Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.
| Autor | Beitrag |
|---|---|
The Real Blaze14.3.04 15:26:42 Direktverweis | Im Zusammenhang mit einer Unternehmung der "Admiral Scheer" im Indischen Ozean wurde ein Schiff"Tannenfels" erwähnt und als "Blockadebrecher" beschrieben.Wieviele Blockadebrecher hatte eigentlich Deutschland im Einsatz und wie groß und schnell waren diese? Gibt es eine Einsatzgeschichte der Blockadebrecher? mfg The Real Blaze |
waldi4414.3.04 19:42:43 Direktverweis | Blockadebrecher, (Handels-)Schiffe, denen es in einem Krieg gelingt, feindl. Sperren vor der Heimat zu passieren. Im engeren Sinn wurden im 2. Weltkireg als B. dt. Frachter bezeichnet, die in der ersten Kriegsphase (bis etwa 1943) von und nach Übersee, insbes. Japan, durch die brit. Seeblockade Rohstoffe und Handelsware brachten, organisiert vom Marinesonderdienst. Bevor sich um die Jahreswende 1943/1944 der alliierte Ring um Europa gänzlich schloß, waren rd. 35 Ladungen von O-Asien und 17 dorthin abgegangen, etwa die Hälfte erreichte den Empfänger. Mitunter nannte man die Schiffe auch "Kriegsversorger", da sie zB. auch Hilfskreuzer auf hoher See versorgten aber man sollte sie nicht mit den "Hilfskreuzern" verweckseln, da sie nicht Seekrieg führen sollten, sondern kriegswichtige Rohstoffe transportieren bzw eben als Versorger fungierten! Auch "Sperrbrecher" waren keine "Blockadebrecher", wurden aber mitunter von diesen zur Überwindung von Seesperren (Minenfelder) benötigt! Die Blockadebrecher hatten auch ein eigenes Kriegsabzeichen: Eines der bekannteren Schiffe war die "Tannenfels". Der Bau von Handelschiffen und ihr Einsatz bei der Kriegsmarine Für die D.D.G. "Hansa" lieferte die Deschimag, Werk Seebeck, 1938 das Motorschiff "Tannenfels" mit 7840 BRT und einer Länge von 155 m ab. 1941 erfolgte mit dem Schiff ein Blockadedurchbruch in 80 Tagen Reise von Somaliland nach Bourdeaux. Ab 1942 befand sich das Schiff bei der Kriegsmarine als Blockadebrecher und Hilfskreuzerversorger im Dienst. Die "Tannenfels" reiste unangefochten mit einer Ladung Traktoren, Maschinenteilen und Chemikalien von Bordeaux nach Japan. Blockadebrecher gab es schon im 1. Wk und das sogar als Handelsu-boot! |
The Real Blaze15.3.04 17:12:39 Direktverweis | Wie heißen den die anderen Blockadebrecher?Waren die auch bewaffnet? mfg The Real Blaze |
waldi4415.3.04 19:00:46 Direktverweis | Ich habe befürchtet, dass Du nicht locker lässt ;)! DAS Problem: Die Blockadebrecher galten, anders als die Hilfskreuzer nicht als Kriegsschiffe, sondern waren normale Handelsschiffe. Daher ist es nicht leicht, was über sie zu finden, wenn man nicht gerade das richtige Buch oder die richtige Internetquelle zur Verfügung hat. DAS zum Beispiel Übrigens bekam das Abzeichen auch für folgende Leistung- wusste ich gar nicht: Hans kam Anfang Januar 1945 als Leichtmatrose auf den von der Levante-Linie bereederten und an die deutsche Luftwaffe vercharterten Truppentransporter "Bukarest". Das Schiff lag in Oslo. Er fuhr mit der Eisenbahn über das von Deutschland besetzte Dänemark über Kopenhagen, Helsingör, Helsingborg, Halmstad, Göteborg in einem vom neutralen Schweden damals vertragsmäßig erlaubten, von schwedischem Militär bewachten, deutschen Truppentransportzug nach Oslo. Deutschland durfte über die Transitstrecke damals täglich 3000 Militärpersonen befördern. Von Oslo aus machte er zwei Reisen im Konvoi nach Kirkenes im äußersten Nordosten Norwegens am Varangerfjord an der Barentssee. "Bei der Durchfahrt durch die Fjordenge lag unsere Route im Schussbereich der von Petsamo aus operierenden Russen. Nach drei Kirkenes-Reisen bekam man damals das Blockadebrecher-Abzeichen verliehen. In Oslo traf ich auch meinen Vater wieder, der dort als Hafenkapitän eingesetzt war." Kapitän Borgward Mal sehen: Der deutsche Blockadebrecher Bahia Blanca ex Schönfels (8559 BRT) aus Bahia ging in der Dänemark Straße verloren, nachdem er einen Eisberg rammte. Die Besatzung wurde vom isländischen Trawler Hafsteinn gerettet und nach Island gebracht, wo sie am 10. Mai in britische Kriegsgefangenschaft ging. Burgenland: Das Schiff war als Blockadebrecher erfolgreich. 30.08.41 aus Tsingtau ausgelaufen 03.09.41 in Kobe eingelaufen 21.09.41 aus Kobe ausgelaufen (, Kapitän Schladebach, Kap-Horn-Route) 10.12.41 in Bordeaux eingelaufen __.12.42 ausgelaufen 12.01.43 in Kobe eingelaufen 07.02.43 aus Kobe ausgelaufen aber nach Japan zurückbeordert (Kpt. Schütz) 29.10.43 aus Yokohama ausgelaufen (Kpt.Schütz, Fahrt um das Kap der guten Hoffnung) 05.01.44 Selbstversenkung, um der Aufbringung durch den US-Kreuzer Omaha und den Zerstörer Jouett zu entgehen. |
The Real Blaze15.3.04 19:40:40 Direktverweis | Prima, dann haben wir schon mal drei zusammen.Das Buch habe ich leider nicht Muss mich halt deshalb hier kundig machen.Vielleicht kriegen wir ja mal alle zusammen. Die Fahrt der Burgenland war in der Tat ein Husarenritt.Alle Achtung! mfg The Real Blaze |
The Real Blaze29.3.04 20:21:00 Direktverweis | Also die "Schönfels" hat bei meiner Recherche ein anderes Schicksal.Es wurde 1946 an Holland ausgeliefert und fuhr dort unter den Namen"Stad Breda". Drei weitere Blockadebrecher habe ich auch gefunden. Die "Regensburg", zwei Fahrten, die "Rhakotis" und die "Seattle".Dieses dritte Schiff wurde vor Norwegen 1940 fast von eigenen Bombern versenkt.Den Rest erledigte ein norwegischer Zerstörer. mfg The Real Blaze |
waldi4429.3.04 22:23:21 Direktverweis | Ganz offentsichtlich ist man sich mit der "Schönfenls" nicht einig oder es gab mindestens zwei Schiffe gleichen Namens. In "Geschichte des Seekrieges" steht das mit dem Eisberg und in "Verluste der deutschen Handelsmarine", dass sie übergeben wurde:Schulter:! |
The Real Blaze30.3.04 00:46:00 Direktverweis | Ja dieses Verlustregister der Handelsmarine ist eine totte Fundgrube.Dort stehen auch alle Blockadebrecher drin.Bei den Bemerkungen findet mit unter Hinweise auf recht abenteuerliche Begebenheiten,wie etwa die der "Consul Horn",die wohl eine bewegte Flucht von Kuba nach Deutschland hinter sich hatte. Beim schnellen durchsehen, als Blockadebrecher klassifiziert: Amasis Bahia Blanca(wirklich klangvoller Name) Brake Elbe Élsa Essberger Python Osorno Oriziba Tannenfels Was auch so in dieser Statistik auffiel: Eine hohe Anzahl Schiffsverluste vor Massaua.Warum eigentlich ausgerechnet dort?Dann der Beutescharer von zivilen Schiffen unter den Siegermächten.Da wurde praktisch ganz Europa mit deutschen Schiffen abgespeist.Einige größere Einheiten überlebten völlig unbeschädigt den Krieg(so auch die Europa)Viele gekaperte deutsche Schiffe landeten unter neuen englischen Namen trotzdem auf dem Meeresboden.Die "Carl Fritzen" muß wohl als erstes Opfer der Handelsmarine gelten: 4.9.39 südlich von Island, durch Kreuzer "Sheffield". Eine größere Anzahl Schiffe wurde im Krieg und nach dem Krieg wieder gehoben,nur um wenige Jahre danach verschrottet zu werden.Die wohl größte Schiffsbeute hatten sich die Russen einverleibt. Auch auffällig: Die "Charlotte Schliemann" wurde 1944(12.2) Opfer im Indischen Ozean.Erstaunlich wie lange deutsche Schiffe sich noch über die Weltmeere mogeln konnten,wo doch der Krieg sich schon zu Ende neigte. Man kommt auch nicht um die Feststellung herum: Nach Kriegsausbruch wurde von der zivilen Marine äußerste Anstrengungen unternommen, deutsche Schiffe zurückzuführen, um sie vor Beschlagnahmung zu retten. mfg The Real Blaze |
Deichgraf31.3.04 07:58:34 Direktverweis | Moin, schön, daß Ihr das Buch "Die deutsche Handelsflotte 1939-1945" oben schon erwähnt habt - offenbar habt Ihr es aber nicht gelesen. Es gab nicht 10 oder 20 deutsche Blockadebrecher sondern mehrere hundert. Warum? Bereits mit Kriegseintritt Englands am 03.09. begann die Blockade - damit wurden alle deutschen Handelsschiffe die zurück in die Heimat wollten automatisch zu Blockadebrechern. Daß die Effektivität der Blockade zu der Zeit noch nicht so hoch war wie beispielsweise 1943 spielt dabei keine Rolle, bereits im September 1939 konnten einige Schiffe die Blockade nicht durchbrechen und wurden entweder aufgebracht oder versenkten sich selbst. Quelle: oben genanntes Buch Auch das Blockadebrecher-Abzeichen muß es bereits im September 1939 gegeben haben, denn im zitierten Buch heißt es dazu zum Durchbruch des MS "Waltraud Horn": "Kapitän Bruhn und seine Besatzung wurden mit dem Blockadebrecher-Abzeichen ausgezeichnet." Grüße Jürgen |
waldi4431.3.04 14:43:53 Direktverweis | Nee, nee, da bin ich aber anderer Meinung! Nicht jedes Schiff, dass sich zu Kriegsbeginn irgendwo im Ausland befand und die Rückkehr nach Deutschland schaffte, war automatisch ein Blockadebrecher. Blockadebrecher waren Handelsschiffe, die unter Blockadebedingungen "Handel" mit dem befreundeten oder neutralen Ausland führten, also Güter hin und her transportierten oder auch nur hin oder her;)! Mag aber sein, dass zur Verleihung des Abzeichens, ein "einfacher" Durchbruch genügte! |
The Real Blaze31.3.04 19:14:59 Direktverweis | Ist auch meine Meinung.Ein Heimfahrtsdurchbruch klassifizierte Handelsschiffe "noch" nicht als Blockadebrecher,weil sie vielfach nur das Schiff retteten. Ein klassifizierter Blockadebrecher hat einen klaren Handelauftrag und weiß auch auf was er sich einließ.Bei der "Regensburg" standen zwei Fahrten zu Buche,sie war also sehr wohl ein Blockadebrecher.Wenn die "Waltraut Horn" ein den Blockadebrecherorden bekam,wäre es wichtig zu wissen,ob sie wenigstens eine wichtige Fracht mitgeführt hatte.Nur das Schiff allein,wäre wohl nur ein billiger Propagandaakt gewesen. mfg The Real Blaze |
Gast1.4.04 08:09:45 Direktverweis | Gepostet von waldi44 |
Gast1.4.04 08:19:51 Direktverweis | Nur das Schiff allein,wäre wohl nur ein billiger Propagandaakt gewesen. Falsch! Wie ich schon oben andeutete, waren nur die Schiffe wichtig. Völlig gleichgültig ob sie voll oder leer zurückkamen, wichtig war nur, daß sie kamen. Denn DIE wurden noch für den weiteren Kriegsverlauf als Transporter benötigt. Transportraum war ein zu wertvolles Gut als das man darauf verzichten konnte. Übrigens wurden Handelsschiffkapitäne, die ihr Schiff während der Durchbrüche verloren, wenn sie nach Deutschland zurückkamen vor ein Kriegsgericht gestellt. Kamen sie erst nach dem Krieg nach Deutschland zurück entfiel das natürlich. All das schmälert natürlich nicht die Leistungen der "späteren" Blockadebrecher - die hatten es allein wegen der starken Luftüberwachung der Alliierten naturgemäß wesentlich schwerer. Grüße Jürgen |
Deichgraf1.4.04 08:22:36 Direktverweis | Ich hatte vergessen, meinen Namen einzugeben, Sorry. Die beiden oberen Beiträge sind von mir. Grüße Jürgen |
Axel431.4.04 17:39:29 Direktverweis | Die Herren haben sich mal wieder sprachlich verheddert. Der Begriff "Blockadebrecher" umfaßt ja sozusagen zwei Variationen des Themas, nämlich 1. Fahrzeuge, die während der Blockade zu den Hoheitsgewässern des Reiches durchgebrochen sind, und 2. Fahrzeuge, die speziell für Handelsschiffahrt wärend der Blockade ausgerüstet, befrachtet und in Fahrt gesetzt wurden. Letztere sind also Blockadebrecher im engeren Sinne des Wortes. |
The Real Blaze1.4.04 18:14:15 Direktverweis | Ja einfach darf man es sich nicht machen.Schicke ich einen Blockadebrecher im Auftrag los und die Blockade ist bekannt ist es eben die treffenste Klassifizierung für dieses Schiff. Rettet man das Schiff,um es als Transportraum zu erhalten und durchbricht eine Blockade dabei,muß man es wohl auch als Blockadebrecher bezeichnen.Da revidiere ich meine Ansicht.Das mit dem Kriegsgericht, wenn das Schiff verloren ging oder interniert,beruhte das auf einen Vorkriegsbefehl/anweisung ? Viele Schiffe wurden ja durch den Kriegsausbruch überrascht und ein Verlust besonders in überwachten Meerengen praktisch vorprogrammiert.Irgendwoher mußte ja auch der Wille entstanden sein,die Heimfahrt zu wagen. Die amerikanische Rolle war eben von Kriegsausbruch an,keinesfalls die eines Neutralen. mfg The Real Blaze |
waldi4412.4.04 22:35:40 Direktverweis | Deutsche Schiffe in neutralen Häfen wurden meistens interniert und waren somit "verloren". Den meisten gelang es aber vorher zu entkommen und es auch nach Deutschland zu schaffen. Tatsächlich gab es viel mehr als wir hier "zusammengetra-gen" haben. Ihr Einlaufhafen war meistens Bordeaux. Es wurden extra ettliche Zerstörer zusätzlich nach Frankreich verlegt, um ihnen möglichst weit entgegen fahren bzw sie begleiten zu können. Ich habe hier noch die: Regensburg, Karin, Irene, Osorno, Orseolo, Doggerbank, Münsterland und Alsterufer. Die "Pietro Orseolo" zB. hatte Kautschuk geladen, wurde von Briten beschossen und beschädigt, konnte aber mit deutscher Zerstörerunterstützung Bordeaux erreichen! Selbst wärend des Seegefechtes fischten die deutschen Zertörer die aus dem Leck treibenden Kautschuckballen auf. So wichtig waren die Ladungen, welche die Blockadebrecher nach Europa brachten!! |
The Real Blaze13.4.04 19:13:33 Direktverweis | Ich hab mal nachgeschaut, wie sich das mit Massaua verhalten hat.Die vielen deutschen Schiffe dort liefen nach Kriegsausbrauch diesen italienischen Kolonialhafen und waren erst mal sicher. Der Durchbruch bei der Meerenge von Aden gelang eben nicht mehr,man war praktisch im Roten Meer eingeschlossen.Als dann im Juni 1940 die Italiener in den Krieg eintraten, liefen die deutschen Schiffe dort auch nicht sofort aus, schließlich wurde diese Adener Seestraße nachwievor überwacht.Erst als Italienisch Ostafrika vollständig von den Briten erobert wurde, mußte man auslaufen und lief englischen Kriegsschiffen entgegen.Es kam deshalb vor Massaua zu einem vermehrten Selbstversenken oder Untergang durch Beschuß. mfg The Real Blaze |