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Granaten

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AutorBeitrag

Math21


21.12.03 14:47:20
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Es ist ja allgemein sicher bekannt das die Deutschen mit ihren Schiffsgranaten probleme hatten, wegen der Blindgänger wodurch so manches Gefecht dann anders Ausging.
Günter Muscheid glaubt für die relativ große Zahl vopn Blindgängern eine Erklährung zu haben: Er vermutet, daß die
Aufschlagzünger für eine schnelleren Salventakt eingestellt
wurden. Könnte mir bitte jemand weiter helfen, was meint er damit und wäre es zu verhindern gewessen? Danke.

Hoover


21.12.03 18:31:45
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Hm, was soll das mit dem Zünder zu tun haben? Die schwereren Granaten hatten einen Aufschlagzünder, der erst nach Ablauf einer bestimmten Flugzeit scharf wurde. Dies war ein Grund, wrum die Hälfte der von der "Schleswig-Holstein" auf die Westerplatte verschossenen Granaten Blindgänger waren. Die Granaten wurden erst nach 600m scharf, die Westerplatter teilweise nur 400m entfernt, weshalb die "S-H" gegen Mittag ihre Porition verändern musste.
Aber Salventakt? Oder verstehe ich den Begriff falsch? Salventakt ist der Rhythmus, in dem die Granaten verschossen werden.

waldi44


21.12.03 22:32:08
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Oho, man lernt echt NIE aus! DAS wusste ich auch nicht, dass die Zünder erst nach einer gewissen Zeit scharf werden!
Warum eigentlich? Aufschlagzünder reagieren doch auf Druck/Aufschlag und warum dann erst nach einer Flugzeit, die der Wegstrecke von 600 Metern entspricht??

Nightwish


22.12.03 01:01:36
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Bei Granaten, welche mit einer getrennten Treibladung geladen werden, also meist die der Artillerie, werden die Granaten erst nach einer gewissen Flugzeit scharf. Das hängt damit zusammen, dass man sie so gefahrlos wieder aus dem Geschütz entfernen kann, wenn der Schuß nicht mehr ausgelöst würde, z.B. bei 'Feuer halt!'!
Im Gegensatz zu Kartuschenmunition, also Granate und Treibladung in einem, wie z.B. bei den meisten Kampfpanzern oder PaK, muss bei getrennter Munition, die Granate von vorn, also aus Richtung Mündung, wieder aus dem Verschlußblock geschoben werden. Wäre der Zünder da schon scharf, ginge das nicht.
Dieses 'Scharfmachen' im Fluge ist aber unabhängig von der Art des Zünders - also z.B. Aufschlag, Verzögerung, Abstand.

Axel43


23.12.03 18:31:41
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Wie ist's mit Rohrkrepierern ?
Ich könnte mir auch vorstellen, daß ein empfindlicher Aufschlagzünder schon bei der Initialbeschleunigung der Granate, also bei Zündung der Treibladung, losgeht, wenn er wirklich sofort scharf wäre.

waldi44


24.12.03 12:29:10
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@Nightwish: Das habe ich nun aber nicht verstandenSmiley mit verdrehten Augen!
Wenn beim Panzerschiessen mal eine Granate nicht losging- kam sehr sehr selten vor, aner passierte ab und an, dann wartete man eine gewisse Zeit ab. Dann wurde der Verschlusskeil wieder geöffnet und die Granate nach hinten aus dem Geschütz entfernt. Was danach mit dem Versager passierte weiss ich nicht, wurde wohl untersucht und dann gesprengt- was weiss ich!
Jedenfalls hätte die Hülse nach vorne garnicht durch das Rohr gepasst!!
Auch die Aufschlagzünder wurden gleich scharf gemacht, lediglich die Verzögerung der Explosion nach dem Aufschlag konnte man noch einstellen...

Nightwish


25.12.03 15:28:38
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@ Waldi
Deswegen hatte ich ja auf den Unterschied zwischen Artillerie und Kampfpanzern hingewiesen!
Die Kartuschenmun. der meisten Kpz. ist Kartuschenmunition. Das bedeutet, dass Treibladung und Geschoß 'in einem Stück' sind. Diese haben meistens einen Rand am Kartuschen-/Hülsenboden, welcher zum einen für einen Gasdichten Abschluß zwischen Rohr und Verschlußteil/Kampfraum sorgt und zum zweiten dafür sorgt, dass die Munition passgenau im Rohr steckt. Durch diesen Rand und ist es möglich die Munition von hinten, also durch den Verschluß zu entnehmen!
Bei Artilleriegeschützen wird zumeist das Geschoß getrennt von der Treibladung geladen. Das Geschoß in das Rohr geschoben, die Treibladung wird, abhängig von der Entfernung zum Ziel, Windverhältnissen usw. für jeden Feuerauftrag spezifisch berechnet(durch Feuerleit), gebunden(sie besteht aus Ladungsbeuteln oder gepressten 'Scheiben') und hinter der Granate ins Rohr eingebracht. Dies hat zur Folge, dass man zwar die Treibladung durch den Verschluß wieder entnehmen kann, die Granate aber relativ fest und weit entfernt vom Verschluß im Rohr sitzt. Sie ist durch den Verschluß nicht zurück zu holen, sondern muss von der Mündung aus mit dem Ansetzter oder dem Rohrreinigungsdings zurück gestoßen werden!
Dies ist auch bei der Schweren Ari der Marinen so.
War's verständlich?
Gruß und frohe Weihnachten!

Nightwish


25.12.03 15:33:20
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Achso, also in beiden Fällen - Kpz. und Ari - wird die Granate durch den Verschluß entnommen!
Nur bei der Ari wird von vorne gestoßen, bei den Kpz. von hinten gezogen!

waldi44


25.12.03 17:49:49
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Aaaaaah, da leuchtet doch gleich ein ganzer Weihnachtsbaum aufSmiley mit ErleuchtungSmiley mit ErleuchtungSmiley mit ErleuchtungSmiley mit ErleuchtungSmiley mit ErleuchtungSmiley mit Erleuchtung!
DAS war verständlich und zeugt von FachkenntnisRespekt-Smiley!!

Math21


26.12.03 13:09:12
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Danke erst mal,aber das heißt das ihr euch auch kein so richtiges Bild davon machen könnt was der damit meinte. Als Beispiel:im Drockendock nach dem Gefecht mit der Bismark und der Prinz Eugen wurden an Bord der Prince of Wales noch Granaten beider Schiffe endeckt die nicht explodierten.

waldi44


26.12.03 14:04:00
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@Math21: Stimmt schonSmiley mit verdrehten Augen- von einer "Granatenkriese" habe ich eigentlich, im Gegensatz zur "Torpedokriese", nie was gehört.
Könnte aber auch daran liegen, dass man darüber nicht sprach, weil man es garnicht bemerkte? Wenn so eine Salve losbretterte und sie lag zu weit, konnte es doch sein, dass vielleicht eine oder zwei getroffen haben ohne dass sie explodierten, nur wer sollte das bemerken, wenn vielleicht noch andere Schiffe mitfeuerten und auch der Gegner zurück schoss?
Torpedos hingegen waren "Handverlesen" und wurden auch einzeln verfolgt, auch wenn sie als Fächer geschossen wurden. Da merkte man sofort, ob sie detoniert waren oder nicht, zumal wenn der Schuss garnicht deneben gehen konnte!!

Nightwish


26.12.03 14:45:32
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Danke Waldi für das Lob!
Aber ja, die eigentliche Frage ist nicht geklärt!

~Rainer


11.5.04 00:52:53
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Hallo,
Blindgänger gibt es immer. Bei der Ypernschlacht 1917 rechnet man damit, dass bis zu einem Drittel der verschossenen Granaten, bedingt durch den Untergrund, etc. nicht explodierten. Zünder haben/hatten die Neigung bei sehr spitzen Aufschschlagwinkeln sich nicht zu rühren, bei bestimmten Böden auch nicht.
Gruss
Rainer
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