Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Suche nach Fremdenlegionär

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AutorBeitrag

The Real Blaze


26.10.03 17:44:39
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Im Zusammenhang mit dem vermuteten Einsatz deutscher 2.WK Waffen in Algerien,stieß ich auf einen Beitrag,daß ein Deutscher ein Netz aufgebaut hat,der über die Fremdenlegion,die fleißig in Gefangenenlagern anwarb,4000!! Deutsche wieder zurück in die Heimat lotste.
Kann jemand helfen,wer dieser tapfere Mann war?Leider wurde der Name dieses Mannes nicht erwähnt.
mfg The Real Blaze

The Real Blaze


27.10.03 20:28:23
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So hab selbst Ergebnise mit meinen Recherchen erzielt.Der Deutsche der dieses Netzwerk für desertierte Fremdenlegionäre unterhielt hieß Winfried Müller,alias Si Mustafa und arbeitete mit der FLN zusammen.Deserteure aus der Fremdenlegion,viele wurden auf der Flucht erschossen und gnadenlos gejagt,sogar mit Jagdbombern!,mußten zu nächst den marrokanischen Raum erreichen,wo sie über das deutsche Konsulat in Tanger!!! mit Papieren versorgt wurden und sogar mit einem Flugticket! Hier spielte sogar die Bundesregierung mit,obwohl man zu dieser Zeit die neue Freundschaft zu de Gaulles Frankreich pflegte.
Über diesen Mann gibt es sogar einen deutschen Film "Si Mustafa Müller".Doch schon auf der Seite wo dieser Film erwähnt wurde,erklärte man,daß dieser Mann eine geheimnisvolle Vergangenheit hatte.Was war also da geheimnisvoll?? Nach allen Infos hatte bei den ganzen Schleuseraktionen sogar "Ben Wischnewski" seine Finger mit drin.Vielleicht helfen diese Infos,ob man das Geheimnis lüften kann um diesen Mann?
Achja einer seiner Netzwerkgehilfen war ein gewisser Ullrich Kusserow,ein ehemaliger Zonenflüchtling der sich 1959 entschloß sich der FLN anzuschließen und in Marokko/Algerien operierte.Er hat sogar ein Buch geschrieben: "Flaneur zwischen Orient und Okzident"

mfg The Real Blaze

Erich


27.10.03 21:41:19
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Deutsche in der Fremdenlegion 1870-1965 S.278 - da steht so einiges über den "Rückführungsdienst". Der Müller war früher beim NKFD.

The Real Blaze


27.10.03 22:30:12
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Aha NKFD...Weißt du mehr wie er da hin kam?Da muß er ja auch den Ullbricht getroffen haben:D
Da fragt man sich doch,wie er in diesen Verein reinkam und wo es geheimnisvoll wird.Es gab ja immer zweierlei Möglichkeiten.Einmal als emigrierter Politverfolgter aus kommunistischer Ecke oder... er hatte eine Wehrmachtsvergangenheit und desertierte irgendwann.Verdammt,aber was soll da so geheimnisvoll sein?Ist ja wie ein KrimiSmiley mit verdrehten Augen Vielleicht hat er auch Dreck am Stecken und hatte eine NS vergangenheit ,aber hatte irgendwann eine innere Kehrtwende vollzogen?
Lebt der eigentlich noch?*rumgrübel*
mfg The Real Blaze

Erich


28.10.03 13:28:35
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Also, etwas geheimnisvolles steht hier nicht drinnen.
Si Mustapha alias Winfried Müller war in seiner Jugend ein Gegner der Nazis. Im Rahmen des NKFD hat er versucht Wehrmachtssoldaten an der Ostfront zum Frontwechsel zu bewegen. Nach dem Krieg ist er mit der Gruppe rund um Ulbricht nach Deutschland zurückgekehrt. Bald wurde er als Dissident aus der SED ausgeschlossen und irrte einige Jahre orientierungslos durch Deutschland. Im Februar 1951 versuchte er vergeblich in die Fremdenlegion einzutreten. 1955 hat er in Paris mit der FLN Kontakte geknüpft. Mit der Unabhängigkeit Marokkos 1956 nahm sein "Rückführungsdienst für Fremdenlegionäre" in Tetuan seine Arbeit auf. Der franz. Geheimdienst versuchte mehrfach durch Attentate, ihn zu beseitigen.
1959 wurde die Aktivität des Rückführungsdienstes auch einem größeren Publikum bekannt. Mit Unterstützung der SPD absolvierte Si Mustapha 2x eine Vortragsreise quer durch die BRD. "Der Spiegel" berichtete natürlich darüber. Seinen Angaben nach hat er 2814 Soldaten zur Desertion veranlaßt und über Marokko zurückgeführt, darunter 1952 Deutsche. Das war aber anscheinend übertrieben. Die Legion hatte in Algerien ca. 3400 Deserteure zu verzeichnen. Die meisten gingen aber nicht auf das Konto der FLN-Propaganda.
Von Juli 1957 - Anfang 1960 hatte das Auswärtige Amt in Tetuan eine Außenstelle des Konsulats in Casablanca. Die Caritas hat sich mit einer "Eingliederungshilfe" in Offenburg beteiligt. Das war's.
Das gleiche gab's in Indochina. Der Viet Minh hatte dort den "Dich Van" unter der Führung von Erwin Borchers und Dr. Schröder. Die DDR hat dort mitgemischt.

The Real Blaze


28.10.03 16:17:52
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Oha danke Erich,vielleicht eines noch: Ist er ein Politemigrant gewesen,ähnlich wie Honecker oder ein Überläufer aus der Wehrmacht?
mfg The Real Blaze

The Real Blaze


28.10.03 16:21:50
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Ach noch was vergessen zu erwähnen: Das ist ja echt widersprüchlich. Erst will er in die Fremdenlegion rein und als er nichts darf arbeitet er gegen sie.Das klingt eher nach einer privaten Rachemission,als irgend so eine idealistische Kiste.
Ach ja welcher Art von Attentate waren den das? Hinterhalte oder ein bezahlter Doppelagent?
mfg The Real Blaze

Erich


28.10.03 18:16:32
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So genau steht da nicht drinnen. Wie er zum NKFD kam und was für Attentate - keine Ahnung. Eins steht fest - wegen seiner kommunistischen Vergangenheit konnte er nicht in die Fremdenlegion. Das war wahrscheinlich der Grund für seine spätere "Rache" :bgdev:

The Real Blaze


28.10.03 20:54:18
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Also irgendwie glaub ich er tickte nicht richtig.Wahrscheinlich wäre er der einzige Kommunist in der Fremdenlegion gewesen.Und wenn er so gerne in die Legion eingetreten wäre,hätte es nun weiß Gott kein Bekenntnis zu Marx und Lenin bedurft:D Oder dachte er die Legion,war für "kommunistische Abenteurer" offen? Das ist so extrem widersprüchlich,daß ich jetzt schon glauben muß,daß das sogenannte "Geheimnis seiner Vergangenheit" auf seiner Dummheit beruht.Oder milder ausgedrückt auf seinen exentrischen Charakter.Er eckte wohl überall an und kam mit niemanden klar,daß er irgendwann in einem ebenfalls abenteuerlichen Verein die FLN landete.Das seine Rache eine Rückführung desertierter Legionäre war,muß man wohl jetzt nicht mehr als "christliche Nächstenliebe" einordnen:Da war er nur ein rachsüchtiger Querulant der zufällig etwas gutes tat.Wahrscheinlich bleibt sein wirklicher Werdegang bis heute begraben.Wie man weiß waren Leute die im NKWD wirkten außerhalb der DDR sowieso nur ein rotes Tuch.
Als er nirgendwo Fuß fassen konnte,wendete er sich "vertrauensvoll" an die Legion,so als letzten Rettungsanker.Als auch das nicht klappte bekam er sowas wie einen rachsüchtigen Tunnelblick,der nur ein Ziel hatte die Legion zu schädigen wo er nur konnte.Als NKWD Aktivist konnte er da seine Erfahrungen geschickt ausspielen und hatte deshalb auch angemeßenen Erfolg.
Jetzt fehlt eigentlich nur das ich irgendwo diesen Film sehen könnte,nur um zu sehen,daß ich richtig liege:D
mfg The Real Blaze

Erich


28.10.03 21:26:33
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Ich meinte natürlich Nationalkomitee Freies Deutschland, nicht das russ. NKWD.

The Real Blaze


28.10.03 22:00:32
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Da hab ich dich schon richtig verstanden:D.
mfg The Real Blaze
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