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Die erste Nacht - 17.Januar 1991 - 1.Golfkrieg

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AutorBeitrag

Ronny22


8.11.2009 12:33:17
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Ich hab seit längerem einen sehr interessanten Bericht hier, der ein bisher ziemlich vernachlässigtes Kapital der Militärgeschichte abdeckt.

Die erste Nacht des 1.Golfkrieges aus irakischer Sicht und Umstände die bisher von den USA verdreht bzw. falsch dargestellt werden.

Ich greife mal ein paar Sachen heraus....aus der Nacht des 17.Januar 1991


Feldwebel Hazim, Angehöriger der Republikanischen Garde, war Führer von 2 Flaks des Typs ZSU-23-2 auf dem Dach des Präsidentenpalastes im Zentrum von Bagdad.
Gegen 3 Uhr eröffnete die Flugabwehr Bagdads ihren Feuertanz zur Abwehr des 1.amerikanischen Luftangriffes auf die irakische Hauptstadt. Alle bis auf die Stellung des Feldwebels Hazim, sein Befehl lautet nur auf Sicht zu feuern und nicht am Sperrfeuer teilzunehmen.
Nach ca. 10 Minuten beobachtete Hazim eine merkwürdige Erscheinung am Himmel, erst helle Blitze am Himmel, dann Detonationen und unmittelbar danach einen schweren Einschlag in unmittelbarer Nähe seiner Stellung.
Nach kurzer Beratung mit seinen Mannschaften war klar, das der Palast von einem Marschflugkörper, Typ Tomahawk getroffen worden war.
Der Feldwebel erinnerte sich an einen Vortrag eines Experten der irakischen Militärindustrie vor wenigen Tagen, bei der ein Modell des Tomahawks vorgestellt und erläutert wurde. Aus diesem Vortrag heraus wußte Hazim gut über die Flugeigenschaften eines Tomahawks bescheid. Daraufhin liess er jetzt die Visiere seiner Geschütze neu justieren und erwartete den nächsten Marschflugkörper.
Gegen 3.30 Uhr beobachtete Hazim die gleichen Erscheinungen am Himmel wie kurz zuvor beim ersten Einschlag und ließ das Feuer eröffnen. Kurze Zeit später erhellte eine schwere Explosion den irakischen Nachthimmel und brennende Trümmer stürzten zu Boden, man konnte sie also abwehren.
Als die Sonne am Morgen des 17.Januar über der irakischen Hauptstadt aufging, lagen die Überreste von 10 BGM-109 "Tomahawk" um die Stellung Hazims verstreut.



Um ca. 2.45 Uhr bestieg Hauptmann Khudair Hijab das Cockpit seiner MiG-29, auf dem Stützpunkt Tahmouz / Habbaniyah AB westlich von Bagdad.
Hijab hatte Befehl sich an einem bestimmten Punkt einzufinden und sich dann mit seiner Bodenleitstelle in Verbindung zu setzen. Er erreichte seinen Einsatzraum ohne Zwischenfälle und mit ausgeschaltetem Radar um nicht entdeckt zu werden.
Im Einsatzraum angekommen schaltete er sein Radar auf und versuchte Kontakt mit seiner Leitstelle aufzunehmen, erhielt aber keine Antwort da die Leitstelle inzwischen von den Amerikanern vernichtet worden war. Er kontaktierte eine weitere Leitstelle und erhielt von dort Freigabe entweder zur freien Jagd oder zu seinem Stützpunkt zurückzukehren.
Hijab entschied sich für den Kampf auf eigene Faust......
Gegen 3.30 Uhr erfasste sein Radar ein tieffliegendes Ziel und sein Freund-Feind-Kennungsgerät lieferte ihm die Gewissheit, eine feindliche Maschine vor sich zu haben.
Nachdem sein Radar die Maschine erfasste hatte und auch seine vorgewählte R-27T - Rakete das Ziel aufgenommen hatte, löste Hauptmann Hijab seine Rakete aus einer Entfernung von ca. 10 km aus.
Alles verlief wie bei einer Übung, keine Gegenmaßnahmen, keine Eloka-Störung.......und kurze Zeit später eine riesige Explosion am nächtlichen Himmel.

Nach dem Angriff drehte Hijab ab und machte sich auf den Heimweg, aber sein Radar erfasste wiederum 2 feindliche Kontakte. Also wendete der Hauptmann seine Maschine und machte sich erneut zum Kampf bereit, diesmal wählte er eine R-60MK vor um keine eigene Radarsignatur zu hinterlassen. Aus nur 2,5 km Entfernung löste er seine Rakete aus und beobachtete ein zweitesmal eine Explosion.
Nach diesem Angriff drehte er seine MiG ab und kehrte zu seinem Stützpunkt zurück.

Nach dem Krieg erklärten die US-Streitkräfte das in dem besagten Raum, zu diesem Zeitpunkt 2 B-52G beschädigt wurden.
Die erste B-52 soll von einer eigenen AGM-88 HARM - Rakete getroffen worden sein, während die zweite B-52 von einer irakischen SA-3 SAM - Rakete getroffen worden sein soll.
Aber in diesem Abschnitt gab es keine irakischen SA-3 Stellungen, daher spricht einiges dafür das Hauptmann Hijab beide Maschinen beschädigt hat.


to be continued....

IM


8.11.2009 13:36:17
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Interessant, ... besonders die Geschichte mit Feldwebel Hazim.

Darf ich fragen, was da Deine Quelle ist ?

Richtschuetze


9.11.2009 06:55:23
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Ich meine dieser Artikel aus einer Zeitschrift "Jet und Prop?? zu kennen" allerdings schon ein paar Jahre her!

Gruss

Ronny22


14.11.2009 10:02:32
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Richtschuetze schrieb:
Ich meine dieser Artikel aus einer Zeitschrift "Jet und Prop?? zu kennen" allerdings schon ein paar Jahre her!

Gruss

Nicht ganz, Flieger Revue  




Gegen 03:45 starteten 6 MiG-23ML der 69. Staffel von ihrem Stützpunkt Dulu'ya, darunter auch der
Hauptmann Hussam. Nach mehrere erfolglosen Angriffsversuchen die alle von Eloka-Maßnahmen
des Feindes abgewehrt werden konnten, drehte Hauptmann Hussam frustriert ab und ging auf Heimatkurs.
Aber er stieß wiederum sofort auf ein neues Ziel auf seinem neuen Kurs und entschied sich diesmal für
eine andere Taktik. Er schaltete sein Radar in den "Phi Zero Mode" und koppelte damit seine Waffen
vom eigenen Radar ab und nutzte damit die Sucheinrichtungen der Waffen selbst.
Hussam bat seine Bodenleitstelle ihn direkt hinter das Ziel zu führen und er beschleunigte auf 1000km/h
und wählte eine "vorgewärmte" R-24T-Rakete. In einem Abstand von ca. 9km meldete die Rakete mit
einem lauten Signalton das sie ihr Ziel aufgefasst hatte und Hussam feuerte. Wenige Sekunden später
erhellte eine Explosion die Nacht und brennenden Wrackteile fielen zu Boden.



Kurz nach 03:50 Uhr erhielt Hauptmann Sabah al-Dulaimi von der 79. Staffel seinen Startbefehl,
aber seine Mirage F.1EQ sprang nicht an. Der Veteran des Irankrieges, wechselt dann in eine bereitstehende
2-sitzige Mirage F.1BQ, bewaffnet mit 2 französischen Matra R.550 Magic - Raketen und startet in die Nacht.
Kurz nach dem Start wurde seine Maschine von einem feindlichen Radar erfasst und eine Rakete war
schon unterwegs zu ihm, aber in einer engen Linkskurve konnte al-Dulaimi gerade noch ausweichen.
Nachdem der Hauptmann seinen eigenen Radar aktiviert hatte und sich in den Kampf stürzen wollte, wurde
er wieder von einem feindliche Radar aus der 7-Uhr-Position erfasst und kurz danach gab es einen
harten Schlag und eine große Explosion in seiner Mirage, es blieb nur noch der Schleudersitz.
Hauptmann al-Dulaimi landete sicher in der Nähe eines Dorfes in der Umgebung seiner eigenen Basis
von der er vor kurzem gestartet war.



Der junge Oberleutnant Zuhair Dawood startet in dieser Nacht mit seiner MiG-25PD von seiner
Basis Tahmouz/Habbaniyah AB aus in die Nacht. Nachdem er auf ca. 7000m Höhe gestiegen war und
sein Radar auf Befehl seiner Leitstelle einschaltete, erfasste er in ca. 25km ein Ziel.
Aber als Dawood das Ziel anpeilen wollte, wurde sein Radar gestört und sein anvisiertes Opfer
verschwand vorerst von seinem Radar. Der junge Offizier erinnerte sich an den Vortrag eines
russischen Experten aus dem Jahr 1990, das für den erfolgreichen Einsatz seiner mitgeführten R-40RD-Raketen
wenigstens die Entfernung zum Ziel bekannt sein müsste.
Daraufhin aktivierte er das Sekundärradar seiner Maschine, welches auf einer anderen Frequenz
arbeitet und nur Entfernungsdaten ermittelt.
Nun übernahm die R-40RD das Ziel und Dawood
feuerte den Flugkörper ab, kurz geblendet vom Abgasstrahl seiner eigenen Rakete verfolgte er
die Flugbahn seiner Waffe. Das anvisierte Ziel unternahm keine Abwehrmaßnahmen und so erhellte
kurze Zeit später ein Feuerball die Nacht und es regneten brennende Trümmer zu Boden.


Nach Untersuchungen und verschiedenen Zeugenaussagen amerikanischer Piloten steht fest das
Oberleutnant Dawood, mit seiner Rakete die F/A-18C Hornet des Navy-Captian Michael Scott Speicher,
von der USS-Saratoga in dieser Nacht abgeschossen hat.
Die Tatsache das Speicher mit einer F-18 flog deren Radarwarnvorrichtung defekt und nicht
einsatzfähig war und Dawood nur sein Sekundärradar und das Radar seiner Rakete benutzte
ermöglichten seine unbemerkte Annäherung und sein unentdecktes Verschwinden.


Quelle: Fliegerrevue Extra - nach einem Bericht von Brigadegeneral Ahmad Sadik

Richtschuetze


15.11.2009 16:55:48
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Nicht ganz, Flieger Revue

@ Ronny ich habe diese Ausgabe sogar noch, dürfte wirklich ca 3 Jahre her sein. Ich fande den Artikel auch sehr interessant, schön das Du dir Mühe machst den abzutippen! 

Gruss
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