Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Wer versenkte "Leberecht Maass" und

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AutorBeitrag

waldi44


16.2.03 19:05:54
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"Max Schultz"?
Ein fast unbekanntes und bis heute nicht geklärtes Kapitel deutscher See- und Luftkriegsgeschichte.
Die beiden Zerstörer "Leberecht Maass" und "Max Schultz" waren im Verband mit vier weiteren Zerstörern am 22. Januar 1940 gegen Abend zu Unternehmungen ausgelaufen.
Gleichzeitig unternahm das X.Fliegerkorps Einsätze gegen Seeziele an der englischen Ostküste. Grundsätzlich war es dem X.Fliegerkorps verboten in der Nordsee U-Boote anzugreifen, da eine sichere Unterscheidung zwischen Feindbooten und eigenen kaum möglich war.
Der Angriff auf Überwassereinheiten dagegen wurde nur eingeschränkt, wenn sich eigene Einheiten im Einsatz befanden, so wie die sechs Zerstörer!
Nur hatte das Marinegruppe West es versäumt, dem X. Fliegerkorps das Auslaufen der Schiffe mitzuteilen, während die Mitteilung des X.Fliegerkorps nicht an die Zerstörer weitergeleitet wurde.
Um 19:42 Uhr erfolgte auf der "Leberecht Maass" eine heftige Explosion im Bereich des Vorschiffs und 19:56 Uhr eine weitere Explosion Mittschiffs, die zum Untergang führte!
Um 20:04 Uhr erfolgte auf der "Max Schultz" eine heftige Explosion, die zum sofortigen Untergang des Schiffes führte.
Es gab keine Überlebenden!
Der Zerstörer "Riedel" wirft daraufhin um 20:08 Uhr vier Was-
serbomben und um 20:19 Uhr brach man wegen angenommener U- Bootgefahr die Bergung der Überlebenden ab. 578 Seeleute zahlten mit ihrem Leben!
Zur gleichen Zeit griffen Flugzeuge des X.Fliegerkorps bei Dunkelheit ein einzelnes Schiff an, dass sie nur an den Schaumstreifen und später sehr Schemenhaft erkannten.
Die Besatzungen flogen ihren ersten Einsatz....
Das Schiff eröffnete aus seinen 3,7 cm Flak das Feuer.
Bei späteren Befragungen der Zerstörerbesatzungen gab es unterschiedliche/widersprüchliche Aussagen darüber, ob man Flugzeuge gesichtet/gehört habe oder nicht. Geschossen, worauf auch immer, habe man.
Zu Beginn des Angriffs ging man von Minentreffer auf dem Zerstörer aus, dann von Torpedos. An einen Luftangriff, dazu noch eventuell von eigenen Flugzeugen dachte niemand.
Nach Kriegsende stellte sich dann heraus, dass in dem betreffenden Seegebiet am 9/10. Januar Ankertauminen gelegt wurden. Aber, die Minen lagen zum Zeitpunkt als die Zerstörer das Gebiet passierten 3 bis 4 Fuss tiefer als ihr Tiefgang!
Dennoch besteht die Möglichkeit, dass die Zerstörer, bei Ausweichmanövern auf diese Minen liefen.
Als gesichert kann man betrachten, dass "Leberecht Maass" das Feuer auf Flugzeuge eröffnete und dass wohl mindestens eine Bombe der He111 des K.G.26 das Schiff traf.
Was dann weiter geschah ist bis heute nicht geklärt!

waldi44


12.7.03 20:13:42
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Habe ich gestern bekommen.Da kommt doch Freude auf:D!
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Hanne aus London schrieb am 11.Juli 2003 um 13:35 Uhr:
--
Hallo Waldi,
Ich hab Dein posting "Wer versenkte die Leberecht Maass?" gesehen.
Meines Grossvaters Bruder (+) fuhr auf diesem Zerstoerer und war einer der damals 58 knapp uberlebenden.
Er hatte immer ein Bild "seines" Schiffes im Wohnzimmer haengen.
Schoen, dass man sich auch heute noch all der sinnlos vergeudeten Leben erinnert.
Gruss Hanne
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Axel43


13.7.03 03:06:40
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Laut Gröner liefen die beiden Zerstörer beim Ausweichen deutscher Fliegerbomben in eine britische Minensperre.
Der Angriff auf eigene Kräfte ist natürlich sehr tragisch, kommt aber immer wieder vor und ist ja wohl auch verständlich.

Gast


17.6.04 17:42:55
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Hallo,
mein Onkel (Franz Hoffmann) ist mit der "Leberecht Maass"
untergegangen. Daher interessieren mich die näheren
Umstände des Untergangs sehr. Leben heute noch Überlebende der
Katastrophe? stefan-Punkt-wilke-at-desy-punkt-de
Vielen Dank!

Deichgraf


18.6.04 08:09:22
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Gepostet von waldi44
[b
Was dann weiter geschah ist bis heute nicht geklärt!


Doch. Es gibt (wenn auch nicht viele) Veröffentlichungen zu diesem Thema. Egal.
Kernpunkt ist, daß es eine nur ungenügende Koordination zwischen Marine und Luftwaffe gab. Die Marine hatte das Auslaufen der Zerstörer der Luftwaffe zwar mitgeteilt, die hatte es aber an die startenden Maschinen nicht weitergegeben. Die unglückliche He-111 sah die ungemeldeten Schiffe und hielt sie prompt für feindlich. Ob ES geschossen wurden, kann ich aus der Erinnerung jetzt nicht sagen, letztlich ist es gleichgültig, da sich Flugzeug und Zerstörer gegenseitig angriffen.
Das sich die ganze Angelegenheit in einer Gasse durch eine Minensperre ereignete machte sie nur noch dramatischer.
In wieweit jetzt Minen zu den Versenkungen beitrugen kann ich jetzt nicht sagen. Ich muß wohl heute abend mal wieder ältere Bücher raussuchen....
Ach ja: der Pilot der Besatzung sollte sofort vor ein Kriegsgericht gestellt werden. Dazu kam es aber nicht mehr, nachdem man den Sachverhalt geklärt hatte.

Grüße

Jürgen

Verlorene Siege


18.6.04 18:11:01
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Die Geschichte ist schon geklärt.

Z1 wird zuerst von einer Bombe getroffen(keine schwersten Beschädigungen) und läuft kurz danach auf eine oder mehrere Minen auf.

Z3 wird auch durch Minen versenkt.

Das Fazit einer längeren Analyse aus dem Buch "Die dt. Zerstörer 1939-45 v. Koop/Schmolke.

MFg
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