Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Deutsche Lazarettschiffe

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AutorBeitrag

waldi44


21.7.05 19:34:18
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Über den Begriff "Lazarettschiff", die Kennzeichnung und Verwendung eines solchen Schiffes sagt das "Abkommen, betreffend die Anwendung des Genfer Abkommens a uf den Seekrieg" vom 18. 10. 1907 in den Artikeln 1, 4 und 5 folgendes:

"Die militärischen Lazarettschiffe, das heißt die Schiffe, die vom Staate einzig und allein erbaut, oder eingerichtet worden sind, um den Verwundeten, Kranken und Schiffsbrüchigen Hilfe zu bringen, und denn Namen beim Begin oder im Verlauf der Feindseligkeiten, jedenfalls aber vor irgendwelcher Verwendung, den kriegführenden Mächten mitgeteilt werden (Notifizierung), sind zu achten und dürfen während der Dauer der Feindseligkeiten nicht weggenommen werden.
Die Regierungen verpflichten sich, diese Schiffe zu keinerlei militärischen Zwecken zu benutzen.

Die militärischen Lazarettschiffe sind kenntlich zu machen durch einen äußeren weißen Anstrich mit einem waagerecht laufenden etwa 1,5 Meter breiten, grünen Streifen. Alle Lazarettschiffe und die Boote dieser Schiffe sollen sich äußerlich dadurch kenntlich machen, daß sie neben der Nationalflagge die im Genfer Abkommen vorgesehene weiße Flagge mit dem roten Kreuz hissen.

Wollen sich die vorstehend erwähnten Schiffe und Boote auch während der Nacht den ihnen gebührenden Schutz sichern, so haben sie mit Genehmigung des Kriegsführenden, den sie begleiten, die notwendigen Vorkehrungen zu treffen, damit der sie kenntlich machende Anstrich genügend sichtbar ist."

Lazarettschiffe

Im Rahmen der Mobilmachung erfolgte durch Weisung des Marineamtes der Umbau der Passagierschiffe "Berlin" und "Stuttgard" zu Lazarettschiffen.
Acht Tage vor Kriegsbeginn wurden sie vertig und nach Pillau verlegt. Gleichzeitig wurden sie vom Sanitätsamt Ost zur notifizierung bei der Schweizer Schutzmacht angegeben.
Nach Eröffnung der Kampfhandlungen gegenüber Polen notifizierte die Schweizer Schutzmacht die Lazarettschiffe "Berlin (A)" sowie "Stuttgart (C)" und gab diesen den kriegführenden Mächten bekannt. Im Oktober wurde diese von Grossbritannien bestätigt.

Soweit so gut, wenn auch oftmals unbekannt!
Für die Deutschen hatte das Ganze aber einen ganz besonderen Haken: Die Russer erkannten deutsche Lazarettschiffe nicht an und bekämpften sie wie jedes andere deutsche Schiff!
Offizieller Grund: Man traute den Deutschen nicht, dass sie die Schiffe nicht zweckentfremdet verwenden, sich also Vertragstreu verhielten.
Deshalb schuf man einen neuen Transportertyp, das Verwundetentransportschiff(VTS). Diese Schiffe waren grau gestrichen, trugen kein "Rotes Kreuz" waren bewaffnet und fuhren nur im Schutz eines Geleits!
Allerdings war die Unterbringung und medizinische Versorgung der Verwundeten nicht optimal, dafür der Transport einigermassen sicher!
Dennoch wurden 1945 noch weitere Passagierschiffe zu Lazarettschiffen umgebaut. So die "General San Martin", "Marburg", "Monte Olivia" und "Monte Rosa".

Den beiden "alten" Lazarettschiffen war kein gutes Ende beschieden. "Stuttgart" wurde schon am 9. Okt. 1943 in Gotenhafen durch Bomben versenkt und "Berlin" lief am 31. Jan. 1945 im englischen Minengarten(nördlich Swinemünde) "Geranium" auf Minen (zwei).
Bei relativ geringer Seetiefe (12,5m) konnte das Schiff auf Grund gesetzt und später wenigstens die medizinischen Geräte abgeborgen werden.
Diese wurden dann auf der "Monte Olivia" eingebaut, welche aber bei ihrer ersten Fahrt als Lazarettschiff mit "U-3524" kollidierte und nicht mehr eingesetzt werden konnte!

waldi44


23.7.05 01:26:54
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Als ich im letzten Jahr in Laboe war, fiehl mir unten im Turm das Relief(?) auf, in dem die Schiffsverluste(Deutsche?) graphisch dargestellt wurden. Hatte aber keine Zeit....
Darunter sah ich auffallend viele Lazarettschiffe, die als versenkt aufgelistet waren!

JanHendrik


16.8.05 20:48:37
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Die Rote Armee machte keinen Unterschied ob Lazarettschiff oder nicht ...

Siehe Heinz Schön , "Ostsee '45"

Jan-Hendrik
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