Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

von Kluge

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AutorBeitrag

Tak


8.10.03 10:11:08
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hi,
ich hätte eine Frage zum GFM von Kluge: Guderian schreibt in seinem Buch ja nichts gutes über ihn, was bei ihrem Verhältnis zueinander auch nicht wirklich verwunderlich ist. Aber er zeigt auch (aus seiner Sicht) falsche militärische Entscheidungen auf. Was mich nun interessiert ist die die Frage, wie von Kluge militärisch denn nun zu bewerten ist. Wie nutzte er die strategisch/taktischen Gegebenheiten aus, wie reagierte er auf unvorhergesehene Ereignisse. Setzte er seine Truppen produktiv ein,...
Ich habe schon etwas im Netz gesucht, aber da fnidet man dazu nicht wirklich etwas.
Ich bin für jede Antwort dankbar. Smiley mit Danke-Schild
Gruß

Westwall


8.10.03 11:59:15
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Generalfeldmarschall Günther von Kluge wurde in Offizierskreisen als „der kluge Hans“ bezeichnet. Er war zweifellos ein besonders begabter Taktiker und ein Spezialist für schwierige Lagen. Zum einen der wagemutige Guderian, der spontan Chancen wahrnahm und zu anderen der vorsichtige Kluge, der mehr auf die Sicherheiten seiner Operationen achtete.
Meinungsverschiedenheiten und Ablehnung gab es auch bei anderen Oberbefehlshabern wie z.B. zwischen Rommel und Rundstedt 1944 in Frankreich.
Generaloberst Heinz Guderian was Sicherlich ein genialer Panzerstratege und der Initiator triumphaler Kampferfolge bei Kriegsbeginn, wird aber meiner Meinung nach als der verantwortungsvolle und gewissenhafte Soldat in der Nachkriegszeit völlig überbewertet.
Auch wenn er mehrmals Hitler offen widersprochen hatte und deshalb immer wieder in die „Verbannung“ geschickt wurde, sollte man nicht vergessen dass er ab dem 21.07.1944 bis kurz vor Kriegsende als Chef des Generalstabes des Heeres teilweise für die Ausrüstung und Betreuung des Volkssturmes verantwortlich war.
Verantwortung für tausendfaches sinnloses Sterben von Männern zwischen 16 und 60 Jahren, das hätte sich ein Günther von Kluge nie aufgeladen, ein Mann der der Widerstandsbewegung zweifellos Nahestand und deshalb lieber freiwillig in den Tod gegangen war.

Tak


8.10.03 14:11:41
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hi,
ja, aber wie sah es mit den militärischen Leistungen von Kluge aus? Von Rommel halte ich eh nicht wirklich viel (siehe Panzerlexikon -> Deutschland -> Panzermänner -> Der Artikel von Jörg Wurdack) aber um den geht es ja hier auch nicht.
Guderian beschwert sich ja auch, dass man bei Kluge mit treffenden Argumenten nichts erreichen konnte - kann ich daraus schlussfolgern, dass von Kluge starrsinnigwar? Oder ist das einfach nur eine "Standardphrasel" von Guderian, weil er Kluge nicht wirklich leiden konnte? Hatte Kluge herausragende Fähigkeiten, wie bspw. ein Manstein? Oder kann man Kluge einfach zu dem zwar guten aber nicht hervorstechenden deutschen Offizieren zählen?
Ich hätte es gern, wenn man seine Operationen etwas genauer analysiert / mehr zerpflückt. Leider fehlt mir dazu die richtige Literatur.
Gruß

jeannen


8.10.03 15:48:56
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Gepostet von Westwall
Auch wenn er mehrmals Hitler offen widersprochen hatte und deshalb immer wieder in die „Verbannung“ geschickt wurde, sollte man nicht vergessen dass er ab dem 21.07.1944 bis kurz vor Kriegsende als Chef des Generalstabes des Heeres teilweise für die Ausrüstung und Betreuung des Volkssturmes verantwortlich war.
Verantwortung für tausendfaches sinnloses Sterben von Männern zwischen 16 und 60 Jahren, das hätte sich ein Günther von Kluge nie aufgeladen, ein Mann der der Widerstandsbewegung zweifellos Nahestand und deshalb lieber freiwillig in den Tod gegangen war.

Genau genommen war Guderian sogar derjenige, der Hitler die Idee des Volkssturms nahebrachte. Er wollte die Befestigungsanlagen im Osten 1944 mit einem neu zu gründenden Landsturm besetzen, Männer, die im rückwärtigen Gebiet noch nicht eingezogen wurden, weil sie z. B. kriegswichtige Berufe ausübten.
Daraus entwickelte Hitler den Volkssturm.[ Editiert von jeannen am: 08.10.2003 15:49 ]

The Real Blaze


8.10.03 20:33:49
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nun ich habe auch über von Kluge nichts herausragendes gelesen.Er war nur ein taktischer Kleingeist,dem moderne kriegsführung insbesondere die wendige operative Panzertaktik bis zum Schluß fremd blieb!Er rief nur 1.Weltkriegserfahrungen ab,die er nur noch etwas zeitgemäß modifizieren konnte.Wahrscheinlich wußte man auch um seine Stärken und Schwächen.Das einzige was ihn wohl vor der Führerreserve bewahrte waren seine erstklassigen Kontakte ins OKW.Sein altmodisches Denken schlägt sich auch auf sein gefordertes Duell!! mit Guderian nieder.

Guderian wird in meinen Augen keinesfalls überbewertet,daß wurde hauptsächlich mit Rommel gemacht.Guderian kann zu Recht für sich in Anspruch nehmen,bester Panzergeneral des 2.WK zu sein.Wir hatten noch eine Reihe weiterer guter Panzergeneräle,aber keiner konnte Guderian erreichen.Für mich wäre auch nur er es gewesen,der bei einer weiteren Moskauer Angriffsrichtung
im August! auch die russische Hauptstadt erobert hätte!Und das wäre eben militärisch wohl auch der Sieg gewesen!
mfg The Real Blaze

Tak


9.10.03 08:34:24
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hi,
vielen Dank für deine Antwort.. so etwas in der Art hatte ich erwartet ;)
Hat jemand diesbezüglich gute Buchtipps?
Du findest Guderian war der beste Panzergeneral? Wenn ich "Jörg Wurdack" aus dem Forum, wo ich meist aktiv bin, das Panzerlexikon-Board, zitieren darf, hat er folgendes geschrieben:
(es ging um Guderians Aussage, dass die Pz.Div´s eine "Fahrkarte bis zur Endstation" gebraucht hätten...)
Da könnte man jetzt sarkastisch zurückfragen: ''Was hilft die Fahrkarte bis zur Endstation, wenn dem Zug vorher die Kohlen ausgehen?''
Diese plakativen Sprüche Guderians verschleiern doch nur, daß er nie in der Lage war, die ganzen komplexen Probleme des Feldzuges im Osten bei einer völlig unzureichenden deutschen Logistik zu erfassen. Guderian hat schon in der Anfangsphase des Ostfeldzuges nicht begreifen wollen oder können, daß der deutsche Nachschub bereits im Spätsommer 1941 wegen Überlastung des gesamten logistischen Systems nur noch Bruchteile der eigentlich benötigten Versorgungsmenge nach vorne bringen konnte.
Auch in seinen späteren Verwendungen war Guderian nicht in der Lage, seine taktisch-operativen Träumereien mit den realen Möglichkeiten in Einklang zu bringen. Er forderte z.B. im Frühjahr 1944 die sofortige Schaffung einer operativen Reserve von 8 Pz- und PzGrenDiv, 6 Inf.Div. und Dutzenden von schweren Panzerabteilungen mit Tigern. Das alles zu einer Zeit, wo von den monatlich geplanten 1100 Panzern gerade mal 100 zugewiesen werden konnten (Stand Mai 1944 - nach Messerschmidt, Manfred: Die Wehrmacht - Vom Realitätsverlust zum Selbstbetrug. In: MGFA (Hrsg.): Ende des Dritten Reiches - Ende des Zweiten Weltkriegs. München 1995, S. 232 f. Dort auch die Primärquellen).

Naja, ich stelle Guderian in eine Reihe mit: Hoth oder Kleist...
Gruß

The Real Blaze


9.10.03 16:20:32
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Tststs naja wer einen General kriegswirtschaftlich betrachtet,wird wohl immer ein negatives Bild bekommen.Und es ist doch sein gutes Recht als Inspekteur der Panzerwaffe,auch das zu fordern was der Wehrmacht fehlte!Das es eben nicht reichte obliegt auch nicht seinem Einfluß!Auf dem Punkt: Ein General hat das Recht nach Verstärkungen zu fordern,wenn es die Lage erfordert.Und als Inspekteur kann er die Forderungen als Planziel abstecken,die er als notwendig erachtet!Für die Umsetzung des geplanten war die Rüstungsindustrie verantwortlich und kein Panzergeneral!
Um einen Panzergeneral zu bewerten gelten eben nur rein militärische Aspekte und keine rüstungswirtschaftlichen.
mfg The Real Blaze
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