Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Flugscheiben (keine Haunebus!)

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AutorBeitrag

indy


26.8.03 14:11:56
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So, damit der "Kammler-Threat" nicht vollkommen unübersichtlich wird, mach ich hier ein gesondertes Thema auf.

indy


26.8.03 15:09:20
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... "Die ganze Geschichte stimmt, wie man sieht, vorn und hinten nicht. Sie ist im Gegenteil höchst unglaubwürdig und wäre vermutlich schon in den fünfziger Jahren gestorben, wenn sich damals ein Techniker etwas näher mit dem seltsamen Vogel befaßt und ein wenig gerechnet haben würde. Dabei hätte sich sehr schnell herausgestellt, daß bei den angegebenen 1800 U/nun ganz gewaltige Zentrifugalbeschleunigungen auftreten würden, die man in dieser Größenordnung (26200 g) sonst nur in der Waffentechnik und dort auch nur bei kleinkalibrigen Geschossen erlebt. Bei einem Triebwerksgewicht von 560 kg (BMW 003) müßten zur Aufhängung der Turbine massive Bolzen aus hochfestem Stahl verwendet werden, die, gleichmäßige Kraftverteilung vorausgesetzt, bei einer Zweipunktbefestigung jeweils 142 nun, bei einer Dreipunktbefestigung immer noch jeweils 116 mm Durchmesser hätten haben müssen. Dabei hätte diese enorm schwer ausfallende Aufhängung nur für das nicht in Betrieb befindliche Strahltriebwerk ausgereicht, nicht für das laufende! Bei letzterem würden Kippmomente in der Größenordnung von 110.000 mkp auftreten. Die von Schriever konzipierte Untertasse war also in der vorgesehenen Konfiguration nicht zu realisieren. Abgesehen hiervon und von der unmöglichen Gewichtsangabe ging das auch aus anderen Gründen nicht: bei einem Fluggewicht von etwa 3 to hätten Schriever und seine Mitarbeiter etwa 2 to hochwertigen Materials, zahlreiche Instrumente und nicht weniger als fünf Strahltriebwerke beschaffen müssen. Zu jener Zeit waren Werkstoffe und Triebwerke Mangelware, die man weder für Geld noch gute Worte kaufen oder gar >organisieren< konnte. Wer damals ein solches Projekt durchführen wollte, mußte offiziell seinen Bedarf mit einer entsprechenden Begründung anmelden und erhielt dann gegebenenfalls die für die Beschaffung erforderlichen Papiere. In jedem Falle erhielten die zuständigen Stellen Kenntnis von dem neuen Projekt, es wurde also >aktenkundig<. Trotz aller Kriegswirren sind die Unterlagen von Speers Ministerium vollständig erhalten geblieben, ebenso wie die stenografisch aufgenommenen sogenannten Milch-Gespräche (benannt nach Generalfeldmarschall Erich Milch, der damals Verantwortlicher für die Flugzeugproduktion war, Anm. d. Autors) und die peinlichst genauen Angaben über Rohstoffverteilung, Personaleinsatz, Projektfortführungen usw. enthaltenden Kriegstagebücher der verschiedenen Rüstungskommandos. Merkwürdigerweise enthält >keine< dieser Dokumentensammlungen, von denen die Milchbesprechungen über 40.000 Seiten umfassen und das KTB des RK VIII den Zeitraum vom 15.8.1939 - 31.12.1944 lückenlos abdeckt, auch nur den geringsten Hinweis auf den Schrieverschen Flugkreisel, die Miehtesche Flugscheibe oder die Flakmine V 7. Mit anderen Worten: es hat keines dieser Geräte gegeben, sie sind weder gebaut worden, geschweige denn zum Flug gekommen.

Das stammt aus dem erwähnten Bericht in "Luftfahrt internationl Nr.9" vom Mai ´75. Der Autor ist unbekannt.
1. Wieso 1800(Start - bzw. 500 bei normalen Flug) Umdrehungen in der Minute?
Ein Hubschrauber kann mit wesentlich weniger Rotorumdrehungen abheben - und dabei ist die Auftriebsfläche bedingt durch die viel schmaleren Rotorblätter noch geringer!
Vergleicht man heutige Hubschrauber mit dem Flugkreisel (bei gleichen Abmessungen), dann müssten die werte für den Schrieverschen Kreisel vielleicht bei 1/10 liegen(das kommt übrigens auch dabei raus wenn man die Zentrifugalkräfte zurückrechnet:D!!!
Das wäre dann schon im Bereich des möglichen.
2.Ah ha...man braucht für ein 560kg Triebwerk 3 Bölzen ´a 116mm - halt ich doch für ein gerücht.
Bei der Me262 und Co. reichten wesentlich kleinere Befestigungen.
3.Die Kiste wiegt 3t - wenn die 5 Triebwerke je 560kg wiegen?
4.Ich glaub nicht das die Akten des RMRK vollständig sind (1975).
5.Die Reichweiten angaben (6000km) sind viel zu hoch gegriffen -> hier erscheint 1/10 realistischer.
6.Die Geschwindigkeitsangaben sind zu hoch (4200km/h).
Der Flugkreisel ist an ähnliche aerodynasche Gesetzmäßigkeiten gebunden wie der Hubschrauber - da is nix mit überschall.
Möglich waren ca. 400km/h - danach kommt warscheinlich ne saftige Strömumgsablösung der Kreiselscheibe.
Fazit:
Der Autor erzählt da einem vom Wolf, anscheinend hat er bei den Angaben einfach mal je eine '0' drangehängt.
Die einzig "phantastischen" Flugleistungen sind m.e. hohe Steigleistungen (>60m/s) - aufgrund der reichlichen motorisierung.
Es stellt sich aber die Frage warum die existenz geleugnet wird: Die Leistungen müssen alles andere als gut gewesen sein - von der komplizierten (und trägen)Flugsteuerung mal ganz abgesehen.
Für die Front denkbar ungeeignet.
Das ist der einzige Grund warum ich die existens der Maschine anzweifle.
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