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Chemisch Physikalischen Versuchsanstalt (CPVA)

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AutorBeitrag

bandajo


9.12.02 12:24:43
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Diese Versuchsanstalt soll Mitte der 30 er Jahre aus dem Torpedolaboratrium gebildet worden sein und sich in Kiel (Eckernförde?) mit Unterwasserraketen (See/Luft - See/Boden) beschäftigt haben. Der Deckname könnte Ursel gewesen sein evtl wurden damit aber auch nur Tests bezeichnet. Waaffenträger soll der U-Boot Typ XXI gewesen sein Kaliber 30 cm.
Ein Dr. Determann soll einige Versuche geleitet haben.
Die nautische Steuerungsanlage soll als Kurskreisel von der Fa. Anschütz in Kiel entwickelt worden sein.
Das Bundesarchiv verfügt über technische Berichte der Versuchsanstalt die ich allerdings noch nicht einsehen konnte. Personal und Ausstattungsangaben sowie Forschungsberichte fehlen.
Kennt jemand die Namen der beteiligten Personen und Test oder Einsatzwaffen aus dieser Versuchsanstalt.
Gefragt ist nur die Kieler Zeit - das angebliche Ende am Töplitzsee ist hinreichend bekannt.
Hätte der genannte Waffenträger eine derartige Waffe überhaupt starten können.
Für eure Hilfe vielen Dank
bandajo

indy


9.12.02 23:24:27
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Na Bandajo auch hier.
'Ursel' war eine Zerstörerabwehranlage die ab Ende 1943 erprobt wurde. Das Kaliber der Raketen betrug 15cm.
Gestartet wurde diese 2-4 Rohrige Anlage automatisch von einem Horchgerät...morgen mehr.

Gruß Phillip

bandajo


10.12.02 11:45:17
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Hi Indy
ja so ist das - eigentlich wollte ich nur mal eben schnell ein paar Sachen klären und ins Reich der Fabel verweisen.
Und bums hab ick mir festgefressen.
Witzigerweise sagen mir als Informatiker die Löcher in den Akten meist mehr mehr als die Akten selber. Löcher oder Brüche in Programmen sind ja die Fehler die ich täglich suche.
Das Fehlen von B und C in der Kette
A+(Ergebnis(B Operator C) +D=E
sagt meist über B und C und deren Verhältnis zueinander mehr aus - als zur Rückentwicklung notwendig ist.
Und noch eins ist mir aufgefallen. Alle Spekulationen um absichtliche Aktenvernichtungen durch Besatzer und oder Beteiligte zur Verschleierung sind Quark.
Bei der Bereinigung von großen Datenbeständen zeigt die Computererfahrung, das nur die Daten die bewusst sind - also zum Tagesgeschäft gehören - in Vernichtungslisten auftauchen. während die Bindeglieder zwischen diesen Daten im Bestand verbleiben.
Je 100 GB Daten rechnet man mit Bestandsresten zwischen 350 und 520 MB die einfach durch Übersehen oder falsche Zuordnung verbleiben und nach der Bereinigung auch nicht mehr einfach zu fassen sind.
Häufig lassen sich durch solche Reste - wesentliche Elemente der Ursprungsdaten zurückentwickeln.
Mir schwebt da zur Zeit ne Idee durch den Kopf die noch vorhandenen Elemente in Form eines thesaurierenden Stichwortverzeichnisses mit Quellenverlinkung aufzubauen und damit eine Art von Begriffskettenindex zu schaffen anhand dessen eine Thematische Verfolgung eines Begriffes möglich ist unabhängig von der Datenquelle.
Nimmt man dann noch eine Inhaltsbewertung anhand von >Polling< und ein Verzeichniss der erfolglosen Suchen dazu, müsste sich eine Liste der vermutlich fehlenden Elemente ergeben, aus der eine Rekonstruktion vor allem aber eine gezieltere Suche möglich wäre.
Das ganze ist noch ein Hirngespinst - aber auf dem gleichen Wege habe ich schon größere nichtgesicherte Datenbestände aus Resten weitgehend rekonstruieren können.
Dein Tip mit der 15 cm Ursel im Gegensatz zu der mir bekannten 30 cm Geschichte macht deutlich wie es gehen könnte.
Genauso ist es mit der Geschichte der angeblichen Marineversuchsanstalt am Toplitzsee. Das Gelaber drumrum macht kein Sinn es müsste festgestellt werden warum eine Verlegeung (ok Kriegseinwirkungen) an diesen Ort ( vielleicht mochte wer die Gegen, gibt es taktische Gründe) erfolgte.
Die Löcher in solchen Beweisketten zu ermitteln und dann soweit als möglich zu klären ist, glaube ich, genauso wichtig wie das Buddeln.
bandajo
PS Die Schächte in die ich passe, 1.93 120 kg mit
einem guten Schuß Klaustrophobie sind eh
Mangelware

indy


10.12.02 22:48:37
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Hallo,
(...)Jedoch plante man im Sommer 1943 den Einbau einer heckbewaffnung (Projekt Ursel) zur Abwehr von verfolgenden U-Jägern. Vorgesehen war eine pfeilstabilisierte Feststoffrakete von 1,8m Länge, 15cm Durchmesser und 80kg Gewicht, die eine Nutzlast von 15kg hochwertigen Unterwassersprengstoff tragen sollte. Man erwartete damit, bei ungepanzerten U-Jagdfahrzeuigen ein Unterwasserleck von ca. 5m2 erzielen zu können. Als maximale Reichweite im wasser waren 300m geplant. Eine Geschwindigkeit von 60kn wurde gefordert. Durch eine Bugbelüftung mit umgelenkten Raketenabgasen sollte der reibungswiderstand des Wassers an der Oberfläche der Rakete beseitigt werden. die Zündung sollte beim Aufprall oder beim Durchstoßen der wasseroberfläche erfolgen.
Im Heckraum (beim Typ XXI,A.v.I.) wäre für diese Raketen der Einbau von 2-4 Abgangsrohren möglich gewesen. Es war eine feste Erhöhung von 45-55° vorgesehen. Gezielt wurde also mit dem ganzen Boot nach den Werten, die das auf dem Heck angeordnete passive Schallortungsgerät (SP-Gerät) anzeigte.
Die Entwicklung dieser Raketenanlage wurde von der CPVA betrieben, die Konstruktion der Rakete erfolgte bei der Wasag. da sie Anfang 1944 noch nicht genügend weit fortgeschritten war, daß mit dem Einbau der anlage in absehbarer Zeit gerechnet werden konnte, wurde im Heckraum eine Werkstatt eingebaut(...)

Eberhard Möller: 'U-Boottyp XXI'
Die CPVA betrieb auf dem See eine Torpedoschussanlage, unter- und über Wasser. Kam vor kurzen ein Bericht in Spiegel TV drüber.
Die CPVA war in eine Vielzahl weiterer Geheimprojekte mit eingebunden:
-kleiner 'Rückstoßtorpedo', sollte von Kleinst'Untersee-Jägern' gegen feindliche U-Boote eingesetzt werden.
-vermutlich Entwicklung von Zielsuchenden Anti-Schiffraketen.
-Entwicklung div. Torpedos mit Walterturbine
-Erprobung sämtlicher Toredos, einschliesslich Prototypen- wie den ersten drahtgelenkten Torpedo ('Spinne')

Gruß Phillip

Indy


22.1.03 16:08:38
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Auf dem Tollensee wurden auch die Sprengboote 'Hydra' und 'linse' getestet...letztere war ein unbemanntes Sprengboot das mittels IR-Sensor ins Ziel gelenkt wurde.
Soll sich bei Kriegsende als zuverlässig und einsatzfähig erwiesen haben...

Gruß Philip
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