Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Dr. Werner Best

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AutorBeitrag

Balsi


2.7.05 13:25:38
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waldi44


2.7.05 15:20:03
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Hm, mal eine Frage:
Zitat:
"Im Jahr 1948 zum Tode verurteilt, 1949 zu fünf und 1950 zu 12 Jahren verurteilt wurde er begnadet und am 29.08.1951 entlassen.
Best arbeitete dann für die Essener Anwaltskanzlei von Ernst Aschenbach, fungierte als Rechtsberater des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der FDP, der er allerdings nicht beitrat und wurde später Justitiar beim Industriellen Hugo Stinnes jun.. Von 1969 bis 1972 saß er dann in Untersuchungshaft in Berlin-Moabit, wo es jedoch zu keinem Verfahren kam."

Warum bzw. wofür wurde er von wem zum Tode verurteilt und wieso erst zu 5 und dann 12 Jahren "begnadet".
Ausserdem: wieso, bzw. wofür sass er von 1969 bis 1972 in Moabit?
Ich meine, wenn Du es erwähnst, solltest Du auch drauf eingehen!

AnDie


10.7.05 18:52:22
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Hallo Waldi,

hier ein paar Auszüge aus meinem Manuskript für ein geplantes Buch über die Kriegsverwaltungschefs, die Deine Fragen beantworten dürften:

12.07.1947 der Dänische Reichstag erlässt ein Gesetz, in dem erstmals die Tatbestände “Verbrechen gegen den Frieden“ und “Verbrechen gegen die Menschlichkeit“ geahndet werden können
16.06.1948 vor dem Amtsgericht [dänisch Byretten] in Kopenhagen zusammen mit Günther Pancke, Otto Bovensiepen und Hermann von Hanneken von den Dänen angeklagt
20.09.1948 zum Tode verurteilt
09.05.1949 Beginn des Revisionsverfahrens vor dem Oberlandesgericht Ost in Kopenhagen
18.07.1949 Änderung des Strafmaßes durch das Oberlandesgericht Ost in Kopenhagen in fünf Jahre Haft (unter Anrechnung von vier Jahren verbüßter Haft); das Urteil löst internationale Empörung aus
17.03.1950 Änderung der Strafe im zweiten Berufungsverfahren vor dem Dänischen Höchstgericht in 12 Jahre Haft
29.08.1951 nach Gnadenakt durch König Christian X. von Dänemark vor dem Hintergrund der umfänglichen Urteilsrevisionen durch US-Hochkommissar McCloy in den Nürnberger Nachfolge-prozessen aus dem Gefängnis Horsens entlassen und nach Deutschland abgeschoben


11.03.1969 im Zuge von Ermittlungen gegen Angehörige des RSHA in seinem Wohnort Mülheim verhaftet und in Berlin in Unter-suchungshaft genommen. Vorwurf der Hauptverantwortung als Amtschef I im RSHA für mehr als 10.000 Mordopfer durch Einsatzgruppen und -kommandos zu Beginn des Krieges in Polen
03.07.1969 zusätzlicher Haftbefehl wegen Verdunkelungsgefahr. Der Untersuchungsrichter wird überraschend (Gründe nicht nachvollziehbar) abgelöst.
23.03.1971 aus der Untersuchungshaft entlassen (der nachfolgende Untersuchungsrichter II beim Landgericht Berlin hebt den Haftbefehl auf, dem am gleichen Tag die Beschwerde des Staatsanwalts folgt, weil sonst fortan kein leitender RSHA-Mitarbeiter mehr anklagbar gewesen wäre)
19.04.1971 wieder in Untersuchungshaft genommen
21.04.1971 für haftunfähig erklärt und aus der Haft entlassen, nachdem ihn angstbetonte reaktive Depressionen befallen hatten, wie seit der Inhaftierung in Dänemark oft in Stress-Situationen recidivierend. Muss kurz darauf das Unternehmen Hugo Stinnes jr. nach Einreichen des Konkurses liquidieren.
27.10.1971 nach Gutachterstreit erneut in Untersuchungshaft genommen nach Aufhebungsbeschluss des Kammergerichts Berlin vom 20.10.1971
10.02.1972 Anklageerhebung der Staatsanwaltschaft beim Kammergericht in Berlin wegen “gemeinschaftlich mit Hitler, Göring, Himmler, Heydrich und Müller“ begangenen Mordes (an mindestens 8.723 Menschen in Polen)
02.08.1972 wegen Verhandlungsunfähigkeit (depressiver Verstimmungs-zustand) wird das Hauptverfahren jedoch schon vor Eröffnung vorläufig eingestellt, Best aus der Haft entlassen,

22.10.1979 durch Beschluss des Kammergerichts Berlin wird das Verfahren wieder aufgenommen und dem Landgericht Duisburg übertragen
25.08.1983 aufgrund neuer Gutachten wird die Wiederaufnahme verworfen und „dauernde Verhandlungsunfähigkeit“ attestiert

AnDie
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