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Seeadler- letztes deutsches Segelkriegsschiff

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AutorBeitrag

waldi44


16.1.03 15:03:56
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Im Jahre 1916 kam ein gewisser Leutnant zur See d. Reserve Kling auf die Idee ein Segelschiff als "Hilfskreuzer" einzusetzen. Er unterbreitete diese Idee der deutschen Marineleitung, die sich von den Vorteilen überzeugen liess.
1. Ein Segelschiff als Kriegsschiff war kaum verdächtig und würde wohl weitestgehend unbehelligt bleiben.
2. Es war vom Treibstoffnachschub unabhängig und konnte seine sonstigen Vorräte aus der Prise ergänzen.
Das dafür geeignete Schiff fand man in dem 1.571 BRT Dreimastsegler "Pass of Balmaha"! Dieses Schiff war im August 1888 in Glasgow von Stapel gelaufen und fuhr mehrmals nach Südamerika und Archangelsk und zwischenzeitlich auch im Auftrag einer US Reederei, der "River Plate Shipping Co." .
Am 3. August 1915 wurde das Schiff von U- 36 aufgebracht und als Prise nach Cuxhaven geschickt und hiess fortan "Seeadler"!
Zum Hilfskreuzer umgebaut bekam es 2 x10,5cm Geschütze und wurde dann in "Irma" umbenannt und galt als norwegischer Segler.
Um die Tarnung so perfekt wie möglich zu gestalten, befanden sich 16 Matrosen an Bord die fliessend norwegisch sprachen und ein junger Matrose, der sich während dr Fahrt als die Frau des Kapitäns ausgab und kleidete! Ob sie auch das Bett teilten entzieht sich meiner Kenntniss!
Jedenfalls liess sich die Besatzung eines englischen Kriegsschiffes täuschen, als sie das, am 21.12.1916 ausgelaufene Schiff, dass sich als Holzfrachter ausgab, am 25. 12. durchsuchten.
Anfänglich kreuzte das Schiff im Atlantik, später im Pazifik und versenkte immerhin 13 Segler mit 20.127 BRT und 3 Dampfer mit 9.972 BRT. Alle Aktionen wurden korrekt nach der Prisenordnung durchgeführt, bei der es lediglich einen Toten gab und auch das nur wegen einem Querschläger!
Die mitgeführten Gefangenen wurden wegen drohender Lebensmittelknappheit, auf der Höhe von Rio de Janeiro einem ebenfalls gekaperten französischen Segler übergeben, wodurch natürlich die Geheimhaltung gelüftet wurde! Um seinen Jägern
zu entgehen, umrundete er Kap Horn und gelangte in den Pazifik, wo er 3 amerikanische Dreimastsegler kaperte, ehe ihn der Ausbruch der Beri- Beri Krankheit zwag Land anzusteuern
Am 31.07.1917 strandete die "Seeadler- Irma" während eines starken Sturmes vor der Insel Mopelia. Bestzung und Gefangene konten sich retten und lebten wochenlang auf der insel zusammen.
Nach drei Wochen schliesslich bricht Luckner mit fünf Mann in einem kleinen Beiboot auf und erreicht nach 2.300 Seemeilen eine der Fidschiinseln, wo er beabsichtigt einen Motorsegler zu kapern, was aber misslang und sie in das Zuchhaus von Auckland brachte.
Von dort brach er mit seinen Leuten im Dezember 1917 wieder aus, kaperte einen Sgelschoner und nahm Kurs auf Mopelia.
Bei einem Vulkanausbruch auf hoher See fing das Segel feuer und das Schiff geriet in Seenot, aus der ihn ein britischer Kabelleger befreite, was aber auch nur relativ war, denn man erkannte Luckner und brachte ihn umgehend in ein Hochsicherheitsgefängnis im Norden Neuseelands.
Inzwischen hatten seine Leute auf Mopelia ihrereseits einen französischen Frachsegler bei der Frischwasseraufnahme gekapert und sich auf die Suche nach ihren Kommandanten gemacht. Die Suche endete auf einem Riff vor der Osterinsel, wo sie gefangen genommen und zur Internierung nach Chile gebracht werden.
Felix Graf Luckner kehrte im Frühjahr 1919 nach Deutschland zurück, wo er als Held gefeiert wurde und seine Erlebnisse als
Buch veröffentlichte. Allerdings soll er nur ein Sechstel des Buches selbst geschrieben und verschiedene Ereignisse sehr ausgeschmückt haben.
Nach Kriegsende führte er das Segelschulschiff "Niobe". 1923 nahm er den Abschied und begab sich auf Vortragsreisen.
1940/1945 wohnte er im Haus seiner Mutter in Halle. Er muß ein mutiger Mann gewesen sein, denn er verhandelte Mitte April 1945 mit den Amerikanern und und trug zusammen mit dem Arzt Dr.Weins und/oder dem Major Huhold dazu bei, dass Halle nicht durch Luftangriffe zerstört, sondern kampflos übergeben wurde.
Luckner wurde daraufhin von der deutschen Reichsregierung zum Tode verurteilt. Prompt ernannte ihn die 104. amerikanischen Infanterie-Division "TIMBERWÖLFE" zum Ehrenoberst...
Er wurde am 9.Juni 1881 in Dresden geboren starb am 13.April 1966 in Malmö.
Die Grabplatte auf dem Grab des "Seeteufels" Felix Graf Luckner befindet sich nur wenige Schritte neben der Büste auf dem Grab des Schauspielers Harry Gorki auf dem Friedhof Friedhof Ohlsdorf.
Kapitänleutnant Felix Graf v. Luckner 09.07.1871 bis 13.04.1966


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waldi44


14.2.03 22:45:56
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Ich hoffe, die werte Usergemeinschaft vergiebt mir, aber ich fand diese Ausarbeitung so schlecht nun auch wieder nicht, als dass sie ungesehen/-lesen in der Versenkung verschwinden soll.
War wohl die falsche ÜberschriftSmiley mit verdrehten Augen !
Ich fand die Idee mit dem Segler als Kaperschiff echt genial und die Abenteuer des Grafen, wenn auch etwas nachgeholfen wurde, echt abenteuerlich! Jules Verne hätte es nicht besser gekonnt;) !

Rev. Two Bands


14.2.03 23:04:32
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Die Amerikaner haben noch im 2. Weltkrieg bewaffnete Schoner als Ubootsfallen eingesetzt. Ohne Erfolg, soweit ich weiß.

waldi44


15.2.03 22:35:14
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Naja, ich denke mal, ein Schoner ist nicht gerade das "Wunschziel" eines deutschen U-Bootkapitäns gewesen;)!

The Real Blaze


4.3.03 17:31:22
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Ich habe Luckners Buch in der zweiten Auflage gelesen(altdeutsche Schrift)Dazu noch mit plattdeutschen Dialogen.
Ja es war das große filmreife Abenteuer,ohne großen militärischen Wert.Wären sie nicht gestrandet,hätten sie auch die Kugel umrundet.War schon eine verwegene Zeit,wo man auch Einblicke in unser schwindendes Kolonialreich bekam.Man sollte schon mal auf unsere pazifischen Besitzungen schauen,welch riesiges Seegebiet wir dort kontrollierten,fast so groß wie die USA!
Hätten wir das noch,wäre Mallorca heute "megaout".:D
mfg The Real Blaze

AK 74 ZF


24.1.04 14:05:37
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Hallo Waldi,
da ich mal irgendwo gelesen habe, daß Du Dich für Schiffe/Marine interessierst ein kurzer Filmtip.
Es gibt zwei Teile/Dokumentarberichte (liefen bei ARD, MDR etc.).
Im ersten Teil "Die Piraten des Kaisers" geht es um Graf Luckner und im zweiten Teil um einen Hilfskreuzer im Atlantik.
Zum ersten Teil häng ich mal einen Link an.
http://www.radiobremen.de/tv/archiv/piraten_des_kaisers.html
Zumindest mal einen Blick wert.
Die Reportage war übrigens große Klasse.
Gruß AK 74 ZF - der ein Fan des "Seeteufels" ist -klatschender Smiley

waldi44


24.1.04 16:42:48
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Hab ich gesehenSmiley mit verdrehten Augen, aber dennoch Danke:)!
Ja, war schon eine "Tolle Zeit", aber sagt das nicht jeder rückblickend von der Vergangenheit, aber kaum einer von der Zeit in der er selber lebtSmiley mit verdrehten Augen!
Ps: Habe mir mal die HTML Version mit meinem neuen Drucker ausgedruckt und abgeheftet- finde ich so immer noch besser als auf CD gespeichert und dann am Bildschirm lesenSmiley mit verdrehten Augen!!

Axel43


24.1.04 17:49:22
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Der etwas abenteuerliche Luckner wurde im Ausland sehr geschätzt und war ein gutes Gegengewicht gegen das "Hunnen", das den Deutschen sonst sehr anhing. Seine Erfolge waren zwar nicht direkt sensationell aber auch so gering wieder auch nicht, verglichen mit anderen Kreuzern dieser Art. Auf einem der großen Segelfrachter, die er versenkte, war er einmal vor vielen Jahren selbst gefahren !
Ja, doch, die deutschen U-Boote verschmähten ganz und garnicht, Schoner zu versenken. Die amerikanschen waren übrigens oft so groß wenn nicht gar größer wie Barken, Vollschiffe oder Dampfer mittlerer Größe.
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