Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Die "Eroberung" Venedigs 1943.

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AutorBeitrag

waldi44


17.10.05 17:39:02
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Am Abend des 8.9.1943 kam um 21.28 Uhr aus Rom das Stichwort für den "Fall Achse".
Überall in Italien gingen deutsche Truppen und Dienstellen daran die für diesen Fall ausgearbeiteten Massnahmen, den "Fall Ernte" umzusetzen. Italienische Truppen zu entwaffnen und wichtige Positionen zu besetzen und zu sichern.
Auch die Schiffe der schwachen deutschen Kriegsmarine waren darin eingebunden. Unter ihnen eine Rotte (2 Boote) von S- Booten, die einsatzbereit in Tarent lagen(3. Schnellboot- Flottille).
S 54 unter Oblt.zS. Schmidt und S 61.
Nach dem erhalten des Stichwortes wollte Schmidt sofort auslaufen um den ihm gegebenen Geheimauftrag im Rahmen von "Ernte" auszuführen. Aber die Netzsperre des Hafens war zu.
Der ital. Hafenkommandant Admiral Brevonesi bestellte Schmidt zu sich. Im Kommandogebäude beim Admiral angekommen verlangte Schmidt sofort, dass die Sperre geöffnet wird und er mit seinen Booten und dem auch im Hafen fahrbereit liegenden deutschen MFP(Marinefährpram) 478 auslaufen dürfe.
Das wurde ihm sofort gestattet. Als "Dank" verminten sie ihm gleich mal die Hafeneinfahrt mit 30 Minen. Auf die dann später auch promt ein britischer Minenleger, die "Abdil", lief. An Bord befanden sich 400 Soldaten, die in Tarent angelandet werden sollten. Die meisten kamen beim Untergang um's Leben.
Da der MFP nur 9 Kn lief, zuckelte der Konvoi ziehmlich anfällig und eben langsam vor sich hin. Als dann aber ein italienischer Kreuzer auftauchte, versenkte sich MFP 478 selbst und die Boote konnten nun mit 18 Knoten entkommen.
In der Strasse von Otranto wurden sie dann von Küstenbatterien mit 30 Salven belegt, die aber keinen Schaden anrichteten.
Anschliessend geriet man in eine Netzminensperre(Netz mit daran befestigten Minen), aus der man sich mühseelig aber schadlos befreien konnte. Dann überfuhr S 54 eine Seemine, die zum Glück erst zehn Meter hinter dem Schiff explodierte.
In der Nacht vom 10/11 sichtete man ein italienisches Kanonenboot, das sofort angegriffen und mit Torpedos versenkt wurde. Es war die "Aurora". Die 70 Überlebenden wurden an Bord genommen.
Muss ganz schön eng gewesen sein, denn die Besatzung des MFP hatte man ja auch schon auf die Boote aufgeteilt.
Im Morgengrauen wurde der 4572 BRT grosse Truppentransporter "Leopardi" aufgebracht. Man hatte neben den 700 italienischen Soldaten, noch Frauen und Kinder an Bord entdeckt und von einer Torpedierung abgesehen.
Der Kapitän und alle Offiziere wurden auf die S- Boote gebracht, die "Leopardi" als Prise nach Venedig "geleitet".
Venedig war das Ziel der Schnellbootrotte.
Keine Stunde später tauchte die "Albatros" auf und wurde ebenfalls zur Prise.
Dann aber tauchte aus dem morgendlichen Dunst ein italienischer Zerstörer, die "Sella", auf, der sich der Schiffsgruppe näherte. Allerdings entging ihm die Anwesenheit von S 54.
Das Boot lag auf der Leeseite der "Albatros" und Schmidt befand sich auf der Brücke derselben.
Als nun die "Sella" am Bug der "Albatros" vorbeizog, eröffnete S 54 mit seinen beiden Torpedorohren aus kürzester Entfernung das Feuer.
Nach nur vier Sekunden Laufzeit krachte der erste und eine Sekunde später der zweite Torpedo in das Schiff, dass daraufhin in drei Teile zerbrach und sank!
Mal ehrlich: hätten das die Amis in einem Film gezeigt, hätte ihnen das keine abgenommen ;)!
Weitere 80 Italiener wurden gefangen genommen.
Am Abend des 11.09. trafen beide Schiffe vor Venedig ein. Da die Prisendampfer ihre Einlaufsignale gesetzt hatten, war die Hafensperre geöffnet. Die beiden S- Boote hielt man wohl für eigene (italienische oder alliierte).
S 61 blieb zur Sicherung vor dem Hafen liegen.
Oblt.z.S. Schmidt und Kptlt. Winkler (MFP) sowie vier(!) Soldaten gingen an Land und begaben sich zum deutschen Generalkonsul Dr. Köster.
Mit diesem begab man sich um 12.30 Uhr des 12.09. in's Marinearsenal. Dort traf man sich mit Vizeadmiral Brenta, dem Mrinebefehlshaber Nördliche Adria, und Konteradmiral Zanoni, dem Chef der Marinestation Venedig.
Beide "kapitulierten" bedingungslos, stimmten der Entwaffung von 10.000 (!) Mann zu und versicherten, keine Anlagen zu zerstören. Der Polizeichef sicherte ihnen dabei seine volle Unterstützung zu.
Neben den 10.000 Militärangehörigen, lagen noch ettliche kleinere italienische Kriegsschiffe im Hafen. So das Minenschiff "Laurana" und der Zerstörer "Sebenico" ex "Beograd"(weiss aber nicht genau, ob dieses Schiff schon einsatzbereit war).

Für die "Eroberung" Venedigs erhielt Schmidt am 22.12.1943 das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes.

Ps: Diesen Beitrag habe ich auch schon in's neue Forum gepostet:D! Sicher ist SicherSmiley mit verdrehten Augen!

Gardes du Corps


17.10.05 18:34:44
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Wenn man, so wie diesen, die Erfahrungs- und Erlebnisberichte der deutschen Soldaten aus dem Weltkrieg liest, kann man wohl den Stolz verstehen, den sie in sich trugen, Soldaten der besten Armee der Welt zu sein.
Wie tragisch, als sie sahen, mit ansehen mussten, dass sie trotz, teilweiser riesiger Erfolge immer weniger wurden - "Die Helden fielen" und letztendlich, dank dem Organisationstalent der Feinde Deutschlands, zahlenmäßig unterlagen.
Man möchte Ihnen entgegenrufen:
Väter und Großväter - wir sind stolz auf Euch!

Balsi


17.10.05 19:00:43
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@ Waldi wo haste das her? Das kann ich doch gut verwenden..)))

waldi44


17.10.05 22:35:46
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Gepostet von Balsi
@ Waldi wo haste das her? Das kann ich doch gut verwenden..)))


Soetwas habe ich nicht "her" ;), sondern aus gelesenem ausgearbeitet! In diesem Fall aus "Kampffeld Mittelmeer" vom ollen Kurowski und einem "Marine Arsenal".
Man kann es dort so nachlesen. Hab es aber doch mit meinen eigenen Worten geschildert und ich denke, wenn Du es gebrauchen kannst, kannst Du es ohne Probleme mit dem Copyright so übernehmen!

@Gardes du Corps:
Keinen falschen Pathos. Das gab es in JEDER Armee und auf JEDER Seite. Auch andere hatten gute Soldaten und das Kriegsglück gehört nicht immer nur dem Tüchtigen.
Schade nur, dass die Tapferkeit, der Mut und die Opferbereitschaft unserer Väter so missbraucht wurde und traurig, dass sie sich so missbrauchen liessen!
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