Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Hinrichtungen in der DDR (Bez. Pirna)

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AutorBeitrag

hec801


9.12.05 12:09:18
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Noch was:

Ich suche Informationen zu jemandem, der nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft in der SBZ oder schon DDR inhaftiert und dann in Pirna hingerichtet wurde!

Es handelt sich um einen höheren Wehrmachtsbeamten.

Wo bekomme ich dazu Auskunft!?

Gruss und Danke

Hannes

JanHendrik


9.12.05 12:37:04
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Würde mal sagen BA / Stelle Berlin-Lichterfelde , die haben des offizlle DDR-Aktenmaterial ...


Jan-Hendrik

Niwre


9.12.05 12:43:41
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In Pirna? Wurden die nicht nach Dresden gebracht und hier hingerichtet?

hec801


9.12.05 12:46:06
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Nee,

mir wurde gesagt in Pirna! Habe allerdings nur Nachnamen (dafür relativ selten) und Dienstgrad! Anklage ist ja klar.

Gruss

Hannes

Niwre


9.12.05 12:55:20
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Kannst ja mal beim Amtsgericht nachfragen. Die muessen ja wissen, wo die ihre Akten einlagern. BA hat von den hoeheren Gerichten die Akten, aber von jedem Pipiamtsgericht?

JanHendrik


9.12.05 13:12:47
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Naja , n Todesurteil war wohl kein 08/15 Urteil , also wird dort mit Sicherheit von höherer Stelle entsprechende "Instruierung" vorhanden gewesen sein ;)


Jan-Hendrik

Niwre


9.12.05 13:27:51
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Darum hatte ich ja auch nachgefragt, weil selbst die Euthanasie-Prozesse zu Pirna-Sonnenstein in Dresden stattfanden (~'47 auch Todesurteile).

hec801


9.12.05 14:46:41
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Ich hatte gedacht, dass es da vielleicht auch eine zentrale Stelle für gibt, ich meine die Hinrichtungen in der DDR sind ja viel diskutiert...

Gruss

Hannes

PS: Macht es einen Unterschied, wenn es ein Prozess wegen Kriegsverbrechen war? So zumindest meine Info!

Liege ich richtig mit der Annahme, dass er dann wahrscheinlich vorher in westalliierter KG war, da er sonst ja schon von den Sowjets verurteilt worden wäre. Oder gab es auch häufig Fälle, in denen die Sowjets nichts unternommen haben und dann die DDR-Behörden erst tätig wurden!

[ Editiert von hec801 am 09.12.05 14:48 ]

hec801


9.12.05 14:49:34
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PPS: Gibt es ne Internetseite, die die Hinrichtungen in der DDR auflistet?

Sorry der vielen Fragen, aber einfach gar nicht mein Gebiet.

Gruss und Danke

Hannes

hec801


9.12.05 14:56:34
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Bei Wiki gibt es das, leider keine genaueren Infos:

In der SBZ gab es von 1945 bis zur Staatsgründung (1949) 121 Todesurteile durch deutsche Behörden, von denen 47 vollstreckt wurden. In einem weiteren Fall ist die Vollstreckung noch nicht geklärt. Seit der Staatsgründung gab es 227 rechtskräftige Todesurteile, davon wurden 166 vollstreckt.

Wie viele Todesurteile in den 40er und 50er Jahren von der sowjetischen Besatzungsmacht gefällt und durch Erschießen vollstreckt wurden, ist unbekannt. Man schätzt, dass es einige Hundert Fälle waren. Zwischen 1947 und Januar 1950 war die Todesstrafe in der UdSSR jedoch abgeschafft, so dass in diesen Jahren erlassene Todesurteile auch in der SBZ in lebenslängliche oder 25-jährige Haft umgewandelt wurden.

In der DDR konnte die Todesstrafe bei Mord und Kriegsverbrechen, aber auch bei Spionage, Sabotage und sogenannten „konterrevolutionären Verbrechen“ verhängt werden. Durchgeführt wurde sie zunächst als Enthauptung mit der Guillotine, ab 1966 durch einen „unerwarteten Nahschuss“ in das Genick.

Bis 1960 fanden die Hinrichtungen zum überwiegenden Teil in Dresden, aber auch im Zuchthaus Brandenburg und in Frankfurt/Oder statt. Das Dresdener Fallbeil war im Dritten Reich im Innenhof des Landgerichts am Münchner Platz zum Einsatz gekommen, dann kurz vor Kriegsende in einem vollgelaufenen Steinbruch in der Nähe von Kamenz in der Westlausitz versenkt, nach Kriegsende geborgen und wieder hergerichtet worden. Bis 1956 wurden dort Hinrichtungen vorgenommen, ab 1957 übernahm die TU Dresden das Gebäude. Heute steht dort eine Gedenkstätte, die auf die Hinrichtungen hinweist. Seit 1960 fanden alle Hinrichtungen zentral in Leipzig im Gefängnis in der Alfred-Kästner-Straße statt.


Hannes

Felix S


9.12.05 22:47:27
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Hallo Hannes,

Wenn Du Zeit hast, könntest Du hier mal graben:

Verfahren und Urteile

Eine Übersicht der westdeutschen UND ostdeutschen Verfahren.

Gruß.

[ Editiert von Felix S am 09.12.05 22:48 ]

bani


9.12.05 23:17:41
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Hier noch einige allgemeine Info's zum Verbleib der Stafakten:

Urteile wegen Kriegsverbrechen in der BRD u. d. DDR

hec801


12.12.05 23:38:43
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Hallo Ihr beiden,

leider hatte ich in den letzten Tagen etwas wenig Zeit...

Soweit mir nun wiederum mitgeteilt wurde, muss die Hinrichtung bereits vor der Gründung durchgeführt worden sein! Also in der SBZ.

Der Mann hiess Herzog und war Oberkriegsgerichtsrat!

Nun wird das ganz schwerer, oder!? Gibt es für diese Zeit möglicherweise vielleicht auch eine zumindest teilweise Zusammenstellung?

Gruss und Danke

Hannes

Niwre


13.12.05 11:56:57
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Gepostet von hec801
Bei Wiki gibt es das, leider keine genaueren Infos:

In der SBZ gab es von 1945 bis zur Staatsgründung (1949) 121 Todesurteile durch deutsche Behörden, von denen 47 vollstreckt wurden. In einem weiteren Fall ist die Vollstreckung noch nicht geklärt. Seit der Staatsgründung gab es 227 rechtskräftige Todesurteile, davon wurden 166 vollstreckt.

Naja, aber mMn. liegt die Betonung auf: "durch deutsche Behörden". Die Sowj. duerfte hier auch Urteile vollstreckt haben, siehe auch:


Von 1945 bis 1947 wurden nach unvollständigen Angaben 756 und von 1950 bis 1954 noch einmal über 250 Hinrichtungen vollzogen, davon allein 18 im Zusammenhang mit dem 17. Juni 1953. Die Exekution geschah durch Erschießen in Militärgefängnissen in Berlin- Lichtenberg, Potsdam, Frankfurt/Oder und anderen Orten. Viele Todeskandidaten wurden zur Urteilsvollstreckung in die UdSSR gebracht. Anfangs erfasste die Anklage Naziaktivisten und Kriegsverbrecher entsprechend dem Kontrollratsgesetz Nr. 10; bald auch Handlungen gegen die Besatzungsmacht, kriminelle Vergehen, Spionage und »konterrevolutionäre Verbrechen«, auch nach sowjetischem Strafrecht.


Waere also erstmal zu klaeren, wer ihn verurteilt hat. Gerald Endres ist glaube ich zu den DDR-Faellen relativ gut informiert. Vlt. solltest Du ihn mal im Usenet (de.sci.geschichte) fragen.

Ronny22


13.12.05 12:03:20
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Ist etwas über das Fallbeil des Zuchthauses Frankfurt/Oder bekannt???

Also wo es ursprünglich herkam und was dann nach 1966 damit passierte???

Hab nur das gefunden...

Mit dem Spitznamen "Bomme" ist sowohl der Name des 'Helden' als auch ein Rätsel gegeben, denn Franz (nicht Gustav, R.D.) Redzinski wurde im Prozeß nicht zum Tode, sondern nur zu lebenslangem Zuchthaus und Verlust der bürgerlichen Ehrenrechte verurteilt, zum Tode dagegen Werner Gladow, der am 10. Dezember 1950 in Frankfurt/Oder durch das Handbeil hingerichtet wird. Sowohl dieses Handbeil wie das Fallbeil der [...]" bringen den "Scharfrichtergehilfen" Gustav Völpel ("Scharfrichter-Hannes" war sein Spitzname, R.D.) ins Spiel, der zwischen 1946 und 1948 in West- und Ostberlin, sowie in Mitteldeutschland zahlreiche Hinrichtungen vollzogen hatte, mit dem Handbeil dort, mit dem Fallbeil hier. Beim Schwurgerichtsprozeß in der Linienstraße fehlte er allerdings als Angeklagter, denn die Westberliner Polizei hatte ihn "bei einer separaten Einbrechertour" (DER SPIEGEL, S. 8) im April 1949 verhaftet. 1950 von der 5. Großen Strafkammer in Westberlin zu 7 Jahren Zuchthaus verurteilt, starb er 1959, verarmt, eines natürlichen Todes.


In der DDR wurde demnach sogar mit dem Handbeil gerichtet, wie im Mittelalter??? am Kopf kratzender Smiley :eek:
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