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Torpedos

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waldi44


8.12.01 20:50:13
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Eines der größten Probleme, denen sich die deutsche U-Boot-Waffe in den ersten Monaten des Krieges gegenübergestellt sah, war die Beschaffenheit ihrer Torpedos, die äußerst unzuverlässig waren und häufig versagten.
Am 03.09.1939, nur 48 Stunden nachdem deutsche Truppen die Feindseligkeiten gegen Polen eröffnet hatten, machte U 14 unter Horst Wellner in der Ostsee ein polnisches U-Boot aus. U 14 schoss einen Torpedo auf den Gegner. Dieser aber explodierte weit vor dem Ziel, ohne Schaden anzurichten.
Auch U 39 unter Gerhard Glattes machte seine schlechten Erfahrungen mit Torpedoversagern. Das Boot wurde nach einem erfolglosen Angriff auf den britischen Flugzeugträger "HMS Ark Royal" von den Sicherungsfahrzeugen des Trägers versenkt. Die von U 39 geschossenen Torpedos explodierten zu früh. Damit war U 39 das erste deutsche U-Boot, das im zweiten Weltkrieg verlorenging. Und dies, weil es durch seine eigenen versagenden Torpedos verraten worden war. ( --> siehe auch Schicksal von U 39 )
Auch Kapitänleutnant Günther Prien hatte bei seinem Angriff auf Scapa Flow mit Torpedoversagern zu kämpfen. ( --> siehe auch "Prien gegen Scapa Flow" )
Am 25.10.1939 meldete Kapitänleutnant Herbert Schultze, Kommandant von U 48, fünf Torpedoversager.
Am 31.10.1939 berichtete Korvettenkapitän Victor Schütze, Kommandant von U 25, über vier Torpedoversager.
Am 07.11.1939 meldete Kapitänleutnant Herbert Sohler, Kommandant von U 46, daß neun der zwölf Torpedos, mit denen sein Boot ausgerüstet gewesen war, versagt hatten.
Der vielleicht am meisten enttäuschende Versager trat auf, als U 56 unter Wilhelm Zahn die riesigen Schlachtschiffe "HMS Hood", "HMS Nelson" und "HMS Rodney" am 30.10.1939 angriff, und keines der Schiffe auch nur beschädigt wurde ( --> Bericht ).
Kapitänleutnant Wilhelm Zahn war nicht der erste deutsche U-Boot-Kommandant gewesen, der Karl Dönitz über versagende Torpedos berichtet hatte, und er sollte auch nicht der letzte gewesen sein. Vielmehr hatten bereits die ersten Tage des Krieges gezeigt, daß die U-Boote mit unzuverlässigen Waffen gegen den Feind fuhren.
Doch wie war es möglich, daß die wegen ihrer Perfektion gerühmte und gefürchtete Rüstungsmaschinerie des Dritten Reiches ausgerechnet bei der Torpedokonstruktion schwere Fehler gemacht hatte? Fehler, die den Ausschlag für schwere Niederlagen im Seekrieg geben konnten.


Ein typischer deutscher Torpedo

Der Grund war unter anderem eine Entwicklung, die schon während des ersten Weltkrieges ihren Anfang genommen hatte: Nicht mehr der Aufschlag des Torpedos auf sein Ziel sollte seine Sprengladung zur Explosion bringen. Vielmehr sollte der Torpedo durch das starke magnetische Feld, eines Schiffes ausgelöst, direkt unterhalb des angegriffenen Schiffes detonieren. Die ungeheure Kraft der Explosion würde das Schiff anheben, es zurückfallen lassen und auf diese Weise seinen Kiel brechen. Das Schiff wäre daraufhin unrettbar verloren.
Doch die Stärke des magnetischen Feldes, das von einem Schiff gebildet wird, ist beträchtlichen Schwankungen unterworfen. Sie verändert sich nicht nur mit der jeweiligen Größe des Schiffes, sondern auch mit seinem Standort in Relation zu seiner Entfernung vom magnetischen Pol der Erde.
Auch kann die Stärke des Magnetfeldes von nahen Eisenerzlagen und auch von atmosphärischen Störungen stark beeinflusst werden.
Um diese Störungen kompensieren zu können hatten die deutschen Torpedo-Konstrukteure in den Zündapparat eine Vorrichtung eingebaut, mit der die Empfindlichkeit des Magnetzünders in insgesamt 16 Stufen verändert werden konnte.
All diese Umstände machten die Magnetzündung jedoch zu einem für Störungen außerordentlich anfälligen Teil des Torpedos. Gleichwohl hielten die Waffentechniker der deutschen Torpedo-Versuchsanstalt an dieser Vorrichtung fest. Sie waren von ihrer Zuverlässigkeit geradezu blind überzeugt.
Einer der ersten, die an der Tauglichkeit der Magnetzündung zweifelten, war Karl Dönitz. Schon im Sommer 1939 brachte er seine Bedenken in einem Gespräch mit Offizieren und Beamten der Torpedo-Versuchsanstalt vor. Der Leiter der Torpedo-Versuchsanstalt, Konteradmiral Oskar Wehr, jedoch nannte die Befürchtungen von Dönitz "grundlos".
Am Ende des ersten Kriegsmonats aber hatten die Meldungen der U-Boot-Kommandanten über Torpedoversager und Frühzünder schon einen so großen Umfang angenommen, daß Dönitz sich zu einer dramatischen Maßnahme genötigt sah: Am 02.10.1939 ordnete der Befehlshaber der U-Boote an, künftig dürfe nur noch mit Aufschlagzündung geschossen werden.
Erst später stellte heraus, daß auch die Aufschlagzündung mit starken Mängeln behaftet war. Diese arbeitete mit einem Gestänge, daß die Kraft des Aufschlags nicht direkt von vorn, sondern umgelenkt von hinten auf die Zündmasse übertrug. Diese Vorrichtung aber war gegen mechanische Störungen sehr empfindlich. Wenn der Torpedo in sehr spitzem Winkel auf sein Ziel auftraf, versagte die Zündung oft.
Die Ursache für die Versager war schnell gefunden, denn schon in den ersten Tagen des Oktober 1939 teilte die Torpedo-Versuchsanstalt mit, dass ein falsch verlegtes Kabel die Frühzündung ausgelöst habe. Doch schon zwei Wochen später meldeten U-Boote von der Front, dass auch die veränderten Torpedos mit dem gleichen alten Mangel behaftet waren. Es waren wieder Frühzünder.
Wieder musste Dönitz anordnen, vorerst nur noch mit Aufschlagzündung zu schießen. In seinem Kriegstagebuch vermerkte der B.d.U. bitter: "Damit sind wir auf dem Stand von 1914/18 wieder angekommen. Aber ich habe diesen schweren Entschluss, der die oft gerühmten, viel besprochenen Vorteile der Magnetzündung aufgibt, fassen müssen, um vermeidbare Bootverluste durch eigene Waffenwirkungen zu verhindern und um die zu dieser Zeit allein bekannte Versagerquelle, die Frühzünder, im Interesse der U-Boot-Erfolge zu vermeiden."
Doch die Pechsträhne nahm kein Ende, denn schon wieder nur wenige Tage später erreichte den Befehlshaber der U-Boote eine Nachricht über einen weiteren schwerwiegenden Mangel der deutschen Torpedos. Der sogenannte Tiefenapparat funktionierte nicht wie vorgesehen.
Dieser Tiefenapparat diente dazu, den Torpedo bei seinem Lauf zum Ziel genau in der erforderlichen Wassertiefe zu halten. Jetzt aber stellte sich heraus, dass die Torpedos oft unvorhersehbar tiefer steuerten. Das bedeutete, die gingen vor dem Ziel auf eine größere Tiefe und liefen dann unter den angegriffenen Schiff hindurch. Die Aufschlagzündung konnte unter diesem Umständen natürlich nicht arbeiten. Und auch die Magnetzündung wurde nicht ausgelöst, wenn der Abstand zwischen dem Kiel des Schiffes und dem Torpedo ein bestimmtes Maß überschritt. Am Ende der Laufstrecke sank der Torpedo dann lautlos auf den Grund des Meeres.
Am 23.10.1939 notierte Karl Dönitz in seinem Kriegstagebuch: "Es steht fest, dass die Brauchbarkeit des Torpedos in stärkstem Maße beschränkt ist: Bei Aufschlagzündung besteht die Gefahr des Untersteuerns. Bei Magnetzündung besteht die Gefahr des Frühzündens."
Dönitz drang darauf, dass die Torpedo-Versuchsanstalt eine neue Zündvorrichtung baute. Doch das Ergebnis war niederschmetternd. Auf den Schreibtisch von Karl Dönitz gelangten immer mehr Meldungen von U-Boot-Kommandanten über Torpedoversager. Wiederum wurde Karl Dönitz bei der Torpedo-Versuchsanstalt vorstellig: "Die Front braucht endlich einen zuverlässigen Torpedo."
Die Waffentechniker aber mochten die eigenen Versäumnisse nicht eingestehen und eigenen Fehlern nicht nachgehen. Sie erklärten, nicht die Torpedos hätten versagt, sondern die Kommandanten der U-Boote: Sie hätten nämlich einfach vorbeigeschossen.
Der B.d.U. nahm diese Behauptung nicht hin. Anfang Januar 1940, vier Monate nach Beginn des Krieges, 16 Wochen nach der ersten Meldung eines deutschen U-Bootes über einen Torpedo, der nicht gezündet hatte, veranstaltete die Torpedo-Inspektion ein Versuchsschießen. Es bestätigte zweifelsfrei, was Karl Dönitz und seine Kommandanten vorgebracht hatten, denn die Zündvorrichtungen versagten. Die deutschen U-Boote konnten sich tatsächlich mitten im Krieg nicht auf ihre Waffen verlassen.
Karl Dönitz notierte im Januar 1940: "Das Zutrauen der Kommandanten und Besatzungen zum Torpedo ist erheblich erschüttert. Trotz starker Gegenwehr hatten die Boote immer wieder versucht, die Torpedos unter möglichst günstigen Bedingungen anzubringen, aber trotz oft schneidigsten Einsatzes haben sie Misserfolge und Versager und Gefährdung des Bootes erlebt." Schiffe mit insgesamt 300.000 BRT, rechnete Dönitz aus, blieben den Briten erhalten, weil deutsche Torpedos versagt hatten.
Als Karl Dönitz dies schrieb, wusste der nicht, dass die Torpedo-Krise ihn nur drei Monate später vor eine ungeheuerliche Entscheidung stellen würde. Durften U-Boote überhaupt noch gegen den Feind auslaufen? Oder sollten sie von der Front zurückgezogen werden? musste der U-Boot-Krieg ganz aufgegeben werden?
Während des Norwegenfeldzuges im Frühjahr 1940 kamen nämlich mindestens 42 von insgesamt 48 eingesetzten U-Booten in Feindberührung. Dabei gingen mehr als dreißig Angriffe fehl, weil die Torpedos versagten. Die U-Boote griffen etwa 25 Kriegsschiffe an, aber es gelang ihnen nur, ein einziges britisches U-Boot zu versenken.
Dönitz hatte hier seinen Kommandanten freigestellt, ob sie mit Aufschlag- oder Magnetzündung schießen.
Anfang April 1940 standen 31 U-Boote zwischen England und Norwegen bereit. Diesmal mussten die Boote den Feind nicht suchen. Er würde kommen, und zwar genau in das Seegebiet, in dem die U-Boote lauerten.
Am 10.04.1940, dem Tag nach der Langung der deutschen Truppen in Norwegen, griff U 25 unter Viktor Schütze im Vest-Fjord von Narvik aus vorzüglicher Position eine ganze Zerstörer-Flotille ohne jeglichen Erfolg an.
U 48 unter Herbert Schultze griff am selben Tag zwei britische schwere Kreuzer. Darunter die "HMS Cumberland" (10.000 BRT groß) mit jeweils drei Torpedos an. Bei der "HMS Cumberland" explodierte nur ein Torpedo, und dies weit hinter seinem Ziel. Bei dem zweiten Kreuzer explodierten die Torpedos viel zu früh. Kapitänleutnant Schultze funkte am 11.04.1940 einen Bericht an seinen B.d.U. Karl Dönitz.
Am Tag darauf meldete sich U 51 über Funk beim B.d.U.: "10. April. 22:50 Uh. Zwei Fehlschüsse, ein Detonierer nach 300 Meter Laufstrecke, ein Detonierer nach 30 Sekunden, 100 Meter vor großem Zerstörer.
Nach seinem erfolgreichen Angriff auf sechs deutsche Zerstörer in Narvik befand sich das britische Schlachtschiff "HMS Warspite" (31.000 BRT groß) auf seinem Rückmarsch im Vest-Fjord. Im Vest-Fjord lauerte immer nuch U 48. Jetzt, wo die "HMS Warspite" der offenen See zulief befand sich U 48 in idealer Schussposition. U 48 schoss. Doch nichts passierte.
Am Morgen des 15.04.1940 stezte Kapitänleutnant Schultze an den B.d.U. einen Funkspruch ab, der trotz aller Kürze Enttäuschung und Bitternis verriet: "Am 14.04. im Vest-Fjord Torpedo-Versager auf Warspite und zwei Zerstörer."
Noch am gleichen Tag gelangte ein Funkspruch von U 65 auf den Tisch von Dönitz: "Doppelschuss auf Transporter. Kein Erfolg."
Die "HMS Warspite" wurde außerdem angegriffen von U 46 unter Herbert Sohler, U 38 unter Heinrich Liebe und von U 37 unter Werner Hartmann, aber sie wurde noch nicht einmal ernstlich beschädigt.
U 30 unter Fritz-Julius Lemp griff das 31.000 BRT große Schlachtschiff "HMS Barham" an. Seine Besatzung hörte das Auftreffen der Torpedos, jedoch erfolgte keine Detonation.
Die Torpedo-Krise der deutschen U-Boote war nun ein halbes Jahr alt, aber offenbar gab es keine Mittel gegen sie. Sie begann das Selbstvertrauen der Besatzungen und die Kampfkraft der gesamten Waffe zu untergraben.
Und jetzt sollte eine dramatische Nacht vor Narvik endgültig erweisen, dass die Männer in den U-Booten sich überhaupt nicht mehr auf die Wirksamkeit ihrer Waffe verlassen konnten. Und dies egal welche Zündvorrichtung und welche Tiefe sie einstellten.
Am 15.04.1940 griff U 47 Kreuzer, Zerstörer und mehrere Transporter einer britischen Landungsgruppe, die gegen die deutschen Gebirgsjäger in Narvik angesetzt waren, sie alle aber entkamen infolge von Fehlern an den Torpedos. Auf dem Rückmarsch griff er ebenfalls erfolglos das britische Schlachtschiff "HMS Warspite" an ( --> Bericht ).
Das Versagen der Torpedos während der Norwegen-Operation kam einer verlorenen schlacht gleich.
Karl Dönitz erinnerte sich an das Ausmaß des verlorenen Sieges seiner U-Boote: "Die Funkmeldungen der Boote wurden nach ihrer Rückkehr noch durch mündliche Meldungen weiterer Fälle ergänzt. Es ergab sich daraus, dass die U-Boote in vier Fällen die 'Warspite', in vierzehn Fällen auf Zerstörer und in zehn Fällen auf Transportschiffe zum Angriff gekommen waren... Eine sehr kritische Auswertung dieser Angriffe stellt fest, dass ohne Torpedo-Versager sichere Treffer hätten erzielt werden müssen: Bei einem der vier Angriffe auf ein Schlachtschiff (die 'Warspite'), bei sieben von zwölf Angriffen auf Kreuzer, bei sieben von zehn Angriffen auf Zerstörer, bei fünf Angriffen auf Transporter."
"Die Boote", befand Karl Dönitz, "waren praktisch ohne Waffe." In sein Kriegstagebuch schrieb der B.d.U. in jener Zeit ein vernichtendes Urteil über die Arbeit der Offiziere und Techniker, die für die Beschaffenheit und Funktionsfähigkeit der Torpedos verantwortlich waren. Dönitz: "Verbrecherisch"
"Ich glaube nicht", notierte Dönitz am 15.05.1940, "dass jemals in der Kriegsgeschichte Soldaten mit einer so unbrauchbaren Waffe gegen den Feind geschickt werden mussten."
Es sein nach allem, so meine Dönitz in einem Schreiben an die deutsche Seekriegsleitung, angebracht, für die deutschen Torpedos jene Zündvorrichtung nachzubauen, mit denen die Torpedos eines von den Deutschen erbeuteten britischen U-Boots ausgestattet waren.
Englische U-Boote hatten der deutschen Marine genau zu der Zeit, da die deutschen U-Boote ohne Erfolg geblieben waren, schwere Schläge versetzt. Diese versenkten den leichten Kreuzer "Karlsruhe", vier Transportschiffe, drei Frachter und beschädigten das Panzerschiff "Lüzow" schwer! Stephen W. Roskill würdigte die britische Leitung: "Unsere U-Boote vollbrachten eine hervorragende Leistung und fügten dem Gegner große Verluste zu."
Während die Briten sich des Kriegsglücks erfreuten, das ihnen während des Seekriegs um Norwegen unablässig zur Seite gestanden hatte, musste sich der B.d.U. nur neun Monate nach dem Beginn des Krieges mit der Frage befassen, ob der U-Boot-Krieg nicht schon ein Ende gefunden hatte, bevor er richtig in Gang gekommen war. Dönitz: "Ich stand vor der Entscheidung, ob die U-Boot-Waffe mit einem derart mangelhaften Torpedo weiterhin zu verwenden sei. Der Chef meiner Operationsabteilung, Korvettenkapitän Eberhard Godt, war der entschiedenen Ansicht, dass vor einer grundlegenden Verbesserung des Torpedos es nicht zu verantworten sei, die U-Boote wieder in den Kampf zu schicken. Ich empfand jedoch, dass ich zu diesem Zeitpunkt die U-Boote nicht einfach stilllegen konnte, ohne damit der Waffe in unübersehbarem Maße zu schaden."
Noch im April 1940 beauftragte Großadmiral Erich Raeder, Oberbefehlshaber der Kriegsmarine, einen Ausschuss damit, die Ursachen der deutschen Torpedo-Versager herauszufinden. Die Arbeit dieser Torpedo-Kommission legte die Wurzel der Torpedo-Krise bloß, und sie enthüllte, dass bei der Entwicklung und beim Bau der deutschen Torpedos technische Stümperei, Unzulänglich, Selbstgerechtigkeit und Uneinsichtigkeit geherrscht hatten.
Die verantwortlichen Männer wurden vor das Reichskriegsgericht gestellt. Das Gericht stellte fest, dass die Waffentechniker der Torpedo-Versuchsanstalt bereits 1936 beim Probeschießen festgestellt hatten, dass die Torpedos die eingestellte Tiefe nicht hielten. Die Torpedos rauschten nach unten weg. Sie liefen zwei oder drei Meter tiefer als ihnen vorgegeben worden war. Aber niemand drang auf rasche Änderung.
Das Reichskriegsgericht: "Verhängnisvoll hat sich hier ausgewirkt, dass die Wichtigkeit einer genauen Tiefenhaltung der Torpedos bei der Torpedo-Versuchsanstalt allgemein stark unterschätzt worden ist. Sie wurde sogar vom Leiter der Anstalt, Konteradmiral Wehr, selbst als militärisch gegenstandslos und von absolut sekundärer Bedeutung bezeichnet. Begründet wurde diese Auffassung mit dem Vorhandensein der Magnetzündung. Aber selbstverständlich bedingte auch die Anwendung der Magnetzündung genaue Tiefenhaltung."
Und ferner: "Falsche Auffassung von der absoluten Zuverlässigkeit der Aufschlagzündung hat dazu geführt, dass die Aufschlagzündung völlig unzureichend erprobt worden ist."
Karl Dönitz beschrieb, wie leichtfertig die Torpedo-Versuchsanstalt verfuhr: "Die Aufschlagzündung unseres Torpedos wurde im Frieden nach nur zwei und dazu noch nicht einmal einwandfreien Erprobungsschießen von der Torpedo-Versuchsanstalt als frontreif erklärt, Dies ist nicht zu entschuldigen... Die Torpedo-Versuchsanstalt entwickelte als Dienststelle der Marine den Torpedo selbst. Sie konstruierte ihn, ließ ihn bauen, erprobte ihn sogar selbst und traf selbst die Entscheidung, dass er frontbrauchbar sei."
Am 11.12.1941, anderthalb Jahre nach der Norwegen-Operation, fällte das Reichskriegsgericht sein Urteil. Konteradmiral Wehr und zwei seiner Beamten wurden zu Gefängnisstrafen verurteilt. Kurz darauf wurden die Gefängnisstrafen für alle Beteiligten in Festungshaft umgewandelt. Sie verbüßten sechs Monate der Strafe und wurden dann mit Bewährungsauflagen auf freien Fuß gesetzt. Alle drei wurden wieder in der deutschen Rüstung tätig. Im Jahre 1944 wurden die Reststrafen formal durch ein Gnadenerlass Hitlers aufgehoben.
während die von Großadmiral Raeder eingesetzte Torpedo-Kommission noch nach den Fehlerquellen fahndete, ging der Befehlshaber der U-Boote mit aller Macht daran, die Kampfmoral seiner Besatzungen wiederherzustellen.
Dönitz besuchte jede seiner Flotillen und sprach zu den Besatzungen der Boote über die Versäumnisse der Vergangenheit und die Chancen der Zukunft. Er konnte den Männern der U-Boot-Waffe zumindest versprechen, dass die Torpedos jetzt Zündvorrichtungen erhielten, die auch funktionierten.
Karl Dönitz schrieb: "Die Boote gingen mit neuem Mut wieder auf Unternehmungen. dass die Krise gemeistert wurde, zeigte den im Grunde unerschütterlichen Geist dieser deutschen U-Boot-Besatzungen in seiner ganzen Größe."

Torpedozünder:
2 verschiedene Zünderarten wurden eingesetzt. Der Aufschlagzünder und der Magnetzünder, der auf das magnetische Feld des Schiffsrumpfes reagierte. Zu Kriegsbeginn gab es große Probleme mit den magnetischen Zündern, die sog. "Torpedokrise" und die U-Boote mußten sich einige Zeit mit den weniger effizienteren Aufschlagzündern zufriedengeben. Der Magnetzünder reagierte erst, nachdem der Torpedo sich unter dem Schiffskiel befand, und die Sprengladung dem Schiff mit der Druckwelle praktisch "das Genick brach". Somit konnte mit relativ kleinen Sprengladungen eine größtmögliche Zerstörungskraft erreicht werden. Der Aufschlagzünder reagierte erst bei Kontakt mit dem Schiffsrumpf und riß bei gleicher Sprengladung nur ein Loch in die Bordwand. Durch Schließen der Schotts zum beschädigten Rumpfteil konnte das Opfer so häufig weiterfahren und mußte mit einem zweiten Torpedo beschossen werden.
Andere Torpedotypen:
Versuche wurden auch mit einem "optischen" Torpedo gemacht. Dieser sollte über eine Fotozelle auf den Schatten des Schiffes reagieren. Doch trübes Wetter und damit dunkler Himmel verwirrten die Elektronik. Nachts war solch ein Torpedo logischerweise überhaupt nicht zu gebrauchen. Die Versuche wurden aufgegeben.
Ebenso wurden Versuche mit drahtgelenkten Torpedos und Torpedotypen mit Walter-Antrieb entwickelt. Die Entwicklung setzte aber zu spät ein un diese Typen kamen nicht mehr zum Einsatz.

xmen


9.12.01 08:23:15
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Na da kann man wohl sagen das dies erheblich zur Niederlage beigetragen hat, denn nicht nur die Versenkung der Schiffe wäre Erfolg gewesen sondern auch der Verlust dieser zum weiteren Kriegsgeschehen, vor allem die Kriegsschiffe hätten dann den Engländern gefehlt um die Kriegsmarine so deutlich zu treffen wie es passierte!

waldi44


9.12.01 15:34:51
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Auf einem der vergeblich torpedierten Schiffe (Schlachtschiff(Name muß ich erst noch suchen!)) war kein Geringerer als Churchill selbst!!!

Balsi


9.12.01 15:44:53
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stimmt wollt ich auch schon schreiben... es wurden 2 oder 3 Torpedos angeschossen und keiner detonierte...

xmen


9.12.01 16:35:28
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Sche...,sche...,verdammte sche...,:D

waldi44


9.12.01 16:43:15
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Später ist man dann vorerst dazu übergegangen kombiniert zu schießen: Abstandsbistole und Aufschlagzünder!

Sunderland


4.5.02 21:30:10
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Moin
Mit den Torpedos hatten die deutschen aber in der Hinsicht Glück, denn am 5.Mai 1940 kaperten sie das britische U-Boot "Seal", ein Minenleger. An Bord: 12 Torpedos, welche sofort gründlichst untersucht wurden. Schließlich entschied man sich, die Aufschlagpistole zu kopieren. Das verbesserte die Qualität natürlich deutlich.

Quintus


15.5.02 15:21:09
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Immerwieder kam es vor, dass die Torpedos, obwohl sie als Treffer beobachtet wurden, nicht detonierten. So schoss ein Boot im November 1939 westlich der Orkneys einen Dreierfächer auf das Schlachtschiff "Nelson". Die Torpedos wurden als Treffer ermittelt, aber sie explodierten nicht. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich kein Geringerer als Churchill an Bord der "Nelson" auf.
Während der Besetzungsoperation Norwegens schossen deutsche U-Boote im Fjord vor Narvik nicht weniger als fünf Torpedos auf das britische Schlachtschiff "Warspite" ab, die allesamt nicht explodierten. Die Quote lag bei 50% Versagern.

Balsi


15.5.02 15:28:39
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die dt. hatten doch bis dahin Magnetzündertorpedos oder??.. die englischen Schiffe hatten ja auch aus diesem grund eine Art Magnetfeld um ihre Schiffe gelegt um der Versenkung zu entgehen
wie sahen denn die Torpedoentwickungsstufen aus?
ich kenne halt Magnetzünder und den Zaunkönig (auf Geräusche oder ?)

Quintus


15.5.02 15:43:29
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Der normale Torpedo ist 7 Meter lang und hat einen Durchmesser von 53 Zentimetern. Der kleinste Teil davon ist der Sprengkopf. Er ist etwa einen Meter lang und wiegt 300 Kilogramm. In Deutschland hatte man nun, um der verräterischen Blasenbahn zu entgehen, eigens für die U-Boot-Waffe den E-Torpedo entwickelt. Der Antriebsmotor wird durch Akkumulatoren mit elektrischem Strom gespeist. An der Wasseroberfläche ist sein Lauf nicht zuerkennen. Seine Ausmaße entsprechen dem A-Torpedo. Bereits gegen Ende des ersten Weltkrieges wurden diese Torpedos eingesetzt, wenn auch noch vereinzelt und der mangelnden Zuverlässigkeit wegen gewissermaßen als Versuch, um Erfahrungen zu sammeln.
In den Jahren vor dem zweiten Weltkrieg wurde intensiv an der Entwicklung des E-Torpedos gearbeitet. Doch alle Verbesserungen komplizierten den Mechanismus dieser Waffe. Vor allem musste er jetzt laufend gewartet werden, die Akkumulatoren waren nachzuladen und die Apparaturen zu überprüfen. Nach längerer Lagerung arbeitete die Antriebsmaschine ungenau. Am Anfang des Krieges konnte das nicht auffallen. Bei den Übungsschießen vor dem Kriege waren ja stets frisch hergerichtete Torpedos verwendet worden. Lief nun ein Boot aus, so musste der schussfertige Torpedo im Rohr gelagert werden. Nachdem man erkannt hatte, dass längeres Lagern Fehlschüsse verursachte, mussten die Torpedos auf "Feindfahrt" jeden Tag "gezogen" werden, das heißt, sie mussten zu Dreiviertel ihrer Länge aus den Rohren ins Boot gezogen, die Geräte überprüft und die Akkumulatoren kontrolliert werden. Das bedeutete eine anstrengende Mehrarbeit für die Besatzung.
An Stelle der allgemein bekannten Aufschlagzündung hatte man in Deutschland die im Sprengkopf befindliche Abstandspistole entwickelt. Detonierte der Sprengkopf nach dem Aufschlagen an der Bordwand eines Schiffes, so war dennoch die Wirkung geringer als bei einer Explosion unter dem Kiel, die den Schiffen gewissermaßen das Rückgrat brach. Diese Abstandspistole arbeitete mittels einer Magnetzündung. Lief ein Torpedo unter dem Schiffsboden in das magnetische Kraftfeld eines stählernen Schiffes wurde automatisch die Zündung ausgelöst. Die Wirkung wurde durch den Wasserdruck noch verstärkt. So hatte die Besatzung kaum eine Chance, ihr Schiff zu retten, Die Abstandspistole hatte gegenüber dem Aufschlagzünder, der zum Beispiel bei zu flachem oder spitzem Winkel nicht funktionierte, beträchtliche Vorteile.
Diese Abstandspistole musste für jedes Seegebiet entsprechend den Zonen und je nach Abstand von den magnetischen Polen eingestellt werden. Besondere Aufmerksamkeit war auf die genaue Tiefeneinstellung zu richten. Lief der Torpedo zu tief reichte das magnetische Kraftfeld nicht aus, den Zündkontakt zu betätigen, und er detonierte nicht. Lief er zu flach, war das Kraftfeld zu früh wirksam, und er detonierte vor dem Ziel. Hinzu kam, dass der Torpedo nach einem bestimmten Drucksystem in gleichbleibender Tiefe laufen sollte. Starke Wellenbewegungen sollte er zur Oberfläche ausgleichen, in Berg-und-Tal-Fahrt machte er den Wellengang mit, damit er auch wirklich das Ziel in der errechneten und festgelegten Tiefe ansteuerte.
Der von den deutschen U-Booten eingesetzte E-Torpedo hatte die Neigung, tiefer zu laufen, als er eingestellt war. Ein beträchtlicher Teil der Fehlschüsse war auf diesen Mangel zurückzuführen. Doch dies allein erklärte nicht das sprunghafte Ansteigen der Zahl versagender Torpedos.
Der deutschen U-Boot-Führung war lange Zeit nicht bekannt, dass britische Waffentechniker gegen diesen E-Torpedo eine wirksame Abwehr gefunden hatten. Der Zufall hatte ihnen dabei geholfen. Am 23. November 1939 war in der Themsemündung eine deutsche Magnetmine aufgefischt worden. Diese Mine zündete nach demselben Prinzip wie die Abstandspistole der E-Torpedos. Für einen Fachmann lag nach dieser Entdeckung der Gedanke nahe, dass wenn das Magnetkraftfeld der Schiffe zerstört würde, ein abgefeuerter Torpedo dieser Art wirkungslos bleiben musste. Auf flachem Grund wurden deshalb Kabel ausgelegt, die beim Stromdurchfluss ein Gegenkraftfeld erzeugten, das den Eigenmagnetismus der Schiffe, wenn sie wiederholt über die Kabel hinwegfuhren, für einige Zeit aufhob.
Zwischen Februar und März 1940 passierten alle britischen Schiffe diese "Entmagnetisierungsschleifen". Eine andere Abwehrmethode bestand darin, dass man um den Schiffskörper eine Kabelspule legte und durch elektrischen Strom ein Magnetfeld erzeugte. Magnetgezündete Sprengmittel wurden damit weit vom Schiff entfernt gezündet. Damit wurden die Torpedos mit ihren magnetisch zündenden Abstandspistolen wirkungslos. Die über hundert Torpedos vor Norwegen waren umsonst abgefeuert worden. Dönitz, der seine Pläne gefährdet sah, verlangte jetzt von der Seekriegsleitung kategorisch die Lösung der Torpedofrage.
Ein neuer Torpedo war der "Zaunkönig". Dieser Torpedo besaß eine Geräuschmembrane, die die Steuerung beeinflusste. Das Geräusch, das eine Schiffsschraube verursachte, würde diesen Torpedo in das Ziel lenken, und Ausweichmanöver der Schiffe würden dadurch erfolglos bleiben. Der "Zaunkönig" verfolgte sein Ziel, bis er es erreichte und detonierte. Mit diesem Torpedo gab es zwar anfangs einige Überraschungserfolge, aber der Gegner fand das Arbeitsprinzip des Torpedos bald heraus und entwickelte wirkungsvolle Abwehrmethoden. Seine Schiffe hängten an einer langen Leine eine "Klappe" achteraus, die stärkere Geräusche als die Schiffsschrauben verursachten, oder wenn im Asdic-Gerät ein abgefeuerter Torpedo geortet wurde, stoppten sie sofort die Maschinen und stellten die Aggregate an Bord ab. Nicht selten kam dadurch das U-Boot, das den "Zaunkönig" abgefeuert hatte, selbst in Bedrängnis, weil dieser nun, einen Bogen laufend, die Schraube des U-Bootes ansteuerte.
Die große und immerwieder erhoffte Wende im Tonnagekrieg blieb letztendlich auch hierbei aus.

Quintus


16.5.02 03:22:45
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Gepostet von xmen
Na da kann man wohl sagen das dies erheblich zur Niederlage beigetragen hat, denn nicht nur die Versenkung der Schiffe wäre Erfolg gewesen sondern auch der Verlust dieser zum weiteren Kriegsgeschehen, vor allem die Kriegsschiffe hätten dann den Engländern gefehlt um die Kriegsmarine so deutlich zu treffen wie es passierte!

Nun, dem kann ich nicht gerade beipflichten, denn in erster Linie glaubte die deutsche Marineführung England dadurch in die Knie zwingen zu können, indem man es von seiner Versorgung abschneidet. Dazu gab es folgende Überlegungen:
Eine britische Studie hatte ergeben, dass täglich allein 50.000 Tonnen Nahrungsmittel eingeführt wurden, wofür man etwa 150 Handelsschiffe (täglich!) benötigte. Eine Untersuchung des OKM (Oberkommando der Marine) kam zu einem ähnlichen Ergebnis. Etwa 2.500 Handelsschiffe waren ständig für England unterwegs. Das Britische Empire besaß 1939 einen Handelsschiffraum von 18 Millionen BRT. Mit verhältnismäßig beschränkten Mitteln glaubte die deutsche Führung die überseeischen Verbindungen Großbritanniens unterbrechen zu können. In einem erhaltenen Protokoll einer Besprechung Hitlers mit führenden Militärs am 23. Mai 1939, an der auch Erich Raeder teilnahm, heißt es: "Wenn wir im Krieg (erster Weltkrieg = anm. Meinerseits) 2 Panzerschiffe und 2 Kreuzer mehr gehabt hätten und die Skagerrak-Schlacht am Morgen begonnen hätte, dann wäre die britische Flotte geschlagen worden und England wäre in die Knie gezwungen worden. Es hätte das Ende des Weltkrieges bedeutet. Früher genügte es nicht, die Flotte zu schlagen, man musste landen, um England zu besiegen. England konnte sich selbst ernähren. Das ist heute nicht mehr möglich. Im Augenblick, wo England von seiner Zufuhr abgeschnitten ist, ist es zur Kapitulation gezwungen. Der Angriff der Luftwaffe gegen England im Mutterland zwingt England nicht an einem Tag zur Kapitulation. Wird jedoch die Flotte vernichtet, so ist unmittelbar die Kapitulation die Folge...". Dennoch blieben große Einsätze sowohl der deutschen Marine, als auch der britischen Marine aus. Der uneingeschränkte U-Boot-Krieg richtete sich hauptsächlich gegen Handelsschiffe und deren Besatzungen.
Am Anfang des zweiten Weltkrieges mögen die Versenkungsergebnisse deutscher U-Boote noch eine Rolle gespielt zu haben, vor allem auch dadurch, dass - wie Spiegelgleich im ersten Weltkrieg - die Gefahr unterschätzt wurde, welche von den U-Booten ausgeht. Jedoch im weiterem Verlauf des Krieges zeigen allein schon die Zahlen, dass deutlich mehr Schiffe auf alliierter Seite gebaut wurden, als von deutschen U-Booten versenkt wurden:
März / Juni 1942 = 2,8 Mill. BRT Verluste - 1,5 Mill. BRT Neubauten

Juli / Sept. 1942 = 2,0 Mill. BRT Verluste - 2,3 Mill. BRT Neubauten

Januar / Juni 1943 = 2,2 Mill. BRT Verluste - 6,4 Mill. BRT Neubauten
Logistisch wirksame Abwehrtechniken der Alliierten machten erfolgreiche Versenkungen immer schwieriger und gefährlicher für die deutschen U-Boote:
Z.B.: Wegen heftiger Fliegerangriffe bei Tag waren die deutschen U-Boote, die am Atlantik stationiert waren, eine Zeitlang Nachts ausgelaufen. Da konstruierten die Engländer einen Superscheinwerfer, den die Flugzeuge einschalteten, sobald sie ein U-Boot mit ihrem Radar geortet hatten. Diese Scheinwerfer strahlten ein so grelles Licht aus, dass die U-Boot-Kanoniere geblendet waren und nicht zum Schuss kamen. Die Engländer nannten ihre Erfindung "Leigh Light", die deutschen U-Boot-Leute sagten "Leichenlicht".
z.B.: Die Angriffe auf Geleitzüge endete ab 1943 in der Regel mit Misserfolgen, oft wurden dabei mehr U-Boote vernichtet als Handelsschiffe. Immer mehr U-Boote mussten nach ihren Einsätzen in die Reparaturwerften gebracht werden. Im Oktober 1944 waren von 456 vorhandenen U-Booten nur noch 141 einsatzfähig.
Seitdem Flugzeugträger die britischen Konvois unterstützten, hatte das alliierte Überwachungsnetz keine Lücken mehr, so dass selbst Erfolge deutscher U-Boote in neue Operationsgebiete ausblieben. Die mit Radar ausgerüsteten Patrouillenflugzeuge flogen in der Regel in 3000 Meter Höhe, ihre Radargeräte erfassten dabei Kreisflächen mit einem Radius von etwa 80 Seemeilen. Britische Aufklärer und Bomber erfassten viele Boote schon beim auslaufen aus ihren Häfen an der französischen Küste oder wenn sie von ihren Einsätzen zurückkommend die Stützpunkte anliefen. Allenfalls im Mittelatlantik konnte die U-Boot-Waffe noch zeitweilig operieren, aber der Anmarschweg war enorm lang und kostete endlos Zeit. U-Boote wurden zu U-Tankern umgerüstet, die sogenannten "Milchkühe". Bald machten die Alliierten speziell auf diese Treibstoffversorger jagt.
Im Verlauf des Jahres 1943 kamen 237 Boote nicht zurück, und diese Verlustziffer hatte eine steigende Tendenz. Im September und Oktober 1943 überquerten 2.468 Schiffe der Alliierten in 64 Geleiten den Atlantik nach England. Den deutschen U-Booten gelang es lediglich 9 dieser Schiffe zu versenken. Jedoch gingen 36 U-Boote verloren.
Das stand in keinem Verhältnis mehr, die Abwehr des Gegners war nahezu undurchdringbar. Die Boote waren den neuen Bedingungen in keiner Weise gewachsen, vor allem ihre Tauchdauer und ihre Unterwassergeschwindigkeit waren viel zu gering. Nach wie vor verfügten sie über kein Brauchbares Radarwarngerät, obwohl die Spezialisten fieberhaft nach neuen Lösungen suchten.

waldi44


16.5.02 17:28:56
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Mit verhältnismäßig beschränkten Mitteln glaubte die deutsche Führung die überseeischen Verbindungen Großbritanniens unterbrechen zu können. In einem erhaltenen Protokoll einer Besprechung Hitlers mit führenden Militärs am 23. Mai 1939, an der auch Erich Raeder teilnahm, heißt es: "Wenn wir im Krieg (erster Weltkrieg = anm. Meinerseits) 2 Panzerschiffe und 2 Kreuzer mehr gehabt hätten und die Skagerrak-Schlacht am Morgen begonnen hätte, dann wäre die britische Flotte geschlagen worden und England wäre in die Knie gezwungen worden.
An diesem Zitat sieht man wieder, daß sich die deutsche Führung und ihr oberster Führer eigentlich in fast allem was sie planten und taten verschätzt haben!
Und schon bei der Analyse des 1. WK fehlte es immer "nur" am letzten Schiff, am Letzten Battallion, am letzten quentschen Glück. Aber was nutzt alles Spekulieren auf was währen wenn, wenn dem eben nicht so war und ist und ich glaube, auch deswegen wurde der Krieg verlohren!

Quintus


26.5.02 04:36:45
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Waldi44:
Auch U 39 unter Gerhard Glattes machte seine schlechten Erfahrungen mit Torpedoversagern. Das Boot wurde nach einem erfolglosen Angriff auf den britischen Flugzeugträger "HMS Ark Royal" von den Sicherungsfahrzeugen des Trägers versenkt. Die von U 39 geschossenen Torpedos explodierten zu früh. Damit war U 39 das erste deutsche U-Boot, das im zweiten Weltkrieg verlorenging. Und dies, weil es durch seine eigenen versagenden Torpedos verraten worden war. ( --> siehe auch Schicksal von U 39 )

Also meines Wissens (entsprechend meiner diversen Quellen) hat sich U-39 quasi selbst versenkt!
Nämlich als am 14.09.1939 U-39 westlich der Hebriden den völlig ungesicherten britischen Flugzeugträger "Ark Royal" angriff. U-39 versenkte sich quasi selbst, denn schon der erste auf die "Ark Royal" abgefeuerte Torpedo war ein sogenannter Frühdetonierer, der unmittelbar vor dem U-Boot explodierte und den Stahlmantel des Bugs zerriss, so dass U-39 mit dem größten Teil seiner Besatzung in die Tiefe des Atlantischen Ozeans versank.
(Auszug aus meiner Seite über die deutsche Kriegsmarine (9 Seiten + Unterseiten), hier Teil über Beginn des Zweiten Weltkrieges)

Guenther


26.5.02 23:31:32
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U 39
14.09.1939
- U 39 hat nach 26 glücklosen Tagen die Ark Royal im
Fadenkreuz
- um 15.07 Uhr schoß Glattes einen Dreierfächer von
Elektrotorpedos mit Magnetpistolen aus den Bugrohren
- dann Explosionen, die Männer auf einem der Zerstörer
sahen wie die Ark Royal nach backbord drehte und eine
hohe weiße Wassersäule, die Briten vermuteten, daß
Glattes die Geschwindigkeit 20 kn statt 26 kn,
unterschätzt hatte,
- die Torpedos waren harmlos im Kielwasser explodiert,
- Dönitz sagte, die Magnetzünder haben nicht richtig
funktioniert und die Aale wurden in der Nähe des Schiffes
frühgezündet,
- die Ark Royal meldete den Angriff, 3 Zerstörer fuhren im
Abstand von ca. 1 Meile mit 15 kn auf das U Boot zu,
- innerhalb von 18 Minuten wurde es von der Foxhound und
der Faulknor geortet,
- die Foxhound griff mit 2 Wasserbomben an, die auf 75 und
90 m eingestellt waren
- die Faulknor folgte mit Wasserbombeneinstellungen von 30
und 40 m,
- im Getöse der Wabos, verloren sie den Kontakt, aber der
3. Zerstörer, die Firedrake hatte jetzt das U Boot
geortet,
- die Firedrake warf 5 Wabos mit Einstellungen auf 75
und 150 Meter,
- die insgesamt 12 Wabos erscütterten U 39, da sie unweit
dessen explodiert waren,
- es kam zu einem Kurzschluß in der Batterie, die gesamte
Beleuchtung fiel aus,
- Glattes tauchte auf 70 Meter, aber dann kam die zweite
dicht liegenden Salve,
- Ventile und Flansche brachen, Wassereinbruch in der
Batterie, diese sonderte jetzt Gas ab,
- dann fielen die E-Maschinen aus, das getauchte Boot
war jetzt manövrierunfähig,
- nach 20 Minuten befahl Glattes die Tauchzellen anzublasen
- um 15.46 Uhr tauchte U 39 inmitten der 3 Zerstörer auf,
- diese eröffneten sofort das Feuer, stellten es ein, als
die Männer von Bord sprangen,
- Glattes Männer hatten das vordere Torpedoübernahmeluk
geöffnet und eine Sprengladung gesetzt,
- diese explodierte planmäßig und riß ein großes Leck,
- U 39 sank über den Bug,
- die Zerstörer retteten die 43 Überlebenden aus dem Wasser
- es gab keine Menschenverluste, U 39 war der erste
U Boot Verlust des Krieges,
- Churchill prahlte in einer öffentlichen Rede, mit der
Gefangennahme der Übeltäter, da er annahm, U 39 hatte
die Firby versenkt, was aber falsch war,
Quelle, Blair - U Bootfahrer im 2.Weltkrieg und Autor
( Die Jäger Band 1 )
Gruß G.

Quintus


14.10.02 07:38:07
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So!
Nach neuesten Analysen britischer (!!!) Quellen, brauchte die britische Admiralität unbedingt Erfolge in der Abwehr deutscher U-Boote, die sie aber zum gegebenem Zeitpunkt in gewünschter Form nicht HATTE !!! So wurden kurzerhand der Propaganda wegen einige untergegangene deutsche U-Boote als eigene Abwehrerfolge deklariert!
So etwa angeblich auch um U 39, dass sich nach diesen Ermittlungen seitens britischer Historiker tatsächlich durch Torpedo-Fehlzündung selbst versenkte. Die Story um U 39, wie sie beispielsweise Clay Blair in "Der U-Boot Krieg" schildert, könnte demnach falschen Informationen der britischen Admiralität zu Grunde liegen. Das ist insofern positiv, als dass man weder Blair's Bücher anzweifeln muss, noch an seiner Objektivität zweifeln muss. Er oblag offensichtlich einer aus propagandistischen Zwecken verbreiteten Falschinformation seitens der Navi.
Inwiefern benannte Information zuverlässig und seriös ist, bleibt abzuwarten!
Will nun versuchen, den Quellen auf den Grund zu gehen - werde insofern hier berichten!

waldi44


14.10.02 12:55:05
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Hm, naja, ist doch eigentlich egal, wodurch die Boote verloren gingen! Futsch ist futsch ;)! Damals wäre es für die damit Beschäftigten wichtig gewesen zu wissen, warum das eine oder andere Boot verloren ging, aber heute :D?
Auch durch den "Zaunkönig" gingen ja mehr als ein Boot verloren, aber der kam wohl später!?

Gast


12.12.02 14:05:22
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denke mal dass auch das knacken des funkkodeschlüssels ein wesentlicher u-Bootabwehrerfolg war.

waldi44


12.12.02 15:07:36
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Selbstredent! Nicht selten wurden die U- Boote schon erwartet, bzw, um nicht zu verraten, dass man die Einsatzbefehle entschlüsselt hatte, die Konvois umgeleitet oder sonstwelche "unerwarteten" Ereignisse traten ein und verhinderten den Erfolg der Jagt!

Quintus


13.12.02 04:32:42
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Richtig, waldi und gast-unbekannt, da muss ich euch zustimmen!
Die deutsche U-Boot-Führung entwickelte teilweise navigatorisch komplizierte Manöver für ihre im Mittel- u. Südatlantik operierenden Boote, wenn sie sich wegen Treibstoffmangels in einem bestimmten u. geheimen Planquadrat mit einem U-Boot-Tanker zwecks Treibstoffübernahme treffen sollten.
Rätselhaft für Dönitz und sein Stab blieb, dass diese Treffpunkte häufig von massiven direkten Fliegerangriffen begleitet waren, bei denen nicht wenige Boote verloren gingen. Man wollte (und das ist laut erhaltener Dokumente erwiesen!) einfach nicht zur Kenntnis nehmen, dass der Funkschlüssel nicht mehr sicher war! Es gab zwar einige Offiziere, die diesen Verdacht hatten, doch wurde das als Unmöglichkeit zurückgewiesen.
Wie in vielen anderen Dingen glaubte man an seine Unfehlbarkeit...
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