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LAH

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AutorBeitrag

Hoth


27.4.05 14:55:49
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Weiß jemand etwas Genaues zu einem russ. Hinterhalt auf eine Radfahrkompanie der LAH am 3.Juli 1941 bei Olyka mit sehr vielen Gefallenen? Es sollen sehr viele von diesen Soldaten zuvor mißhandelt und massakriert worden sein. Hat jemand Kenntnis zu diesem Vorfall? Im Buch "Die Leibstandarte im Bild" findet man nur ein Foto von der Grabstätte dieser vielen Soldaten.

Balsi


27.4.05 18:16:10
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habe bei Kurt Meyer "Panzergrenadiere" was dazu gelesen...bzw. zu einem ähnlichen Fall, ich schätze mal in Seidlers "Verbrechen an der Wehrmacht" wird was dazu stehen...

Timowr


27.4.05 21:59:20
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Die Kompanie Bremer (1./AA LAH) und die 12./LAH sind am 3. Juli in Olyka eingeschlossen gewesen. Die Kompanie Bremer war eine Kradschützenkompanie.

Gab es überhaupt Radfahrkompanien in der Leibstandarte in 1941???

[ Editiert von Timowr am 27.04.05 22:03 ]

Timowr


27.4.05 22:07:48
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3. Juli 1941

[...] In der Zwischenzeit sind die Kompanie Bremer und die 12./LAH in Olyka eingeschlossen. Sie liegen unter schweren Angriffen starker russischer Kräfte.

Hubert Meyer berichtet:
„Noch vor Einbruch der Dunkelheit wurden wir von Russen, die hinter uns auf derselben Straße nach Norden im Marsch waren, angegriffen. Von der tiefer gelegenen Straße aus ging das Feuer über uns hinweg. Unsere Pak schoß einige Lastwagen in Brand. Sie sperrten glücklicherweise die Straße nach Süden. Wir hörten das Rasseln von Panzerketten auf der Straße, konnten aber nichts erkennen. Unsere Pak ging so in Stellung, daß sie die Straße in südlicher Richtung und auch die Hochfläche überwachen konnte. Um die Sommersonnenwende ist es nur wenige Stunden dunkel. Was würde uns der Morgen bringen? Die vielen Troßfahrzeuge waren eine große Belastung für uns. Funkverbindung zum III. Bataillon war mit unserem Tornisterfunkgerät nicht zu bekommen. Zu unserem Glück bekam Gerd Bremer durch seine 30-Watt Funkstelle Verbindung mit seiner Abteilung und konnte unsere Lage melden.“

Obersturmführer Bremer kann melden, daß Olyka und Klewan noch feindbesetzt sind, und daß die ganze Gegend von kleineren und größeren Gruppen versprengter Russen wimmelt.

Hubert Meyer fährt fort:
„Im ersten Morgengrauen beobachteten wir eine lange Kolonne motorisierter Fahrzeuge, die sich von Süden her auf unserer Straße näherte. Es war zunächst nicht auszumachen, ob es sich um eigene oder russische Truppen handelte. Als sie sich den am Vorabend abgeschossenen Russen-Lastwagen, die die Straße sperrten, näherten, eröffnete unsere Pak das Feuer. Sofort sprangen die Besatzungen von den Fahrzeugen und begannen zu schießen. Die Pak-Bedienung hatte offenbar richtig beobachtet, denn was das schoß, waren eindeutig russische MG. Die russische Infanterie entwickelte sich schnell und ging beiderseits der Straße zum Angriff über. Unerwartet griffen auch zwei russische Panzer aus südwestlicher Richtung über die Hochfläche an, glücklicherweise gerade dort, wo unsere Pak stand. Einer wurde schnell abgeschossen, der andere wurde getroffen, blieb aber fahrbereit. Es gelang ihm sogar noch, unsere Pak außer Gefecht zu setzen, dann drehte er ab und verschwand in einer Senke und tauchte nicht mehr auf. Welch ein Glück, denn damals gab es noch keine Panzerfäuste oder Hafthohlladungen. Wir hätten uns höchstens mit geballten Ladungen notdürftig gegen Panzer wehren können. Die feindliche Infanterie arbeitete sich in den Getreidefeldern immer dichter an uns heran. Wir bekamen aus allen Richtungen Feuer und hatten schon mehrere Ausfälle. Mein Fahrer, Sturmmann Wolf, der hinter seinem Wagen Deckung genommen hatte, erhielt einen Kopfschuß. Er war zwar bewußtlos, atmete aber noch und wurde im Straßengraben verbunden. Wie lange würden wir uns gegen den überlegenen Feind noch behaupten können? Durch Gerd Bremers Funkverbindung baten wir die Aufklärungsabteilung um schnellste Unterstützung, da wir von überlegenem Feind eingeschlossen seien. Bald darauf funkte die AA zurück und sagte Hilfe zu. Die Lage wurde immer kritischer. Inzwischen war es ganz hell geworden. Die hinter dem von Nordosten angreifenden Feind aufgehende Sonne blendete uns unangenehm. In den Getreidefeldern gedeckt, näherten sich die Russen schnell der Straße. Jeden Augenblick war damit zu rechnen, daß sie unsere Sicherung durchbrechen würden.“

Sobald er den Notruf hört, schwenkt Meyer die Abteilung herum und gegen 03.00 Uhr stößt er auf der Straße nach Olyka zur dort sichernden 12./LAH und der Kompanie Bremer.

Hubert Meyer berichtet:
„Plötzlich hörten wir von Norden entlang der Straße heftiges Gewehr- und MG-Feuer. Kam jetzt aus dieser Richtung der Hauptangriff? Dann glaubten wir aber zu erkennen, daß es deutsche MG waren, die da schossen. Ich ging im Straßengraben vor um mich zu vergewissern, da kam überraschend Kurt Meyer mit der Pistole hin der Hand, ebenfalls im Straßengraben auf mich zu. Dankbar schüttelte ich ihm die Hand, denn er war wirklich in letzter Minute gekommen, um uns zu entsetzen. Ganz typisch: Er hatte nicht einen seinen Führer beauftragt, sondern hatte sich selbst an die Spitze der kleinen Kampfgruppe gesetzt, um seinen Spähtrupp und meine Kompanie und den Bataillonstroß herauszuhauen. Wir ging nun zum Gegenangriff über und hatten in kurzer Zeit den Feind vertrieben. Er hatte eine größere Anzahl Lastwagen, Geschütze und andere Waffen zurückgelassen und offensichtlich auch erhebliche Verluste gehabt. Unsere Verwundeten wurden schleunigst zum Hauptverbandsplatz geschafft, die Gefallenen bestattet, und dann setzten wir unseren Marsch Richtung Klewan fort.“

Die Aufklärungsabteilung kann nun ihren Vormarsch auf Rowno fortsetzen.

Kurt Meyer schreibt:
„Ohne Zeit zu verlieren, geht es durch den Wald zurück und auf Klewan zu. Die Ortschaft wird genommen und der Vorstoß auf Rowno fortgesetzt. Schnurgerade führt die Straße in südostwärtiger Richtung. Von Klewan fällt sie nach einigen Kilometern ab und steigt kurz vor Broniki langsam wieder an. Am Horizont steigen Rauchwolken senkrecht in den Himmel.“

Die Aufklärungsabteilung meldet um 04.00 Uhr das Ort Olyka feindfrei. Gegen 10.00 Uhr erreicht II./LAH den Südrand von Olyka. Die Aufklärungsabteilung befindet sich hart westlich Klewan und macht sich bereit zum Vorstoß auf Rowno.

Das XXIX. Armeekorps befiehlt um 13.15 Uhr:
LAH wirft am 4. Juli den Feind weiter nach Norden zurück, säubert das Gelände bis zum Horyn-Olyczka-Tutcilowka-Abschnitt zwischen Begen und Cuman, und durchsucht die in diesem Abschnitt liegenden Wälder und Ortschaften.

Der Rest des Tages geht mit der Bereitstellungsraumes von versprengten Russen dahin, während die Aufklärungsabteilung 2 km südostwärts Broniki Verbindung mit die von Hauptmann Eicke geführte Aufklärungsabteilung 25 aufnimmt und nach Rückfrage bei der Standarte gegen 19.00 Uhr die Sicherungsstellung der Aufklärungsabteilung 25 übernimmt.

Um 22.00 Uhr Abendmeldung an XXIX. Armeekorps:
AA Sicherungsauftrag Grodek von 25. Infanterie-Division (mot) übernommen. I./LAH sichert um Klewan, II./LAH meldet, daß Angriffsauftrag für 04.07 von 298. Infanterie-Division übernommen wird. III./LAH sichert um Rudeczka, IV./LAH um Slawek.

Meyer: "Grenadiere" (Schild Verlag)
Lehmann: "Die Leibstandarte", Bd. II (Nation Europa Verlag)

Hoth


28.4.05 11:40:48
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Schon mal vielen Dank für die Infos! Allerdings geht aus der Gefechtsschilderung nichts zu dem im Buch" Die Leibstandarte im Bild" genannten Massakrierungen hervor.

In einem anderen Forum wurde noch folgendes dazu beigetragen:

"...Klewan war rasch eingenommen, und der Vormarsch ging sofort weiter. Ein paar Kilometer östlich der Stadt fand eine Vorhut des Aufklärungs-Battaillions der Leibstandarte-Division einen leeren, blutigen Sanitätswagen in der Nähe einer verlassenen deutschen Haubitze. Ein paar Hundert Meter weiter entdeckten sie die verstümmelten Leichen etlicher deutscher Soldaten, die Hände mit Stacheldraht gefesselt. Mit den Worten, die Russen müssen " gnadenlos abgeschlachtet " werden, beantwortete die Waffen-SS die Grausamkeit in derselben Weise- ein Vorgeschmack auf den künftigen Horror..."

Quelle: Die Waffen-SS an der Ostfront von Christopher Ailsby,Seite 25.

Ist hier dasselbe Ereignis genannt? Denn Klewan und Olyka liegen anscheinend sehr dicht beieinander.

[ Editiert von Hoth am 28.04.05 11:44 ]

Timowr


29.4.05 15:31:53
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Sorry, I'll have to switch to English here.

Kurt Meyer decribes this massacre in his book "Grenadiere" but for sure the victims are not from the Leibstandarte. The ambulance and the bodies were discovered a couple of kilometers beyond Klewan, shortly before Broniki. They are discovered by the Spitze led by Fritz Montag. This happened after Bremer and 12./LAH were freed. Meyer speaks of "the naked bodies of a brutally butchered company of German soldiers".
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