Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

100 Jahre Georg Elser

zurück zur Themenübersicht
AutorBeitrag

waldi44


15.1.03 11:57:10
Direktverweis
Um ihn kümmerst sich niemand, dabei war er der erste richtige Widerständler und das nicht nur mit Worten hinter vorgehaltener Hand.
Gut, ganz stimmt es so nicht, denn die Post zB hat wohl was rausgebracht und ich erinnere ja auch daran ;)!
Einen Stauffenberg kennt jeder, einen Elser kaum einer!


Am 8. November 1939 versuchte der Schreiner Georg Elser, Hitler durch ein Attentat im Bürgerbräukeller zu töten und so die Ausweitung des am 1. September 1939 von Deutschland begonnenen Krieges zu verhindern. Seit Herbst 1938 plante Elser diese Tat gegen den Diktator. Er erfuhr, daß Hitler am 8. November 1939 zum Jahrestag des Hitlerputsches von 1923 im Münchener Bürgerbräukeller sprechen werde. Elser verschaffte sich Zugang zum Veranstaltungsraum und installierte dort in nächtelanger Arbeit einen Sprengkörper mit Zeitzünder.
Hitler verließ am 8. November 1939 allerdings wenige Minuten vor der Explosion den Versammlungssaal. Elser wurde eine Stunde davor in Konstanz kurz vor der Flucht in die Schweiz festgehalten und wegen seines verdächtigen Tascheninhalts der Gestapo übergeben.
Georg Elser mit Freundin
Nach langen Verhören gestand er Tage später das Attentat und seine Absicht, damit den Weg zu einem europäischen Frieden ebnen zu wollen. Er wurde zuerst im KZ Sachsenhausen, später im KZ Dachau gefangengehalten, wo er am 9. April 1945, wenige Wochen vor Kriegsende, erschossen wurde.
Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus war nach 1945 heftig umstritten und konnte sich erst in den fünfziger Jahren in seiner Bedeutung für die politische Kultur der Bundesrepublik durchsetzen. Gerade die Tat Elsers gehörte zu den Aspekten des Widerstandes, um die sich noch lange Zeit Gerüchte rankten. Noch lange nach 1945 wurde Elser oftmals diffamiert und sein Handeln verschiedensten Auftraggebern zugeordnet. Heute können seine Alleintäterschaft und seine politisch-moralische Motivation nicht mehr bezweifelt werden.
Erst 1969 veröffentlichte Anton Hoch vom Institut für Zeitgeschichte die Ergebnisse seiner Recherchen und räumte zweifelsfrei die alten Mythen um Elser aus dem Weg. Ein Jahr später veröffentlichte Lothar Gruchmann das Protokoll der Vernehmung Elsers, das er in den Akten des Reichsjustizministeriums im Bundesarchiv gefunden hatte. Dieses eindrucksvolle Dokument ist zwar über weite Strecken in der Sprache der Täter gehalten; es ermöglicht dennoch wichtige Einblicke in das Leben und in das Denken von Georg Elser. Diese Publikationen leiteten eine Wende in der öffentlichen und wissenschaftlichen Einschätzung zu Georg Elser ein. Dennoch blieb Elser weiterhin jene öffentliche Anerkennung versagt, die seine Tat verdient. Ein Gelingen seiner Tat hätte sowohl die Ausweitung des im Herbst 1939 begonnenen Krieges als auch den Massenmord an den Juden Europas verhindern können. Insofern ist es logisch, wenn Joseph Peter Stern in Elser den »wahren Antagonisten« Hitlers und dessen »moralisches Gegenbild« sieht.
Diese Dokumentation wurde in Zusammenarbeit zwischen der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, dem Georg-Elser-Arbeitskreis in Heidenheim und der Gemeinde Königsbronn erstellt. Bürgerschaftliches Engagement mündete in eine Ausstellung, die zuerst 1997 in Berlin gezeigt wurde und seit Januar 1998 ihren Platz in der Georg Elser Gedenkstätte in Königsbronn hat. Der Katalog vereint die wichtigsten Fotos und Dokumente der Ausstellung, von denen viele hier erstmals veröffentlicht werden.
Wir danken all denen, die an dieser Dokumentation mitgewirkt haben. Wir widmen sie jenen Familienangehörigen Georg Elsers, die in die nationalsozialistische Verfolgung mit einbezogen wurden und darunter bis weit nach 1945 zu leiden hatten.
Peter Steinbach/Johannes Tuchel
Georg Elser

schaefchen1971


21.1.03 16:09:52
Direktverweis
Hallo Waldi,
finde es klasse,dass Du an G. Elser erinnerst.
Für mich ist er übrigens auch ein Indiz dafür,dass den meisten Menschen bewusst sein musste,welche Politik Hitler verfolgt.
Ausreden,wie "wir haben nichts gewusst",kann ich nicht glauben.
Alles typisch deutsche Mitläufermentalität ...sorry

The Real Blaze


20.2.03 22:11:00
Direktverweis
Warum wurde Elser so "vergessen".Ja das ist einfach...Für mich ist er der jenige,der den 2.WK womöglich erstickt hätte.Elsers Attentat ist für die neudeutsche Geschichtsschreibung aber ein pikantes Thema.Denn im Unterschied zu Stauffenberg, wo bei einem Erfolg sich an der Nachkriegsordnung kaum was verändert hätte,ließ ein Elser Erfolg alle Optionen offen!Und da sind nur Optionen dabei,die keine oder nur wenig Aussicht auf Demokratie hatten.Wenn Elser thematisiert werden würde,drängt sich auch zwangsläufig die Frage auf,was ein Elser Erfolg bewirkt hätte.Die Antworten hätten wohl den Normalo Bundesbürger verschreckt!Ich hab im Zusammenhang mit diesem Thema an der ZDF Redaktion Zeitgeschichte geschrieben,der G.Knopp vorsitzt und warte schon seit längerem auf Antwort(wahrscheinlich bis in alle Ewigkeit)
Falls aber G.Knopp(ist ja Geschichtsprofessor)mir antwortet,veröffentlich ich hier die Antwort.
Bin mal gespannt ob er die gleichen Schlüße zieht wie ich,oder nur pauschalisierend unkritisches staatsgemäßes äußert.
Um ganz deutlich zu werden:Wir hätten bei einem Erfolg Elsers einen zementierten Polensieg und noch heute den Nationalsozialismus!Auch wenn vielleicht etwas liberalisiert!50 Jahre nach einem erfolgreichen Hitlerattentat(der auch andere NS Größen vernichtet hätte),hätte man in Berlin nicht die Mauer geöffnet,sondern nationale Trauermärsche angeordnet.
mfg The Real Blaze

Balsi


20.2.03 22:20:26
Direktverweis
interessanter Ansatz...für wahr ein gute Frage was passiert wäre hätte Elser Erfolg gehabt... Was ich mich auch frage.. hätte das Stauffenbger Attentat so wie es geplant war.. auch funktioniert? letztlich hoffte man ja auf die Kooperation der entscheidenen Stellen

The Real Blaze


20.2.03 23:14:02
Direktverweis
Nun irgendwas hat ja gefehlt.Entweder der Sprengstoff war zu wenig oder der Kartentisch war zu massiv.Hitler stand wohl richtig und der Zeitpunkt hat ja auch gepaßt.Aber alles zusammen genommen fehlte eben das letzte Quentchen.Von den 42 Attentaten die geplant wurden gab es eigentlich nur 3 die Erfolg gehabt hätten,wenn nicht irgendetwas dazwischen gekommen wäre. Bei Elser war entweder die Zeit zu spät gewählt oder Hitler hatte plötzlich schlechte Laune.Dann gab es noch die Bombe 43' an Bord eines Führerflugzeugs von Winniza,die aber nicht gezündet hatte.Und bei Stauffenberg...siehe oben.Der Rest der anderen Attentate hatte sogut wie keine Chance auf Erfolg.
Elser war eigentlich jener,der die Geschichte in der Hand hatte ,in Form seiner selbstgebauten Zeitbombe,die tadellos funktionierte.Er wußte alles über das jährliche Treffen in München und besorgte sich in wochenlanger Vorarbeit Sprengstoff als Arbeiter in einem Steinbruch,wofür er extra dort angeheuert hatte.Danach ließ er sich immer wieder und immer wieder einschließen über Nacht und höhlte eine Säule neben Hitlers Sprecherbalkon aus.Die Wucht hatte dort die Saaldecke einstürzen lassen.Tote und viele Schwerverletzte lagen im Saal.Alle die in der Nähe des Balkons gewesen wären,hätte es in den Tod gerißen...
mfg The Real Blaze

Balsi


20.2.03 23:18:39
Direktverweis
hätte ein gelungenes Stauffenbergattentat tatsächlich die Grundlage für unseren heutigen Staat bedeutet? Letztlich handelten die Leute um tauffenberg doch aus gründen die heute eher verpönt sind, Nationalstolz in etwa und Vaterlandsliebe...

The Real Blaze


20.2.03 23:31:42
Direktverweis
Ganz klar ja!Der Zeitpunkt war zu spät,das ganze Siegerprogramm wäre über Deutschland gerollt,wie es im Mai 45'geschah.Alles in allem hätte es sehr viele Menschenleben gerettet,aber politisch wäre alles so ähnlich abgelaufen,weil die Aufteilung Deutschlands beschloßen war.Neben den vielen geretteten Leben,wären auch die Städtezerstörungen wesentlich geringer gewesen.
Was vielleicht auch etwas anders abgelaufen wäre: Die Vertreibung...Ein Rätsel ist mir noch wie das nach Stauffenbergs Erfolg abgespult werden sollte.Vielleicht erstmal ähnlich wie in 1.WK ,danach aber die totale Besetzung und Ausplünderung!
mfg The Real Blaze

waldi44


20.2.03 23:45:19
Direktverweis
Zur Zeit des Stauffenbergattentates, war ja schon alles geschen, was geschehen konnte/sollte!
Alle Verbrechen sind bereits begangen worden, obwohl noch einige bis Kriegsende hinzu kamen! So gesehen, konnte die Geschichte gar nicht anders verlaufen, als sie verlaufen ist.
Also kann ich meinem Vorredner ;) nur zustimmen und Balsi, Deine Frage ist somit aus meiner Sicht auch beantwortet!
Übrigens finde ich, dass es nur eines einzigen mutigen Mannes bedurft hätte, der seine geladene Pistole gezogen und Hitler erschossen hätte - natürlich hätte das einer sein müssen, der das Schicksal Deutschlands höher schätzte, als sein Leben, aber
nach 1942, vielleicht noch 43, wäre sein Opfer ebenfalls umsonst gewesen!

Balsi


21.2.03 08:19:42
Direktverweis
so hab ich das noch nie gesehen.. danke dafür... das würde ja dann also auch bedeuten das wir die Person Stauffenberg nicht "feiern" sondern eher die Tat.
Demnach wäre also eben nciht Hitler der alleinige Garant für die damalige dt. Politik gewesen...

waldi44


21.2.03 12:27:59
Direktverweis
Moment- 1. Stauffenberg ist eigentlich Nebensache- die Tat zählt! Meine Meinung!!
2. Mit Hitler liegst Du, so meine ich Falsch! Das 3. Reich war Hitlers Reich mit allem drum und dran, aber ab einem bestimmten Zeitpunkt war es für den Fortlauf der Geschichte egal, ob man ihn beseitigt hätte oder nicht.
Der einzigste Unterschied wäre wohl, wie schon anderswo richtig gesagt, die Zahl der Opfer gewesen- millionen Menschen hätten überlebt, Deutsche und viele viele andere!
Teheran, Jalta, waren Meilensteine, die ihre Schatten über die Zukunft des Reiches warfen, mit oder ohne Hitler und im Prinziep würde ich heute das selbe sagen: Solange alles halbwegs gut ging ist man mitgelaufen und hat geholfen so gut man konnte und als der Karren unrettbar im Dreck steckte wollte man retten was zu retten war, vor allem sich selbst und seine Pfründe! Da macht glaube ich auch Stauffenberg keine Aussnahme-
meine Meinung dazu!
Elser dagegen, war ein Visionär! Er ahnte, was kommen würde und tat, was getan werden musste und scheiterte. Mag sein, dass Hess eine ähnliche Politik wie Hitler betrieben hätte, könnte aber auch sein, sein Englandflug lässt es vermuten, eine andere!
Allerdings hätte man das von Hitler wohl auch gesagt und wir würden heute vielleicht tatsächlich Blumen an seinem Grab niederlegen und der 20. April wäre Feiertag geworden;)!

Balsi


21.2.03 12:37:27
Direktverweis
ok...wir hatten ja das Stauffenberg Thema schon einmal.. schlussendlich kann man dan aber sagen.. das man Stauffenberg heute instrumentalisiert.. ie Tat selber im grunde genommen ncits änderte bzw. hätte ausser das weniger menschen gestorben wären (durchaus ein guter Grund)...
Es ist ja wie bei den Scholl Geschwistern.. sie waren auch erst gross dabei und wurden erst zu Gegnern als sie sahen was passierte... gehörten also selbst zu denen die den Arm hoben.. und tragen demnach ja auch Schuld.. (überspitzt ausgedrückt).. hatten deren Aktionen denn letztlich einen tieferen Sinn?
Auch zu becahten die anderen Gruppen des Widerstandes.. die Spionage betrieben zum beispiel.. die nahemn doch in kauf das mehr von ihren eigenen Landsleuten starben...

The Real Blaze


21.2.03 16:35:58
Direktverweis
Ich hab im Zusammenhang von Elsers Tat mal noch was ermittelt,wer alles anwesend war.Neben Hitler waren Goebbels,Frank,Himmler,Ribbentropp,Bouhler und Sepp Dietrich. Hess sollte eigentlich die Rede erst halten und nicht Hitler.Der Grund für Hitlers frühen Abgang(13 Minuten zu früh,13 ist wohl doch eine Unglückszahl...)er wollte den Nachtzug nach Berlin.Wer aber letztendlich überlebt hätte und Hitlers Position eingenommen hätte,kann man nicht genau sagen,das hing von der Position ab wo die NS größen standen und wer überhaupt nicht anwesend war.
Alle Historiker,die hier recherchiert hatten sind der Ansicht,daß der krieg womöglich sofort,wenn nicht dann aber etwas später beendet worden wäre.Und auf keinen Fall zum Nachteil Deutschlands!
mfg The Real Blaze

Balsi


21.2.03 16:52:19
Direktverweis
zu diesem Zeitpunkt... hat man Polen erobert gehabt... wäre es wirklich so gewesen.. das es nciht zu einem weiteren krieg gekommen wäre? Gerade angesichts der möglichen Stellvertreter? Wäre nciht ein SS-Staat möglich gewesen unter Himmler oder Heidrich?

The Real Blaze


21.2.03 17:17:40
Direktverweis
Also die SS hätte wohl nach dem Attentat,wenn es ein Erfolg gewesen wäre,die Dolchstoßlegende "ausgelebt".Zur kriegswilligkeit: Es gab erstens niemand außer Hitler,der die Notwendigkeit sah im Osten einen Krieg zu führen.Niemand wollte einen Zweifrontenkrieg.Sogar Göring war eher kriegsunwillig als abenteuerlustig.Ein SS Staat wäre es mit Sicherheit gewesen,wenn Heydrich rangekommen wäre.Hätte Himmler überlebt,wäre er aber sicher von Heydrich überflügelt worden.Er hätte machtpolitisch später keine Rolle mehr gespielt.Da hätte klar der höhere IQ von Heydrich gesiegt.Bormann wäre aber auch ein Kanditat gewesen.Insgesamt betrachtet,hätte wohl die Vernunft gesiegt und man hätte auf einen Frieden ohne Gesichtsverlust hingearbeitet.Das hieße,daß es heute kein Polen mehr geben würde ,sonst hätten die Russen auch ihre letzten Gewinne wieder verloren.Und dazu war man nach den Opfern niemals bereit.Es hätte nur noch an dem Westen gelegen einzulenken,um mit Deutschland ohne Hitler Frieden zu schließen.Italien war ja da auch noch nicht im Krieg.Alles war erst sehr begrenzt und man war eher zurückhaltend,was sich real erst 1940 geändert(verschärft) hatte.
mfg The Real Blaze
zurück zur Themenübersicht