Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Frage IR 130 und Remagen

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AutorBeitrag

Balsi


16.1.03 18:38:05
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Hallöchen,
habe ein kleines Anliegen und zwar geht es um den Kampf um Remagen 1945. Habe dazu eine Karte aus einem Buch:

dort ist im rechten Teil das Städtchen Altenkrichen. Die Karte sagt aus, das von dort das IR 130 in den Kampf eingriff. Doch es kann 1945 kein IR 130 gegeben haben, erstens hiess das 1945 bereits GR bzw. VGR (laut Tessin) und zweitens war das I(G)R 130 Bestandteil der 45. ID bzw. VGD. die ging in Witebsk unter wurde neu aufgestellt und die reste gingen bei königgrätz in russische Gefangenschaft.
Was ist dann dann also, das Ersatz-regiment kann es meiner Meinung nach nciht sein. Wer hat denn mehr Infos , auch zu dem ortß

OGLongbeach


17.1.03 23:44:07
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Also, Altenkirchen ist so klein nicht. Das ist ne Kreisstadt mit eigenem Nummernschild usw.
Über die damaligen Verhältnisse könnte ich mich mal noch schlau machen, das kann allerdings etwas dauern !!
MfG OG Longbeach

mtrepper


18.1.03 17:08:30
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Hallo OGLongbeach,
richtig, "mein" Städtchen ist gar nicht so klein ;-)
Die Anfrage von Balsi ging von einer Anfrage von mir bei
wer-weiss-was.de aus.
Über ein paar Info`s würde ich mich freuen.
Danke und Gruß: Markus

OGLongbeach


18.1.03 22:24:48
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Werde mich bemühen, wie gesagt, kann halt was dauern !
MfG OG Longbeach

Gast


19.1.03 01:44:36
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Als Autor des Buches "Kriegsende in der Heimat" werde ich euch in den nächsten Tagen detailierte Informationen in diesem Board zukommen lassen.
Mein Buch behandelt exakt die letzten Kriegstage im Kreis Altenkirchen vom etwa 25. März bis etwa 10. April 1945. Behandelt werdeh hier die Reste der deutschen und die amerikanischen Divisionen.
Brauche nur ein paar Tage Zeit, da ich momentan recht viel um die Ohren habe.
Schönen Gruß
Ralf Anton Schäfer

panzerjaeger


19.1.03 12:01:17
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Interessantes Städtchen...
Wurde zum schluss noch ne SS Brigade aufgestellt.
SS-Feldersatz-Brigade 102 (Stab)
* Januar 1945 in Altenkirchen/Westerwald.

Unterstellung:
II. SS-Panzer-Korps

Gast


20.1.03 00:10:37
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Schönen guten Abend,
also, zur oben gezeigten Karte kann ich mit recht großer Bestimmtheit sagen, dass diese wohl aus Hechlers Buch "The bridge at Remagen" entnommen wurde.
Nun ist aber mittlerweile bekannt, dass sich gerade in diesem Buch der eine oder andere Fehler eingeschlichen hat.
Um der Debatte über Umbenennung bzw. Namensgebung von IR zu GR ein Ende zu bereiten, hier nur kurz folgendes: Die 12. VGD wurde in den höheren Stäben als VGD gehandelt, aber für die alten Truppenoffiziere war dies einfach nur die 12. ID. Gen. Engel verfasste seinen Gefechtsbericht während der Gefangenschaft für die Amerikaner über eine ID. Auch gerade amerikanische Quellen geben immer wieder ein Infanterieregiment anstelle des Grenadierregimentes an. Auch wird in amerikanischen Quellen aus Panzerjägern schnell mal ein Panzerbataillon, bzw. aus einem Bataillon oftmals gerne ein Regiment. Und grundsätzlich sollte hinter den Begriff "Einheit" bei diesen zerschlagenen Truppenresten ohnehin ein Fragezeichen gesetzt werden.
Stellt sich die Frage, nach was suchen wir überhaupt ? Nach einem Infanterieregiment 130 ? Oder Grundsätzlich nach einer 130 ?
Welche Einheiten kamen zum Einsatz im Raum Altenkirchen mit der Hausnummer 130 ?
Da fallen mir spontan nur ein:
PanzerLehrRegiment 130
PanzerArtillerieLehrRegiment 130
Panzer-Aufklärungs-Lehr-Abteilung 130
Panzerjägerabteilung 130
PanzerLehrPionierBataillon 130
PanzerNachrichtenAbteilung 130
Dies sind alles Einheiten der Panzerlehr Division, welche am 9. März den Befehl erhalten hatte sofort eine Kampfgruppe zum Brückenkopf Remagen zu endsenden. Hierzu wurde die Kampfgruppe Hudel gebildet.
Die Panzerlehr stand ab 10. bis 21. März im Raum Wuppertal zur Auffrischung, die herausgelößte Gruppe Hudel jedoch marschierte, wie aus der Karte zu ersehen, aus nördlicher Richtung an den Brückenkopf.
Kampfgruppe Hudel wurde der 11. Pz.Div. unterstellt, Teile der 11. PZ.Div., das 15. Pz.Rgt., standen etwa um den 15. März bei Altenkirchen und griffen in westlicher Richtung gegen den Brückenkopf an, mußten sich aber bis zum 22. März wieder auf diese Linie zurückziehen und wurden zur Divisionsreserve. Vielleicht ist hier der oder ein Fehler zu finden?
Ich hoffe, ein klein wenig geholfen zu haben.
Gruß
Ralf Anton Schäfer
Nachfolgend ein Bericht zur Einnahme Altenkirchens:
Am 25. März erließ General Bradley, Kommandeur der 12. US – Armeegruppe, an die kommandierenden Generäle der 1. und 3. US – Armee den Befehl, in die Bereiche Gießen – Siegen und Mündungsgebiet der Sieg in den Rhein vorzustoßen.
Die Divisionen der 1. US – Armee wurden angewiesen in östlicher Richtung auszubrechen, und den Raum nördlich des Brückenkopfes bis zur Sieg endgültig vom Feind zu säubern und südlich der Sieg eine Verteidigungsstellung zu beziehen. Den Divisionen des VII. US – Korps hatte man befohlen, auf Altenkirchen und dann weiter zur Dill vorzustoßen.
Die Spitze der Angriffstruppen wurde von der 3rd US. Panzerdivision gebildet. Als Verstärkung hatte man von der 104th Infanterie Division das Regiment 414 (Colonel Gerald C. Kelleher) erhalten. Die Divisionstruppen wurden in Combat Commands aufgeteilt. Den nördlichen Bereich hatte das Combat Command „Alpha“ zu übernehmen. CC „Alpha“ sollte unter der Führung des Brigadegenerals Hickey mit den Kampfgruppen Doan und Kane entlang der Straße von Asbach nach Altenkirchen vorstoßen. Das Combat Command „Bravo“ wurde von Brigadegeneral Bondinot geführt und hatte den Befehl erhalten, mit den beiden Kampfgruppen Welborn und Lovelady entlang der Straße von Uckerath nach Altenkirchen vorzustoßen. Nun verblieb nur noch das Combat Command „Romeo“. Die Kampfgruppen Hogan und Richardson vom CC „Romeo“ wurden durch Colonel Howze geführt. Ihnen wurde zur Aufgabe, den beiden anderen CC´s zu folgen und die bereits überrannten deutschen Stellungen säubern und diese Sektoren sichern. Die Flankensicherung wurde vom 83. schweren Aufklärungsbataillon gestellt .
Den vorstoßenden Keilen der 3. US Pz.Div. folgte das gepanzerte Versorgungsbataillon mit Codename „Oxygen“, darunter befanden sich neun M-25 Panzertransporter, die größten Radfahrzeuge der Armee, und beförderten Ausrüstung, Treibstoff und Munition. Chef dieser Einheit war Lt. Colonel Mc.Carthy. Pionierunterstützung kam durch das 23. schwere Pionierbataillon, unter der Führung von Lt. Colonel Lawrence G. Foster waren Minen zu Räumen, Straßen fahrbar zu machen und Brücken zu errichten.
Luftunterstützung wurde von der 365. Fighter Group mit 3 Staffeln P 47 Thunderbolts für die 3rd US. Panzerdivision bereitgestellt . Um 4 Uhr am Morgen des 25. März rollen die Panzer der Panzerregimenter 32 und 33 an den vorgeschobenen Stellungen der 1st und 104th US. Infanterie Division vorbei. Den Panzern folgen die Sturmgeschütze des 703. Panzerzerstörer Bataillons und die Halbkettenfahrzeuge vom 36. gepanzerten Infanterieregiment.
Innerhalb weniger Minuten nach den ersten Versuchen aus dem Brückenkopf auszubrechen, wurden sie von mittlerweile alarmierten deutschen Panzern unter Feuer genommen und verloren dabei drei Panzer. Erst nachdem einer der neuen schweren Pershing Panzer eingesetzt wurde, und einen Tigerpanzer und ein 75mm Sturmgeschütz ausschalten konnte, ging der Vormarsch weiter.
Die deutschen Verteidigungsstellungen im Bereich der 3rd US. Panzerdivision wurden (zumeist) durch Panzerabwehrwaffen und Artillerie stark unterstützt. Hinzu kam noch, das die Panzerfahrzeuge in dem hügeligem und stark bewaldeten Gelände am die Straßen gebunden waren. Dort hatten die Deutschen jedoch entlang sämtlichen Routen immer wieder Panzersperren errichtet. Diese wurden zum Teil mit heftigem Widerstand durch Panzer, Infanterie und Artillerie verteidigt. Trotz des heftigen Abwehrfeuer stoßen die Panzerspitzen an diesem Tag bis Flammersfeld vor, und erzielen damit in diesem Abschnitt den tiefsten Einbruch durch die deutsche Frontlinie. Die entstandenen Kämpfe im Divisionsbereich dauerten die ganze Nacht über an, aber immerhin konnte man erste Brückenköpfe über die Mehr errichten.
In der Heimatchronik des Kreises Altenkirchen von Prof. Dr. Heinrich Neu, aus dem Jahre 1956, heißt es Hierzu: „...Durch das Wiedgebiet stießen die Amerikaner auf Flammersfeld vor, wo die deutsche Führung ihnen ein im Kreise ausgehobenes Bataillon Volkssturm entgegen warf. Die deutsche Führung vermochte mit dem Einsatz dieser Formation, die schwere Verluste erlitt, den Gegner nicht aufzuhalten.“ Hiermit endet der Beitrag von Prof. Dr. Neu zu dem Gefecht bei Flammersfeld. Die Erklärung, das bei Flammersfeld ein Bataillon des Volkssturmes verheizt worden wäre, möchte ich jedoch als Unrichtig bezeichnen. Dem gegenüber steht die Schilderung des Zeitzeugen Erich Bäcker. Damals Feldwebel in der 3. Pz.Gren.Div. und bei diesem Gefecht als Führer dem Volkssturm zugeteilt. Nach schwerer Verletzung kam Bäcker in amerikanische Gefangenschaft. Im August 1947 wurde Herr Bäcker in die Heimat entlassen:
In den Wäldern zwischen Rott, Eichen und Flammersfeld stand eine Kampfgruppe von ca. 75 Mann des LXXIV. AK., hinzu kamen noch etwa 150 Angehörige des Volkssturms. Kommandant dieses abwechslungsreich zusammengesetzten Verbandes war ein vermutlich aus dem Saarland stammender Hauptmann mit Namen Kalbitz. Diese Truppe zog in bereits vorbereiteten Stellungen unter.
Weil man für die meisten Angehörigen des Volkssturmes keine Waffen zur Verfügung stellen konnte, wurden mehr als die Hälfte dieser überwiegend alten Männer durch Hauptmann Kalbitz entlassen.
Die verbliebenen Männer wurden fast ausschließlich mit Panzerfäusten und nur mit sehr wenigen Gewehren ausstaffiert. Jeder der ein Gewehr erhalten hatte, es waren höchstens 10 Mann, bekam dazu noch 10 bis 15 Schuss Munition. Noch bevor erster Feindkontakt bestand, hatte sich schon ein Teil der Volkssturmleute und der Wehrmachtssoldaten in Richtung Heimat abgesetzt. Die Truppe war abermals geschrumpft. In diesem Bereich lagen nun nur noch ungefähr 60 Soldaten und etwa 50 Volkssturmleute. Als sich die Amerikaner den deutschen Stellungen näherten, erhielten sie Feuer aus Panzerabwehrwaffen und MG´s. Obwohl ein Teil der Volkssturmleute in Panik davon rannte, als die Amerikaner das Feuer erwiderten, konnte ein amerikanischer Panzerwagen vernichtet werden. Da die deutschen Verteidiger hierbei keinerlei Unterstützung durch Panzer oder Artillerie erhielten, war das entstandene Gefecht nur von kurzer Dauer. Angesichts der Übermacht der Amerikaner zogen sich die Reste der deutschen Truppe in Richtung Altenkirchen zurück. Während des Gefechtes konnten die Amerikaner mehrere Gefangene machen, darunter waren zwölf Leute des Volkssturmes und siebzehn Angehörige der Wehrmacht. Ob es bei diesem Rückzugsgefecht noch Tote gegeben hat, war leider nicht mehr nachzuvollziehen.
Am Morgen des 26. März setzten die Combat Commands ihre Angriffe in östlicher Richtung fort. Gegen 17 Uhr rollten die Kampfgruppen Doan und Kane vom CC „Alpha“ an Altenkirchen vorbei. Währenddessen trafen die Kampfgruppen Welborn und Lovelady von „Bravo“ auf hartnäckigen Widerstand, als sie sich Altenkirchen näherten. Hierzu der After Action Reports des 36th Amored Infantry Regiment für den 26. März 1945: „Die Straßenschäden, welche das 2. Bataillon am Vortag aufhielten, waren in der Nacht um 2.00 Uhr behoben und der Vormarsch ging weiter zum Höhengelände östlich von Rettersen, die Höhe war um 3.45 Uhr gesichert. Der Angriff auf Hasselbach wurde um 7.45 Uhr aufgenommen. Einsetzendes Panzer- und Pak – Feuer brachten den Angriff zum stehen, unter schmerzlichen Verlusten wurde der Befehl zum Rückzug und Neugruppierung erteilt. Ein für 13.00 Uhr geplanter Angriff der abgesessenen Infanterie wurde durch beobachtetes Artilleriefeuer verzögert und es dauerte bis um 14.30 Uhr, als der Angriff gestartet werden konnte. Dieses mal mit Erfolg und die Ortschaft war um 15.45 gesichert. Eine Straßensperre nach (Ortschaft wird im AAR nicht erwähnt) wurde überwältigt, die Ortschaft um 24.00 Uhr gesichert. Der feindliche Widerstand bestand den Tag über aus leichten Waffen und bedrohlichem Artilleriefeuer.“
Hier war man auf Reste der Panzer Lehr Division und auf Teile der 3. Pz.Gren.Div. gestoßen. Diese beiden Verbände hatten Befehl erhalten, den Amerikaner in südlicher Richtung anzugreifen und es nach aller Möglichkeit zu verhindern, dass Altenkirchen in feindliche Hand fällt. Als die Verluste bei den CC´s „Alpha“ und „Bravo“ größer wurden, wurde am Nachmittag die Einheit „Romeo“ heranbeordert. Ihnen wurde befohlen, Altenkirchen einzunehmen und die linke Flanke der Division auszudehnen. Nachdem der Verteidigungsriegel nordwestlich Altenkirchens umgangen war, und sich die deutsche Truppe aus diesem Bereich zurückgezogen hatte, marschierte wenig später die Kampfgruppe Richardson in Altenkirchen ein.

Gast


23.1.03 18:09:00
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Hallo Ralf Anton Schäfer!
Vielen, vielen Dank für solch detalierte Informationen, auch
für den Bericht über die Befreiung und der Kämpfe um Altenkirchen, Hintergrundinfo`s, die mir bisher fehlten.
Nochmals Danke und Grüße aus AK!

Mtrepper


23.1.03 18:09:43
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Die Antwort war von mir, hatte nur vergessen mich anzumelden.....ups.
Gruß, MTrepper

Gast


23.1.03 22:57:49
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Hallo,
wenn es um die Kriegsgeschichte März / April des Kreises Altenkirchen geht, dann helfe ich doch gerne - als alter Betzdorfer !!!
Habe zu den Kämpfen seit 1992 recherchiert, mein erstes Buch 1999 veröffentlicht, und wollte dann dass Thema ruhen lassen. Da aber dieses Buch einen solch immensen Rücklauf hervor gerufen hatte, konnte ich einfach nicht anders, als weiter zu den Geschehnissen zu Forschen.
In den vergangenen Jahren habe ich etwa um die zweihundert amerikanische und vierhundert deutsche Veteranen zu März und April 1945 befragt.
Schönen Gruß - jetz aus dem Oberbergischen Land - sendet

Ralf Anton Schäfer

mtrepper


2.2.03 15:22:10
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Hallo Herr Schäfer,
kleine erweiterte Frage, nicht nur Remagen betreffend:
Lt. Literatur war die Pz.Brig. 6 "Feldherrenhalle" im Westerwald (1945). Haben Sie Informationen wo und wann genau?? In meinen Büchern steht nur Westerwald, kein genauer Standort.
Über eine kurze Info wäre ich dankbar!!
Gruß, Mtrepper

Balsi


2.2.03 15:49:17
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da sie uns ja so gut geholfen haben.. wüßrden wir als Gegenleistung ihr Buch hier gerne anpreisen.. einverstanden? Wenn ja.. ich bräuchte ein bil und eine bestelladresse oder dergleichen, mit Preisangabe...
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