Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

schwerer Kreuzer "Lützow" im Einsatz vor Hela 1945

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AutorBeitrag

Fox M


30.5.04 11:28:59
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Hallo,


dieses relativ unbekannte Schiff der Dt. Kriegsmarine leistete gegen Ende des Krieges Entlastungsangriffe gegen die vorrückende Rote Armee...
nach einigen Angriffen von brit. Bombern bileb sie schwere beschädigt vor Hela liegen...

gerade um die letzten Tage des Schiffes geht es mir...
falls einer nähere Infos hat immer her damit...


mfG

Maik

waldi44


30.5.04 21:55:27
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Bei mir steht: Am 16.April mehrere Bombentreffer- bei Swinemünde auf Grund gesetzt- Einsatz der schweren Artillerie gegen die vorrückenden Russen- am 4. Mai von der Besatzung gesprengt- von Russen gehoben und 1948/49 in Leningrad verschrottet!

"Die deutschen Kriegsschiffe 1939-1945"- Heinz Ciupa- Seite 18

Parabellum


30.5.04 23:19:56
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Hab hier noch ein paar Infos zu den letzten Tagen der Lützow.

Aufgrund der militärischen Lage wurde Ende 1944 seitens der Marineführung die 2. Kampfgruppe augestellt. Zur 2.KG gehörten gehörten die schweren Kreuzer Lützow, Prinz Eugen, Admiral Scheer sowie Zerstörer und Torpedoboote.

Ihre vordringliche Aufgabe war die Feuerunterstützung der landfront, um von See aus den Vormarsch der Roten Armee entlang der Ostsee-Küste aufzuhalten und die eingeleiteten Evakuierungsmaßnahmen über See zu sichern.

Am 3. März wurde die Kampfgruppe in das Seegebiet von Swinemünde verlegt. Während der schwere Kreuzer "Admiral Scheer, die Zerstörer "Jabobi", Z 31 und das Torpedoboot T 36 am 7. März den Landzielbeschuss in Richtung Dievenow-Front eröffneten, lief die Lützow in die Swine ein und wurde in eine Feuerstellung südlich von Swinemünde bugsiert.
Bis zum 21. März verblieb die Lützow auf dieser Position.

Zur Feuerunterstützung wurde die Lützow in die Danziger Bucht befohlen, wo sie am 22. März eintraf.

Am 9. April traf die Lützow wieder in Swinemünde ein.

Das sowjetische Oberkommando bekam schnell Kentniss von der Anwesenheit der Lützow und ersuchte die britischen Verbündeten, die Lützow vpr beginn der russischen Offensive gegen Stettin und Swinemünde zu vernichten.

Die Briten erteilten den entsprechenden Befehl an die RAF. Vorgesehen war der Einsatz von 5,4t schweren Spezialbomben, genannt "Tallboy".

Der erste Luftangriff erfolgte am 13. April 1945 von dem 617. Bomber Squadron.
Infolge einer dichten Wolkendecke musste der Angriff aber abgebrochen werden. Am 15. April musste deswegen auch der 2.te Angriff abgesagt werden.
Am 16. April griffen 18 Viermot-Bomber vom Typ "Lancaster" die Lützow an.
Der Flug erfolgt als getarnter Angriff auf Berlin in 6700m Höhe, Die Lützow wurde in einem Direktzielanflug in ca. 5000m Höhe angeflogen.

Gegen 17:20 Uhr erreichten die Briten das Ziel und konnten 7 "Tallboys" sowie diverse 250kg-Bomben abwerfen. Ein Volltreffer konnte mit den Spezialbomben nicht erzielt werden. 1 Nahtreffer an der Backbordseite achtern der Lützow reichte aber aus, um den kreuzer so schwer zu beschädigen, das er seine Schwimmfähigkeit verlor. Dieser setzte mit Achterschiff auf Grund auf und kam mit einer Schlagseite von 50 Grad Backbord gegen die Uferböschung zum liegen. Der Kreuzer wurde zusätzlich von 250kg-Bomben getroffen. 2 Durschlugen das Heck und verblieben als Blindgänger im Schiff.

Im Lagebericht der Seekriegsleitung wurde der Angriff so beschrieben :

17:15 - 17:55

Angriff von 80 Lancaster, Liberator und Mustang in 3 Wellen auf Swinemünde mit Ziel "Lützow" und "Schlesien".
Lützow 3 Treffer, schwerer Wassereinbruch, Heck auf Grund,
7 Grad Kränung, achtern noch 1m Freibord.
Eine Bombe am Mast detoniert, E-Meß und Funkmeß ausgefallen. Ein Blindgänger durch das ganze Schiff.
4 Tote und 20 Verletzte

Nachbericht vom 17. April 1945

7 Tote, 14 Vermisste, 13 Verletzte


Anzumerken ist das die Meldung von 80 Bombern stark übertrieben waren. Es waren nur 18 Lancaster inklusive 12 P-51 Mustang.

Am 16. April konnte der Kreuzer mittels Lenzen wieder in normale Lage gebracht werden.

Am 3. Mai kam es zum letzten Einsatz der Schiffsartillerie des Lützow-Wracks zum Landzielbeschuss auf die Dievanow-Front
Zur darauf folgenden Sprengungen wurden britische Luftminen an die Außenhaut des Schiffes angebracht. Durch einen Brand auf der Lützow und die dadurch zerstörten Luftminen-Sprengzünder konnte eine Sprenung der Außenhaut nicht mehr durchgeführt werden.

Quelle : "Gesunken und Verschollen - Menschen und Schiffsschicksale Ostsee 1945" von Wolfgang Müller und Reinhard Kramer


Ich hoffe das war detailliert genug ;)



[ Editiert von Parabellum am: 30.05.2004 23:22 ]

waldi44


30.5.04 23:31:21
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Ohhh, DAS Buch brauch ich:D!

Parabellum


30.5.04 23:50:06
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Das Buch ist wirklich zu empfehlen. Sehr viele Infos, viele Bilder und Zeichnungen sowie eine umfangreiche Wrackliste :)

Fox M


31.5.04 11:56:11
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Hallo Parabellum,


super, das ist mehr als ich mir erhofft hatte !!!
da ich z.Z. an der "Lützow" baue (mein 1. Schiff) wollte ich auch was über die Geschichte des Schiffes wissen...

das mit Swienemünde ist interessant, da ich gerade letztes Jahr auf Usedom Urlaub gemacht hatte und halt auch die alte Hafenstadt besucht habe...

hab Dank für die interessanten Informationen...


mfG

Maik

Prinz Eugen


24.10.04 17:24:09
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Hallo

Hast Du schon das Buch von Koop/ Schmolke: Die Panzerschiffe der Deutschland- Klasse? Das Buch ist ein Fundus an Informationen. Dazu gibt es auch eine Planrolle, gsondert zu bestellen, von der Lützow.
Ich habe selber mal die Lützow 1:300 angefangen, aber nach 2 Jahren abgebrochen, weil meine Vorstellungen etwas auseinander geklafft haben, dafür habe ich einen Minensucher Klasse 1935 in 1:100 gebaut ist zu 90% fertig.

Gruss prinz Eugen

JanHendrik


18.7.05 09:48:05
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Oder von Prager :

"Panzerschiff Deutschland / Schwerer Kreuzer Lützow" besorgen ! Dürfte die umfangreichste Geschichte zur "Lützow" darstellen .

Im Übrigen verschoß die "Lützow" , in der Kaiserfahrt der Swine auf Grund liegend , noch alle verschießbare Mun , bevor sie vom Restkommando gesprengt wurde . Hat die Russen noch ganz gut geärgert :D

Jan-Hendrik

waldi44


18.7.05 14:35:36
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Wobei man sagen muss, dass die "Lützow" insgesamt eher ein glückloses Schiff und vom Pech verfolgt war - allerdings hatte es immer Glück im Pech(Unglück).
Ausserdem war diese "Lützow" gar nicht die richtige "Lützow". Die tat nämlich inzwischen als "Tallin", später als "Dnepr" ihren Dienst bei der Verteidigung Leningrads.
Die "falsche" "Lützow", die aber hier gemeint ist, war das ehemalige Panzerschiff "Deutschland", das später umklassifiziert und zum schweren Kreuzer "Lützow" wurde.
Aber auch er wurde, wie sein Namensgeber, später von den Russen verschrottet!

Warum man damals die "Deutschland" in "Lützow" umbenannte könnte zwei unterschiedliche Gründe haben. Der erste wäre, dass man das Verschwinden des auf Werft liegenden Rumpfes der sich im Bau befindlichen "Lützow" (verkauft an die Russen), verschleiern wollte und/oder zweitens, sich Hitler darüber im Klaren war, dass alles was schwamm, auch untergehen konnte und "Deutschland" durfte doch nicht untergehen ;)!

JanHendrik


18.7.05 14:45:20
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Würde eher auf erstere Variante tippen ...

Jan-Hendrik
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