Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Rudolf Heß

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AutorBeitrag

Max Hansen


21.10.04 13:33:49
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Bekanntlich wurde Rudolf Heß nach seinem spektakulärem Fallschirmsprung 1941 von den Briten inhaftiert und später verurteilt. Die Gesprächsprotokolle wurden aus nicht näher spezifizierten Gründen der Geheimhaltung unterzogen und befinden sich seitdem unter Verschluss. Wenn da nichts wichtiges drin stehen würde oder etwas was für die Alliierten spräche, gäbe es keinen Grund die Akten, wovon dies nur ein Teil ist, unveröffentlicht zu belassen.

Hat jemand noch weitergehende Informationen?

Hoover


21.10.04 13:38:25
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Weitere gesicherte Informationen nicht, die hat wohl keiner. Es gibt zwar in einigen Büchern Vermutungen, aber wie gesagt, belegen kann niemand was.

Daher ist es auch unsinnig, über vermeintliche großartige und neue, Deutschland entlastende Beweise zu diskutieren.

Meine Vermutung: Heß wusste gar nichts besonderes, denn er war 1941 schon längst kaltgestellt.

Leutnant


21.10.04 14:15:04
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Warum propagieren eigentlich die heutigen "Rechten" den Herrn in so starkem Maße?

Hoover


21.10.04 14:29:51
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Gute Frage, eigentlich Irrsinnig. Er hat Deutschland verraten, der Luftwaffe eine Bf 110 geklaut, einen Fallschirm verschwendet und sich ein gutes Leben gemacht.

Und sein Stern war 1941 schon längst untergegangen.

Rifkabil


21.10.04 14:34:25
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Gepostet von Leutnant
Warum propagieren eigentlich die heutigen "Rechten" den Herrn in so starkem Maße?
Rechts kann auch CSU oder Republikaner sein. Und von denen propagiert niemand Rudolf Hess. Nationale haben ihn als Idol und Vorbild, gibt ja viele nationalsozialistische Strömungen zu den Nationalen in unserer gelobten Nation: BundesRepublikDeutschland, von daher verwundert das auch net wirklich.

Ich persönlich empfinde auch Sympathie für Hess da ich mich mal über diese Person schlau gemacht habe. Ich frage mich wie die Geschichte ihren laufe genommen hätte wenn Hess aus seiner Haft entlassen worden wäre? Aber wer kann das schon beantworten. Spekulationen gibt es viele. denkender Smiley

Dracula


21.10.04 14:47:27
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Ja, verstehe auch nicht wieso man Heß so verherrlicht.

Die Rechten bestempeln ihn als ¨Märtyrer des Friedens¨, der am 10. Mai 1941 den Krieg zwischen England und Deutschland, mit Gutachten Hitlers, beenden wollte und für diese Tat den Rest seines Lebens im Gefängnis verbrachte.

Wie schon erwähnt, 1941 war er ausrangiert. Und wieso hatte Hitler sich dann, laut Zeugenaussagen, so fürchterlich aufgeregt als er vom Flug von Heß hörte.

[ Editiert von Dracula am: 21.10.2004 16:50 ]

Leutnant


21.10.04 16:15:06
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Wie kann denn ein Verräter an Hitler und seinem Regime gleichzeitig ein "Volksheld" der Neo-Nazis sein...sind die echt so hohl im Kopf oder denken die tatsächlich Heß hätte den Frieden in Europa gebracht, wenn die bösen Engländer nicht gewesen wären?

Dracula


21.10.04 16:45:48
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Wieso Heß als Friedensengel dargestellt wird ist mir auch nicht klar. Aber glaube schon, daß Hitler am Anfang des Krieges wirklich der Meinung war, daß mit den Briten Friedensverhandlungen möglich wären.

Habe mal gelesen daß Hitler die Bombardments auf zivile britische Zielen auch nicht wollte. Als aus Versehen einige Bomben auf London abgeworfen wurden, eskalierte es erst.
Es gab Churchill Anlaß deutsche zivile Zielen (zuerst Berlin?) anzugreiffen. Weiß jetzt nicht mehr ob die Briten auf diesem Anlaß gewartet hatten oder nicht.



[ Editiert von Dracula am: 21.10.2004 16:49 ]

ZensiertWeilZuBloed


21.10.04 17:07:53
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Hallo,

Ich habe gelesen, das Heß möglichwerweise nicht mehr ganz richtig im Kopf war. Und das das Adolf Hitler selbst gesagt haben soll.

Stimmt das?

[ Editiert von ZensiertWeilZuBloed am: 21.10.2004 17:08 ]

Niwre


21.10.04 17:18:21
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Wenn es der Adolf gesagt hat, wird es wohl stimmen.

seilspringender Smiley

waldi44


21.10.04 17:23:48
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Wie und womit hätte man sonst dem Volk den Flug zum perfieden Albion erklären sollenSmiley mit Hammer auf dem Kopf!

Rifkabil


21.10.04 17:45:54
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Wer von den hier anwesenden Speku... Spekulatius? Nein.. Spek... Spekulanten ...Genau! hat denn schon mal ein Buch über Hess gelesen? Keiner? Wirklich? Na das erklärt natürlich alles. :totlach:

...und warum hab ich jetzt Hunger auf Kekse? Kopf-an-die-Wand-hau-Smiley

Max Hansen


22.10.04 08:28:46
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Wer von den hier anwesenden Speku... Spekulatius? Nein.. Spek... Spekulanten ...Genau! hat denn schon mal ein Buch über Hess gelesen? Keiner? Wirklich? Na das erklärt natürlich alles.

...und warum hab ich jetzt Hunger auf Kekse?
_______________________________
Aus der Geschichte der Völker können wir lernen, daß die Völker aus der Geschichte nichts gelernt haben.

Der mit Abstand beste Beitrag. Ich glaube auch, daß keiner der Schreiber hier sich näher mit Heß befaßt hat. Hier wurde nur irgendwas nachgeplappert um natürlich auch an Heß nichts gutes zu belassen.

Fakt ist es war eine spektakuläre Friedensmission, Fakt ist auch Hitler bemühte sich intensiv um Frieden mit den Briten - die wollte er in Wahrheit wirklich nicht als Feind. Hätte auch fast geklappt, wenn da nicht ein Chamberlain oder Churchill gewesen wären...

Dracula


22.10.04 10:08:47
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Hallo Max,

Daß Du den Spekulatius-Beitrag “Der mit Abstand beste Beitrag” fandst,ist natürlich dein Recht. Hitler für den Frieden, wurde auch schon erwähnt, aber konkrete Angaben zur Rechtfertigung des Fluges von Heß habe ich nicht gelesen.

Verstehe mich nicht falsch, aber wenn man (nicht persönlich gemeint, sondern allgemein!) einen Mann wie Heß verherrlicht, muß man doch Gründe dazu haben, außer daß er einen Solo-Friedensflug unternahm.

Heß war nur noch auf Papier der zweite Mann des Dritten Reiches;

Heß hat diesen Flug auf eigene Faust gemacht;

Hitler hat sich zu der Aktion aufgeregt(understatement!);

Hitler erklärte seinen Stellvertreter als Psychopathen und entläßt ihn aus allen Parteiämtern. Bormann übernimmt seine Parteifunktionen und gehörte ja schon zu Hitlers engerem Kreis;

Anderseits sind da noch einige nicht geklärte Sachen wie z.B. die Akten in England über den Fall Heß, die bis zum Jahre 2017 verschlossen und verriegelt bleiben. Außerdem gibt es auch noch Fragen zum angeblichen Selbstmord. Ein Mann der schon 46 Jahre inhaftiert war, begeht Selbstmord?

Möchte wissen (ohne Ironie!)wieso Heß als ¨Märtyrer des Friedens¨ dargestellt wird, und nicht als Verräter.

Bin wirklich interessiert!

Petronelli


22.10.04 10:13:37
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Bin mal gespannt wer all die Akten, die irgendwann, (maches erleben wir vielleicht gar nicht mehr), zuerst einsehen darf (und vielleicht manipuliert??), oder ob die eine oder andere zufällig unauffindbar bleibt, ich würde nicht soviel darauf hoffen, dass dann Klarheiten aufkommen!
Heilige Kühe werden nicht geschlachtet!
Gruß
Peter

Hoover


22.10.04 10:21:01
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ich habe diverse Bücher über Rudi gelesen, aber alle widersprachen sich ganz schön.

Leider weiß keiner, was er im Schilde führte, einen Auftrag von Hitler hatte er aber nicht, da waren sich alle einig. Und Hitler hat ihn am Ende, kurz vor seinem Flug, gar nicht mehr wahrgenommen, da sind sich auch alle einig gewesen. Heß soll ein "Zögerer" gewesen sein, was "harte Entscheidungen" betraf, so dass er ab 1938 gar nichts mehr entscheiden durfte.

Ich habe leider wenig Zeit, die Bücher aus den Kartons herauszusuchen.

Hoth


22.10.04 11:57:56
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Unter den Parteioberen, der Staats-und Wehrmachtsführung etc. waren ja eine ganze Reihe von Leuten gegen einen Krieg und den Vabanque-Kurs auf den Hitler vor Ausbruch steuerte und auch unmittelbar nach Kriegsbeginn gegen eine Ausweitung desselben. Hier sei nur an Göring erinnert, der Hitler aber leider auch nicht abbringen konnte.

Weshalb sollte also auch Heß nicht in einem aufrichtigem persönlichen Verständigungswunsch zwischen Deutschland und GB und in Sorge um Deutschland gehandelt haben?

Ich denke, je intensiver Hitler ihn für diesen Versuch bis hin zur Schwachsinnigkeit runtermachte, desto mehr könnte dran sein.

Heß wurde ja stets als Idealist und treuer Hitleranhänger beschrieben. Es könnte daher durchaus sein, daß er in ehrlichem Wunsch handelte, einen absehbaren Weltkrieg und eine mögliche Niederlage Deutschlands und damit des Nationalsozialismus zu verhindern und durch eine erfolgreiche Mission als Friedensbote sein Ansehen bei Hitler, dessen Friedensbeteuerungen er wohl glaubte, und im Volke ins Unermeßliche zu steigern.

Ich denke, möglich ist eine reine Friedensmission durchaus. Zumindest ist auffällig und interessant, daß sich damals bis heute die Briten in dieser Sache äußerst bedeckt hielten und halten.

Man hätte die Gefangennahme des 2.Mannes Hitlerdeutschlands und dessen Mission in größter Manier ausschlachten können, tat dies so aber nicht. Warum nicht? Vielleicht weil auch GB unter Churchill ein Krieg gegen Deutschland lieber war und eine Friedensbote vor allem Churchill überhaupt nicht ins Konzept paßte? Weshalb mußte ein reiner Parteimann, der bis zu seinem Flug nur innenpolitisch tätig war, weder an Kriegsvorbereitung oder Durchführung und schon gar nicht am Holocaust und anderen Verbrechen persönlich oder planerisch beteiligt war, bis zu seinem Tode streng abgeschirmt und isoliert sein Leben verbringen? Schlimmer als die meisten der tatsächlichen und aktiven Kriegsverbrecher, die häufig vorzeitig entlassen wurden.

Also zumindest werde ich das Gefühl nicht los, daß hier von alliierter Seite etwas verschwiegen und unterbunden werden sollte.





[ Editiert von Hoth am: 22.10.2004 12:15 ]

Hoover


22.10.04 12:08:04
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Ja, das könnte sein Ziel gewesen sein. Aber trotzden wird er ohne Hitlers Auftrag gehandelt haben.

scheiße, 300 Punkte verloren... Kopf-an-die-Wand-hau-Smiley

[ Editiert von Hoover am: 22.10.2004 12:09 ]

Hoth


22.10.04 12:31:47
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Genau das meinte ich, Hoover. Ohne Hitlers Auftrag und Kenntnis, aus rein pers. Motiven.

[ Editiert von Hoth am: 22.10.2004 12:32 ]

Rifkabil


22.10.04 13:06:19
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Gepostet von Hoover
scheiße, 300 Punkte verloren... Kopf-an-die-Wand-hau-Smiley
Mr. Burns

Quintus


23.10.04 07:02:35
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Ersteinmal wird Rudolf Heß nachgesagt, dass sein Gerechtigkeitssinn sehr ausgeprägt war, dass er äußerst höflich und zuvorkommend war; half gern anderen in verzweifelter Lage - deshalb nannte man ihn auch "die Klagemauer der Partei".
Übrigens: Als Rudolf Heß von der sogen. "Reichskristallnacht" hörte, die ohne sein Wissen organisiert worden war, verbot er jeden Parteigenossen, sich daran zu beteiligen!
Es wird ihm auch nachgesagt, dass er nicht besonders intelligent gewesen sein soll.
Seine Privatsekretärin, Frau Hildegard Faht, hat viel privates überliefert. Z.B. in: Heß, Ilse: Ein Schicksal in Briefen. 1984.

Gepostet von Hoth
Ohne Hitlers Auftrag und Kenntnis, aus rein pers. Motiven.


Genau! Heß war Zeuge des hilflosen Versuchs Hitlers geworden, England aus dem Krieg herauszuhalten, denn eigentlich wollte Hitler immer ein friedliches Übereinkommen mit London. Als nach dem Überfall auf Polen die englische Kriegserklärung kam und Hitler äußerte, "Wenn wir diesen Krieg verlieren, dann möge uns der Himmel gnädig sein", bat Heß in einem konfusem Anfall von Heroismus militärisch knapp um Erlaubnis, als Kampfflieger an die Front zu dürfen. Ein Mann von 45 Jahren - Hitler schaute seinen Stellvertreter ungläubig an und erteilte ihm dann schroff ein Flugverbot für die Dauer von einem Jahr.

Immerwieder hatte Hitler London Frieden angeboten: auf offiziellem Weg und über diskrete diplomatische Kanäle. Doch Churchill dachte nicht an ein Friedensabkommen mit einem Deutschland, das seine Nachbarn unterjocht und unverhüllt Terror zur Staatsmaxime gemacht hatte.
Heß sah hierin eine Art Berufung für sich: Durch persönliches Arrangement über ihm persönlich bekannte und einflussreiche britische Adlige durch Friedensverhandlungen Hitler aus der Patsche zu helfen.
Somit lässt sein Flug nach England möglicherweise nur diese eine Deutung zu. Und den Fakten nach wusste Hitler von alldem nichts.

Zum Beispiel Speer über Heß' Englandflug:
"Wenn ich es richtig beurteile, ist Hitler über den 'Treuebruch' seines Stellvertreters nie hinweggekommen. Noch einige Zeit nach dem Attentat vom 20. Juli 1944 erwähnte er im Rahmen einer seiner phantastischen Fehlbeurteilungen der Lage, zu seinen Friedensbedingungen zähle die Auslieferung des 'Verräters'. Er müsse aufgehängt werden. Heß meinte, als ich ihn später davon erzählte: 'Er hätte sich mit mir ausgesöhnt. Ganz bestimmt Und glauben sie nicht, dass er 1945, als alles zu Ende ging, manchmal dachte: Heß hat doch recht gehabt?'"


Gepostet von Dracula
...der am 10. Mai 1941 den Krieg zwischen England und Deutschland, mit Gutachten Hitlers, beenden wollte und für diese Tat den Rest seines Lebens im Gefängnis verbrachte


Heß wurde vor dem Internationalen Militärtribunal wegen Verschwörung, Verbrechen gegen den Frieden, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit, angeklagt, wobei die letzten beiden Punkte später fallen gelassen wurden.

Exemplarisch ein Zitat von Arno Hamburger, Teilnehmer der Reichsparteitage, über Heß:
"Niemand im Volk war damals der Auffassung, dass Heß ein 'kleiner Mann' gewesen sei. Es hat sich ja erst nach der Nazizeit herausgestellt, dass er relativ wenig Befugnisse hatte. Aber er war ein Mittäter. Er war eine Person, die nie in irgendeiner Form Kritik am Geschehen in jener Zeit übte, im Gegenteil, er war eine Person, die dem Führer in Nibelungentreue ergeben war. Daran ändert auch nichts, dass er nach England geflogen ist. Die Gräueltaten, die im Dritten Reich stattgefunden haben, die waren längst vor dem 10. Mai 1941 geplant. Der Angriffskrieg gegen Russland war geplant, die Judenvernichtung war geplant, der Einsatz von Fremdarbeitern war geplant - das wurde ja nicht von heute auf morgen gemacht. All diesen Dingen lag langjährige Planung zugrunde, von der Heß gewusst hat und die er unterstützt hat. Unter vielen Gesetzen stand seine Unterschrift. Man kann sich doch dann nicht dadurch aus der Verantwortung ziehen, dass man sagt, 'als es schließlich durchgeführt wurde, war ich nicht mehr da'"


Gepostet von Leutnant
Warum propagieren eigentlich die heutigen "Rechten" den Herrn in so starkem Maße?

Nun, weil die sogen. "Rechten" propagieren, Heß flog im geheimen Auftrag Hitlers nach England, um Friedensverhandlungen zu sondieren. Als die scheiterten, ließ Hitler seinen Busenfreund und Stellvertreter (aus opportunistischen Gründen) einfach fallen. Somit wäre nicht Heß der Verräter, sondern Hitler.

Solche Behauptungen gehen auf Heß's Sohn, "Butz" Wolf-Rüdiger Heß, ein ehemals erfolgreicher Architekt und Ingenieur, zurück, der auch die Mähr vom Mord an seinem Vater erfolgreich propagierte. Er war wesentlich dafür verantwortlich, dass sein Vater zu einer Identifikationsfigur der rechten Szene wurde und dass heute der Geschichtsrevisionismus international vorangetrieben wird.



Quellen (und Literaturempfehlungen):
Pätzold, Kurt / Weißbecker, Manfred: Rudolf Heß. 2003.
Schmidt, Rainer F.: Rudolf Heß, Botengang eines Toren?.
Stafford, David: Flight from Reality: Rudolf Hess and His Mission to Scotland, 1941. 2004.
L. Picknett, C. Prince, S. Prior: Double Standards: The Rudolf Hess Cover-Up. 2002.
Nesbit, Roy: The Flight of Rudolf Hess Myths and Reality. 2003.
Heß, Ilse: Ein Schicksal in Briefen. 1984.


Saludos!

Dracula


23.10.04 08:59:54
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@Quintus:

Also, wenn ich richtig verstehe, ist zur Person Heß heutzutage, trotz vieler Lektüre und Zeitzeugen, noch nicht viel bekannt.

Einerseits wird behauptet Heß wäre “eine Klagemauer der Partei”, anderseits behauptet man Heß “wäre eine Person, die nie in irgendeiner Form Kritik am Geschehen in jener Zeit übte, im Gegenteil, er war eine Person, die dem Führer in Nibelungentreue ergeben war”.


Zitat :
<< Nun, weil die sogen. "Rechten" propagieren, Heß flog im geheimen Auftrag Hitlers nach England, um Friedensverhandlungen zu sondieren. Als die scheiterten, ließ Hitler seinen Busenfreund und Stellvertreter (aus opportunistischen Gründen) einfach fallen. Somit wäre nicht Heß der Verräter, sondern Hitler. >>

Kann man aus diesen Gründen schließen, daß in der heutigen rechten Szene nicht Hitler, sondern Heß der große Mann ist?

Quintus, Zirkulieren zum Inhalt der Dokumente, die erst 2017 veröffentlicht werden, noch Informationen oder evt. Theorien?

Niwre


23.10.04 11:22:13
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Gepostet von Quintus
Solche Behauptungen gehen auf Heß's Sohn, "Butz" Wolf-Rüdiger Heß, ein ehemals erfolgreicher Architekt und Ingenieur, zurück, der auch die Mähr vom Mord an seinem Vater erfolgreich propagierte.


Zu dem Mordmärchen... die Darstellung auf Rudolf Heß - Gesellschaft laesst schon Zweifel aufkommen. Was haeltst Du davon?

Westwall


23.10.04 14:18:53
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Der Fall Hess ist aber schon mehr als interessant und seltsam zugleich.
Quintus hat Recht, Hess handelte auf eigene Faust und das sehr Blauäugig.
Die These das Hess nicht zu den intelligentesten der NS-Spitze zähltet, belegte eine Studie der Alliierten an den Insassen in Nürnberg von 1945/46.
Zudem werden nicht nur die Gesprächsprotokolle von den Engländern unter Verschluss gehalten, sondern auch das was Hess in seinem Gepäck hatte.
Ich möchte jetzt hier keine Diskussion über diverse Verschwörungstheorien beginnen, aber seltsam ist es schon das Hess sich ausgerechnet unter englischer Bewachung erhängt haben soll und dass nach mehr als vierzig Jahren Haft, im alter von über neunzig Jahren, wo ausgerechnet die politische Kälte im Osten sich wandelte und das ewige nein der Russen zu der Frage Freiheit für Hess in wanken geraten ist.
Zudem bestätigte ein Gerichtsmediziner der im Auftrag der Familie Hess eine Obduktion der Leiche durchführte, das sich der angebliche Suizid keineswegs so ereignet haben konnte wie es in dem englischen Bericht gestanden hat.
Hess war zu diesem Zeitpunkt körperlich viel zu schwach um sich mit einem Kabel selbst zu erhängen, warum sollte er auch?
Ausgerechnet jetzt, wo im Osten die Ära Gorbatschow begann, das einzigste Land der alliierten wo seit Jahrzehnten auf ein Nein zu seiner Freilassung bestand.
Sein geistiger Zustand war für sein hohes Alter noch ausgezeichnet, wie sein Sohn bei seinen letzten Besuchen immer wieder feststellen musste, der ihn auch über den politischen Wandel in der UDSSR in Kenntnis setzte.

Westwall


23.10.04 14:40:45
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Ein sehr interessanter Link zu diesem Thema.

http://www.rudolf-hess.org/

Niwre


23.10.04 14:46:02
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Gepostet von Westwall
Ein sehr interessanter Link zu diesem Thema.


Sieht irgendwie aus wie der von mir angefuehrte...

Westwall


23.10.04 14:55:02
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Hoppla, muss ich übersehen haben, sorry!

Polarfux


23.10.04 15:46:14
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Hallo zusammn,

ich habe "Botengang eines Toren?" von auch Schmidt gelesen. Das muß so '96/'97 gewesen sein. Es handelt sich um Wesentlichen um die Diss. des Authors. Ich fand es super. Mir leuchtete damals alles ein (war 18/19 Jahre alt). Aber wenn man älter wird,lernt man mehr, die Dinge zu hinterfragen und nicht alles zu glauben, was geschrieben wird. (Dachte damals auch, was der SPIEGEL schreibt ist genau so passiert. *g*) Doch zurück zum Buch. Wenn ich mich richtig entsinne vertritt der Author die Ansicht, daß Hitler
und Heß vereinbart hatten, daß dieser nach Schottland fliegen sollte um letztmögliche Verhandlungen mit deutschfreundlich gesinnten Politikern (Lord Halifax?) betreffend eines Friedensabkommens zu probieren.
(Daher wohl heute Heß als "Märtyrer des Friedens" von NPD u.ä.) Hitler sollte Heß im Falle eines Versagens in gegenseitigem Einverständnis für verrückt erklären, so der Autor.
Naja, im Endeffekt stellte sich heraus, daß Heß mit vom britischen Geheimdienst aufgebauschten Informationen (über die Macht der Opposition) versorgt wurde. Glaub das lief irgendwie über Portugal. Die Haushofers haben auch noch ne Rolle gespielt und irgendiwe wurden dem Esoteriker
Heß positive Konstellationen vorhergesagt. (Die berühmten "HHH")
Jetzt fällt mir wieder einiges ein...............:-) Hab das Buch aber leider gerade nicht hier....
Ach ja, am Ende ging es um den Tod von Heß und da sehe auch ich Klärungsbedarf. Aber das ist ja
wieder ein anderes Thema. (@ Quintus: das vom "Mord" behauptet also nicht nur Wolf-Rüdiger Heß,
aber Du hast das Buch ja auch gelesen)

Als Ergänzung zu Quintus' Literaturempfehlungen sei noch folgendes Buch hinzuzufügen (hab ich nicht gelesen, wohl aber ein Interview mit Allen in DEUTSCHE GESCHICHTE, das sich wohl im Wesentlichen mit Schmidts Aussagen deckt):

Martin Allen: "Churchills Friedensfalle - Das Geheimnis des Heß-Fluges 1941"

Beste Grüße vom Fuxie!
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