Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 24.10.2005 bis zum 19.04.2010. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.
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Nomen Nescio21.10.2009 18:24:55 Direktverweis | Ist bekannt, wie viel Prozent der Kapazität der Reichsbahn gebraucht wurde um Juden nach den Lagern zu transportieren? Wenn es hoch ist, könnte das doch bedeuten, daß dadurch andere Benützer weniger bekamen, als sie hätten sollen. Die Lieferung der Rohstoffe an Fabriken könnte dann verzögert sein und danach könnte das Transport ihrer Produkte auch noch gehemmt worden. |
waldi4422.10.2009 14:00:24 Direktverweis | Rund drei Millionen Juden, Sinti und Roma beförderte die Reichsbahn in Personen- und Güterwaggons nach Auschwitz, Majdanek, Sobibor und in andere nationalsozialistische Vernichtungslager. http://www.dradio.de/dlf/sendungen/kulturheute/729047/ http://suche.welt.de/woa/result.html?query=Reichsbahn++Juden Nomen Nescio schrieb: Möglich und noch mal möglich . Zu letzterem: Im Zweifelsfall hatte jeder andere Transport vorrang. Es gibt ja unzählige Berichte darüber, dass Judentransporte mitunter tagelang auf Abstellgleisen standen, weil die Strecken blockiert oder keine Locks zur Verfügung standen. Tatsächlich Probleme entstanden diesbezüglich von ganz anderer Seite, nämlich von den Bonzentransporten, die ganze Züge und Schiffe für den Transport ihrer Güter beschlagnahmten und sich auch Vorfahrt verschafften.Im Übrigen meine ich, wenn es Engpässe gegeben hat, dann in der Zeit nach der Wannseekonferenz, als die industrielle Vernichtung der Juden beschlossen wurde und dann 1944, als die ungarischen Juden vergast wurden. Bis Ende 41 wurde das "Judenproblem" meist schon vor Ort geklärt - Exekution und dorthin gingen die Opfer meist zu Fuss. |
Christian6.11.2009 23:35:01 Direktverweis | waldi44 schrieb: Auf der Wannseekonferenz ist die Vernichtung der Juden nicht beschlossen worden. Das war eher ein Koordinationstreffen auf Staatssekretärsebene, um vorhergehende Reibereien und Kompetenzgerangel auszuräumen und alle beteiligten Stellen auf das "Projekt" einzuschwören. @Nomen Nescio Wenn du dich näher mit derm Thema Reichsbahn und Deportationen beschäftigen willst, so empfehle ich folgende Literatur: Raul Hilberg, Sonderzüge nach Auschwitz, Mainz 1981 Alfred Gottwald, Die "Logistik des Holocaust" als mörderische Aufgabe der Deutschen Reichsbahn im europäischen Raum, in: Neue Wege in ein neues Europa. Geschichte und Verkehr im 20. Jahrhundert, hrsg. von Ralf Roth, Frankfurt a.M. 2009, S. 261-280. Alfred Mierzejewski, A public enterprise in the service of massmurder. The Deutsche Reichsbahn and the Holocaust, in: Holocaust and genocide studies 15(2001), S. 33-46. |
Nomen Nescio7.11.2009 01:19:28 Direktverweis | Christian schrieb:DANKE !!! |
waldi447.11.2009 10:34:34 Direktverweis | Christian schrieb: Ja, da hast du Recht, wenn auch diese Konferenz landläufig als beschlussfand dargestellt wurde. Der Be- bzw Entschluss wurde ja von Hitler selbst gefasst. Die Konferenzteilnehmer sollten den Führerwillen zur Endlösung der Judenfrage dann in die Praxis umsetzen und zwar so effektiv wie eben möglich. Womit auch an diesem Beispiel deutlich wird: Ohne willige Helfer und Helfershelfer währe weder das 3. Reich funktionsfähig noch der Holocaust möglich gewesen. |