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Hermann Göring

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Quintus


20.5.02 01:55:05
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Herrmann Göring
Göring, Hermann (1893-1946), Reichsfeldmarschall, Beauftragter für den Vierjahresplanzweitmächtigster Mann im nationalsozialistischen DeutschlandHermann
Göring wurde am 12. Januar 1893 in Rosenheim geboren. Im 1. Weltkrieg wurde er als Jagdflieger mit dem Orden „Pour le Mérite" ausgezeichnet. Im Juli 1918 übernahm er das Kommando über das Jagdgeschwader Nr. 1 "Freiherr von Richthofen". Nach dem Krieg war er als Pilot in Schweden tätig, kam jedoch nach Deutschland zurück und lernte 1921 Adolf Hitler kennen. Er schloss sich 1922 der NSDAP an und wurde wenig später Führer der SA in München. 1923, nach dem gescheiterten Hitler-Putsch floh er ins Exil, zunächst nach Österreich, dann nach Italien und Schweden. 1927 kehrte er nach Deutschland zurück und wurde 1928 für die NSDAP Reichstagsabgeordneter. Im Juli 1932 wurde er Reichstagspräsident. Nach nationalsozialistischen Machtübernahme Anfang 1933 wurde Göring in Hitlers Kabinett zunächst Reichsminister ohne Geschäftsbereich, im Mai Reichsminister der Luftfahrt. Von April 1933 bis Mai 1945 war er außerdem preußischer Ministerpräsident, sowie von April 1933 bis Mai 1934 preußischer Innenminister.Beim Aufbau des nationalsozialistischen Terrorstaates spielte er als preußischer Innenminister eine entscheidende Rolle. Göring richtete die ersten Konzentrationslager ein, forcierte die Verfolgung und schließlich die Ausschaltung der politischen Opposition, besonders der Sozialisten und der Kommunisten. Weiterhin war er für die Ermordung von SA-Führern im Zuge des Röhm-Putsches verantwortlich.>Bald wurde Göring zum zweiten Mann im Staat nach Hitler. Dieser bestimmte ihn bereits 1934 für den Fall seines Todes zu seinem Nachfolger. Als "Beauftragter für den Vierjahresplan " trieb Göring ab 1936 die Aufrüstung voran und bereitete Deutschland wirtschaftlich auf den Kriegsfall vor. Als Oberbefehlshaber der Luftwaffe (seit 1935) betrieb er den Sturz der Generäle von Fritsch und von Brauchitsch, die sich gegen Hitlers Expansionspläne ausgesprochen hatten. Mit seiner Ernennung zum Generalfeldmarschall 1938 und zum Vorsitzenden des Reichsverteidigungsrates im gleichen Jahr erhielt Göring die seiner tatsächlichen Macht entsprechenden militärischen Titel.Nach dem Sieg über Polen und Frankreich 1939 und 1940 wurde Göring am 19. Juli 1941 zum Reichsmarschall ernannt. Nur zwei Wochen später beauftragte er Heydrich mit der Organisation der "Endlösung" der Judenfrage. Nach dem Scheitern der von ihm geplanten „Luftschlacht um England" 1940/41 und verstärkt nach der deutschen Niederlage bei Stalingrad Anfang 1943 schwanden Görings Einfluss und Ansehen. Am 23. April 1945 wurde er von Hitler aus der NSDAP ausgeschlossen und aller Ämter enthoben, weil er zu Verhandlungen mit den Alliierten geraten hatte. Am 8. Mai 1945 wurde Göring von amerikanischen Streitkräften gefangen genommen und im Hauptkriegsverbrecherprozess in Nürnberg am 1. Oktober 1946 zum Tod verurteilt. Er beginge am 15. Oktober, kurz vor der geplanten Hinrichtung, Selbstmord.


Quintus


5.1.04 05:38:23
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Görings Yacht sucht neuen Besitzer

Von Volkhard Windfuhr und Dieter Bednarz

Im Roten Meer ist ein zutiefst deutsches Schiff wieder aufgetaucht: Die einstige Luxusyacht von Hitlers Reichsmarschall Hermann Göring steht in Ägypten zum Verkauf.
Der Badeort El Gouna am Roten Meer wäre gern ein arabisches Saint-Tropez, und der Schiffsmakler Christopher Brunner-Schwer träumt davon, mit einem alten Kahn ein spektakuläres Geschäft zu machen. Während der Sandfleck an Ägyptens Küste auf seinen Durchbruch zum Top-Spot der Millionäre noch warten muss, klaffen bei dem deutschen Bootsverkäufer Wunsch und Wirklichkeit nicht ganz so weit auseinander.

Mit der "Carin II" hat Brunner-Schwer ein geradezu unglaubliches Stück im Katalog, das lange als verschollen galt. Zu den Eignern der legendären Motoryacht zählte mit Hermann Göring nämlich nicht nur ein Mann, der als Hitler-Intimus, Juden-Verfolger und Luftwaffenchef im Dritten Reich einschlägig Geschichte machte, sondern mit Ex-"Stern"-Reporter Gerd Heidemann auch einer, der sie später umschreiben wollte. Doch selbst der alte journalistische Bluthund mit der Schwäche für braune Fährten hatte die "Carin II"-Spur schon vor Jahren verloren. Er wisse nicht, was aus seinem Schiff geworden sei, gesteht Heidemann, 72.
Tatsächlich ist die 1937 aus Teakholz gebaute 27-Meter-Yacht, von Erstbesitzer Göring in Erinnerung an seine verstorbene Ehefrau "Carin II" getauft ("Carin I" war zu klein und wetteranfällig), ein gruselig deutsches Schiff. Gleich nach dem Stapellauf wurde das Boot zu einem beliebten Ort für Geheimtreffen. Nazi-Größen wie Heinrich Himmler und Martin Bormann, aber auch der Führer selbst sollen auf ihm die Gastfreundschaft des Feldmarschalls genossen haben.
Mit Kriegsbeginn wurde die Yacht zu Görings persönlicher Kommandozentrale. Im Halbdunkel der Kajüte des meist auf Havel, Spree oder Elbe schippernden Bootes reifte wohl der Entschluss zur Luftschlacht um England, die der Reichsmarschall an Bord per Funk und Telefon verfolgte.
Als Deutschland in Schutt und Asche lag, fanden die siegreichen Briten Gefallen an Görings schwimmender Laube. Kriegsheld Feldmarschall Montgomery taufte das Beuteschiff in "Royal Albert" um und machte es der späteren Königin Elizabeth zum Geschenk. Die benannte es nach ihrem Erstgeborenen "Prince Charles". Als Flaggschiff der Royal-Navy-Rheinflottille fuhr die Göring-Yacht etliche Jahre in europäischen Gewässern; mit Nachkriegskanzler Konrad Adenauer durfte sogar wieder ein deutscher Politiker an Bord.
Zurück in deutsche Hände fiel das Boot im Juni 1960. Gerichte sprachen die Yacht der Göring-Witwe Emmy zu, die ihr Erbe jedoch schon bald versilberte. Neuer Eigner wurde ein Druckereibesitzer aus Bonn, der das Schiff mit einem vierten Namen versah: "Theresia".
Das fragwürdige Göring-Flair gab dem Schiff aber erst "Stern"-Reporter Heidemann zurück. Er verwandelte den Kahn in einen schwimmenden Reliquienschrein für NS-Fetischisten, während er seiner Hamburger Illustrierten Anfang der achtziger Jahre die angeblichen Hitler-Tagebücher unterjubelte. Der Journalist war bei einer Recherche auf das Boot gestoßen und hatte es, zum Teil auf Pump, für 160 000 Mark erstanden. Heidemann stattete das Schiff nach dem grotesken Geschmack des barocken Genussmenschen aus: Bald gab es wieder Göringsches Tafelsilber, Göringsche Trinkbecher und Göringsche Aschenbecher, so berichteten Besucher.

Foto: (v.l.n.r.) Prinz Paul von Jugoslawien, Emmy Göring, Prinzessin Olga und Göring auf dem Wannsee 1939
An Bord trafen sich Journalisten-Kollegen, Verlagsmanager und einstige Nationalsozialisten. In seinem Film über die Tagebuch-Affäre ("Schtonk") ließ Regisseur Helmut Dietl den fiktiven Heidemann sogar die Göring-Nichte auf den Planken lieben, was die Originalfigur allerdings als "frei erfunden" dementiert.
Die Spekulation des "Carin II"-Eigners auf einen hohen Wiederverkaufswert der Yacht platzte mit dem Tagebuch-Schwindel. In einer Zwangsversteigerung erwarb der ägyptische Erdölagent Mustafa Karim 1988 in Hamburg das Schiff für 270 000 Mark. Mit seiner amerikanischen Frau Sandra Simpson schipperte er die "Carin II" durch Nordsee, Ärmelkanal und Biskaya ins Mittelmeer.
An seinem heutigen Ankerplatz vor El Gouna wirkt das Schiff kaum seetüchtig. Die Reling ist beschädigt, die Planken sind verwaschen. Im Kapitänsraum mit schwerem Eichentisch und grüner Ledercouch schlägt dem Besucher Muff entgegen.
Der erbärmliche Zustand ist die Folge eines gleich zweifachen Schicksalsschlags für die Amerikanerin. Nachdem ihr Mann gestorben war, eröffnete die ägyptische Bürokratie einen erbitterten Krieg um die Verfügungsgewalt über das Schiff. Erst seit wenigen Wochen darf Makler Brunner-Schwer die "Carin II" in Simpsons Auftrag zum Verkauf anbieten - und verweist auf viel versprechende Anfragen aus den Golf-Emiraten.
Angeblich haben Wüsten-Prinzen und Öl-Scheichs bei dem Bootshändler vorfühlen lassen, was der betagte Pott kosten soll. Auch aus der Verwandtschaft des irakischen Ex-Diktators Saddam Hussein wurden Erkundigungen über die "Carin II" eingezogen. "Die Geschichte der Yacht", gibt sich der Makler zuversichtlich, "gefällt den Arabern. Und das treibt den Preis."

Orginal © DER SPIEGEL 2/2004: Görings Yacht sucht neuen Besitzer
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