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OP Seelöwe und die Schlacht um England

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AutorBeitrag

The Real Blaze


8.7.03 20:39:27
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Gleich zu Anfang die Feststellung:OP Seelöwe hätte unter Hitler nie stattgefunden!Obwohl er selbst die Weisung dafür herausgegeben hat,hätte er aus Angst vor einer Pleite immer wieder den Angrifftag bis zur Undurchführbarkeit verschoben.Hätte er OP Seelöwe(für die Niederringung Englands hat es vor den Westfeldzug noch keinen Plan gegeben!)mit der gleichen Dynamik in die Wege geleitet und alle drei Waffengattungen dafür abgestimmt,wäre England ausgeschaltet worden!Aber er wollte eben nicht...aus bekannten englandfantastereien.
Die Schlacht um England war eine eigenmächtige hirnlose Luftoperation Görings.Sinn und Planlos!
Erstens: Die Ziele waren insofern richtig,wenn sie Häfen Flugplätze und Infrastruktur waren.Nur diese Angriffe in die Tiefe Englands ohne Jägerbegleitung zu fliegen war Wahnsinn!
Zweitens: Die Luftschlacht um England hätte nur einen Sinn gemacht,wenn zeitgleich OP Seelöwe angelaufen wäre!Das hätte die Engländer gezwungen,den Deutschen entgegenzukommen.Ein Schlagabtausch hätte vorerst kaum unter Spritmangel gelitten.
Drittens: Die Luftwaffe erlitt böse Verluste an erfahrenen Piloten,für eine eigensinnige und erfolglose Schlacht,die aus technischen und Reichweitengründen niemals gewonnen werden konnte!
Die einzige Aussicht auf Erfolg hätte nur eine zeitgleiche Invasion gehabt.Nur unter Hitler wäre die nie stattgefunden.Wahrscheinlich selbst nach einem Ostsieg nicht.Er hatte nie die Absicht England zu vernichten und dachte dabei an die Folgen wär das Empire beerbt hätte.
mfg The Real Blaze

indy


9.7.03 23:10:35
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ABER:
1. Was macht man mit der Home Fleet?
2. Was passiert wenn die RAF zum geballten Gegenschlag in Richting Invasionsflotte ausholt?
3. Überlastung der eigenen LW (siehe 1. u. 2.)
Fazit:
Kamikaze...wobei das nach der Übersetzung ja durchaus positiv sein kann:D

Quintus


10.7.03 07:24:41
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Na, ich denke mal, Hitler ist in Churchills Falle getappt!
Denn DREImal überlistete Churchill Hitler letztendlich Kriegsentscheident!:
Erstens glaubte Hitler nach Dünkirchen, England werde nachgeben, Invasion also nicht nötig. Churchill ließ ihn auch ganz bewußt in diesem Glauben - über Geheimkanäle Verhandlungen (in Wirklichkeit von Churchill nur fingiert, um Zeit zu gewinnen, zwecks Aufrüstung!).
Zum Zweiten glaubte Göring, und damit Hitler, die Luftschlacht um England bereits gewonnen zu haben. Denn: Bei der Luftschlacht um England ging die Royal Airforce sehr bedacht und haushälterisch mit ihren zahlenmäßig den Deutschen unterlegenen Flugzeugen um (es gab den Befehl, größeren Kampfhandlungen aus dem Weg zu gehen), so dass die deutsche Führung davon ausging, England habe letztlich nicht mehr als ein paar Hundert Maschinen.
Die Deutschen bombardierten zunächst englische Flugplätze und Rüstungsbetriebe - mit für die Briten beängstigendem Erfolg. Hätte die deutsche Luftwaffe an dieser Strategie festgehalten, wäre die Royal Airforce, und damit die britische Verteidigung (!), zusammen gebrochen!
Aber Göring zog nach einem erfolgreichen Bombenangriff der Briten auf Berlin auf Weisung Hitlers seine Flieger von den englischen Flugplätzen ab, um im großem Stil London zu bombardieren - als Vergeltung quasi. Sein Kalkül hierbei: England hat nur noch wenige Flugzeuge, die sich aber dem Kampf entziehen. Bombardieren wir London, sind die Engländer gezwungen, sich dem Kampf zu stellen. Dabei könne die Luftwaffe die paar britischen Maschinen vom Himmel fegen.
Die Briten aber opferten ihre Hauptstadt zugunsten der Rüstung und militärischen Schlagkraft!
Denn: Erst dadurch war es den Briten möglich, ihre Flugzeuge und ihre Rüstungsbetriebe zu retten, den Neubau zu forcieren und sich neu zu rüsten!
Und Drittens sei die Balkan-Politik der Briten genannt, welche Hitler veranlasste, seinen Überfall auf die Sowjetunion um nie mehr einzuholende 6 Wochen zu verschieben - wodurch erst die deutsche Wehrmacht vor Moskau im russischen Winter steckenblieb und dadurch letztendlich scheiterte!
Drei Siege für Churchill, der um jeden Preis Hitler Paroli bieten wollte - was ihm auch in Anbetracht Hitlers beschränktem Niveau leicht gefallen ist!
Genauere Ausführungen zu den Punkten bei Bedarf und Anfrage!

The Real Blaze


10.7.03 20:31:28
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Die besseren Deutschen standen in der zweiten Reihe...
Wie schon von Manstein erwähnt,hatte die Luftschlacht über England ohne eine zeitgleiche OP Seelöwe keinerlei strategischen Sinn und war nur eine Abnutzungsschlacht mit bösartigen Verlusten auf deutscher Seite.Man muß klar feststellen: Hitler konnte intelligenzmäßig nie mit Churchill mithalten. Wenn Hitler schon überhaupt nicht landen wollte und um Englands Gunst buhlte,wieso dann noch diese dumme Luftschlacht? Wäre man während dieser Luftschlacht gegen Flugplätze usw. gelandet,hätte man durchaus Erfolg gehabt(Mansteins Einschätzung)Nach der zweiten Welle wäre mit Sicherheit die Home Fleet eingesetzt worden.Unter einem deutschen Luftschirm im Kanal,den über Südengland war die Abwehr schon fast gebrochen.
Der Westfeldzug war ja auch nur im ersten Teil bis zum Kanal wirklich geplant,für den Rest hatte man keine Pläne,auch wenn keinerlei großartiger Bedarf noch anlag.Genauso OP Seelöwe, ein Plan der auf hohlem Aktionismus beruhte,ohne das Hitler ihn wirklich umsetzen wollte.Da war er zu sehr der "Weltpolitiker".
Manstein führte das ganze Dilemma auf einen fehlenden Reichsgeneralstabschef und der Entmachtung des OKH zurück.Recht hat er.
Göring verheizte sinnlos die Luftwaffe über England und die Armeekorps trainieren genauso sinnlos die Landung.Diese Zeit hätte man besser nutzen können,als für so etwas.
mfg The Real Blaze

Quintus


11.7.03 05:56:14
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Was die Luftschlacht um England betrifft, lieber "The Real Blaze", so war diese keine Sinnlose und gar eigenmächtige Aktion Görings (!), sondern ging letztendlich auf die Forderung Erich Raeders, dazumal OB der Kriegsmarine, an Hitler zurück, denn er forderte - völlig richtig! - für eine mögliche erfolgreiche Invasion mittels der Kriegsmarine ist die unumschränkte Luftherrschaft Grundvoraussetzung! Denn OHNE eine solche Luftherrschaft, hätten seine Schiffe wenig Aussichten auf Erfolg!
Zunächst hielt Hitler eine Invasion durchaus für möglich, wurde dann allerdings durch Churchills List getäuscht, so dass er diese Invasion als nicht mehr notwendig betrachtete.
Als ihm dann die Wahrheit ins Auge sprang, war es bereits zu spät - und die Zeit, in der man Landungsboote hätte bauen können war zerronnen!
Übrigens: Warum die deutsche Luftwaffe nicht weiterhin englische Rüstungsbetriebe und Luftwaffenstützpunkte bombardierte, sondern statt dessen lieber Bomben auf London warf, geht ebenfalls auf Churchill zurück, denn DAS genau war sein Kalkül: EINE britische Bombe auf Berlin, um damit Hitler so in Rage zu bringen, dass er fortan als vermeintliche Vergeltung ausschliesslich London bombardiert! - Und damit von den für die Briten überlebenswichtigsten Zielen abgelenkt wird!
Das nenne ich eine - zwar tragische - aber dennoch geniale Taktik, die ihres gleichen sucht!

The Real Blaze


11.7.03 20:47:26
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Nun ich meinte nicht das Göring sie eigenmächtig entfachte(die Luftschlacht)sondern im Ablauf eigenmächtig und zusammenhanglos mit OP Seelöwe durchzog.Ja natürlich war das Operationsziel die Luftherrschaft über Südengland.Aber war die nicht schon erreicht?Eine totale Herrschaft hätte man sowieso nicht erreicht,ja man rechnete sogar damit wenn die Invasion angelaufen wäre,daß die Briten strategische Reserven eingesetzt hätten.Wie schon von dir erwähnt haushalteten sie mit ihren schwachen Kräften,nur um irgendwie zu zeigen,daß man noch präsent ist in der Luft.
Raeder wäre für die Landung zuständig gewesen,die Wellen schon eingeteilt und aufgegliedert.Da liegt es schon nahe,daß er an die Luftwaffe herantritt und den Boden bereiten wollte.Nur... und das ist das entscheidente,man koordinierte nichts und bezog das Heer nicht mit ein in dieser Operation.Ich meine was nützt einem über Südengland die Luftherrschaft,wenn der Invasionstag noch nicht mal feststand?Genauso kann man das auf Raeder anwenden,wieso er eine Luftherrschaft fordert,wenn noch keine Invasion festgelegt war.Es gab dafür keine oder eine grottenschlechte Koordinierung.Auch wenn man Wetterabhängig war,es gab Schönwetterperioden im August.Hätte man das Heer gefragt wann es bereit sein werde und daraufhin einen Tag X festgelegt,hätte es ausgereicht die Luftoffensive 7 Tage vorher zu starten und im diesem Zeitraum auch die Invasion zu beginnen.Ich beziehe mich bei meiner Analyse auf Mansteins Einschätzungen("Verlorene Siege").Die Gedanken dieses für mich besten deutschen Heerführers,sind so logisch durchdacht,daß man vor diesem Genie nur den Hut ziehen kann.
Grundübel war eben,daß Hitler politisch keine Invasion wollte.Also jeder Grund gegen eine Landung hatte mehr Gewicht als einer dafür.
mfg The Real Blaze
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