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Re: Posthume Ehrung

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AutorBeitrag

IM


18.12.2006 17:42:37
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Hallo Hannes,

da gebe ich Dir voll Recht. Die US-Öffentlichkeit braucht ihre Helden und somit werden Helden gemacht. Und wenn man derzeit keine erfolgreichen Kriege führt oder führen kann, dann greift man eben etwas weiter zurück.

Ich habe hier vor einiger Zeit mal die Äußerung vertreten, daß man die Medal of Honor nicht mit dem Ritterkreuz auf eine Ebene stellen kann. Seitdem habe ich mich sehr intensiv mit der Medal of Honor beschäftigt und ich bleibe bei meiner Meinung.

Wenn man die Verleihungsbegründungen liest, dann gibt es keinen Zweifel, darunter gibt es durchaus eine ganze Reihe außergewöhnlicher Tapferkeitstaten, für die es auf deutscher Seite vielleicht auch ein Ritterkreuz hätte geben können. Aber es gibt auch viele, wo es auf deutscher Seite keine Orden gegeben hätte. Bevor jetzt jedoch wieder Diskussionen aufkommen, möchte ich noch einmal betonen, daß es wahrscheinlich nicht viel Sinn macht, Auszeichnungen verschiedener Länder miteinander vergleichen zu wollen.

Sieht man einmal von der Reihe Verleihungen aus den letzten Jahren ab, die für Vietnam, Korea oder gar dem Zweiten Weltkrieg Jahrzehnte nach Kriegsende verliehen wurden, dann wurde die Medal of Honor seit Ende des Vietnamkrieges nur 3 Mal verliehen.

1993 gab es nach der sogenannten „Schlacht von Mogadischu“ zwei posthume Verleihungen. Im bereits seit 3 ½ Jahren andauerndem Irak-Krieg mit inzwischen mehr als 3.000 gefallenen US-Soldaten gab es erst eine Verleihung, ebenfalls posthum. Man könnte dies auch als Zeichen dafür werten, die Öffentlichkeit nicht zu sehr auf dieses Thema zu lenken.

IM


18.12.2006 15:02:30
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Der amerikanische Bürgerkrieg wurde ja teilweise noch in Formation auf dem Schlachtfeld ausgetragen. Zum Bild eines damaligen Schlachtfeldes gehört die Regimentsfahne, die meist immer ein Ziel und schwer umkämpft war.

Einer großen Anzahl Verleihungen der Medal of Honor aus der Zeit des Bürgerkrieges liegt eine solche Regimentsfahne zugrunde. Entweder erhielt ein Soldat eine solche Auszeichnung, dem es gelungen war, eine gegnerische Regimentsfahne zu "erobern". Oder aber, es erhielt ein Soldat diese Auszeichnung, dem es gelungen war, seine Fahne erfolgreich zu verteidigen.

Mit der Regimentsfahne war ein ungehörer symbolischer Wert verbunden. Und einfach war es auf alle Fälle für den Träger nicht gerade, diese zu verteidigen. Immerhin hatte sie doch eine gewisse Größe und man zog alle Blicke und auch Schüsse auf sich.

So war es auch bei Corporal Andrew Jackson Smith. Am 30. November 1864 kam es zur Schlacht bei Honey Hill, South Carolina. Nachdem der Fahnenträger des Regiments gefallen war, übernahm Smith die Fahne. Ihm gelang es, sich allen Angriffen zu widersetzen und in so herausgehobener Position zu überleben. Das Gefecht erforderte von seinem Regiment einen hohen Blutzoll, ein Drittel der Mannschaften und die Hälfte der Offiziere war gefallen oder verwundet.

Zu seiner Person sei noch zu sagen, daß es sich um einen ehemaligen Sklaven handelt. So ist die Verleihung der Medal of Honor, fast 150 Jahre nach der Schlacht, sicher eher symbolisch zu sehen.

Aber in den USA ist es nicht ganz ungewöhnlich. In den letzten Jahren wurden noch einige Medals of Honor an Veteranen des Vietnam-, Korea- und sogar des Zweiten Weltkrieges verliehen.

Mit oben genanntem Beispiel wäre es ähnlich, wenn in Deutschland jetzt noch ein Pour-le-Merite an einen Veteranen des Deutschen-Französischen Krieges 1870-71 verliehen werden würde.

hec801


18.12.2006 16:56:59
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Im Endeffekt zeigt das aber sich in gewissem Maße auch auf, wie sehr die US-amerikanische Administration solcherlei "Helden" aufbaut. Kann es sein, dass dies auch ein wenig dem derzeitigen militär-politischen Umständen und Klima zu schulden ist!?

Gruss

Hannes

hec801


18.12.2006 17:51:28
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Sehe ich genauso, musste das nur loswerden, da es irgendwie die momentane Hilflosigkeit wiederspiegelt. Ich will auch keine Vergleiche ziehen, dies ist schon auf Grund der unterschiedlichen Verleihungskriterien unsinnig, wie Du schon sagtest.

Die beiden posthumen Verleihungen nach Mogadishu sind ja auch am Rande vom Film "BHD" diskutiert worden. Trotzdem ist die MoH nicht weniger interessant...

Mal eine Frage am Rande: Hast Du eine sehr gute HP, welche vielleicht auch die an Sanitäter und Ärzte verliehenen MoH aufzeigt!?

Vielen Dank nochmals

Hannes

IM


17.12.2006 22:54:19
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Ich beschäftige mich gerade mit der Medal of Honor, der höchsten Tapferkeitsauszeichnung der US-Armee.

In den letzten Jahren wurden einige Verleihungen vorgenommen, für längst zurückliegende Taten. Aus diesen Fällen ragt einer ganz besonders heraus:

Es ist dies die Verleihung an Andrew Jackson Smith im Januar 2001. Die Verleihung erfolgte für eine Tapferkeitstat am 30. November 1864, der Zeit des Bürgerkrieges !!

hec801


17.12.2006 23:33:56
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Hast Du dazu mehr!?

Ronny22


19.12.2006 15:37:12
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IM schrieb:
Zu seiner Person sei noch zu sagen, daß es sich um einen ehemaligen Sklaven handelt. So ist die Verleihung der Medal of Honor, fast 150 Jahre nach der Schlacht, sicher eher symbolisch zu sehen.


Irgendwie war das mein erster Gedanke als ich den Namen las....Andrew Jackson....is bestimmt ein Afro-Amerikaner. 

IM schrieb:
Sieht man einmal von der Reihe Verleihungen aus den letzten Jahren ab, die für Vietnam, Korea oder gar dem Zweiten Weltkrieg Jahrzehnte nach Kriegsende verliehen wurden, dann wurde die Medal of Honor seit Ende des Vietnamkrieges nur 3 Mal verliehen.

1993 gab es nach der sogenannten „Schlacht von Mogadischu“ zwei posthume Verleihungen. Im bereits seit 3 ½ Jahren andauerndem Irak-Krieg mit inzwischen mehr als 3.000 gefallenen US-Soldaten gab es erst eine Verleihung, ebenfalls posthum.

Ich füg das mal kurz ein:



Sgt. 1st Class Paul R. Smith wenige Tage vor seinem Tod

Smith hielt am 04.04.2003 mit insgesamt 16 Mann eine Stellung gegen ca. 100 Mann eines Batallions der Spezial-Republikanischen Garde in der Nähe des Bagdader Flughafens.

Die ganze Geschichte

Zur Erläuterung:


IM


19.12.2006 20:17:58
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Es gibt aber scheinbar noch eine zweite Irak-Verleihung:

http://www.mcnews.info/mcnewsinfo/moh/

Ronny22


20.12.2006 17:31:38
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Also der Corporal Jason L. Dunham warf sich am 14. April 2004 in der Nähe der syrischen Grenze auf eine Splitter-Handgranate um mit seinem Körper 2 seiner Kameraden zu schützen und wurde dabei so schwer verletzt das er 8 Tage später starb ohne je wieder zu Bewußtsein gekommen zu sein.

Respekt, DAS ist Heldentum! 

IM


20.12.2006 19:45:37
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Es gibt noch einen weiteren Verleihungsvorgang, die Tat ist identisch mit der oben erwähnten, stammt aus der Zeit der Rückeroberung von Falludscha im November 2004, wäre dann ebenfalls posthum.

Da scheint dann wohl doch eine größere Verleihungswelle im Anmarsch zu sein. Hätte mich auch gewundert, wäre doch ganz untypisch amerikanisch. Wenn man der Öffentlichtkeit schon keine Siege präsentieren kann, muß man ihnen "Heldengeschichten" geben.

Hoover


27.12.2006 17:26:23
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Naja, man muss sich aber mal die Kritierien der MoH, des VC und des RK ansehen. Das RK wurde nicht selten für Führungsleistungen verliehen oder aus "taktischen Gründen" (siehe Remer).

Die meisten MoH (wie auch das VC) wurden nicht für eine schlachtentscheidende Tat verliehen, sondern posthum für den den Einsatz des Lebens, um das der Kameraden zu schützen.

IM


19.2.2007 22:27:23
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Am 26. Februar gibt es wieder eine Auszeichnung mit der Medal of Honor für einen Vietnam-Veteranen, für eine Tat während einer der ersten Gefechte 1965.

IM


9.5.2007 12:26:21
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Neben den bisherigen zwei Verleihungen der Medal of Honor seitens der US-Armee für den Irak-Krieg gibt es auch auf Seiten der Briten zwei Verleihungen des Victoria Cross.

Einmal für Irak und einmal für Afghanistan. Letzteres wurde Ende Dezember 2006 verliehen:

http://www.mod.uk/DefenceInternet/DefenceNews/HistoryAndHonour/CorporalBryanBuddAwardedTheVictoriaCross.htm

Karloff


27.6.2007 11:46:24
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Für MoH Interessierte kann ich nur diese Website empfehlen: http://www.homeofheroes.com/

Alles sehr partiotisch allerdings auch ziemlich vollständig was die MOH-Verleihungen aller Konflikte / Kriege angeht.

IM


23.10.2007 00:31:53
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Heute gab es die erste Verleihung der Medal of Honor für den Afghanistan-Krieg, erneut eine posthume Verleihung:

http://www.pressofatlanticcity.com/news/politics/story/3724245p-13175251c.html

IM


6.3.2008 16:45:44
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Am 3. März 2008 wurde erneut die Medal of Honor für eine bereits weit zurückliegende Tat verliehen.

Der bereits am 28. Januar 1982 verstorbene ehemaliger Master Sergeant erhielt die Medal of Honor für eine Tat aus dem Korea-Krieg, genauer für seinen Einsatz am 20. Oktober 1951.

http://en.wikipedia.org/wiki/Woodrow_W._Keeble

Ronny22


6.3.2008 22:07:14
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Beeindruckender Mann gewesen dieser Sioux 

IM


6.3.2008 22:13:22
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Ich frage mich jedoch, warum würdigt man dies erst so spät ?

Gut auf der einen Seite waren die meisten Verleihungen der letzten Jahre alles Verleihungen an Nicht-Weiße Staatsangehörige. Aber auch zur damaligen Zeit wurden diese bereits ausgezeichnet, auch wenn sie damals noch als Menschen zweiter Klasse galten.

Irgendwie kommt da schon der Gedanke auf, man will da etwas nachholen.

IM


8.4.2008 12:09:21
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Am heutigen 8. April erfolgt im Weißen Haus in Washington eine weitere Verleihung der Medal of Honor.

Es ist die dritte Verleihung für den Feldzug gegen den Irak und die insgesamt vierte Verleihung im sogenannten Krieg gegen den Terror.

Alle bisherigen 4 Verleihungen erfolgten posthum. Zwei davon sind Navy SEAL´s, so auch die heutige Verleihung an Petty Officer Second Class Michael Al. Monsoor:

http://www.msnbc.msn.com/id/23886008/

Hier eine weiterer Link zur Person:

http://en.wikipedia.org/wiki/Michael_A._Monsoor

IM


11.6.2008 00:36:04
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Am 2. Juni 2008 erfolgte die nunmehr vierte Verleihung der Medal of Honor für den Irak-Feldzug.

Erneut wurde die höchste Auszeichnung posthum verliehen.

Hier ein Link zum Verleihungsvorschlag: http://www.army.mil/medalofhonor/mcginnis/citation/

Und hier noch ein weiterer Link zur Person: http://en.wikipedia.org/wiki/Ross_McGinnis

Ronny22


11.6.2008 09:32:47
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Ich bin immer wieder erstaunt und überwältigt von soviel Selbstlosigkeit, sein Leben
wissentlich für das seiner Kameraden zu opfern.

Eigentlich eine Selbstverständlichkeit für einen Soldaten, aber man hat immer das Bild
vom kaugummikauenden US-Collegeboy vor Augen wenn man die US-Soldaten im
Irak und Afghanistan sieht, denen man sowas nicht zutraut. 

IM


11.6.2008 09:35:25
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Von den bisherigen 4 Verleihungen sind es 3, die dafür verliehen wurden, daß sie sich auf Granaten geworfen haben, um damit ihre Kameraden zu schützen.

Ob man da noch zum Nachdenken kommt ? Wenn dann verbleiben ja eh nur wenige Sekunden, ...

Balsi


11.6.2008 13:17:12
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ja es scheint ja selbstverständlich zu sein... das die eben nicht überlegen ist ja das beachtliche. Meinen respekt haben diese Soldaten auf jeden fall.. egal weshalb sie dort sind
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