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"Force Z"

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AutorBeitrag

waldi44


20.3.02 18:39:11
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Die " Force Z"
Prince of Wales [img= ]http://www.forcez-survivors.org.uk/images/repulse2a.jpeg Repulse
Zerstörer
Electra
Express
Tenedos
Vampire
Ein von der Geschichte fast vergessenes Geschwader britischer Kriegsschiffe, entsandt als "unbestimmte Drohung" an Japan, die britische Kolonie Malaya mit Singapore nicht anzugreifen. Eine Demonstration der Stärke, die nur die Schwäche der britischen Kolonialtruppen verdecken sollte und in einer für die Briten katastrophalen Niederlage endete.
Sie verloren nicht nur zwei ihrer Schlachschiffe, darunter eines der modernsten überhaupt, die bei der Jagt auf die Bismark beteiligte "Prinz of Wales", sondern auch ganz Malaya mit einer der stärksten Seefestungen der Welt - Singapore!
Aufgrund der sich 1941 im Pazifischen Raum zuspitzenden Kriegssituation mit Japan, stellten die Briten eine Fernostflotte auf. Bestehend aus 2 Schlachtschiffen( "Repulse" und "Prince of Wales") und vier Zertörern(Electra, Tendos, Express , Vampire).
Zunächst versuchten die Briten unter Abmiral Tom Phillips mit dem Oberbefehlshaber der amerikanischen Asienflotte, Admiral Hart und General D. MacArthur, dem US-Oberkom-
mandierenden im Fernostgebiet, eine Zusammenarbeit zu organisieren. Aufgrund unklarer und unentschlossener Signale aus Washington kam es nur zu kleineren gemeinsamen Aktionen, während das Gros der US- Flotte untätig in Pearl Harbor ihrem Schicksal harrte!
Am 8.12.1941 um 17:30 Uhr lief die kleine Flotte unter dem Tarnnamen "Force Z" aus Singapore aus - Kurs Südchinesischen Meer in die Richtung aus der man die japanische Invasion erwartete.
Bald schon wurde die Flotte von japanischen Aufklärern gesichtet. Aufgrund der Meldung, die sich erst später als Falschmeldung herausstellte, daß die Japaner bei Kuantan, zweiundvierzig Kilometer südlich von Kota Bharu gelandet seien, änderte Phillips seinen Kurs nach Süd auf Kuantan.
Gleichzeitig wurden die britischen Luftstreitkräfte des 453 Jagdgeschwaders auf den Flugplätzen von Kallang und Sembawang in Alarmbereitschaft versetzt, erhielten allerdings aus bis heute ungeklärten Gründen keinen Startbefehl, so daß die "Force Z" ohne Luftunterstützung operieren mußte!
Ursprünlich sollte dem Verband noch der Flugzeugträger
"Indomitable" mitgegeben werden. Doch dieser lief bei Übungsfahrten in der Karibik auf Grund und fiel für einige Zeit wegen Reparaturarbeiten aus.
Der ältere Träger "Hermes", der im Indischen Ozean weilte, wurde auf Anfrage nicht freigegeben. Ein Träger bei dem Verband hätte die Sache schon anders aussehen lassen
können!
Am Morgen des 11.12. stand Phillips Streitmacht der Küste bei Kuantan schon sehr nahe, als er erneut von japanischen Aufklärern gesichtet wurde. Bis dahin hatte man es nicht für nötig gehalten, den Admiral darüber zu verständigen, daß die angebliche Landung nicht stattgefunden hatte, sondern die gesichteten japanischen Schiffe mit einigen Geschützsalven der Küstenartillerie vertrieben wurden und somit fuhr die Force Z in ihren Untergang!
Um 11:15 wurde die Flotte letztmalig von japanischen Aufklärern an die schon längst im Anflug befindlichen Bomber und Torpedoflieger gemeldet und nur Minuten später begann der Angriff!
Zuerst flogen die Höhenbomber an und belegten die Schlachtschiffe mit panzerbrechenden Bomben. Mit solchen Bomben hatten die Briten überhaupt nicht gerechnet. Fast gleichzeitig griffen die Torpedoflieger an. Die Zerstörer blieben unbehelligt!
Es nutzte den Riesenschiffen nichts, daß sie kurz vorher ihre Fla-bewaffnung ergänzt hatten und die "Chicago- Pianos" , "Bofors- Fla- Geschütze" und vierläufigen
"Oerlikons" allein der "Prince of Wales" 60.000 Geschosse/Minute den anfliegenden Japanern entgegenfeuerten.
Die "Repulse" erhielt den ersten Bombentreffer, der das Katapult für das Bordflugzeug zerstörte. Unmittelbar darauf trafen drei weitere Bomben das Deck und es brach Feuer im Schiffsinnern aus.
Unterdessen wurde die "Prince of Wales" von mehreren Torpedos getroffen(zwei trafen sogar gleichzeitig) und die Ruderanlage sowie beide Backbordschrauben wurden zerstört. Außerdem fiehl die gesamte Elektrik aus."Prince of Wales" bekam Schlagseite und binnen von Sekunden war aus dem vormals so stolzem Schlachtschiff ein sinkendes Wrack geworden.
Der zweite Torpedoangriff, durch eine dünne Wolkendecke in 1000 m Höhe begünstigt, galt der brennenden, zickzackkurs fahrenden "Repulse". Angeblich war sie 19 Torpedos aus-gewichen!
Die Japaner flogen ihre Angriffe in Ketten zu je drei Maschinen und zerstörten auch auf der "Repulse" die Ruderanlage. Dann vollendeten die Bomber ihr Werk und versenkten die "Repulse". Sie sank über's Heck und ihr hoch aufragender Bug war das Letzte, was man von ihr sah!
Wenig später 13:20 explodierten die Munitionskammern auf der "Prince of Wales" und sie sank. Die siegreichen Japaner verließen das "Schlachtfeld", während die Zerstörer ihre Boote zu Wasser ließen und mit der Rettung der Überlebenden begannen.
Ein ritterlicher Akt seitens der Japaner, wie er im Verlaufe des Krieges bei allen Kriegsparteien statt fand, aber immer seltener wurde: Sie gestatteten den Briten mit der Rettung der Überlebenden durch die Zerstörerbesatzungen zu beginnen. Artig bedankten sich die Engländer per Lichtmorsezeichen!
Von den 2.921 Seeleuten konnten immerhin 2.081 gerettet werden. Admiral Phillips und Kapitän Leach (Kapitän der "Prince of Wales") waren nicht unter den Überlebenden!Kapitän Tennant (Kapitän der "Repulse") dagegen konnte gerettet werden.
96 japanische Flugzeuge nahmen an den Kapfhandlungen teil, aber wohl nur 82 griffen direkt an! 4 (in Worten Vier) gingen durch Feindeinwirkung verloren!
Die "Repulse" verlor 27 Offiziere und 486 Männer, "Prinze of Wales" 20 Offiziere und 307 Männer.
Als die ersten Brewster "Buffalo" des 453 Geschwaders(wurden von Phillips sofort bei Kampfbeginn angefordert) am Ort des Geschehens eintrafen Uhr, waren die Schlachschiffe schon gesunken und von den Japanern nichts mehr zu sehen.
Somit wurde mit der Vernichtung der "Force Z" nur durch Flugzeuge das Ende der Schlachtschiffe als schlacht- oder gar kriegsentscheidende Waffe eingeläutet.
Wenig später eroberten die Japaner Singapore. Das ist aber wieder eine andere Geschichte!

Mk 2 called them "Chicago Pianos".
Chicago Piano
Oerlikon 2 cm/70 (0.79") Mark 1
Oerlikon
Bofors
Telegramme W. Churchill zu "Force Z"
w.churchill an marineminister vom 25.august 1941 ->
Die Entsendung eines Abschreckungsgeschwaders in den
indischen Ozean muss in nächster Zukunft möglich gemacht
werden. Dieses Geschwader hätte aus einem kleinsten
Verband erstklassiger Schiffe zu bestehen (zb. Prince of Wales und Repulse). Wenn wir uns überlegen, welche Belastung uns aus der Tirpitz - dem einzigen Deutschland
verbliebenden Großkampfschiff - trotz unserer 15-16
Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer erwächst, dann können
wir ermessen, welche Wirkung die Anwesenheit einer
kleinen aber sehr kampftüchtigen und schnellen Flottenmacht in den fernöstlichen Gewässern auf die japanische Admiralität hätte.
w.churchill an die premierminister australiens, 20.november 1941 ->
Um aber Japan abzuschrecken, entsenden wir einstweilen
unser neuestes Schlachtschiff, die Prince of Wales, zur
Unterstützung der Repulse nach dem Indischen Ozean. Wir
haben uns dabei über die Proteste des Oberbefehlshaber
der Home Fleet, der auf das ernste Risiko hinwies, hinweggesetzt

jeannen


21.3.02 07:25:01
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Und da soll nochmal einer sagen, wenn die Deutschen Flugzeugträger gehabt hätten, hätte das auch nichts geändert.

waldi44


21.3.02 19:50:41
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Mein Beitrag ist um einige interessante Teeteils;) ergänzt worden und wer noch was weiß....

waldi44


25.3.02 10:58:42
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Hier das Telegramm von Churchill zur Aufstellung und Bedeutung der "Force Z" aus seiner Sicht!
Dieses Telegramm wurde von Alexsite aus dem SSO Board eingegeben.
meine informationen (im wortlaut).
w.churchill an marineminister vom 25.august 1941 ->
Die Entsendung eines Abschreckungsgeschwaders in den
indischen Ozean muss in nächster Zukunft möglich gemacht
werden. Dieses Geschwader hätte aus einem kleinsten
Verband erstklassiger Schiffe zu bestehen (zb. Prince of Wales und Repulse). Wenn wir uns überlegen, welche Belastung uns aus der Tirpitz - dem einzigen Deutschland
verbliebenden Großkampfschiff - trotz unserer 15-16
Schlachtschiffe und Schlachtkreuzer erwächst, dann können
wir ermessen, welche Wirkung die Anwesenheit einer
kleinen aber sehr kampftüchtigen und schnellen Flottenmacht in den fernöstlichen Gewässern auf die japanische Admiralität hätte.
w.churchill an die premierminister australiens, 20.november 1941 ->
Um aber Japan abzuschrecken, entsenden wir einstweilen
unser neuestes Schlachtschiff, die Prince of Wales, zur
Unterstützung der Repulse nach dem Indischen Ozean. Wir
haben uns dabei über die Proteste des Oberbefehlshaber
der Home Fleet, der auf das ernste Risiko hinwies, hinweggesetzt

waldi44


26.3.02 13:12:01
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Anmerkung: Ursprünlich sollte dem Verband noch der Flugzeugträger "Indomitable" mitgegeben werden. Doch dieser lief bei Übungsfahrten in der Karibik auf Grund und viel für einige Zeit wegen Reparaturarbeiten aus.
Der ältere Träger "Hermes", der im Indischen Ozean weilte, wurde auf Anfrage nicht freigegeben. Ein Träger bei dem Verband hätte die Sache schon anders aussehen lassen können!

Tja, aber Mister W.Churchill hat sich da wohl gaaanz gewaltig verschätzt! Sowohl in der Bedeutung "seiner" kleinen Flotte, als auch die Entschlossenheit der Japaner lag er völlig daneben und auch die Schlußfolgerung, die er aus dem Bedrohungspotential der Tirpitz zog traf nicht auf die Force Z zu.
Warum wohl nicht?
Immerhin nahm die Bismarck noch ein Schlachtschiff mit und beschädigte andere Schiffe zT schwer, ehe sie Versank, während die "Force Z" ganze 4 Japaner abschoß!

Panzermayer


26.3.02 16:54:26
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Hi,
habe auch noch 'ne kleine Anekdote zum Thema Malaya:
Am 8.Dezember um etwa 4.30 Uhr griffen 17 japan. Marinebomber Singapur an, um die Flugplätze dort zu zerstören.Ein Teil der Bomben wurde auch auf die Stadt selbst abgeworfen, dabei starben rund 200 Menschen. :(
Und jetzt der absolute Clou:
Eine engl. Ladenbesitzerin beobachtete von ihrer über den Geschäftsräumen gelegenen Wohnung aus mit ungläubigem Staunen, wie in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft ein Kaufhaus im Anschluss an eine überaus heftige Explosion in Trümmer sank. Sie hob den Telefonhörer ab und rief die Polizei an: "Habt ihr noch nicht gemerkt, dass ein Luftangriff im Gange ist?", brüllte sie in den Apparat. "Warum stellt denn niemand den Strom ab?".
"Machen sie sich keine Sorgen", lautete die Antwort, "es ist nur eine Übung!".
"Na, dann sagen sie denen mal dass sie nicht übertreiben sollen!", fauchte die Anruferin. :D

Panzermayer


26.3.02 17:01:01
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Gepostet von waldi44
Gleichzeitig wurden die britischen Luftstreitkräfte des 453 Jagdgeschwaders auf den Flugplätzen von Kallang und Sembawang in Alarmbereitschaft versetzt, erhielten allerdings aus bis heute ungeklärten Gründen keinen Startbefehl, so daß die "Force Z" ohne Luftunterstützung operieren mußte!

Hierzu vielleicht folgende Erklärung:
Kurz nach dem in Seestechen der "Force Z" erhielt diese die Meldung, dass eine Katastrophe bevorstehe!
Der Feind hatte nicht nur Kota Bharu genommen, sondern gleichzeitig sämtlichen nord-malayischen Flugplätze ausgeschaltet!
Der Funkspruch endete mit den Worten: "Luftsicherung am Mittwoch, dem 10., nicht - wiederhole: nicht - möglich!"
Phillips überlieferte Antwort darauf (achselnzuckend): "Nun, dann muss es eben auch ohne Luftsicherung gehen!"

waldi44


26.3.02 20:08:22
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Na, so allmählich krieg ich doch alles noch zusammen ;)!
Über ostern werde ich mal das Teil entgültig gestalten!

jeannen


27.3.02 07:51:49
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Gepostet von waldi44
Ein Träger bei dem Verband hätte die Sache schon anders aussehen lassen können!

Glaub ich nicht. Die britischen Träger waren m. E. den japanischen weit unterlegen - sowohl in der Anzahl der Flugzeuge als auch in der Qualität dieser. Die Fairey Swordfish mag im Atlantik gute Dienste geleistet haben, weil nicht mit der Bedrohung durch feindliche Jäger gerechnet werden musste. Aber im Pazifik wären diese Dinger nicht mal in eine Abwurfposition gekommen. Und die Sea Fire kam erst später oder?

waldi44


27.3.02 18:43:13
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Die Seafire kam erst so gegen 1946/47 auf den "Markt"!;)

A Supermarine Seafire IB taking off from the aircraft carrier HMS Indomitable.
Fairey Fulmar Mk I
Trägergestützter Jagdbomber, Großbritannien, 1937


CARACTERISTIQUES TECHNIQUES
Type: Monoplan
Moteur: 1 Rolls-Royce Merlin 30
Puissance du moteur: 1 300 ch
Vitesse maxi: 370 km/h
Plafond maxi: 27 200 pieds
Rayon d'action: 1 255 km
Poids à vide: /
Poids maxi: 4 627 kg
Envergure: 14,14 m
Longueur: 12,24 m
Armements: 8 mitrailleuses de 7,69 mm et 227 kg de bombes.
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