Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Görings Geliebte

zurück zur Themenübersicht
AutorBeitrag

Svenson


22.10.02 20:11:34
Direktverweis
Hab da neulich was interesseantes in der MV gefunden.Aber lest selbst.
Hunderte von Angriffen flog die deutsche Luftwaffe von 1941-1943 gegen alle Regionen Zentralrußlands.Verschont blieb nur Lipezk,obwohl Zentrum der Rüstungsindustrie.Das konnten sich Historiker bisher nicht erklären.
Die 450 000 Einwohner der Stadt dagegen flüsterten sich des Rätsels Lösung schon zu Sowjetzeiten hinter vorgehaltener Hand zu.Nun wollten auch Heimatforscher und ein Kamerateam des russischen Fernsehens die "traurigste und skandalträchtigste deutsch-sowjetische Liebesgeschichte" erkunden:
Er war hochgewachsen und damals noch gertenschlank,sie blond und blauäugig.Er war Offizier der Reichswehr,sie Tochter eines Eisenbahners-Herman Göring und Nadjeschda Gorjatschowa,für wenige Monate ein Liebespaar.
Eine frühere Nachbarin will das einzigste Foto des Paares gemacht haben: Nadjeschda,so die Rentnerin,habe ab Herbst 1925 oft Besuch von zwei bis drei Deutschen bekommen.Einer hatte einen Fotoapparat mit und bat sie als Nachbarin um einen Schnappschuß.Das vergilbte Bild zeigt einen Reichsoffizier,es könnte Göring gewesen sein.
Historisch belegt ist zudem,daß Hitlers Reichsmarschall zu jenen deutschen Fliegern gehörte,die ab Juli 1925 in Lipezk ausgebildet wurden.An einer "Geheimen flugtaktischen Schule",die bis Anfang 1929 bestand.Entsprechende Abkommen hatte die Weimarer Republik,der durch den Versailler Vertrag der Aufbau einer eigenen Luftwaffe untersagt war,1924 mit Sowjetrussland ausgehandelt.(...)
Viel Zeit dürften Göring und Nadja,wie der Deutsche die Geliebte nannte,für einander jedoch nicht gehabt haben.Neben Besuchen in ihrer Wohnung-eigendlich verboten-sollen sie sich bei Konzerten getroffen haben,die ein Millitärorchester jeden Samstag Abend auf dem Marktplatz der Stadt gab.Um sich mit "German",wie Nadja Göring genannt haben soll,überhaupt verständigen zu können,hatte sie ein altes Konversationslexikon für Adlige aufgetrieben.
Im Winter 1926 endete die Turtelei.Göring wurde nach Deutschland zurückbeordert,soll Nadja aber weiter Briefe geschrieben haben.Mit Hakenkreuz und anfangs sogar mit dem Versprechen,sie nach Berlin zu holen.
Der letzte,so das russische Fernsehen,sei auf den 21.Juni 1941 datiert-einen Tag vor dem Überfall Deutschlands auf die Sowjetunion.Die Briefe wurden Nadja zum Verhängnis: Wenige Tage nach Kriegsbeginn wird sie verhaftet und in ein Lager für Volksfeinde deportiert.Wohin,ist nicht bekannt.
1948 kehrt sie nach Lipezk zurück,völlig ergraut,geistig verwirrt.Einen Monat später starb sie.

Quintus


23.10.02 06:22:53
Direktverweis
Imteressant! Quelle?
...und wo ist das ominöse Foto?

Jörg Wurdack


23.10.02 11:04:00
Direktverweis
Ich würde gerne mal die genaue Quellen (und zwar die Primärquellen, nicht eine obskure Illustrierte usw.!) für die Story über die Anwesenheit Görings in Lipezk wissen.
Diese Geschichte strotzt doch von Fehlinformationen:
1. Göring war mit Sicherheit nie Offizier der Reichswehr, wie in diesem Bericht behauptet wird.
2. Göring hielt sich nach dem Hitlerputsch bis 1927 in Italien und Schweden auf, er kehrte erst im Herbst 1927 nach Deutschland zurück, da erst dann die Amnestie für seine Verstrickung in den Hitlerputsch griff. Die Reichswehrführung hätte den Teufel getan und ihre empfindlichen und strikteste Geheimhaltung erfordernden Aktivitäten in Rußland durch die Anwesenheit eines mit Haftbefehl gesuchten - und noch dazu damals morphinsüchtigen - Straftäters zu gefährden. Auch das spricht gegen seine Anwesenheit 1925 in Lipezk.
3. Der Ausbildungsbetrieb in Lipezk begann frühestens 1927, keinesfalls 1925
4. Die Schule bestand bis Anfang 1933, nicht nur - wie behauptet - bis 1929
4. Lipezk hatte bis 1945 nie mehr als 275.000 Einwohner (nicht 450.000)
5. Lipezk als "Zentrum der Rüstungsindustrie" zu bezeichnen, ist zumindest stark übertrieben. In Lipezk gab es vor allem Stahlwerke zur Erzeugung von Rohstahl und Halbfertigprodukten. Aufgrund der geringen Stärke der für strategischen Einsatz verfügbaren deutschen Bomberkräfte im Osten konnten bereits ab Ende 1941 nicht mehr alle rüstungsrelevanten Ziele angegriffen werden, die Luftwaffe beschränkte sich vor allem auf die Fertigungswerke für Panzer und Flugzeuge im Raum Kasan, Moskau und teilweise auch am Ural. Später versuchte man mit einer nur kurze Zeit durchgehaltenen Bomberoffensive gegen die Kraftwerke die Energieversorgung lahmzulegen. Lipezk war schlicht und ergreifend ein weniger wichtiges Ziel, für das die wenigen Bomber nicht verschwendet werden konnten. Siehe zum Bomberkrieg gegen die sowjetische Industrie:
- Boog, Horst: Strategischer Luftkrieg in Europa und Reichsluftverteidigung 1943 -1944, vor allem die Kapitel "Sachzwänge im Osten" und "Aufmarsch und Versuch im Osten", In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 7: Das Deutsche Reich in der Defensive. Strategischer Luftkrieg in Europa, Krieg im Westen und in Ostasien 1943-1944/ 45. Stuttgart 2001, S. 342 - 367
- Boog, Horst: Die deutsche Luftwaffenführung 1935 - 1945. Führungsprobleme, Spitzengliederung, Generalstabsausbilung. (= Beiträge zur Militär- und Kriegsgeschichte, 21) Stuttgart 1982, S. 195 - 200
- Boog, Horst: Ansätze zu einem selbständigen strategischen Luftkrieg gegen die sowjetischen Kraftquellen. In: MGFA (Hrsg.): Das Deutsche Reich und der Zweite Weltkrieg. Band 4: Der Angriff auf die Sowjetunion. Stuttgart 1987, S. 765 - 772
Vielleicht sollte der Autor dieses merkwürdigen Artikels mal das Standardwerk zu den Aktivitäten der Reichswehr in Rußland lesen, dann würde ihm die Fragwürdigkeit seiner Behauptungen aufgehen:
Zeidler, Manfred: Reichswehr und Rote Armee 1920 - 1933. Wege und Stationen einer ungewöhnlichen Zusammenarbeit. (= Beiträge zur Militärgeschichte, Bd. 36). München 1993.

svenson


23.10.02 22:32:01
Direktverweis
Ich hab den Bericht aus der Brandenburger Tageszeitung übernommen.
Das Foto ist bei der alten Nachbarin:D

svenson


23.10.02 22:38:42
Direktverweis
Hoppla zu früh gedrückt.
Spaß beiseite,das Bild wurde wohl auch nur von den genannten Heimatforscher und dem Fernsehteam gesehen worden sein(Wenn überhaupt).
Nee,das der Bericht eine Ente war wußte ich nicht.Einiges schien mir auch fragwürdig.Dem Autor sollte man wohl dieses Forum hier empfehlen.
So viel falsche Zahlen und Daten.Gut das Jörg genau nachgeschaut hat.
Da sieht man mal wie leicht und schnell man auf dem Holzweg ist.

schuetzewuerger


28.10.02 22:02:23
Direktverweis
hallo svenson "quintus" schreibt unter board personen einen lebenslauf vom dicken Meier sollteste lesen:O
zurück zur Themenübersicht