Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Problem Flugmotorenentwicklung

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AutorBeitrag

Axel43


15.3.03 22:12:42
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Hier ein Problem über das ich gerne etwas mehr sachliche Informationen hätte.
Die Deutschen waren ja in der Entwicklung von Flugzeugen im Sinne von Flugkörpern, Zellen, technisch sehr weit voraus und in jeder Hinsicht den Alliierten mindestens ebenbürtig.
Warum hat es nicht bei der Entwicklung von Motoren geklappt ? Anscheinend war der Antrieb der Engpass, an dem viele Projekte scheiterten und auch viele im Einsatz stehende Flugzeugmodelle gelitten haben.

Quintus


16.3.03 09:45:03
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Naja, schaut man sich die ME 262 an, behinderte Hitlers persönlicher Eingriff - zur Ergrimmung der Luftwaffenangehörigen - deren Massenproduktion und -Einsatz!
Erst in den letzten Tagen (so zu sagen), kam dieser Jäger, der schon 1943 en Mass einsatzbereit gewesen wäre, zum Einsatz: Gegen die alliierte Bomberflotte - und erzielte außerordentliche Erfolge!
Hätte man diese Maschine schon '43 im großem Stil eigesetzt...

Indy


16.3.03 14:07:18
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Die Probleme hatte man aufgrund der Rohstofflage.
Insbesondere für besonders thermisch belastbare Metalle mussten in Dt. alternativen gefunfden werden; siehe die 10h Haltbarkeit der Jumo004 TL Triebwerke!
Durch diese Probleme wurde die Einsatzreife besonders der JuMo222 und 213 Ottomotoren über 2Jahre hinausgezögert!
Trotzdem waren die dt. Otto-Triebwerke ihren alliierten gegenstücken teilweise(ziemlich) überlegen.
Auf dem Gebiet der TL-Antriebe waren die Dt. soweit ich weiß sämtlichen anglo-amerikanischen Entwicklungen voraus(nicht was haltbarkeit anbelangt!).

Gruß Phillip

Axel43


17.3.03 01:52:23
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Ich bin hier eigentlich nicht so sehr an Strahltriebwerken interessiert - die waren ja auf beiden Seiten noch ziemlich experimentell und litten unter dem Problem sehr kurzer Laufdauer. Aber auf dem Gebiet der Kolbenmotoren, sowohl der Reihenmotoren als auch der Sternmotoren, hatten die Deutschen ganz klar Probleme, die die Alliierten nicht so hatten. Ich bin mir klar darüber, daß diese Probleme schon in die Zeit des 1. Weltkrieges zurückreichen. Damals hat man französische Motoren nachbauen müssen. Wo aber liegt das Problem in den 30iger und 40iger Jahren ? Die sonst sehr gute Fw 190 hat darunter gelitten, schon garnichts zu sagen vom "Reichsfeuerzeug" und ähnlichen Desastern. Die Deutschen hatten nie ein Triebwerk wie z B das der Thunderbolt, und das hat sich besonders nach 1942 sehr fatal bemerkbar gemacht. Vgl auch dazu den Schock der Deutschen,als die Alliierten es zustande brachten, Langstreckenjäger bis weit ins Reich zu schicken. Etwas vergleichbares haben die Deutschen meines Wissens nicht zustande gebracht. Ist das nicht merkwürdig, verglichen mit dem allgemeinen technischen Geschick deutscher Forschung ?

Indy


17.3.03 11:31:06
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Hauptproblem:Mangel an Rohstoffen!!!
Von der Konstruktion, Bedienungsfreundlichkeit waren die dt. Triebwerke teilweise überlegen.

Balsi


17.3.03 11:46:45
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ich denke hier spielt auch die Zeit eine Rolle... langfristig lag die Planung bestimmt eher in Nah-Mittelstreckenjägern, auch aufgrund der geographischen Lage Deutschlands.... So mussten sich USA und Briten vorrangig auf Jägerentwicklungen konzentrieren, deren Reichweite schon aufgrund der Lage des Mutterlandes länger war.
Beispiel Me 109.. das beste, schnellste und wendigste Flugzeug seiner Zeit... auch im Vergleich zu amerikanischen und britischen Flugzeugen. Sieht man ja auch daran.. das man sich bei der Entwicklung von Langstreckenbombern auch erst später im klaren war das man sie brauchte. Ich denke bei den Jägern war es ähnlich gewesen.
Vielelciht auch mal eine kleine Hypothese von mir... läasst sich der Kolbenmotor/Propellerantrieb derart weiternetwickeln, das man ein Flugzeug kontruieren konnte das jedem anderen typ nicht nur überlegen war sondern hochhaus überlegen? Sprich war dieser Antrieb schon ausgereizt?

Indy


17.3.03 15:55:32
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Ja bei Kriegsende war man deutscherseits(RLM) der überzeugung der Kolbenmotor sei ausgereitzt.
Man hatte Ende`44 noch den 'einmotorigen Otto Jäger' in Planung...Pfeilflügel, gepfeilte Doppel-Druckschraube, Triebwerksleistung zwischen 2200 und 4000PS (JuMo213-As413)Höchstgeschwindigkeit 800-900km/h.
Das ganze wurde aber aufgegeben, da sich mit dem Strahltriebwerk völlig neue Möglichkeiten boten.
Ausserdem hatte man ja noch die Ta-152, Ju388 und Do335 als Kolbenflz..
Mit den o.g. Entwicklungsstudien von FW, Do und Henschel war der Kolbenmotorantrieb ausgereitzt.

Gruß Phillip

Axel43


17.3.03 19:13:46
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Daß man in übersehbarer Zeit den Punkt erreichen würde, an dem die Leistung des Kolbenmotors nicht mehr gesteigert werden könnte, dessen war man sich wohl schon in den 20iger Jahren bewußt. Daher also die Forschung in Richtung Turbinen (die ja auch mit einfacherem und billigerem Treibstoff auskommen können).
Soweit ich weiß waren die Sternmotoren der Super Constellation das Maximum das noch gebrauchsfähig war, aber eben nur noch gerade so, denn sie hatten wirklich Probleme !
Die Bf 109 war nach 42 wirklich veraltet, trotz immer neuer Versionen. Da war die Fw 190 wesentlich besser (aber auch dort Motorenprobleme ?).
Ein Gegenstück zur P51 Mustang hatten die Deutschen aber nicht (dabei hatte die ja nur den RR Merlin, der an sich recht mäßiger Stärke war).
Irgendwie verstehe ich immer noch nicht recht, wo eigentlich der Engpaß hier lag.

Francis


25.5.03 16:16:57
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Hallo Axel 43!
Das Flubmotorenverbot von Versaille hat die wichtige Kontinuität der Entwicklung unterbrochen. Auch Streitereien zwischen Prof Porsche und Daimler Benz trugen dazu bei. So war der zweistufige Kompressor bei Auto Union weiter entwickelt als bei Mercedes (die GP Autos waren allroundmäßig trotzdem besser) Dann waren die Deutschen auf dehydrierte Kohle als Benzin angewiesen = 91Oktan. In Amerika hat man den Bleizusatz als Klopfverbesserer erfunden = 100 Oktan. Der DB 601 A hat als 2 Ventiler begonnen, der RR Merlin hatte von Beginn weg 4 Ventile,die Kompressortechnik war einfach höher entwickelt (2- Stufige Aufladung = kein Intercooler nötig, 2 Drehzahlen für den Kompressor = Anpassung auf Höhen und Tiefflugleistung.Der Turbolader für Flugmotoren wurde auf einem 4000 Meter hohen Bergplateau namens Pikes Peak auf mobilen Prüfständen standfest einwickelt (Abgasenergie = Gratis)
Ich persönlich sehe das Desaster eigentlich in der Aufgabe für die Rüstung Waffen für einen LOKAL BEGRENZTEN KRIEG zu entwickeln. Der Stuka war nur eine Verstärkung für die Panzer, die Jagdflugzeuge waren nur auf einen kontinentalen Einsatzradius hin konzipiert, etc. Ich halte die Absicht, ein Weltreich á la British Empire zu schaffen für eine Unterstllung. Der Krig kam eigentlich zu Früh (Siehe U-Boot Produktion) Die Kriegstreiber wie Winston Churchill haben sich durchgesetzt, für Hitler war der Krieg bzw. die Wehrmacht ein Verhandlungargument, um Forderungen durchzusetzen, an denen schon Stresemann gescheitert ist.

mfg

francis

Francis


25.5.03 17:56:03
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Hallo nochmal!

Zu den Jets: Da muss man bedenken, dass alles Neuland war: Die Heinkel S 011 Turbine war so ein Fall, man wusste nicht einmal ob man eine Axial- oder Radialturbine nehmen sollte. Ein Beamter hat dann eine Diagonalturbine vorgeschlagen, man konnte ja nicht einmal die Form der Verdichterblätter berechnen.
Zur Me 262: Natürlich war sie sehr fortschrittlich, aber viele Lösungen mussten sich erst herauskristallisieren. Durch Entwurf, Bau, Versuch, Verbesserung. Ein immer wiederkehrender Kreislauf. Dass die Ressourcen knapp waren ist ja bekannt. Ingenieursstunden gehören auch dazu.
Dann habe ich vor ca 8 Jahren einen ehemaligen Piloten dieses Vogels getroffen. Der hat gesagt: Schnell war sie natürlich schon, aber eine Mimose beim fliegen. Und: man hat mit den Kalk - Übungsbomben nicht einmal einen Fussballplatz getroffen. Trotzdem hat die Priorität Hitlers, diesen Jet als Bomber zu entwickeln etwas für sich. Er sah den Invasionstag als Sternstunde dieses Blitzbombers. Seiner Meinung nach wäre es egal gewesen, ob man Omaha-Beach anzielt und Sword trifft oder so.
Die deutsche Industrie war eigentlich von Anfang an überfodert mit den Aufgaben die der Weltkrieg mit sich zog. Dieser Krieg ist von Churchill zum Weltkrieg gemacht worden.

mfg

francis

Max


30.7.03 15:29:32
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Die deutschen hatten noch nie Probleme mit Flugmotoren. Die deutschen Motoren gehörten zu den besten dieser Zeit (oder waren die Besten).
Das mit dem Kriegsverlauf Entwicklungs- und Fertigungsprobleme auftraten ist bei der Situation in der sich Deutschland befand normal.
(Ich habe Triebwerkmechaniker gelernt und beschäftige mich auch viel mit alten Flugmotoren).

Axel43


30.7.03 18:02:09
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Na, Max, schauen Sie sich mal die Do X bzw das "Reichsfeuerzeug" He 177 an...

indy


31.7.03 13:42:56
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@Axel
Nochmal - es lag hauptsächlich an nicht vorhandenen Rohstoffen!
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