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Bomben auf Belgrad.

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AutorBeitrag

waldi44


26.12.03 18:20:03
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Der Befehl zum Bombenangriff auf Belgrad war eine Folge eines Wutausbruch's Hitlers, als er von dem Putsch in Jugoslawien erfuhr!
Hatte man doch erst zwei Tage vorher einen Pakt mit Belgrad(Prinzregent Paul) geschlossen, zwar unter Druck, doch immerhin und nun rief man auf Belgrads Plätzen und Strassen und wohl auch in ganz Jugoslawien:"Lieber Krieg als Pakt"!
Hitler hatte es zunächst nicht glauben können, doch als es aus mehreren Quellen bestätigt wurde, geriet er in Wut! Der Führererlass lautete daher:Jugoslawien muss "so rasch wie möglich zerschlagen werden"!
Für den eilig aus Zossen in die Reichskanzlei gerufenen Halder ein kleiner Schock, denn Jugoslawien war bisher in keinerlei Kriegsplanung inbegriffen, auch nicht im Fall "Marita" und schon gar nicht in "Barbarossa", über den er gerade brütete, als ihn der Anruf aus Berlin erreichte!
Aber wie immer: Führer befiel, wir machen das schon ;)!
Aus dem Nichts heraus wurde ein Angriffsplan entwickelt, dessen Kompliziertheit darin lag, dass es zwar genügend Truppen auf dem Balkan und Umgebung gab, dass die aber eben nicht dort standen wo man sie benötigte.
Es mussten also ersten gewaltige Trupppenverschiebungen vorgenommen werden, Einheiten von anderen, die zB für "Marita" vorgesehen waren, abgezweigt werden, neue Kommandostrukturen erstellt und viel improvisiert werden.
ZB musste die 2. Armee, die bei Wien lag, die noch verschneiten Alpen wie weiland Hannibal, zu Fuss überqueren- Elefanten hatten sie wohl keine dabei ;)!
Zu diesem Zeitpunkt liefen ja schon die Vorbereitungen für "Marita" und "Barbarossa" und alle abgezogenen und umgelengten Einheiten sollten nach der Erledigung Jugoslawiens ihre alten Bereitstellungsräume wieder schnellstmöglich beziehen!
Hitler, der wohl um die Probleme wusste und vor allem SEINE Pläne (Barbarossa) bedroht, zumindest verzögert sah, reagierte wie gesagt sehr verärgert und befahl daher, dass der Angriff auf Jugoslawien mit einem gewaltigen Bombenangriff auf Belgrad zu erfolgen habe, mit dem Ziel der völligen Zerstörung der Hauptstadt!
Der Luftangriff auf "Belgrad" trug den Decknamen "Vergeltung" und sollte von der 4. Luftflotte durchgeführt werden. Ihre Flugzeuge standen überwiegend auf rumänischen Feldflughäfen. Oberbefehlshaber der 4. Luftflotte war General der Flieger Alexander Löhr und er erteilte seinen Piloten genauere Anweisungen als sein Führer.
Ihm kam es darauf an militärische Ziele zu vernichten und das teilte er seinen Geschwaderkommodoren auch deutlich mit- auf den Angriffsplänen standen nur militärische Ziele.
Der Angriff auf Belgrad zerstörte bis gegen Mittag alle wichtigen Gebäude der Stadt: Den Königspalast, den Hauptbahnhof, die Hauptpost mit allen nachrichtentechnichen Anlagen, das Kriegsministerium, den Generalstab, das Elektrizitätswerk....
Am Rande sei noch erwähnt, dass bei den kurzen aber heftigen Luftkämpfen mit der hoffnungslos unterlegenen jugoslawischen Luftwaffe, Me 109 gegen Me 109 kämpften. Die hatten die Jugoslawen kurz vorher bei den Deutschen gekauft!
Bei den Luftangriffen fanden etwa 1.500 Menschen den Tod. In Churchills Memoiren waren es aber zehntausende und auch die Feindpropagande während des Krieges sprach von Terrorangriff und weit übertriebenen Opfern.
Nach dem Krieg wurde Generaloberst Löhr von einem jugoslawischen Kriegsgericht 1947 wegen Kriegsverbrechen zu Tode verurteilt und hingerichtet!
Wohl auch eine Art "Vergeltung"!

Anmerkung: So allmählich kommen mir doch Bedenken wegen der deutschen "Terrorangriffe"! Bei näherer Betrachtung, haben ettlich von ihnen mehrere Facetten, die es zu beachten gilt, bevor man ein entgültigen Urteil fällt....

Quintus


27.12.03 07:02:00
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Ein Oberbefehlshaber Hitlers lieferte in diesen Tagen (April 1941) das "Bon"mot: "Herr Feldmarschall, wenn Jugoslawien keinen Widerstand leistet, wie lange brauchen Sie dann, es zu besetzen?"
Antwort: "24 Stunden!"
Frage: "Und wenn die Jugolsawen Widerstand leisten?"
Antwort: "Zwölf Stunden!"
Erstaunte Frage: "Wieso?"
Antwort: "Dann fallen die Begrüßungsreden weg."

The Real Blaze


27.12.03 11:23:51
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hehe Quintus:D aber anders war es ja auch nicht.Die Wehrmacht rollte anfangs wie ein Reisebusunternehmen bei den Jugos rein.Erst 50km! vor Belgrad fand sich eine Einheit die den Weg versperren wollte.Naja ein paar SPW und die Drohung auf Panzermassen und derWiderstandwar weg.Erst danach kam es auch andernorts zu vergeblichen Widerstand.
Tja zur Belgrader Bombadierung ist es wie andernorts auch gewesen:Warschau,Rotterdam usw: nichts weiter als taktische Bombenangriffe auf militärische Ziele,völlig legitim in einem Krieg.Da war nichts terroristisches.Terrorangriffe auf deutscher Seite sehe ich nur die Vergeltungsangriffe auf London,als vorher die Briten Berlin mehrfach bombadierten.Löhr dafür hinzurichten war Sühnemord!Da hätte man "Bomberharris"hundertmal mehr hinrichten müßen!
(bitte jetzt nicht erwähnen"ja weil wir den krieg verloren haben..."das ist allgemein bekannt!)
mfg The Real Blaze

waldi44


27.12.03 11:55:22
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Es hat ja niemand bestritten, dass es nach dem Krieg eine Siegerjustiz gab, nur kann- darf- sollte man nicht alles mit dem Begriff "Siegerjustiz" abtun!
Bei Rotterdam bin ich anderer Meinung! Da gibt es aber schon einen Beitrag von Balsi:
Bomben auf Rotterdam!
Hier noch eine Ergänzung:
Jugoslawien besaß zu dieser Zeit, in etwa, 160 Bomber, 40 Aufklärer und 180 Jäger.
Ein Großteil dieser Maschinen war veraltet, wie die Jäger Hawker Fury (Doppeldecker) und Ikarus IK-2 (Hochdecker).
Dagegen gehörten einige Flugzeuge zu den mordernsten ihrer Zeit.
So verfügte die Bomberflotte über 70 Dornier Do 17 Kb-1, einer Exportversion der Do 17 Bomber
der dt. Luftwaffe, sowie über eine Anzahl von Bristol Blenheim Mk. I.
Unter den Jägern befanden sich 48 Hawker Hurricane Mk. I und 73 Bf 109 E-3.
In einer Hurricane bauten die Jugoslawen, versuchsweise, sogar den DB 601 einer Bf 109 E-3 ein.

Den Messerschmitt Jäger hatten die Jugoslawen vom Reich geliefert bekommen. Doch die fehlende Kampfpraxis ihrer Piloten, sowie fehlende Ersatzteile, ließen die jugosl. Bf 109 zu einem stumpfen Schwert werden. Das Gleiche galt auch für die mit der Hurricane ausgerüsteten Einheiten.

Wenngleich dadurch die Luftwaffe nicht allzu sehr gefordert wurde, so kam es durch die
jugosl. Bf 109 doch zu einigen Mißverständnissen bei der Freund-Feind-Kennung. Verwirrung schuf zusätzlich auch, daß das Hoheitszeichen der kgl. jugosl. Luftwaffe ein Kreuz beinhaltete.
Als Identifizierungshilfe strichen die dt. Jagdgruppen die Nasen ihrer Bf 109 gelb an, wie sie es zuweilen schon während der Luftschlacht um England getan hatten. Als ausgezeichnete Jagdmaschinen erwiesen sich auch die Rogozarski IK-3. Doch waren von diesen Typ, der stark der Hawker Hurricane ähnelte, bis zum 06. April nur 12 Maschinen ausgeliefert worden.

Auch Ungarn beteiligte sich in geringem Umfang an dem Angriff auf Jugoslawien. Neben Heeresverbänden kamen auch 6 Jagdstaffeln zum Einsatz. Diese waren ausschließlich mit Maschinen ital. Herkunft ausgerüstet: Die beiden Fiat Jäger CR. 32 und CR. 42, sowie die Reggiane Re. 2000.

Italien eröffnete ebenfalls am 06. April die Feindseligkeiten gegen Jugoslawien, und bot hierfür über
600 Flugzeuge auf. Bei fünf eigenen Verlusten schossen diese fünf Gegner ab und zerstörten rund 100 Maschinen am Boden.

waldi44


27.12.03 12:26:03
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Äh, mal eine Frage:Unternehmen „Marita“ startet am 6.4.’41 mit dem Angriff auf Jugoslawien und Griechenland.
... Weisung für das Unternehmen Marita, was den Feldzug
auf dem Balkan beinhaltete. 1941. Jugoslawien und Griechenland.
...Weisung Nr. 20, in der die Einzelheiten des dt. Aufmarsches gegen Griechenland - Unternehmen 'Marita'..
... 13.12.1940, Hitler gab die Weisung Nr. 20 heraus: Unternehmen "Marita" - den Feldzug auf dem Balkan...

Gab es für den Angriff auf Jugoslawien keinen eigenen Namen?

Quintus


28.12.03 05:29:49
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Meines Wissens trug der am 6. April 1941 begonnene Feldzug gegen den Balkan (Jugoslawien und Griechenland) die Oberbezeichnung "Balkanfeldzug". Darin eingegliedert waren dann die verschiedenen Unternehmen, wie "Strafe" zur Bombardierung und Einnahme Belgrads, oder "Merkur" zur Besetzung oder Rückeroberung Kretas (20. Mai 1941), etc.

The Real Blaze


28.12.03 16:26:04
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Zu den Ungarn sei zu erwähnen,daß sie ethnisch rechtmäßiges Gebiet zurück bekammen.Im Donau-Theiß Winkel um Neusatz lebten nur Ungarn und Deutsche und nur sehr wenige Serben.Das hätte man nach dem 2.Weltkrieg so belassen sollen.
mfg The Real Blaze
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