Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Was genau war der Lebensborn?

zurück zur Themenübersicht
AutorBeitrag

Timm


7.11.04 10:33:21
Direktverweis
Immer wieder geistern halb-oder Unwahrheiten über den sogenannten Lebensborn durch die Literatur.
Was war es denn nun genau.?

Ein kürzlich verstorbener hochrangiger SS-General hat mir hierzu folgendes erzählt:

Junge Frauen konnten dort alles über Haushalt und Babypflege lernen.Seine eigene Frau war dort.

Ausserdem konnten Frauen die unehelich Schwanger wurden dort ihre Kinder abgeben um eine Abtreibung zu verhindern.
SS Angehörige konnten diese dann adoptieren.

Das mit den Zuchtanstalten für Arier ist wohl völliger Blödsinn. Wird aber von der heutigen Medienlandschaft gerne so hingestellt.

Was meint/wißt ihr zu dem Thema?

Timowr


7.11.04 11:08:55
Direktverweis
Lebensborn e.V.
von R. Abe
Der uralte Menschheitstraum, den "Übermenschen" erschaffen, ist mit Hilfe der Gentechnik heute näher gerückt. Eine "arische Elite", die sogenannten "Herrenmenschen" wollten auch die Nationalsozialisten im 3. Reich "herstellen". Die Geheimsache Lebensborn, ein Lieblingsprojekt Heinrich Himmlers, Reichsführer SS, waren Geburtshäuser und Kinderheime. Das erste Heim entstand 1935 in Steinhöring, unter dem Decknamen "Heim Hochland", bei München. Nach und nach wurden weitere Heime gegründet, über Deutschland und die Nachbarländer verteilt, bis nach Skandinavien. Die Gebäude waren Enteignungen aus jüdischem Besitz oder Schenkungen von treuen NSDAP-Mitgliedern.

Eine Frau, ob verheiratet oder alleinstehend musste neben der arischen Herkunft, mindestens bis zu den Großeltern, bestimmte Rassekriterien erfüllen (z. B. groß, blauäugig) und diese bei der Verwaltung des Lebensborn e. V., in der Herzog-Max-Straße in München, auf sogenannten RS-Fragebögen nachweisen. Auch der Vater des Kindes musste, meist Angehöriger der SS, solche Nachweise bringen. Diese Angaben hielt der Lebensborn vor anderen staatlichen Behörden geheim. Bei einer Zusage konnte die Frau inkognito, auf Wunsch auch weit weg vom Heimatort, die gesamte Schwangerschaft bis einige Wochen nach der Geburt des Kindes in einem Lebensbornheim verbringen. Manche Mütter arbeiteten danach im Lebensbornheim, um in der Nähe ihres Kindes zu sein, hatten aber auch die Möglichkeit das Kind tagsüber zur Betreuung dort zu lassen oder es in Pflege oder zur Adoption frei zu geben. Ob verheiratet oder alleinstehend, den Müttern ging es in den Lebensbornheime auch unterm Krieg vergleichsweise gut. Ein- oder Zweibettzimmer, Vollwertkost. Stillen war oberstes Gebot. Neugeborene wurden, in einer Mischung aus germanisch, nationalsozialistischem und pseudochristlichem Ritual, durch Dolchauflegung unter der Hakenkreuzfahne getauft. Als Taufgeschenk ein Kerzenleuchter, von KZ-Häftlingen in Dachau gefertigt. Konnte das Paar nicht heiraten, übernahm der Lebensborn e. V. die Vormundschaft des Kindes.

Die Geburtenrate stieg zwar, aber der begonnene Krieg "fraß seine Kinder" und die "arische Elite" wuchs nur mäßig. So griff Himmler zu drastischeren Mitteln und befahl seinen Soldaten jedes "arisch" aussehende Kind zur "Eindeutschung" in den besetzten Ländern, wie Polen, Frankreich, Jugoslawien "mitzunehmen". Sie entführten blonde, blauäugige Kinder einfach von der Straße weg oder nahmen sie den Eltern, unter falschen Versprechungen, weg. In den Nachkriegswirren, im "kalten Krieg" fanden die wenigsten Eltern ihre Kinder wieder. Sie gingen als Kleinkind, wurden vom Lebensborn an verschiedenen Pflegestellen vermittelt, adoptiert und konnten sich später kaum noch an ihre richtigen Eltern erinnern. Ein entführtes Kind, bekam einen neuen Namen, musste unter Strafe nur noch deutsch sprechen, wurde vermessen und in "arische Klassen" eingestuft. Wichtigstes Kriterium war die Distanz zwischen Stirn und Hinterkopf. Diese sogenannte "Arier-tabellen" entschieden über das Schicksal des Kindes. Oberste Klasse: Adoption durch eine SS- Familie, unterste Klasse Abschiebung in ein KZ. Die Ausnahme waren Norwegerkinder, die Himmler als direkte Nachfahren der Wikinger ansah, und deshalb die deutschen Soldaten bei der Besetzung Norwegens aufforderte, möglichst viele Affären mit Norwegerinnen einzugehen. Die eigenen Landleute misshandelten diese Norwegerinnen, die ein Kind mit einem Deutschen hatten, als "Deutschenhuren".

Finanziert wurde der Lebensborn von dem Gehalt der SS-Soldaten. Kinderlose hatten die höchste Abgabe zu machen, ab vier Kindern, ehelich oder unehelich, wurden sie vom Beitrag befreit. Schon aus diesem Grund gingen die SS-Angehörige ihrer "völkischen Verpflichtung" nach, möglichst viel Nachwuchs zu zeugen.

In deutschen Lebensbornheimen wurden bis Kriegsende 8000 Kinder geboren, in Norwegen 12000. In Steinhöring, wo alles begann, endete auch der Lebensborn. Die Lebensbornangestellten verbrannten die Originalpapiere und ließen die aus allen Lebensbornheimen evakuierten und nach Steinhöring gebrachten Kinder zurück, als die amerikanischen Truppen anrückten. Von vielen Kindern konnte die Identität nicht geklärt werden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde das Kinderheim weitergeführt. Der Leiter, der Arzt Gregor Ebner, unter der Naziherrschaft verantwortlich für die "Eindeutschung" entführter Kinder und die Ermordung behinderter Kinder, wurde am 10. März 1948 bei den Nürnberger Prozessen zu zwei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Er starb 1974. Heute ist der Verwaltungssitz des Lebensbornvereines in München ein großes Kaufhaus und anstelle des Kinderheimes in Steinhöring befindet sich eine Behindertenwohnanlage. Die große Steinfigur eines Nazikünstlers "Mutter stillt ihr Kind", die im Garten unter Buchen versteckt, steht, erinnert noch an den Lebensborn. Viele Lebensborn-Kinder suchen noch heute nach den Wurzeln ihrer Herkunft.

Autor: R. Abe



Literatur
Albrecht, Jörg:"Rohstoff für Übermenschen", Artikel in Zeit-Punkte 3/2001 zum Thema Biomedizin, S. 16-18

Benz, W.; Graml, H.; Weiß, H.(1997):Enzyklopädie des Nationalsozialismus, Digitale Bibliothek, CD-Rom, Band 25, Directmedia GmbH, Berlin.

Clay, Catrine / Michael Leapman: "Herrenmenschen", Das Lebensborn-Experiment der Nazis, Heyne-TB 1997.

Georg Lilienthal "Der Lebensborn e. V.", Fischer Verlag 1993, vergriffen

Heidenreich, Gisela: Das endlose Jahr. Die langsame Entdeckung der eigenen Biographie - ein Lebensbornschicksal.2002.

Lilienthal, Georg : Der Lebensborn e.V. Ein Instrument nationalsozialistischer Rassenpolitik. Frankfurt/M 2003.

Schmitz-Köster, Dorothee: "Deutsche Mutter bist du bereit", Alltag im Lebensborn, Aufbau-Verlag 2002.

Olsen, Kare: Vater: Deutscher. Das Schicksal der norwegischen Lebensbornkinder und ihrer Mütter von 1940 bis heute. München 2002

Timm


7.11.04 11:43:35
Direktverweis
Danke für die ausführliche Antwort.

Man kann also ausschließen, daß sich blonde, blauäugige Fauen SS-Männern hingeben MUSSTEN, richtig?
Denn diesen Eindruck gewinnt man wenn man irgendetwas über den Lebensborn hört.

waldi44


7.11.04 13:17:33
Direktverweis
Das ist das ewige wollüstige Schaudern mancher "Lustmolche", in deren Phantasie sich blonde, blauäugige Herrenmenschen mit ebensolchen Frauen der Herrenrasse oder unterworfener Völker sexuell verlustierten:dito:!
Verruchter Sex nackter Hinternund GewaltSmiley mit Hammer auf dem Kopf und dann die Enttäuschung der RealitätSmiley mit Erleuchtung...
Hier hatten wir das Thema Lebensborn auch schon mal:

bani


7.11.04 15:32:22
Direktverweis
Gepostet von Timowr
Lebensborn e.V.
von R. Abe
...

Finanziert wurde der Lebensborn von dem Gehalt der SS-Soldaten. Kinderlose hatten die höchste Abgabe zu machen, ab vier Kindern, ehelich oder unehelich, wurden sie vom Beitrag befreit. ...



Hm, interessant.
Betraf das nun JEDEN SS-Mann - oder nur jene, die Mitglied im Lebensborn waren?
In den alten DAL aus den 30iger Jahren gab es ja noch eine extra Spalte für die Mitgliedschaft im Lebensborn.
Und das waren bei weitem nicht alle.

RedEstrella


6.12.04 23:06:21
Direktverweis
Hier sieht man mal den ganzen Wahnsinn und die Idiotie der Nazi-Ideologie ! Medizinisch gesehen gibt es keine "arischen Menschen" - es bringt mich zum Schaudern, zu was Menschen fähig sind. Vor allem, da vor dem 3. Reich Deutschland für seine Kunst, seine Dichter und seine Kultur bekannt war.
Ich finde es erschreckend dass nach wie vor Menschen diese absurden Idee vom arischen Menschen faszinierend finden.
Im Falle Deutschlands wirkt sie lächerlich. Kein Volk, abgesehen von den Amerikanern ist so vermischt wie die Deutschen. Einflüsse aus Italien, dem Osten, Westen und den Norden. Ich denke ein Blick ins Telefonbuch genügt da schon. Ich kann kaum glauben dass die Nazi-Chefidiologen den Mist, den sie von sich gegeben haben, tatsächlich geglaubt haben...

Tigerking


6.12.04 23:12:19
Direktverweis
Einige haben es wirklich geglaubt. Für die anderen war es nur Mittel zum Zweck! Aber es ist nun einmal passiert und wir werden noch lange dafür an den Pranger gestellt, auch wenn die damalige Generation am Aussterben ist.

Wilddieb


7.12.04 12:05:20
Direktverweis
Hier ein Beitrag zur künstlerischen Aufarbeitung des Themas - Mehr oder weniger...

ZensiertWeilZuBloed


7.12.04 12:07:59
Direktverweis
klatschender Smiley Ich dachte es gäbe keine Sachsenwaldfilme mehr!

Petronelli


7.12.04 14:04:30
Direktverweis
Doch! Die Nazi-Chef-idiotie-logen haben daran geglaubt, Hitler eher nicht unbedingt, es gibt da gewisse Andeutungen von ihm, dass es ihm nur darum ging die Leut an Ihn zu binden um sie steuerbar zu machen und die Ideologie war der Rahmen der Rassengemeinschaft, es kam ihm recht! Gemeinsamkeit macht stark! Und die Welt wird einfacher!
Da die guten starken und dort die minderwertigen!
Wegen dieser halbwissenschaftlichen Theorien (es wurde ja regelrecht geforscht deswegen) wurde das alles auch recht glaubwürdig!
Allerdings forschen heute andere Länder durchaus an ethnischen Bomben und anhand der Überlegung muss es Unterschiede in genetischen Abdrücken geben! Es hat sich nicht viel geändert, nur die Uniform!
Aber für viele Länder, auch westliche, sind andere Völker immernoch Untermenschen.....leider!
Gruß
Peter

ZensiertWeilZuBloed


7.12.04 14:18:31
Direktverweis
Allerdings forschen heute andere Länder durchaus an ethnischen Bomben


Was sind "Ethnische Bomben" ?

[ Editiert von ZensiertWeilZuBloed am 07.12.04 14:18 ]

Petronelli


7.12.04 14:31:45
Direktverweis
Hi,
das sind Waffen biologischer oder chemischer Art, die es ermöglichen die genetischen Schwachpunkte anzugreifen!
Das ist kein Witz, daran wird gearbeitet!
Wenn man es also schafft eine gemeinsame Eigenheit einer Rasse oder einer Familie ausfindig zu machen und dort extra "geschneiderte" Gifte oder Viren ansetzt, ist es aus! Aber eben nur die Menschen mit den entsprechenden Schwachpunkten erwischt es!
Einfaches Beispiel: Arsen wird von Schafen super vertragen Katzen verrecken bei der Einnahme von Aspirin!
Es gibt ja auch tierrassenspezifische Krankheiten!
Würde man diese Mechanismen verfeinern bzw. spezialieren, wäre so eine Waffe eben möglich und die Wirkung begrenzter nur auf ausgewählte Teile der Population anwendbar! Gifte ließen sich gezielt synthetisieren!
Wollen wir nur hoffen, dass wir alle so vermixt sind, dass das nie möglich wird!
Gruß
Peter

ZensiertWeilZuBloed


7.12.04 14:40:20
Direktverweis
Ach soo... Naja, das haben die weissen Siedler bereits in Amerika mit den Indianern gemacht. Um Ärger vorzubeugen, verkaufte man den Indianern zuvor Wäsche und Decken die von Kranken benutzt wurden, meist einfach nur Grippe, was für einen Europäer kein Problem darstellt aber die Indianer hatten nicht die passenden Abwehrkräfte, so löste sich das "Problem" nach einigen Wochen von selbst, Bio-Waffen eben! Smiley mit dagegen-Schild

Edit: Das Bild von dieser SS Frau errinert mich an Erika Steinbach, das Bild das in der Polnischen Zeitschrift "Wprost" gedruckt wurde! :D

[ Editiert von ZensiertWeilZuBloed am 07.12.04 14:42 ]

waldi44


7.12.04 14:55:36
Direktverweis
Berichtigt mich mal, weil ich den Beitrag nur mit halben Sinnen wahrgenommen habe und als ich merkte, wie interessant er war, war er zu Ende;(!

Es ging da um die menschlichen Gene und dass Forscher festgestellt haben, dass es tatsächlich rassisch spezifische Unterschiede gibt!
Das sagt aber nichts über die "Qualität" der Rassen aus- das "fanden" andere Wissenschaftler heraus!
Das Leben entstand allgemein anerkannt in Ostafrika. Damals besassen die frühen (Neuen)Menschen noch alle Gene. Dann zogen sie in die Welt und benutzten die selben Pfade, die vor jahrtausenden ihre Vorfahren, die Neandertaler benutzten.
Dabei trennten sie sich und der Genepool der jeweiligen Gruppe wurde kleiner. Ihre Nachfahren hatten dann weniger Gene als ursprünglich vorhanden waren.
Ab einem bestimmten Punkt wird der Genepool so gering, dass man von Inzucht spricht und die Gruppe ist irgendwann nicht mehr lebensfähig(die Wickinger auf Grönland zB.)!
An anderes Beispiel sind die indianischen Völker, die allmählich von Norden kommend Amerika besiedelten. Ihnen fehlten zB die Gene, die sie gegen die europäischen Krankheiten Immun gemacht hätten! Die Folgen sind bekannt!

Nun versuchen ja Forscher und Züchter diesen Vorgang in ihrem Sinne zu beeinflussen. Heute durch Genemanipulation. Davon wusste man damals aber nichts. Deshalb versuchte man es durch Zucht.
Im Grund ist Zucht auch nichts anderes als eine Genemanipulation- dauert nur länger!

Petronelli


7.12.04 15:13:04
Direktverweis
Ja Waldi, das stimmt,
auch die Einschleppung von Pflanzen und Tieren ist so alt wie Gustav!
Also kein neues Phänomen!
Die Welt dreht sich eben und ändert sich!
Gruß
Peter

RedEstrella


7.12.04 16:23:56
Direktverweis
Jeder Volksstamm hat sich wohl seiner Umbebung angepasst, inklusive der dort vorhandenen Viren und Bakterien. So ist es nicht verwunderlich, dass Indianer auf Grippeviren usw. anders reagierten als die daran gewohnten Europäer.
Dasselbe gilt umgekehrt für Europäer die Urlaub in Indien usw. machen und nicht an die dortigen Gegebenheiten gewohnt sind, welche jedoch für die einheimische Bevölkerung keinerlei Probleme darstellen, ich denke jeder kennt die Stories und muss ich nicht genauer ausführen ;)

Mit der Genmanipulation ist es wie mit dem Dynamit: Es kann zum Guten wie auch zum Schlechten verwendet werden. Ich befürworte es, soweit es für solches genutzt wird wie z. B. die Eindämmung solcher Erbkrankheiten wie Diabetes, Krebs usw, welche wiederum alle Menschenrassen betreffen.
zurück zur Themenübersicht