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Tarnkleidung II, die etwas andere Tarnkleidung!

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AutorBeitrag

waldi44


3.6.2006 17:35:54
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Nanu? Noch ein Thread mit dem Titel "Tarnkleidung"?

Der Begriff "Tarnkleidung" wurde nämlich bei der Wehrmacht  auch für andere Uniformstücke als die gefleckten, gestreiften oder gepunkteten deutschen Uniformen verwendet.
Als Tarnkleidung galten gegnerische Uniformen! Es gab dann auch noch den Begriff der "Halbtarnung". Der besagte, dass man sich in Tarnuniform, also gegnerischer, soweit dem feindlichen Ziel näherte, bis man auf Kampfentfernung war.
Dann warf man die Tarnkleidung ab und eröffnete den Kampf in der eigenen Uniform.
(Kennt man aus ettlichen Seeräuberfilmen !)
Diese Art der Annäherung an den jeweiligen Feind wurde später sogar von den Alliierten bei diversen Kriegsverbrecherprozessen, so auch gegen Skorzeny 1947, als "Kriegslist" nach Artikel 24 der Landkriegsordnung anerkannt und nicht wie in  Artikel 23f. angeführt, als "Missbrauch" der gegnerischen Uniform.
Desweiteren kam den 9 Angeklagten im Prozess 1947 in Dachau( mit Skozeny), zugute, dass Artikel 31 Haager Landkriegsordnung bestimmte, dass zum eigenen Heer zurückgekehrte Spione (auch in "Tarnuniformen" (steht natürlich so nicht da)), nach ihrer Gefangenenahme nicht wegen ihrer Spionagetätigkeit verurteilt werden dürfen.
Dabei handelt es sich natürlich nur um Soldaten und nicht irgendwelchen anderen Spionen.
Anders verhielt es sich mit den 13 bei der Ardennenoffensive gefangengenommenen Angehörigen der Panzerbrigade 150 z.b.V.. Sie galten als auf frischer Tat ertappte Spione nach Artikel 30 der Haager Landkriegsordnung und Schuldig im Sinne von Artikel 23f (Missbrauch der gegnerischen Uniform). Sie wurden zum Tode verurteilt und erschossen.

Nach Artikel 24 besagter Kriegsordnung sind Kriegslisten ausdrücklich erlaubt und auch die dazu notwendigen Mittel sich Nachrichten über den Gegner und das Gelände zu verschaffen. Was "notwendig" ist, liegt im Ermessen des Ausführenden. Ob aber diese "notwendigen" Mittel später von eventuellen Richtern auch als "notwendig" beurteilt werden, steht auf einem anderen Blatt.
Im Fall des besagten Prozessen sahen es die Richter ebenso wie der Angeklagte, der bei einer halbgetarnten Annäherung einen GI erschoss, als er sich entdeckt wähnte. Anschliessend kehrte er hinter die eigenen Linien zurück und geriet dort später in Gefangenschaft.
Das Gericht sah die Tat als eine Art "Notwehr".
Gefragt, wie er in solch einer Situation gehandelt hätte, antwortete ein britischer Offizier:"Bump off the other guy!".

Richtschuetze


4.6.2006 13:21:06
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Sie galten als auf frischer Tat ertappte Spione nach Artikel 30 der Haager Landkriegsordnung und Schuldig im Sinne von Artikel 23f (Missbrauch der gegnerischen Uniform). Sie wurden zum Tode verurteilt und erschosse

das war mit sicherheit ein Verbrechen da bekannt war das die Alliierten genauso verfahren haben!Das hat zumindetens nach dem Krieg Skorzeny den "Kopf"gerettet!

Gruss

P.S allerdings wie war das bei Sabotage Aktionen(zb in Norwegen)hat da nicht Hitler persönlich angeordnet diese zu erschiessen?Aber diese trugen auch Ihre Uniform nicht unter der ersten Kleidung wie Skorzenys Leute!!!

Mastercloser


4.6.2006 13:59:35
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Richtschuetze schrieb:

Sie galten als auf frischer Tat ertappte Spione nach Artikel 30 der Haager Landkriegsordnung und Schuldig im Sinne von Artikel 23f (Missbrauch der gegnerischen Uniform). Sie wurden zum Tode verurteilt und erschosse

das war mit sicherheit ein Verbrechen da bekannt war das die Alliierten genauso verfahren haben!Das hat zumindetens nach dem Krieg Skorzeny den "Kopf"gerettet!

Schrieb Waldi nicht:


Desweiteren kam den 9 Angeklagten im Prozess 1947 in Dachau( mit Skozeny), zugute, dass Artikel 31 Haager Landkriegsordnung bestimmte, dass zum eigenen Heer zurückgekehrte Spione (auch in "Tarnuniformen" (steht natürlich so nicht da)), nach ihrer Gefangenenahme nicht wegen ihrer Spionagetätigkeit verurteilt werden dürfen.

Also, m.E. lag der Unterschied darin, das die 13 gefangenen Angehörigen der Panzerbrigade 150 z.b.V. das "Pech" hatten, eben nicht zum eigenen Stützpunkt zurückkehren zu können. In diesem Fall wären Sie straffrei ausgegangen.

Oder haue ich da jetzt was durcheinander?

Richtschuetze


4.6.2006 15:09:32
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das "Pech" hatten, eben nicht zum eigenen Stützpunkt zurückkehren zu können. In diesem Fall wären Sie straffrei ausgegangen.

ja aber sie hätten doch die "richtige"Uniform unter dem "Tarnkleid"an!Und sobald sie enttarnt wurde sollten sie diese ablegen!Nun gut das wird nicht immer so schnell gehen!
Deshalb meinte ich auch diese hätte man nicht erschiessen dürfen!Aber ich denke die Wehrmacht wird nicht anders gehandelt haben!

Gruss

waldi44


4.6.2006 18:20:40
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Nein! Die 13 trugen ausschliesslich amerikanisch Uniformen - zumindest habe ich das so verstanden und nirgendwo was anderes dazu gelesen. Sie sollten sich ja nicht getarnt an ein Objekt annähern, sondern allgemeine Diversionstätigkeit betreiben. Desinformation oder Tötung gegnerischer Soldaten OHNE sich zu Erkennen zu geben.

Richtschuetze


4.6.2006 19:14:19
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Die 13 trugen ausschliesslich amerikanisch Uniformen - zumindest habe ich das so verstanden und nirgendwo


also ich meine gelesen zu haben das Skozeny ausgesagt hat(nach dem Krieg)alle hatten unter den US Uniformen die deutschen darunter und bei Aufdeckung des "Schwindels"haben diese die US Uniformen abzulegen!(ist natürlich nicht immer so schnell machbar!)

Daher wurde das erschiessem dieser Soldaten auch von deutscher Seite(nach dem Krieg)als Verbrechen angesehen!


Gruss

P.S mein Patenonkel(12SS PD)erzählte das Jahre später!

AK 74 ZF


4.6.2006 20:47:06
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Ob nun Halb-/Volltarnung oder (Räuber)Zivil... beides sowohl von dt. Seite als auch von allen Allierten angewandt. Die Kdo-Soldaten wußten was sie für Risiko eingingen und daß sie i.d.R. damit gegen allgemein übliche Kriegsgesetze/Regeln der Kriegsführung verstießen. Und sie wußten auch was ihnen dafür i.d.R. blüht. .... Alles andere ist dummes rumgeseier.

Daß olle Otto und auch viele Brandenburger im Nachherein davongekommen sind lag wohl eher daran, daß man sie inzwischen wieder brauchte als daß die (West)Allierten dafür Verständnis hatten, weil sie selbst oft genug so in den Einsatz rückten.

Übrigens ... trotz Brandenburger ... dt. Offz. waren von Kdo-Einsätzen in feindlicher Uniform bzw. Pullover+Rollmützen negativ begeistert und konsterniert/empört. Der Einsatz des engl. Kdos gegen Rommel löste völlige Entrüstung/Empörung, ob der Verwahrlosung der (Kriegs)Sitten, aus. ... Deshalb wurde teilweise auch dem "Kommandobefehl", in Linieneinheiten,  relativ selten offen widersprochen.

Übrigens ... auch heute wird, trotz Skorzenys Freispruch, ein Einsatz in der Uniform des Gegners von diesem streng geahndet.
Auch wenn es alle machen ... ist es ja dadurch nicht "legalisiert". ... Und der Kommandosoldat weiß daß er für den Gegner als "Spion" bzw. "Verbrecher" gilt. -> Normalerweise (so er nicht, auf Grund Infos/Wissen, als wertvoller Gefangener gilt) -> "Kurzer Prozeß !"  ... Wer denkt daß da anders verfahren wird ... soll weiterträumen.

AK 74 ZF

Erichx


5.6.2006 12:33:02
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Nicht alle geschnappten waren bei der "Panzerbrigade 150", sondern kammen von der "Einheit Stielau" - laut Piekalkiewicz (Spione, Agenten, Soldaten). z.B. die 3 standrechtlich erschossenen in Henri-Chapelle.
http://www.pegatiros.com/images/reportajes/2a_guerra_mundial/Foto8.jpg
Während des Angriffs auf Holland oder Belgien waren irgendwelche Spezis angeblich als Nonnen verkleidet

AK 74 ZF


6.6.2006 17:17:51
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Das mit den Nonnen ist wohl ebenso krüde Propaganda wie die dt. Fallschimspringer, welche angeblich als Fahrradfahrende Priester verkleidet absprangen und Spezialschuhe mit Federn tragen sollten.

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