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W.Keitels Buch

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AutorBeitrag

The Real Blaze


13.8.03 23:05:00
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FM Keitel hat bis zu seiner Hinrichtung am 16.Oktober 1946 sein Leben aufgeschrieben.Ich habe das Buch nicht,trotdem frage ich wer es gelesen hat.Ich will nur wissen ob das eine ehrliche Geschichte mit Eingeständnissen seiner mit unter haarsträubenden Fehlern und seinem blinden Gehorsam ist oder eine Art Rechtfertigungs und Schönfärbegeschichte ist.
Im Nachhinein wenn man alles auflistet,wie unfähig dieser Mann als Chef des OKW war,war eigentlich seine Todesstrafe nicht gerechtfertigt.Ihm hatten die Alliierten eigentlich sehr viel zu verdanken.Seine Unfähigkeit begünstigte ihren Erfolg!Ich kann auch nicht verstehen,daß man solche Leute entschuldigt,daß sie unter Hitler einer Art Hypnose erlagen.Wohl treffender war,daß diese "Hitler HIWIs" charakterlich schwache Menschen waren,die froh waren "geführt" zu werden.
FM Keitels Buch heißt "Mein Leben".
mfg The Real Blaze

Quintus


28.8.03 04:36:13
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Das Buch von Keitel gibt es bei Amazon.de:
Mein Leben. Pflichterfüllung bis zum Untergang

Rezensionen
Neue Zürcher Zeitung:

Sehend-blinder Soldatengehorsam
Selbstzeugnisse von Hitlers OKW-Chef Wilhelm Keitel

Wilhelm Keitel, Artillerie- und Generalstabsoffizier des Ersten Weltkriegs, wurde am 1. Oktober 1935, 53jährig, zum Chef des deutschen Wehrmachtamtes ernannt und somit in die unmittelbare Umgebung der militärischen Elite des Reiches gerückt. Hitler wurde rasch auf ihn aufmerksam, beförderte ihn 1938 zum Generalobersten und zum Chef des neugebildeten Oberkommandos der Wehrmacht (OKW). Damit war Keitel in den innersten militärischen Planungsstab gehoben. Er erwies sich in der Folge als diensteifriger Helfer – Spitzname: «La-Kaitel» – des «Führers», den er nach dem Frankreichfeldzug 1940 als «grössten Feldherrn aller Zeiten» feierte. Nun liegen seine Memoiren in Buchform vor, herausgegeben vom Zeithistoriker Werner Maser.
Faszination durch Hitler
Keitel wurde nach Kriegsende vom Internationalen Militärgericht der Alliierten in Nürnberg als einer der Hauptkriegsverbrecher angeklagt und zum Tode verurteilt. Im Gefängnis hatte er Zeit und die Möglichkeit zu persönlichen Aufzeichnungen. Das sechs Tage vor Keitels Exekution beendete Manuskript war der Geschichtswissenschaft mit Ausnahme einiger älterer Bruchstücke bis 1980 unbekannt. Der Sohn des Feldmarschalls hatte es im Militärarchiv in Freiburg entdeckt und für die Familie kopieren lassen. Der vorliegende autobiographische Band umfasst auch weitere Selbstzeugnisse zu Keitels Leben. Ein erster Teil befasst sich mit Kindheit, militärischer Ausbildung und Dienst im Ersten Weltkrieg und zur Zeit der Weimarer Republik. Dazu hat Keitel keine Notizen hinterlassen. Der Herausgeber füllt die Lücke mit Briefen an die Familie.
Der folgende Abschnitt umfasst die Jahre 1933 bis 1938. Interessant ist es, zu verfolgen, wie der Anfang der dreissiger Jahre im Grunde genommen «unpolitische» Soldat nach und nach von der Person Adolf Hitlers fasziniert wurde. Der Nazipartei stand er vorerst neutral gegenüber. Der Nürnberger Parteitag und die Olympischen Sommerspiele 1936 in Berlin, an deren Organisation er mitgewirkt hatte, liessen seine Bewunderung für das «neue Deutschland» aufflammen. «Ich wage es zu sagen: Es waren Deutschlands grösste Tage in den Augen der Welt, die das neue Reich kennen und bewundern lernte», schreibt er 1946. Beiläufig erwähnt er, dass damals Hitler im «Führer-Raum» des Olympiastadions die Entscheidung traf, sich mit Truppen auf Francos Seite am Spanischen Bürgerkrieg zu beteiligen.
Keine Mitverantwortung für Greuel?
Aufschlussreich sind Keitels Bemerkungen zu den Affären Blomberg und Fritsch, die im Februar 1938 zur Übernahme des Oberbefehls der Wehrmacht durch Hitler führten. Allein der spätere Feldmarschall v. Manstein legte einen – allerdings «leisen» – Protest ein. Keitel hält fest: «Für die Durchführung seiner uns unbekannten Pläne brauchte Hitler machtlose Werkzeuge, Militärs, die ihn weder hemmen konnten noch sollten, die vielmehr gehorchten und nach echter traditioneller Soldatenart treu waren.» Man weiss, dass der bekannteste und berüchtigtste Jasager um Hitler im militärischen Bereich Wilhelm Keitel war. Darüber schweigt der Herausgeber, der in ihm einen «idealen Soldaten», Vertreter der «Pflichterfüllung bis zum Untergang», sehen will.
Schon während des Polenfeldzugs 1939 und unmittelbar danach war Keitel genau darüber im Bilde, was in den rückwärtigen Gebieten mit der slawischen Bevölkerung, besonders mit der Intelligenz, geschah. Reinhard Heydrichs «Sonderkommandos», die Mördertruppen der SS, wüteten im Bann der Rassenlehre straflos. Keitel war anwesend, als Admiral Canaris, der Abwehrchef der Wehrmacht, Hitler seine Sorge darüber vortrug, aber kein Gehör fand. Als Canaris dann in seiner Verzweiflung über die Schandtaten der «Mordbuben» beim Chef des OKW Verständnis suchte und damit argumentierte, dass die Ausschreitungen vor der Weltöffentlichkeit schliesslich die Wehrmacht belasten würden, wiegelte Keitel ab: «Die Sache ist bereits vom Führer entschieden. Wenn die Wehrmacht damit nichts zu tun hat, muss sie hinnehmen, dass neben ihr auch SS und Gestapo in Erscheinung treten!»
Maser hat nur teilweise recht, wenn er Keitel von der unmittelbaren Verantwortung für die Greueltaten deutscher Uniformträger an und hinter der Ostfront zu entlasten versucht. Er wirkte federführend mit bei der Bestimmung der Besetzungspolitik, ja er erliess unter anderem den «Kommissar-Befehl» vom Juni 1941. Er wäre ein schlechter Oberbefehlshaber gewesen, wenn er in all den Jahren nicht erfahren hätte, was in den besetzten Gebieten mit Slawen, mit Juden und anderen systematisch passierte.
Keine Mahnung zum Rückzug
Wann realisierte Feldmarschall Keitel, der bestinformierte von Hitlers Generälen, dass der Krieg verloren war? Das Desaster in und um Stalingrad beurteilt er als Beginn des Endes. «Wir hatten den letzten Trumpf ausgespielt und verloren.» Ein Ausweg aus der Katastrophe wäre höchstens ein genereller Befehl an das Ostheer zum Rückzug auf die «denkbar kürzeste» Linie gewesen. Eine Front vom Schwarzen Meer über die Karpaten bis zum Peipussee aufzubauen und zu halten, «wäre meines Erachtens erreichbar gewesen». Noch in Amt und Würde, hat er eine solche Lösung nicht vorgeschlagen. Er wusste stets, was sein oberster Kriegsherr von ihm hören wollte: zuallerletzt das «Gerede» vom geordneten Rückzug aus dem russischen Raum.
Illusionen bei Kriegsende
Bedauerlicherweise fehlen Aufzeichnungen über das Jahr 1944 und den Anfang des Jahres 1945. Dafür ist das Kapitel «Die letzten Tage unter Hitler» ausführlich und eindrucksvoll. Noch im April 1945 wollte Keitel die sich anbahnende Katastrophe nicht wahrnehmen. Seine grösste Sorge galt Hitler. Ihn wollte er in Sicherheit wissen. Hitler aber wollte nicht weg von Berlin; hier wolle er sterben, sagte er zu Keitel. Dieser verliess die Reichshauptstadt.
Im totalen Zusammenbruch des Nazireiches strebten Keitel und die anderen Spitzenmilitärs einen sofortigen Waffenstillstand an, doch sie wiegten sich in Illusionen. Noch in den letzten Kriegstagen wurde im OKH-Hauptquartier der Wunsch geäussert, die Wehrmacht sollte vorerst nur mit den Westalliierten verhandeln; man rechnete mit einem «ehrenhaften Frieden». Es kam aber anders: Am 9. Mai mussten OKW und Führungsstab vor den Vertretern der alliierten Mächte in Berlin Karlshorst die bedingungslose Kapitulation unterzeichnen. Keitel begab sich nach Flensburg, um dort die «Geschäfte» fortzuführen. Auf direkten Befehl von Eisenhower wurde er am 13. Mai verhaftet und interniert. Als er in Nürnberg wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit angeklagt wurde, war er vorerst verständnislos. Laut seinen Erinnerungen rechnete er mit einem Freispruch. Gelassen ging er dann am 16. Oktober 1946 zum Galgen, als zweiter nach Aussenminister von Ribbentrop.

The Real Blaze


10.9.03 22:59:20
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Das war umfassend.Danke!
Mir fällt ein da passt eine Episode aus den letzten Kriegstagen,wo Keitel noch einmal an die Front fuhr.Das war am 28.5.45.Auf seinen Befehl traf er sich südlich von Neubrandenburg mit Generaloberst Heinrici und General von Manteuffel.Er war erregt und besorgt,den so nahe war er noch an der Front gewesen.
Keitel hatte seinen Marschallstab dabei und fuchtelte damit vor Heinrici herum,um seine Worte Gewicht zu verleihen.
" Wie kommen Sie dazu den Rückzugsbefehl zu erteilen?Sie sollten an der Oder stehen bleiben!Hitler hat ihnen befohlen die Front zu halten!Er hat ihnen befohlen sich nicht von der Stelle zu rühren!Und Sie haben den Rückzug befohlen!"blaffte er Heinrici an.
Manteuffel trat heran."Generaloberst heinrici hat Recht!Wenn ich keine Verstärkung bekomme,muß ich mich noch weiter zurück ziehen.Ich will erfahren ob ich Verstärkung bekomme,oder nicht."
Keitel wiederholte gebetsmühlenartig Hitlers Befehl."Es ist Befehl des Führers,daß die 3.PzA zum Gegenangriff antritt!"
"Herr Felfmarschall,die 3.PzA hört allein auf General von Manteuffel!"
"Ich bestimme wann sich die 3.PzA vom Feind absetzt.Sie werden ihre Eigenmächtigkeit vor der Geschichte zu verantworten haben!"
"Die Manteuffels haben Preußen 200 Jahre gedient!Ich,Hasso von Manteuffel werde mich nicht drücken und nehme freudig die Verantwortung auf mich!"
Keitel sagte daraufhin,daß der Endsieg durch Sabotage vereitelt würde.Danach forderte er Heinrici auf zurückgehende Soldaten reihenweise zu erschießen...
(sinngemäß entnommen aus Landser 2349"Letzte Kämpfe um Mecklenburg")
Wenn man so will,es war um Keitel wirklich nicht schade.Schön das er sich wenigstens als ausführendes Werkzeug betrachtete.Aber für sowas gibts auch Sekretäre:O
mfg The Real Blaze
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