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Die "Lusitania" ein Hilfskreuzer?

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AutorBeitrag

Quintus


1.3.03 07:33:38
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War die "Lusitania" ein Hilfskreuzer und die Torpedierung durch ein deutsches U-Boot gerechtfertigt?

Die "Lusitania", die 1907 bei ihrer zweiten Atlantik-Überquerung den deutschen Passagierschiffen das Blaue Band abgejagt hatte, war noch 1913 der Stolz der britischen Handelsmarine: mit vier Schornsteinen und 24 Knoten hat sie in je 4 Tagen und 19 Stunden das Meer zwischen Liverpool und New York durchrast, an die zweihundertmal. Es war übrigens das höchstgebaute, auch mit 45.000 Tonnen größte Schiff der Welt samt ihrem Schwesterschiff der "Mauretania".
Dieses Schiff, die Lusitania, sollte Churchill als Köder für deutsche U-Boote dienen, um die USA zum Kriegseintritt zu bewegen:
"Das Ergebnis dieser Nachforschung...wurde schließlich ergänzt durch die Entdeckung der Papiere des damaligen Vorstandsvorsitzenden der Cunard-Linie Alfred Booth und seines Vetters George, der von 1914 bis 1919 stellvertretender Director General des Ministry of Munitions war...Booth fand sich am 19.2.1913 um 14 Uhr 30 auf der Admiralität ein. Der First Lord Winston Churchill führte Vorsitz... Er ließ keinen Zweifel, dass es in Kürze einen Krieg mit Deutschland geben werde. Man rechne mit seinem Ausbruch im September 1914... Er stellte fest, dass der Zeitpunkt gekommen sei, im nationalen Interesse gewisse Klauseln anzuwenden, in denen sich die Cunard-Linie verpflichtet habe, ihre Schiffe der Admiralität zur Verfügung zu stellen. Er sprach den Wunsch aus, dass man die "Lusitania", die "Mauretania", die "Invernia" und die "Aquitania"... sofort umrüste, damit sie bei Ausbruch der Feindseligkeiten unverzüglich ihre Rolle als Hilfkreuzer übernehmen könnten...Unter strenger Geheimhaltung kam die "Lusitania" am 12.Mai 1913... ins Trockendock. Die Cunard Company erklärte, das Schiff werde vorübergehend aus dem Verkehr gezogen, damit die neuen Turbinenmodelle eingebaut werden können, aber die New York Tribune ließ die Katze aus dem Sack, als sie am 19. Juni berichtete: '...wird der Windhund gemäß der neuen englischen Politik... mit Hochleistungs-Marinegeschützen ausgerüstet'... und am 16. März 1914 konnte Winston Churchill stolz dem Unterhaus berichten, dass über vierzig britische Handelsschiffe mit 'defensiver Bewaffnung' ausgerüstet worden seien. Der Terminus 'defensiv' muss...auf das Konto 'Freiheit eines Politikers' gebucht werden, denn die Cunard-Schiffe konnten alle mit einer schwereren Breitseite aufwarten als z.B. die Kreuzer der...E.-Klasse, die mit der Verteidigung des Ärmelkanals beauftragt waren... Churchill murmelte... 'Für mich sind das hier nur weitere 45.000 Tonnen Lebendköder'"*
Churchills Kalkül: Ertrinken erstmal amerikanische Staatsbürger durch deutsche Kriegshandlungen, kippt die öffentliche Stimmung der Amerikaner zugunsten eines Kriegseintritts.
Am 7. Mai 1915 versenkte das deutsches U-Boot U-20 unter Kapitänleutnant Walther Schwieger ohne Vorwarnung die "Lusitania" mit Bürgern neutraler Staaten an Bord. 1198 Menschen riss das explodierende Schiff vor der irischen Küste in die Tiefen.
Churchills Köder hatte seinen Zweck erreicht: Amerikaner waren durch Deutschlands Kriegsführung umgekommen. Die Stimmung in Amerika schwang um. Nach Versenkung weiterer amerikanischer Schiffe stimmte der Kongress am 2. April 1917 der Kriegserklärung gegen Deutschland zu.**
Interessant hierzu auch, dass der britische Kreuzer, der nach der Torpedierung der "Lusitania" an der Unglückstelle ankam, um Schiffbrüchige zu retten - zwölfhundert Männer, Frauen und Kinder ließ man 1915 in Küstennähe ertrinken, darunter hundert Bürger des damals neutralen Amerika -, auf Befehl der Londoner Admiralität abdampfen musste, ohne retten zu dürfen.*

P.S.: Stellt sich also - wie schon bei dem Thema Bombardements deutsche Städte - auch hier die gewagte Frage: Churchill ein Kriegsverbrecher (möglicherweise bereits im Ersten Weltkrieg)?

Quellen:
*"Die Lusitania" Colin Simpson, 1972, London und Frankfurt,
*"Sommer 14" Rolf Hochhuth, 1989 Rowohlt Verlag GmbH.
**"Geschichte der deutschen Kriegsmarine. Von den Anfängen bis 1945." © 1989 by Torsten Migge und Reiner Ebert, Lammler-Verlag München.

The Real Blaze


1.3.03 10:18:22
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Wenn man alles zusammen zählt war Churchill ein verbrecherischer Kriegstreiber!Er sah immer als Vertreter des Empire Deutschland als den großen Konkurrenten um die Vorherrschaft in Europa und der gesamten Welt!Wenn man sein Treiben schon vor dem 1.Weltkrieg betrachtet,muß man wohl zur Erkenntnis kommen,daß es ihm nicht um die Personen ging,die eben mal gerade Deutschland regierten,sondern immer nur um die Schwächung der Wirtschaftsmacht Deutschland als ganzes!Um das zu erreichen ordnete er alles mit ein was er brauchte.Würde er noch heute leben,wäre noch immer antideutsche Politik angesagt.Die Wiedervereinigung hätte er versucht zu verhindern(so wie Churchill Fan Thatcher)Er war ein notorischer Deutschlandhasser.
Aber auch bei ihm hätte das Schicksal anders zuschagen können,als es kam wie es kam.Er war doch 1940 an Bord eines britischen Schlachtkreuzers?(Victoria),als dieses Schiff von vier? Torpedos getroffen wurde und keiner explodierte;(
Für mich ein idealer Zeitpunkt,wo die Weltgeschichte wieder anders verlaufen wäre,wenn Churchill untergegangen wäre.Man weiß ja wie die Engländer zum Krieg 1940 standen.
Da wäre es gut möglich,daß man doch nach Dünnkirchen auf Verhandlungskurs gegangen wäre.Ohne Churchill wäre eine Verständigung 1940 viel wahrscheinlicher gewesen.Das dumme nur:Wenn das passiert wäre,was wäre dann im Osten passiert?
Mit Sicherheit ein Krieg doch mit viel größeren Erfolgsaussichten.Ohne Churchill hätte es keine Balkanoperation gegeben,da wäre schon der Zeitfaktor ein besserer.Und noch einmal ohne Churchill:Hätte es nach ihm eine Verständigung mit Deutschland gegeben,hätte es eine antibolschewistische Front gegeben.kein Konvoi wäre nach Russland gedampft.Es hätte auch ohne Churchill kein Amerika Kriegseintritt auf europäischen Boden gegeben.
Die Liste "Ohne Churchill" kann man noch viel weiter verlängern,alles zum Nutzen Deutschlands.
Also falls es mal eine Zeitmaschine gibt,nicht nur Elsers Zeitbomben Uhr im Bürgerbräukeller zurückstellen,sondern auch die Torpedos auf Victoria schärfen...
Smiley mit verdrehten Augen
mfg The Real Blaze

Quintus


3.3.03 05:42:57
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Gepostet von The Real Blaze
Aber auch bei ihm hätte das Schicksal anders zuschagen können,als es kam wie es kam.Er war doch 1940 an Bord eines britischen Schlachtkreuzers?(Victoria),als dieses Schiff von vier? Torpedos getroffen wurde und keiner explodierte

Ne, ne! Es war im November 1939 westlich der Orkneys, als ein deutsches U-Boot einen Dreierfächer auf das Schlachtschiff "Nelson" abfeuerte! Die Torpedos wurden als Treffer ermittelt, aber sie explodierten nicht - eine mögliche Folge der neuen Abwehrtechniken der Alliierten! Auf der "Nelson" hielt sich zur gegebenen Zeit kein Geringerer als Churchill auf!*
@ Real Blaze:
Du stellst eine Liste auf, was wäre OHNE Churchill passiert. Gut und schön.
Stellt man eine Gegenliste auf: was währe OHNE Churchill NICHT passiert, ergeben sich ganz andere Gesichtspunkte! Churchill war der einzige selbstbewusste und konsequente Gegenpol zu Hitler! Dank seiner Politik gelang es nicht zuletzt, Nazi-Deutschland in die Knie zwingen zu können...
Entsprechende Beispiele folgen bei Bedarf!...

*Quelle:
"Geschichte der deutschen Kriegsmarine. Von den Anfängen bis 1945." © 1989 by Torsten Migge und Reiner Ebert, Lammler-Verlag München,
auch: Paul Herbert Freyer "Der Tod auf allen Meeren"

waldi44


3.3.03 10:32:02
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ALLES ZUM NUTZEN DEUTSCHLANDS?
Es ist eben die Frage, WAS zum Nutzen Deutschlands gewesen wäre- ich denke, man weiss was ich meine.
Wenn andere- zB Deutsche so gehandelt hätten wie Churchill, würde man das unter Umständen als genial bezeichnen und als einzigste Überlebenschance, so aber redet man von Verbrechen.
Auch eine etwas einseitige Sicht der Dinge.
Neulich kam ein Tauchbericht im Fernsehen. Man untersuchte das Wrack der Lusitania und fand keine Beweise für die These, dass Waffen oder Munition an Bord waren bzw diese explodierten!
Dass die Torpedos nicht explodierten als sie die "Nelson" trafen war wohl eher auf die mangelhafte Zündvorrichtung (Abstandspistole)der Torpedos zurück zu führen!

The Real Blaze


3.3.03 18:14:12
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Tja an Churchill scheiden sich die Geister. Ich schau mir eben nicht nur Hitlers Wahnsinn an sondern auch,was andere "wie" getrieben haben.
Kleines Beisspiel:Die sogenannte"Entnazifizierung" ein Kriegsziel Churchills...In aller Welt waren nach dem Krieg deutsche Instrukteure unterwegs mit dunkelbrauener Vergangenheit.Wenn interessiert schon Entnazifizierung,wenn diese Leute vom fachlichen mehr Nutzen bringen,als ihre Weltanschauung.
Für mich ist Churchill absolut kein Held,sondern nur ein britischer imperialer Machtpolitiker und das im höchsten Maße skrubellos und heuchlerisch!
Berühmtester Ausspruch nach dem krieg:"Wir haben das falsche Schwein geschlachtet!"
Na wem da nicht die Augen aufgehen,will es eben nicht sehen...
mfg The Real Blaze

waldi44


3.3.03 20:56:42
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Dass Churchill, wenn überhaupt, ein ebenso negativer "Held" war wie Stalin, bleibt unbestritten und hätten die Nazis in bekommen und den Prozess gemacht, wäre er wohl "zu recht" wegen Verstoss gegen etlicher bestehender und rasch noch zu schaffenden Verbrechen abgeurteilt worden.
Das ist keine Frage! Eine Frage hingegen bleibt: War im Kampf gegen den Faschismus nicht jedes Mittel erlaubt?

Quintus


5.3.03 04:15:03
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Gepostet von waldi44
Dass die Torpedos nicht explodierten als sie die "Nelson" trafen war wohl eher auf die mangelhafte Zündvorrichtung (Abstandspistole)der Torpedos zurück zu führen!

Ich dachte zunächst - das meinte ich mit neuen Abwehrtechniken der Alliies - an die Entmagnetisierung der Schiffe, wodurch die Magnetzünder nicht funktionierten. Aber Du hast natürlich recht, waldi, denn 1939 waren die Entmagnetisierungsschleifen noch nicht erfunden...

The Real Blaze


5.3.03 16:52:37
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Ich glaube nicht daß der Kampf gegen den "Faschismus" Churchill verbrecherisch kämpfen ließ.Für ihn war es nur ein anwachsendes,"Ihm über dem Kopf wachsendes" Großdeutschland.Damals wurde eher vom Hitlerismus gesprochen,als vom Faschismus.Den wenn sie gegen den Faschismus als Kriegsziel kämpfen wollten, hätte Churchill Polen(faschistisch) die Hilfe verweigert,dann schon 39' Italien und Spanien den krieg erklären sollen. Die damals verbreitete faschistische Weltanschauung wurde erst hinterher als falsch betrachtet,als der krieg verloren ging. Der kampf gegen den Faschismus war für Churchill insgesamt gesehen nur Mittel zum Zweck. Vor dem ersten Weltkrieg wo er sich schon auf Deutschland eingeschoßen hatte, gab es schließlich auch nicht den Faschismus.
mfg The Real Blaze

Quintus


6.3.03 04:10:37
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Kurze Charakteristik der "Drei Großen":
Churchill war - ähnlich wie Stalin - ein kühler Machtmensch. Hitler hingegen verleitete sich durch seine selektive Gehässigkeit selbst zu fatalen Fehlentscheidungen.
Stalin widerum konnte mit Idealisten wie Roosevelt nichts anfangen...
Ich will keine Ansichten suggerieren, macht euch also selbst ein Bild!

Indy


6.3.03 21:03:15
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Gepostet von waldi44

Das ist keine Frage! Eine Frage hingegen bleibt: War im Kampf gegen den Faschismus nicht jedes Mittel erlaubt?

waldi44


7.3.03 20:30:58
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...und was ist damitSmiley mit verdrehten Augen?
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