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Organigramm der SS

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AutorBeitrag

Kurt Meyer


3.3.05 19:00:19
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Hallo Forum,

ich suche ein Organigramm der SS. Hauptsächlich geht es darum wo die Waffen-SS und die Totenkopfverbände (also KL-Wachen) aufgehängt waren.

Meyer

AndyW


3.3.05 20:14:29
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Na, dann viel Spass!

:D

Ernsthaft: Es war ein Merkmal des "Fühererstaats", dass komplettes Kompetenzgewirr herrschte, voller Überlappungen, ad-hoc-Unterstellungen, z.b.V.-Verwendungen usw.

Ich hab mal ein Photo gesehen, da haben die Richter / Ankläger versucht, so ein "Organigramm" des NS-Staats aufzumalen, um den Durchblick zu kriegen, wr war wo wann mit was betraut usw.,; das Ding war wandgross und die zweidimensionalle Darstellung reichte eigentlich nicht aus.

Führerprinzip halt.

Cheers,

AndyW


3.3.05 20:40:10
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Um mal kurz anzureissen, wie kompliziert es ist, ein Ausschnitt aus Hans BUCHHEIM: „Die SS – Das Herrschaftsinstrument 160 ff. in: „BUCHHEIM / BROSZAT / JACOBSEN KRAUSNIK : „Anatomie des SS-Staates“, 1967, Neuauflage 1999:

„Der Begriff „Waffen-SS“ wurde schon im Kriege in der Öffentlichkeit vorzugsweise auf die militärischen Formationen der SS angewandt. Dementsprechend wird er auch in der Zeit nach dem Krieg verwendend, und die „Hilfsgemeinschaft auf Gegenseitigkeit“ [HIAG] der ehemaligen Angehörigen der Waffen-SS knüpft daran die Behauptung, der Begriff habe tatsächlich auch nur die SS-Divisionen und deren Einheiten umfasst. Das ist jedoch nicht richtig. Vielmehr umfasste der Begriff „Waffen-SS“ alle diejenigen Formationen und Dienststellen der SS, die vom Reichsminister der Finanzen etatisiert wurden. Das erklärt sich historisch daraus, dass von Anfang an die bewaffneten Teile der SS mit denen, die aus staatlichen Mitteln finanziert wurden, identisch waren; das war die „bewaffnete SS“, welche Bezeichnung dann umgeformt wurde in Waffen-SS. Zu den vom RFM etatisierten Teilen der SS und somit zu „Waffen-SS“ gehörte auch die gesamte Konzentrationslagerorganisation.

Einen Beweis dafür liefert ein Schreiben des Wirtschafts-Verwaltungshauptamtes der SS an den RF-SS vom 11. Mai 1942, dessen erster Teil folgendermaßen lautet:

„Die Beratungen mit den Vertreten des RM der Finanzen über den Haushalt der Waffen-SS sind nach sechs Sitzungstagen mit einem vollen Erfolg abgeschlossen worden. Die wichtigsten Ergebnisse sind:
1.) Grundsätzlich hat der RM anerkannt:
7 [Vorjahr 4] Friedensdivisionen der Waffen-SS

[SNIP weitere Aufzählung von Schulen, Übungsplätzen, Ämter usw.]
11 [ Vorjahr 7] Konzentrationslager
1 [Vorjahr 1] Frauen-Konzentrationslager
2 [Vorjahr 0] Jugendschutzlager

[SNIP Aufzählung geht weiter]
Stärkemäßig beträgt der genehmigte Friedenshaushalt der Waffen-SS:
147.414 [Vorjahr 73.409] Köpfe
10.817 [Vorjahr 0] Pferde


Eine ganze Reihe von Dokumenten bestätigt, dass die Konzentrationslager ein Teil der Waffen-SS bildeten. Besonders häufig sind Dokumente mit Briefköpfen wie diesem:

“Waffen-SS
Konzentrationslager Natzweiler
Kommandantur“

(...)

Usw. bin jetzt zu faul weiterzutippen.

Ab Frühjahr 1942 wurden die KLs in die Verantwortung des Wirtschafts-und Verwaltungshauptamtes (WVHA) überführt.

Cheers,

Hoth


3.3.05 21:13:27
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Gepostet von AndyW

Eine ganze Reihe von Dokumenten bestätigt, dass die Konzentrationslager ein Teil der Waffen-SS bildeten. Besonders häufig sind Dokumente mit Briefköpfen wie diesem:
Cheers,


Da bist Du evtl. nicht richtig informiert oder legst die Aspekte nicht richtig dar.

Charles W.Sydnor, Jr. legt dies in seinem unmfassenden und anerkannten Werk über die 3.SS-PD"Totenkopf" umfassend dar. Inbesondere nimmt in seinem Werk der "Inspekteur der KZ und Führer der SS-Wachverbände" Eicke eine vorrangige Stellung ein. Sydnor beleuchtet ganz ergiebig, welche Wechselwirkungen es zwischen den Eicke unterstellten KZ und insbesondere und ausschließlich der ihm ebenfalls unterstellten Div. TK gab.

Und hier gab es vielfältige Wechselwirkungen, die aber eindeutig Eickes pers. Ideen und Initiativen im Interesse der ihm unbterstellten Einheiten entsprangen, häufig sogar im krassen Gegensatz zu den bestehenden Dienst,-Unterstellungs-und Befehlsverhältnissen, was selbst zu ernsthaften Kontroversen mit der SS-Führung, einschließlich Himmler führten.

Eicke hat schlichtweg die KZ Buchenwald und Dachau als ausschhließliches Material-und Personallager seiner Div. TK betrachtet.

Eine Aussage, daß sich solch ein Gebaren auf alle Div. der Waffen-SS bezieht ist völlig haltlos. Für die anderen Div. der Waffen-SS wirst Du Belege über eine solche Wechselwirkung, die auch dem Sinn diese Wortes entsprechen, nicht anführen können, denn diese Einheiten wurden seit Beginn an von der Wehrmacht bewirtschaftet, bevor dies dann in die Hände des SS-Hauptamtes ging.

Daran ändert auch nichts, daß manchmal in die Heimat versetzte, genesende oder invalide Soldaten der Waffen-SS Dienst im KZ ableisteten oder daß Häftlinge Uniformen der Waffen-SS reinigten usw..

Hier jedoch von einem System und Teil der KZ an der Waffen-SS zu sprechen, geht wohl nicht nur an den pers. Erfahrungen der meisten der 900.000 Soldaten dieser Truppe vorbei, sondern ist ganz offensichtlich auch dokumentarisch nicht zu halten, sondern Teil einer polemischen Verknüpfungstheorie, die bis heute aufrecht erhalten wird.

[ Editiert von Hoth am 03.03.05 21:24 ]

AndyW


3.3.05 22:21:35
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Tscha, wenn Du das trotz obigen so siehst, bleibt Dir das unbenommen.

Ich verweise nochmals auf BUCHHEIM, BROZSAT et. Zitat wie oben dargestellt, und empfehle die Gesamtlektüre der o.a. Gutachten.

Die Konzentrationslager waren bis Frühjahr 1942 im Etat der Waffen-SS, Beleg siehe oben.

Ansonsten kannst Du gerne o.a. Dokument widerlegen und auch dem Gutachten BUCHHEIMS wiedersprechen. Die faktische Unterlegung der Behauptung BUCHEIMS o.a. Ergebnis wäre "ganz offensichtlich auch dokumentarisch nicht zu halten" wäre dafür aber hilfreicher anstatt alles was d.M. nicht sein darf oder nicht stimmt als "Polemik" zu bezeichnen.

Cheers,

[ Editiert von AndyW am 03.03.05 22:24 ]

Hoth


3.3.05 23:27:32
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Ich brauche mir die Mühe Buchheim zu widerlegen genausowenig zu machen, wie Du Sydnor widerlegen willst oder könntest. Insofern stehen hier zwei offensichtlich unterschiedliche Meinungen im Raum, die sich auf zwei verschiedene Ansichten von Autoren beziehen.

Ich sehe jedoch keinen Anlaß die sehr detaillierten und aufschlußreichen Untersuchungen Sydnors zu in der Tat vorhandenen Wechselbeziehungen infrage zu stellen und habe ja auch deutlich gemacht, zu welchen Schlußfolgerungen er konkret gekommen ist.

Allerdings wird mir im Gegensatz dazu aus Deinen o.g. "Beweisen" nicht klar, wie diese denn nun konkret eine enge Zusammenarbeit des Bereiches KZ mit der Waffen-SS belegen sollen.

Nur weil bis zu einem gewissen Zeitpunkt organisatorisch die Etas verschiedener Bereiche der SS zusammenliefen, ist dies wohl kein Beleg dafür, daß die Waffen-SS tatsächlich Einfluß oder gar Mitsprache auf das Lagerwesen hatte oder wollte und von diesem System im großen Umfang profitierte.

Dies mag bis zu einem gewissen Grad und auch nur für einen gewissen Zeitraum, nämlich der Lebenszeit von T.Eicke, für die Div. TK so gewesen sein, wie ich es oben schon darlegte, aber nicht für DIE Waffen-SS.

Falls Du dies also auch für andere milit. Einheiten der Waffen-SS belegen kannst, nur her damit!

[ Editiert von Hoth am 03.03.05 23:36 ]

schwarzermai


7.3.05 16:21:03
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http://infos.aus-germanien.de/Organisationsstruktur_der_SS

interessante Seite zum Thema
mit diversen Unterlinks

Niwre


7.3.05 17:32:27
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Das sind nur die Wikipediaartikel: original.
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