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Respekt oder nicht?

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AutorBeitrag

Dracula


18.9.04 15:39:48
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Hatten die kämpfende Partien nun Respekt für einander oder nicht?

Was soll man denn glauben. Das eine Mal wird geschrieben daß die “West”-Alliierten viel Respekt hatten vor den Deutschen, weil sie so gut und “fair” gekämpft hätten, das andere Mal liest man das Gegenteil, wegen der Greueltaten einiger Verbände (z.B Waffen SS). Bin gerade beim Lesen einer Geschichte des Schlachtes am Niederrhein. Am Ende wird gesprochen von respektvolle Briten und Kanadier für den Kampfgeist und Mut der Deutschen Soldaten.
Trotz hoher Verluste bei den Alliierten?

Kann mir kaum vorstellen, daß es von beiden Seiten Respekt gab, wenn man die tote Kameraden sah.

Die Meinung jedoch über die Italienische Truppen war eindeutig! Von beiden Seiten, Deutsch oder Alliiert.

Westwall


18.9.04 16:21:35
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Das kann man so pauschal nicht beurteilen bzw. beantworten, es kam natürlich immer auf die Situationen im allgemeinen Kampfgeschehen an.
Viel Respekt bekam die deutsche Seite zum Beispiel nach der Schlacht um Arnheim, insbesondere die Waffen-SS wo mit Zustimmung des Kom.Gen. des II.SS-Pz.Korps SS-Obergruppenführer Wilhelm Bittrich mit den eingeschlossenen britischen Verbänden Kontakt aufgenommen wurde um Feuerpausen zu vereinbaren damit britische und polnische Verwundete von deutschen Sanitätern aus dem Kessel geborgen werden konnten.
Genau so gab auch negative Gegenbeispiele, egal ob von alliierter oder deutscher Seite begangen, letztendlich entscheidet doch jeder Soldat nach seinen Kriegserlebnissen emotional darüber.

Noch ein Beispiel:
Ich kannte einen Veteranen der lange in russischer Gefangenschaft war, er konnte nur gutes über seine Zeit als Kriegsgefangener berichten, ganz anders als Millionen anderer deutscher Soldaten die mit ihm das Schicksal der Gefangenschaft in Russland teilten.

Dracula


18.9.04 19:59:37
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Da hast Du recht. Das kann man meistens nur subjektiv, und nicht generell beurteilen.
Kriegsgefange in der Steingrube in Siberien haben andere Erfahrungen als die die auf dem Bauernhof gearbeitet hatten.

Leuchtspur


19.9.04 05:11:51
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Ich kann mich der Meinung von Westwall nur anschließen, dass das nur individuell bzw. "region" bezogen beurteilt werden kann.

In Unterfranken, zum Beispiel,wurde in einem Ort ein dt. Soldat zu Tode gefoltert weil er einen US Panzer abgeschossen hat, einige Kilometer weiter wurden dt. Kriegsgefangene erschossen, weil sie den US Truppen enorme Schwierigkeiten bereitet haben, und wieder einige Orte weiter brachten US Truppen dt. Kriegsgefangene in Deckung und retteten deren Leben weil dt. Artillerie den Ort beschoss.

Martin 222


21.9.04 12:05:07
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Hallo,

..ja,da gab es wohl viele Dinge,die natürlich heute vergraben werden.War mal an einem Grabstein,da lagen Hitlerjungen und RAD,da hatte man einige auf ner Kreissäge zerschnitten,bis eine Anwohnerin einfach das Kabel mit einer Axt zerhackte.Den Rest hat man abgeführt und erschossen.Die Bengels hatten noch nicht mal ne Kampfhandlung erlebt oder geführt.
So etwas gehört aber nicht ins Bilde der Aufklärung,also schreibe ich es garnicht erst...oh,zu spät

Dracula


21.9.04 13:03:34
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Das wurde aber nicht von den hochzivilisierten Russen gemacht, oder von den friedlichen West-Alliierten? Die begingen ja nicht die Greueltaten der Deutschen die sie so verabscheuten, oder?

Petronelli


21.9.04 13:10:20
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Ich glaube nicht, dass man Hass aufeinander als Soldaten entwickelt, nur aufgrund der Opfer! Mein weiß doch, dass die anderen sich wehren! So schizophren hat glaub ich kaum ein Soldat gedacht!
Das Problem waren Brutalitäten, die nicht sein hätten müssen!
Im Allgemeinen kann man sagen, dass sich die Gegner respektierten und nur von Einzelerlebnissen heutiger Personen kein Pauschalurteil zu fällen ist!
Auch im Hürtgenwald hat man sich nichts geschenkt und es gab ähnliche Situationen wie in Arnheim! Die gab es aber auch in Stalingrad oder anderswo, wo man Feuerpausen vereinbarte um die Verwundeten zu versorgen!

Wo war das Gefoltere denn in Unterfranken? Ich wohne dort und erfahre gerne was so passiert ist!
Gruß
Peter

waldi44


21.9.04 13:16:32
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Der tatsächliche Unterschied liegt doch nicht in den örtlichen Verbrechen Vorort, sondern in den organiesierten, von oben befohlenen!
Jeder wird sich in die Situation eines Soldaten versetzen können, der zusehen muss, wie sein bester Freund von einer MG Garbe zersiebt wird und der wenig später den MG Schützen gefangen nimmt!
Man(Mann) kann sich auch vorstellen, wie Leute reagieren, denen eben ihr Haus durch Bomben in Schutt und Trümmer gelegt und die Angehörigen getötet wurden, wenn sie einen wehrlosen abgeschossenen Piloten erwischen.
Auch die Reaktion einiger Soldaten, die eben ein Lager befreit oder ihre verstümmelten Kameraden gefunden haben, sind doch aus menschlicher Sicht verständlich und da muss man nicht mit Korinthenkackerei oder Erbsenzählerei anfangen!
Übrigens werdet ihr gemerkt haben, dass ich obiges ganz neutral gehalten habe und es trifft somit auf ALLE Seiten zu!

Was gaaanz anderes aber ist es, wenn der Mord am Gegner von oben befohlen, inszeniert oder auch nur geduldet wird und da kann man ja wohl von deutscher Seite mit wesentlich mehr aufwarten!

Petronelli


21.9.04 13:24:19
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Wo wurde denn offiziell von Deutscher Seite die Erschießung regulärer und nachweislich Kriegsgefangener (also Kombattanten) von "oben" befohlen?
Außer im Kommissarbefehl, der aber nicht sehr lange existierte und auch nicht so massiv ausgeführt wurde, kenne ich da jetzt erstmal nix!
Oder willst Du Propagandaphrasen als Befehle "von Oben" definieren?
Dann ist das Ehrenburg und Churchill Gelaber nicht viel besser!
Gruß
Peter

waldi44


21.9.04 13:38:01
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Nun, vielleicht solltes Du mal bei Himmler nachlesen oder was Dönitz zur Rettung Schiffsbrüchiger sagte und zwar nicht nur im Zusammenhang mit dem Laconiazwischenfall und verschiedenen Lynschmorden an alliierten Piloten, zu denen unterschwellig aufgerufen wurde(Goebbels).

Dracula


21.9.04 14:04:49
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Ich war nicht dabei, aber es kann doch nicht so sein daß es nur Bestien als Besatzungen gab. Befehle von Oben wurden in solche Fällen nicht (immer?) durchgeführt? Meiner Meinung nach hatte die Mehrheit der Soldaten (Deutsch oder Alliiert) so eine Art von Berufsethik? Habe letztens ein Bericht gelesen von der Rettungsaktion schiffbrüchiger Briten von einer U-Boot Besatzung. Die hatten Dönitz Befehl dann wohl verweigert?
Es gab natürlich menschliche Schicksale. Viele Besatzungsmitglieder der Bismarck waren unterkühlt und ertranken als sie nicht an Bord genommen wurden von den Briten. Das war aber nicht wegen der Unmenschlichkeit der Briten, sondern höchsten Not. Wenn ich mich nicht irre, hatte die Dorsetshire einige Dutzende an Bord genommen und mußte dann wegen U-Boot Alarm abhauen.
Also ich glaube daß man sich, trotz extreme Vorfälle doch mit Respekt begegnete. Mit Bezug auf den Greueltaten, wie sagt man daß so schön auf Neu-Europäisch: It happened in the heat of the moment.

[ Editiert von Dracula am: 21.09.2004 14:12 ]

Petronelli


21.9.04 15:28:26
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Hi Waldi,
waren diese Aussagen der beiden genannten denn offizielle Befehle?? Mit U-Booten kann man übrigens kaum allzuviele Leute retten! Wohin damit, Bordknast gabs nicht, Gefahr von Sabotage...Abliefern?? Dann aber nur in aufgetauchter Fahrt! Sehr gefährlich!! Was hätten sie also machen sollen!?
Über den Himmler braucht man gar nicht erst reden, denn die Waffen-SS hat sich, wie die meisten Soldaten in diesem Krieg, in der Regel, an die Konventionen gehalten!
Und dann ist da immernoch die Frage inwieweit sich die Truppe an das Geschmarre überhaupt gehalten hat!
Die Russen haben auch nicht alle vergewaltigt und geplündert es wurden sogar Soldaten erschossen deswegen!
Es kam immer auch auf die Führung der Einheiten an!
Arschlöcher gab es überall!
Gruß
Peter

Leuchtspur


22.9.04 01:02:02
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@Petronelli: Das war in Euerbach, bei der Besetzung des Ortes wurde ein US.Panzer von einem Feldwebel Becker mit der Panzerfaust abgeschossen.

Feldwebel Becker gehörte zum KleinFluKo Wildschwein, das sich in der Nähe befand. Es wurde beim anrücken der Amis gesprengt und die Mannschaft beteiligte sich am Erdkampf.

US Truppen nahmen Feldwebel Becker gefangen, da er nicht mehr flüchten konnte und quälten ihn die ganze Nacht (08.04.1945 - 09.04.1945). Die Schreie waren noch weit vom Ort des Geschehens zu hören. Am Morgen des 09.04.45 fanden Büger des Ortes den sterbenden Feldwebel am Straßenrand, mit Verletzungen an Händen und Gesicht.

Martin 222


23.9.04 07:54:11
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Hallo,

..auch mich würden die Befehle von "Oben" mal interessieren und wo sie abgedruckt sind.Denn häufig werden Aussagen nur noch teilweise wiedergegeben,das sie einen völlig anderen Sinn bekommen.Nachzulesen bei Kurowskis "Bomber über Dresden".Ist ein sehr interessantes Buch,mal sehen wann es nicht mehr erwünscht ist.
Wie gesagt,es gab viele Phänomene,und mich wundert nur,das die heute am meisten(von unseren Gutmenschen)verteufelten Einheiten,vom Gegner hoch angesehen und auch positiv in den englischen Büchern erwähnt werden..
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