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Was machte ein V.B. bei der Ari?

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AutorBeitrag

bakerman


6.4.05 20:40:38
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Hallo! Kann mir mal jemand mitteilen, was genau die Aufgaben eines "Vorgeschobenen Beobachters", kurz V.B. waren ? Und wieso gab es diesen Posten nur bei der Artillerie-Truppe? Immerhin wurde eine nicht geringe Anzahl von V.B. sogar mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Hat jemand vielleicht ein Beispiel parat, wofür sich ein "kleiner V.B." ("klein", da es vorwiegend niedere Dienstgrade waren) derart ausgezeichnet hat?

Niwre


6.4.05 20:48:06
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Das ist der, der ua. das Artilleriefeuer lenkt. Das Auge der zurueckliegenden Truppe sozusagen.

@Edit: Beispiel: Heinrich Gottke.

[ Editiert von Administrator Niwre am 06.04.05 20:50 ]

waldi44


6.4.05 21:00:55
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Naja, aber ich denke vorgeschobene Beobachter gab es nicht nur bei der Ari! Jeder Beobachter vor der eigenen Linie ist ein vorgeschobener Beobachter.
Für die Ari mag so ein Beobachter zwar besonders wichtig gewesen sein, aber sicher werden auch andere Einheitsführer nicht auf vorgeschobene Beobachter verzichtet haben, wenn es darum ging, das eigene Gefechtsvorfeld zu beobachten, zB wenn die vorderen Stellungen geräumt wurden.
Für die Ari war es zB wichtig zu wissen, wie ihr Feuer lag und wo sich eventuell lohnende Ziele befanden, die sie, oft kolometerweit hinter der Front, nicht selber erkennen konnten.
Ausserdem hielten sie Kontakt zu den vorderen eigenen Linien um "Freundliches Feuer" zu vermeiden bzw auf plötzliche Truppenbewegungen zu reagieren bzw diese an die Ari weiterzugeben, also die Lage vor Ort zu aktualisieren.
Das konnten sie meist am Besten, da sie direkte Verbindungen hatten!

Nightwish


6.4.05 23:45:40
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Also der VB war, denn seit neuestem heißt er bei der Bundeswehr Artillerie Beobachter (AB), das Auge der Artillerie und die Schnittstelle zur Kampftruppe. Daran hat sich seit der Einführung der Artillerie als indirekt wirkende Waffe nicht viel geändert, nur die Verfahren haben sich verfeinert.

Zum einen hatte er die Aufgabe das Vorfeld der Hauptkampflinie zu beobachten und zu artillieristisch zu kartieren. Dabei werden auf Karte und einer individuell zu erstellenden Beobachtungstafel markante Geländepunkte und erkannte Feindstellungen nach ihrer Lage und den Relationen zueinander eingetragen. Dies erleichtert die Orientierung und die Zielansprache, was wiederum ein schnelles Reagieren auf sich ändernde Situationen (Gefecht - Verteidigung oder Angriff, Stellungswechsel - eigener oder feindlicher, usw.) ermöglicht.

Zum anderen war er die Verbindung zwischen der Kampfunterstützungseinheit, der Artillerie und der Kampftruppe in Form von Kampfpanzertruppe, Panzergrenadieren, Infantrie usw.. Das bedeutet, dass sowohl Angriffsoperationen im Hinblick Störfeuer, Niederhalten, Blenden (Nebel), Vorfeldbeleuchtung usw. als auch Planungen für die Verteidigung abgesprochen und koordiniert werden. Die Festlegung und Kartenmäßige Eintragung (Feuerräume) von geplanten Artillerieeinsätzten bzw. Vormarschrichtungen oder Rückzugsrouten verkürzt die Reaktionszeit der Artillerie enorm.

Der VB ist in so fern vorgeschoben, als dass er einige Kilometer vor den schießenden Teilen seiner Einheit und am vorderen Rand der eigenen Truppen steht. Die oben genannten Tätigkeiten kann nur ein VB-Artillerie durchführen, andere Beobachter sind dazu nicht ausgebildet.

Im WK II hatten die VBs im Vergleich die höchsten Verluste unter spezialisierten Heereseinheiten (sagte man mir jedenfalls in der VB-Ausbildung). Dies deshalb, da die VBs für den Feind ein vorrangiges Ziel darstellen und sie nicht gerade unauffällig ausgerüstet sind. Damals: Scherenfernrohr und Funkgerät und oder spezielle Fahrzeuge. Denn ist der VB ausgeschaltet ist die Artillerie nicht mehr in der Lage, wirken zu können. Für den Feind eine enorme Entlastung. Auf der anderen Seite ist ein VB gezwungen markante/ exponierte Stellungen zu beziehen, um eine gute Sicht zu haben. Das heißt, er muss sich in eine relativ große Gefahr begeben um effektiv wirken zu können. Deshalb die hohen Verluste und Auszeichnungen.

Nightwish, VB 3.1, Pz.Art.Btl.15 (BW)

waldi44


6.4.05 23:56:43
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Äh, ein AB und ein VB, sind zwei verschiedene Funktionsträger! Würde ich mal sagen. AB, also Ari Beobachter sitzen zB. in Kirchtürmen, Beobachtungsballons oder auf Hügeln/Erhebungen(Eventuell in Flugzeugen, dann als erhobene :P Beobachter).
VB hingegen in eben VORGESCHOBENEN Stellungen. Normale AB müssen nicht unbedingt in vorgeschobenen Beobachtunsposten sitzen.

Nightwish


7.4.05 19:25:02
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Nee, da täuscht du dich. VB (alt) ist gleich AB (neu). Und die sind, wie bereits erwähnt, den schießenden Teilen ihrer Einheit vorgeschoben. Egal ob sie auf dem Kirchturm sitzen (der übrigens von VBs gerne als Zielpunkt zum Eingabeln genutzt wird, weshalb sie ihn meist meiden ;) ), neben der kämpfenden Truppe liegen, oder hinter dn feindlichen Linien operieren.

~Rainer


8.4.05 00:47:17
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Hallo,
und damit hat Nightwish dieses Thema erschöpfend behandelt.
Gruss
Rainer

Hoover


8.4.05 08:14:44
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Stimmt. Jede ArtBttr hatte ihren VB, die dann bei Bedarf "vorgeschoben" arbeitete oder einer für die Abt arbeitete.

Mein Opa (siehe Bild unten in der Signatur) war bis 1942 vor Sewastopol VB und hatte teilweise das Feuer für die gesamte Abt zu leiten. Wobei der eigentliche VB meistens ein Uffz oder gar Feldwebel war, nur ein oder zwei Mal macte die Zeilpeilung selber, meistens bei Ausfall des eigentlichesn VB. Die Msch (meistens waren es 3-4 Mann eines VB-Trupps) beienten das Funkgerät (im ArtRegt 22 LL/mot wurden nur selten Feldtelefone genutzt, wie mein Opa sagte) und halfen bei der Koordinatensuche.

Mein Opa hat dabei einige denkwürdige Geschichten erzählt.
Einmal ging vor Sewastopol eine Lage zu kurz und traf einen eigenen Graben. Es waren 3 VB´s diverser Battr in einer Stellung, die alle auf das eigentliche Ziel schießen sollten. Jeder gab dem anderen die Schuld, bis sich die VB´s (angeblich 2 Uffz und ein Fw) im Graben prügelten und die Mannschaften die 3 trennen mussten.

Sergeant Major


8.4.05 17:14:03
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Die Artillerie kennt weder Freund noch Feind!
Sie kennt nur lohnende Ziele!
Smiley mit Ironie-Schild

steffen04


8.4.05 17:24:53
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Gepostet von Sergeant Major
Die Artillerie kennt weder Freund noch Feind!
Sie kennt nur lohnende Ziele!
Smiley mit Ironie-Schild


Mist, das wollte ich gerade posten. Kennt ihr schon meine Lieblingsartillerie-Geschichte von unserem TrÜbl?

Eine französische Einheit schiesst am Tag A von Außenfeuerstellungen in den Platz (man beachte Außen).

Am Tag B denkt sich der kommandierende Offizier: na, schießen wir mal dorthin, wo wir gestern standen, da ist ja heute keiner.

Am Tag C haben sie die Geschosse aus den Äckern gegraben.


Oder die: die gesamte Ba-Wü-Prominenz vom Ministerpräsidenten bis zu verdienten Vereinsmeiern möchte mal ein Artillerieschiessen sehen. Man baut eine wunderschöne Tribüne auf. Am Besuchstag schiesst sich die Ari ein. Die Besucher mussten dann stehen, weil die Tribüne irgendwie weg war.

Nightwish


8.4.05 18:16:53
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Die letzte ist gut!Respekt-Smiley
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