland in seiner Geschichte seit der Teilung des fränkischen Reiches und Konrad I./Heinrich I./Otto I. als erste deutsche Könige/Kaiser.

Besonderheit in der "Geschichtsbildung" in der DDR-Zeitr war die weitgehende Ausblendung der Geschichte Schlesiens, Ost- und Westpreußens, Sudeten u. der anderen "Ostgebiete", bzw. eine Verfälschung/Reduzierung derselben auf die "Ostexpansion".

Die Bezeichnung "Mitteldeutschland", so wie er heute für Teile Sachsens, Sa.-Anhalts, Thüringen u. Teile Brandenburgs gebraucht wird war völlig unüblich. ... Der "normale" DDR-Bürger betrachtete die damalige BRD als Westdeutschland und die DDR als Ostdeutschland. ... Der Begriff "deutsche Ostgebiete" war aber, durch Berichte über die "bösen Revanchisten" in der BRD, bekannt. Man darf dabei nicht vergessen daß es auch in der DDR viele Vertriebene/Umsiedler (der Begriff "Vertriebene" war offiziell Tabu) gab, welche wußten daß der ehemalige Osten Deutschlands jenseits Oder-Neiße lag.

Der Begriff "Mitteldeutschland" wurde im normalen heutigen Sprachgebrauch erst nach 1990 von drüben (BRD-Seite) eingeschleppt und massiv verbreitet. Daß dieser evtl. vor 1945 schon Verwendung fand steht dem nicht entgegen. Zumindest zu DDR-Zeiten war der Begriff "Mitteldeutschland" bei uns völlig unüblich.

Die Assoziation BRD=Westdeutschland und DDR=Ostdeutschland findet sich auch bei der heute weit verbreiteten Bezeichnung "Wessi" und "Ossi" wieder.
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Die obige Erklärung ist nicht politisch gemeint !!! Es mag da aus westdeutscher Sicht, oder auch von einigen westorientierten "Ossis"(hinsichtlich DDR) auch andere Meinungen geben. Aber Fakt ist daß es hier im Osten der heutigen BRD doch ein bissel "Sprachverwirrung" gibt, weil ein Teil der "Ostdeutschen" (Bezeichnung für Ex-DDR-Bürger) gleichzeitig "Mitteldeutsche" sind. Und als i-Punkt noch dazu, für Geschichtskundige, das Wissen daß die eigentlichen Ostdeutschen die Bewohner Schlesiens, Ost- und Westpreußens waren.

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P.S.  @ Waldi ... Du bist ja älter wie ich. Zumindest zu meiner Zeit Schulzeit wurde der Begriff "Mitteldeutschland", außer der Geschichtsbegriff "Mitteldeutsches Industriegebiet" u. einige andere Termini wie z.Bsp. Mitteldeutsche Tieflandsbucht etc.so gut wie garnicht verwendet.

AK 74 ZF  - Deutscher "Ossi" -

waldi44


10.9.2008 12:02:25
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Da wo der Begriff Mitteldeutschland historisch begründet war, gab es eigentlich keine Probleme. Ansonsten, wie du schon sagtest, kam er im Sprachgebrauch der DDR so gut wie nicht vor. Warum auch. Jenseits der Elbe war Westdeutschland oder die BRD und man selbst lebte ohnehin in der DDR !

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10.9.2008 13:45:34
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das habe ich aber schon im Eröffnungsbeitrag festgestellt @waldi......... , denn ich bezog mich auf den Sprachgebrauch in der BRD.
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waldi44


10.9.2008 14:23:23
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Ich habe mich auch auf @AK 74 ZF's Beitrag bezogen.

Theo aus Lodsch


2.11.2008 20:04:10
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Mitteldeutschland war zwar unüblich, aber nicht unvergessen.  Mit dem künstlichen unhistorischen "Bezirksquatsch" konnte sich doch niemand anfreunden (außer den Bonzen). Außerdem gab es in Mitteldeutschland Millionen Vertriebene, die genau wußten woher sie kamen, wenn es östlich der Weichsel oder Warthe war.  Mitteldeutschland gibts auch noch und zwar als Sendegebiet des MDR....Und wo der ORB sendet , findet sich das ostdeutsche Sendegebiet. Vielleicht sollte man lieber Sendungsgebiet sagen, wegen der Integration und den polnischen Zaungästen...

Wolfshund


19.8.2009 20:09:13
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Mitteldeutschland sollen die sagen, die aus Thüringen und Sachsen kommen und das liegt auch westlich der Elbe. Vielleicht sollte man sagen, daß alles was westlich der Elbe in der ehemaligen DDR liegt, das heutige Mitteldeutschland umfasst.  Östlich der Oder bis westlich der Warthe gilt als Ostdeutschland und zwar für alle Deutschen die dort ihre Wurzeln haben. Nordostdeutschland ist Ostpreußen, Norddeutschland ist Vorpommern, Usedom und Rügen.

adrian


19.8.2009 20:33:53
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Hallo Wölfi,

na, das ist doch mal eine Definition der Begriffe, die man sich
durchaus vorstellen kann, aber wohl noch nicht der Weisheit letzter Schluss.
Da kommt doch bestimmt noch etwas.

Gruß
Werner
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