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Diesel und Benzin ( Vorteile im Krieg )

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AutorBeitrag

Gast


29.5.03 17:13:54
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Sehr geehrte User dieses Forums...
Hallo...
Ich bin Student und habe kurzfristig ein Referat angenommen, allerdings laufe ich bei diesem etwas auf der Stelle.
ICh benötige Informationen zum Dieselmotot und Benzinmotor bezüglich Kraftaubeutung und warum die meisten LKW im 2. wletkrieg und auch die Panzer mir diesel fuhren. Warum war dies so. Eventuell die Vor und Nachteile beider Motoren in Bezug auf die militärische Verwendungsfähigkeit.
Mit Bitte um Antwort.
MfG
SvenSmiley mit Danke-Schild

Micha77


29.5.03 17:46:34
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Die wohl wichtigsten Vorteile des Dieselmotors die mir im Moment einfallen sind der geringere Brennstoffverbrauch sowie die längere Haltbarkeit gegenüber dem Benziner.2 Faktoren also die im Krieg eine nicht unwichtige Rolle spielen.Nachteile vom Diesel wären zum Beispiel der höhere Ausstoß von Abgasen sowie etwas mehr Lärm.Aber im Krieg interessiert sowas bekanntlich herzlich wenig...

Balsi


29.5.03 17:52:05
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hat Diesel nicht auch einen Vorteil in Anbetracht der Temperatur (siehe T-34 und dt. Panzer in Jahrhundertwinter 41/42)?

Micha77


29.5.03 18:00:05
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Gute Frage...:Schulter: Aber so von der Logik her - ein Benziner springt auch bei tierisch kalten Wetter sofort an
(falls die Batterie in Ordnung ist...).Der Diesel muss vorgeglüht werden.Deshalb nämlich auch die bekannte Prozedur mit der Lötlampe.

Balsi


29.5.03 18:07:28
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fuhren dt. Panzer nicht mir Benzin und russische mit Diesel? Hab mich da noch nie schlau gemacht...

Micha77


29.5.03 18:15:05
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Ich habe mal kurz nachgeschaut;Tiger I und II hatten nen Ottomotor.Also wirds bei den anderen Fahrzeugen nicht anders gewesen sein.Finde ich aber doch etwas eigenartig.
Also hatten wahrscheinlich nur die U-Boote nen Diesel...:Schulter:

Balsi


29.5.03 18:25:59
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hab hier mal nochwas gefunden:
Der extrem kalte Winter des Jahres 1941/42 stellte mit Temperaturen von -43' C und mehr besonders auch die mot. Truppen vor schier unlösbare Probleme.
Durch Flugschnee und gefrorenen Schneematsch froren Ketten und Räder buchstäblich auf dem Boden fest; Seilzüge, Bremsen, Aggregate versagten den Dienst. Öle und Fette erstarrten und verloren ihre Schmierfähigkeit. Dieselkraftstoff versulzte und verstopfte die Leitungen. Selbst Otto-Kraftstoff verlor die Fähigkeit zur Bildung eines zündfähigen Gemisches. Die Batterien verloren ihre Leistung, froren bei schlechter Ladung sogar ein. Motorblöcke und Kühler wurden durch eingefrorenes Kühlwasser zersprengt, weil kein Frostschutzmittel vorhanden war und das Wasser nicht rechtzeitig abgelassen werden konnte. Mit den wenigen Fahrzeugen, die zum Laufen gebracht wurden, hatten die Fahrer einen recht schweren Kampf gegen Schneeverwehungen und Glatteis zu -.führen, und das meist in völlig unbeheizbaren, zugigen Führerhäusern.
Die vom OKH angeordneten Hilfsmaßnahmen kamen für den ersten Rußlandwinter zwangsläufig zu spät.
Mit der 130-seitigen Vorschrift D 635/5 »Kraftfahrzeuge im Winter« versuchte man in der folgenden Zeit, die Probleme in den Griff zu bringen.
Wie das geschehen sollte, wird im folgenden in Stichpunkten aus der Ausgabe vom 7.7.1943 zitiert:
1) Sonderkraftstoff für die Ostfront, Kältebeständig bis -40' C: Ottokraftstoff (violettgefärbt); Dieselkraftstoff (Kesselwagen und Behälter mit einem großen weißen »W« versehen); Spezieller, leicht entzündlicher Anlaßkraftstoff (Gasolin) für Ottomotoren.
2) »Motorenöl der Wehrmacht (Winter)« dem unter -20'C 15 % Kraftstoff und unter -30'C 25 % Kraftstoff (Otto notfalls Diesel) beizumischen waren.
3) »Getriebeöl der Wehrmacht 8 E«, grün gefärbtpumpfähig bis -400 C, wird ab Herbst 1943 ausgeliefert. Früher mußte das Getriiebeöl nuit Kraftstoff verdünnt werden.
4) »Abschmierfett der Wehrmacht« wird bei tiefen Temperaturen nach wie vor steif und ist im Verhältnis 1:1 mit Motorenöl zu mischen.
5) Sonderteile zum Einbau, zusammengefaßt für alle gängigen Fahrzeugt en in og. großen Winterbaukästen (mit Kühlwasserheizgerät) und kleinen WinteZaukästen (ohne Kühlwasserheizgerät):
- Wärmekasten für Samiriler (die Batterie kam in ein Blechgehäuse, das mit einer SpritusDochtlampe beheizt wurde)
- Leicht lösbare Sammlerklemmen (zum schnellen Batterleausbau)
- Anlaßkraftstoffbehälter mit 2-Weg-Hahn (der spezielle Kraftstoff - 0,5 - 1,0 1 ermöglichte einen leichteren Start, mußte aber während der Fahrt abgeschaltet sein, da Brandgefahr bestand)
- Kühlwasserheizgerät (ein kleiner Wärmeaustauscher wurde über Rohre mit dem
Kühlwassersystem verbunden. Die Erwärrnung des Wärmetauschers erfolgte durch eine Heizlampe)
- HeizIampe (Betrieb mit Otto-Kraftstoff oder Gasolin, das wichtigste Gerät im
Winterbetrieb. Sie diente zum Anwärmen von Kühlwasser, Ventilkammerdeckel,
Anheizthichter, Sammler, Anlasser, Getriebe u. dergl. und war manchmal reichlich überfordert)
- Fahrerhausheizung (durch zusätzliche Wärmetauscher und Ventilatoren bzw. durch »Heizofen für Kfz.-Aufbauten« für festen Brennstoff.)
6) Für das Fremdanlassen von Kfz., bei denen alle eigenen Anlassversuche ohne Erfolg blieben, war das Vorhandensein einer nachrüstbaren »Einheitsdrehklaue« nötig. An diese konnten dann angesetzt werden:
- der Kurbelwellen-Benzinanlasser (KBA) best. aus einem tragbaren Verbrennungsmotor mit 2-Gang-Getriebe und Rutschkupplung
- der Krad-Kurbelwellenanlasser (KKA) best. aus einem Getriebe mit 2 Reibrollen, die durch das Hinterrad eines Motorrads angetrieben wurden.
- das SS-Andreh-Gerät Baumuster Rumpler arbeitete nur mit Muskelkraft über 2 Handkurbeln für die 2 bis 8 Mann Bedienung vorgesehen waren.
In der rauhen Praxis wurde ein offenes Feuer (meist Diesel in einer Blechwanne) unter Motor und Getriebe entfacht und so das Fahrzeug auf »russische Art« erwärmt. Das erste Fahrzeug, das zum Laufen kam, hatte dann andere Kfz. durch Anschleppen zum Laufen zu bringen. Eine zwar schädliche, aber wirkungsvolle Methode, von der die o.g. Vorschrift überhaupt nicht begeistert war.
Rückblickend muß gesagt werden, daß auch unsere heutigen, moderneren Fahrzeuge bei einer Temperatur von -430 C ungeahnte Schwierigkeiten haben würden!
Und hier noch was zu KfZ in Staub, Sand und Hitze:
Mit der Landung des Deutschen Afrika Korps in Nordafrika (Febr. 1941) waren hier erhebliche kraftfahrtechnische Probleme auf die Truppe zugekommen.
Die hohen Lufttemperaturen und die starke Sonneneinstrahlung wirkten sich recht nachteifig auf die Fahrzeuge aus:
das deutsche Motorenöl wurde derart dünnflüssig, daß sich die Motoren festfraßen; das schwer zu beschaffende Kühlwasser verdunstete und verdampfte im Eiltempo - desgl. das Batterlewasser. Otto-Kraftstoff (nicht aber Diesel) neigte zur Bildung von Dampfblasen in den Leitungen und verdunstete in erheblichen Mengen. Bei Bodentemperaturen von 65800 C löste sich die Gummlauflage vom Gewebe der Reifen; Aufbautelle aus Holz, Gumim oder Kunststoff wurden (insbesondere durch die großen Unterschiede zwischen Tagund Nachttemperatur) nissig, brüchig und unbrauchbar.
Der schlimmste Feind der Fahrzeuge waren)edoch der Staub und Sand aus scharfkantigem Quarz: gleitende Teile in Motor, Getriebe, Lichtmaschine usw. wurden zu Tode geschmigelt, Kraftstoff- und Kühlwasserleitungen verstopften, die elektrischen Anlagen bekamen Kn«echströme.
Als vorbeugende Maßnahmen waren in der D 635/50 (Stand 1.10.42) folgende Arbeiten vorgesehen, die grundsätzlich schon in der Heimat durchzuführen waren:
Leinenüberzug über den Ölbadluftfilter bzw. Einbau eines Filzbalizluftfilters; Anbringen von zusätzlichen Dichtungen bzw. Schutzüberzügen am Ölfüllstut2~en, Ölmeßstab, Zylinderkopf, Vergaser, Lichtmaschine, Verteiler, Anlasser, Kraftstoffpumpe, Kupplungsgehäuse, Getriebe, Lenkungs- und Bremsteilen sowie allen Seilzügen; Verschluß aller Schau- und Wartungsöffnungen. Dem Kühlwasser waren Alkor-Tabletten als Schutz vor Kesselsteinbildung und salzhaltigem Wasser zuzusetzen.
Laut o.g. Vorschrift waren »Sonderausrüstung für die Truppen« für folgende Fahrzeuge entwickelt:
1) 1.Pkw Kl Typ 82 (VW-Kübel) 2) 1. Pkw Typ 40 (LE.Pkw)
3) in. Pkw Typ 40 (m.E.Pkw) 4) Steyr 1,5 t Lkw~
5) Opel Typ 6700 A
Nach Firmenunterlagen gab es diese Sonderausrüstung zumindest auch für den schweren Einheits-Pkw und den Ford V 3000 S. Handelsübliche Fahrzeuge mußten von der Truppe provisorisch für den Tropenbetrieb nachgerüstet werden.
[ Editiert von Administrator Balsi am 29-05-2003 18:30 ]

waldi44


29.5.03 20:06:02
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Benzin muss doch raffiniert werden! Wie wird Diesel erzeugt?

Balsi


29.5.03 20:12:54
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Quintus


30.5.03 06:08:39
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Gepostet von Micha77
Der Diesel muss vorgeglüht werden.Deshalb nämlich auch die bekannte Prozedur mit der Lötlampe.

Na, bei Mercedes Benz wird schon seit zwei Generationen (also ab Auslauf des Modells 124) nicht mehr vorgeglüht; die springen auch sofort an.

Micha77


30.5.03 10:43:34
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Da hab ich mich wohl etwas schlecht ausgedrückt.Das mit dem Vorglühen und der Lötlampe bezog sich nämlich auf die Fahrzeuge im Krieg und nicht auf die neue Diesel-Generation.

Gast


6.6.03 17:05:23
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Na da will ich mich bedanken für diese zahlreich geposteten Antworten, insbesondere für die Verordnung und den Referat-Link..THX
SvenSmiley mit Danke-SchildSmiley mit Danke-SchildSmiley mit Danke-Schild

Nightwish


7.6.03 10:09:53
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Ich habe mal wieder nicht alles gelesen!
Aber, die deutschen Panzer im WK II fuhren alle mit Benzin! Jedenfalls die in Serie gefertigten bis zum Panzer VI Tiger.
In 'Blitzkrieg' von Len Deighton wird beschrieben, dass dieser Umstand díe deutschen Unternehmungen in soweit begünstigte, als das die deutschen Fahrzeuge an jeder Tankstelle befüllt werden konnten. Zumindest die westeuropäischen Länder und wohl auch Polen hatten scheinbar schon ein gutes Tanknetz!
Allerdings frage ich mich, ob es an den Tanken damals noch keinen Dieselkraftstoff gab!?
Ein Vorteil von Diesel ist übrigens, das es einen höheren Flammpunkt hat! Das heißt, bei einem Treffer ist das Risiko einer Tankexplosion, oder eines Brandes geringer.
Gruß, Nightwish
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