Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 24.10.2005 bis zum 19.04.2010. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Sozialismus??

zurück zur Forenübersicht
AutorBeitrag

Hero-Dude


27.2.2010 20:18:12
Direktverweis
Kann mir jemand erklären, warum Obamas Krankenversicherung die USA so spalten? Also, das finde ich wirklich gut. Warum wird das von den Republikanern als Sozialismus und "Kontra der Verfassung" abgewertet??? Ich verstehs nicht!

Nomen Nescio


27.2.2010 20:49:55
Direktverweis
Ganz einfach. Für die Republikaner ist alles, was vom Staat kommt, nicht zu trauen. Der Staat soll so klein wie möglich bleiben und am liebsten gar nichts zu sagen haben.

Der Staat beraubt die Reichen, finden sie. Statt Staatsinvestitionen ist der freie Markt für sie sie Lösung. Darum wurden unter Bush II, trotz eines riesigen Defizits, die Steuern für die sehr Reichen erheblich gedrosselt.

Auch wenn private Firmen sich daran beteiligen dürfen, dann noch ist es nach ihren Ansichten etwas, daß riecht nach sozialistischen Maßnahmen. «Gegen die Verfassung» sagen sie so leicht; das bedeutet an sich nichts. Weil aber «the High Court» dominiert wird durch konservative Richter, ist es nicht sicher, wie ggfs eine Rechtssache endet.

steffen04


28.2.2010 12:01:07
Direktverweis
Nomen Nescio schrieb:
Ganz einfach. Für die Republikaner ist alles, was vom Staat kommt, nicht zu trauen. Der Staat soll so klein wie möglich bleiben und am liebsten gar nichts zu sagen haben.

Der Staat beraubt die Reichen, finden sie. Statt Staatsinvestitionen ist der freie Markt für sie sie Lösung. Darum wurden unter Bush II, trotz eines riesigen Defizits, die Steuern für die sehr Reichen erheblich gedrosselt.

Auch wenn private Firmen sich daran beteiligen dürfen, dann noch ist es nach ihren Ansichten etwas, daß riecht nach sozialistischen Maßnahmen. «Gegen die Verfassung» sagen sie so leicht; das bedeutet an sich nichts. Weil aber «the High Court» dominiert wird durch konservative Richter, ist es nicht sicher, wie ggfs eine Rechtssache endet.

Nicht ganz richtig: Die Republikaner finden, daß der Staat, bzw. die Bürokratie alle beraubt und ein unkontrolliertes Eigenleben entwickelt, wenn man ihm Mittel zugesteht. M.E. haben sie vollkommen recht, die Entwicklung der Staatsquote in der Bundesrepblik Deutschland von der ersten sozialdemokratisch geführten Regierung Brand bis heute spricht Bände: ein Beamter kreiert im Laufe seiner Dienstzeit unabhängig von Arbeitsanfall und Relevanz mindestens fünf neue.

C. Northcote Parkinson hat bereits in den 60ern (der Mann war Brite und hatte schon einige Jahre Erfahrung mit sozialistischen Premiers hinter sich) ein Faktor von 1,irgendwas berechnet, um den eine Bürokratie jedes Jahr wächst. Sehr schöne Beispiele waren die britische Admiralität und das Kolonialamt. Beide hatten 1970 nicht mehr wirklich viel zu tun, trotzdem mehr Admiräle und Verwaltungsräte als je zuvor in ihrer Geschichte.

Die Steuersenkungen für die amerikanischen Reichen hatten nicht den Zweck, diese noch reicher zu machen. Der ideologische Kern der Neocon-Ideologie ist es, dem Staat Geldmittel zu entziehen, um ihn klein zu halten und auf das wesentliche zu konzentrieren.

Da in (national-)sozialistischen Diktaturen das Wachsen der Staatsquote natürlich am extremsten ist, ist der Neo-Konservatismus tatsächlich eine sehr wirksame Ideologie gegen alle totalitären Tendenzen.

Dick Cheney mag ein Schwein und George. W. Bush eine Esel sein: über Neokonservatismus sollte jeder echte Demokrat ernsthaft nachdenken, bevor er sich europolitisch-korrekt über die USA auskotzt.

Trotz Bankenkrise bin ich immer noch der Meinung, daß Europa an einer Neocon-Kur nicht vorbeikommt, wenn wir unser Bürgertum gg. Superreiche und Prekariat behaupten wollen.

Nomen Nescio


28.2.2010 12:58:40
Direktverweis
steffen04 schrieb:
Nicht ganz richtig: Die Republikaner finden, daß der Staat, bzw. die Bürokratie alle beraubt und ein unkontrolliertes Eigenleben entwickelt, wenn man ihm Mittel zugesteht.
In Theorie hast Du recht, Steffen.
Nur mußt Du dich dabei realisieren, daß die Republikaner fast nur gefunden werden bei Mittelstand bis Ultrareich.

Der Staat darf die bittere Armut nicht bekämpfen, denn das ist sozialistisch. Solche Menschen sind faul, denn wer arbeiten will, der findet irgendwo doch eine Stelle. Keine Arbeit ==> keine Krankenversicherung ==> eigene Schuld.
Daß viel Menschen ohne ihre Schuld arbeitslos geworden sind, daran glauben sie nicht so. Und daß eine ziemlich große Menge zwei Jobs pro Tag hat, nur um überhaupt überleben zu können, das interessiert sie nicht.
Sie betrachten es von ihrem Standpunkt, mit Augenklappen vor. Darum ist das alle von Dir zu interpretieren als alle die arbeiten und ziemlich gut bis außerordentlich viel verdienen.

steffen04


28.2.2010 16:50:50
Direktverweis
Republikaner findest du auch zu Hauf im amerikanischen Hinterland bei Typen., die keine Zähne mehr haben, weil der Zahnarzt zu teuer ist (und sie zu blöd sind, sich die Beisserchen weinfach zu putzen). Das ist also nicht der Punkt. Es ist eine Frage des Stolzes auf der einen Seite und der Staatshörigkeit auf der anderen.

Neocons glauben auch nicht, dass alle Armen faul oder blöd oder nicht hilfsbedürftig sind. Ein eingefleischter Neocon glaubt aber, daß staatliche Hilfe immer (!!!!!!) mehr schadet als nützt. Warum ist das so? Weil man zuerst Geld einsammeln muss, um Geld ausgeben zu können - und dieses Einsammeln mehr Schaden anrichtet, als das Ausgeben Nutzen spendet.

In Deutschland kommt man mittlerweile auf den Trichter, daß Entwicklungshilfe nur dem jeweiligen Entwicklungshilfeminister, ein paar europäischen Baufirmen und einer korrupten Oberschicht in den Empfängerländern nützt. Über kurz oder lang wird es vielleicht keine Entwicklungshilfe mehr geben - und das ist gut so.

Im Inland sieht das aber genauso aus. Die Steuergelder, die im Arbeitslosen/HartzIV-Geschäft für Job-Center, Weiter(fort)bildung etc.. verbraten werden, werden vorher der Kaufkraft entnommen. Sprich: es gäbe jede Menge Arbeitsplätze im Dienstleistungs- und Konsumgüterbereich, wenn man der Mittelschicht nur ihr Geld liesse, um es in diesen Sektoren auszugeben. Mit dem Geld, der dort fehlt, werden zur Zeit hälftig Jobcenter-Mitarbeiter und HartzIV-ler finanziert. Glaube mir: auf beide kann diese Gesellschaft gern verzichten. Ich habe mit beiden ordentlich zu tun und die sind sich so ähnlich wie manche Hütehunde ihren Schafen. In der Zigarettenpause unter der Laterne vorm grossen Toer  kansste die echt nicht auseinanderhalten.

Um es klar zu sagen: eine Neocon-Gesellschaft ist kein Ponyhof, aber sie bietet jedem, der seinen Arsch morgens aus dem Bett hievt mehr Chancen, als einmal in der Woche beim Jobcenter vorbeizuschauen.



Nomen Nescio


28.2.2010 23:08:05
Direktverweis
Ach Steffen, da könnte ich Dir Beispiele geben, die kaum zu glauben sind.

Ich war einmal in einem Laden, beim Eingang/Ausgang. Da kamen zwei Jungen aus dem Laden Richtung Ausgang. Hinter mir liefen drei andere. Fragt einer der zwei an einem der drei «Hast du schon einen Job»?
Antwortet der andere «Bin ich verrückt. Ich hole mein Geld beim Sozialamt, und verdiene schwarz dazu. Hab dann viel mehr, als ich je normal bekommen kann».

Ein Freund von mir war Direktor eines Betriebes. Er brauchte einen Fahrer. Da kam einer, der vom Sozialamt geschickt wurde. Er sagte meinem Freund «Ich muß mich melden, hab das also getan. Wage aber nicht mich anzustellen».
Und ein anderes Beispiel von ihm. Sein Betrieb brauchte eine Putzfrau. Da kam eine, auch vom Sozialamt. «Ich bin mit dem Moped gekommen. Das kostet fast 3/4 Stunde. Entweder sie zahlen mir diese zwei mal 3/4 Stunde oder ich darf anderthalb Stunde kürzer arbeiten». Selbstverständlich wurden das nicht neue Arbeitnehmer in jenem Betrieb.

Dagegen kenne ich auch Beispiele, daß es fast zum Weinen ist. Wie ungerecht manchmal die Gesetze sind.
Eine Frau braucht ein Medikament, daß ihre Krankheit lindert. Die Krankenkasse weigert sich zu zahlen, weil das Medikament zu teuer ist. Alternativen gibt es leider nicht.

Dennoch: ich möchte nie mit den VS tauschen.

waldi44


3.3.2010 21:25:29
Direktverweis
Nomen Nescio schrieb:
Ganz einfach. Für die Republikaner ist alles, was vom Staat kommt, nicht zu trauen. Der Staat soll so klein wie möglich bleiben und am liebsten gar nichts zu sagen haben.

Der Staat beraubt die Reichen, finden sie. Statt Staatsinvestitionen ist der freie Markt für sie sie Lösung. Darum wurden unter Bush II, trotz eines riesigen Defizits, die Steuern für die sehr Reichen erheblich gedrosselt.

Auch wenn private Firmen sich daran beteiligen dürfen, dann noch ist es nach ihren Ansichten etwas, daß riecht nach sozialistischen Maßnahmen. «Gegen die Verfassung» sagen sie so leicht; das bedeutet an sich nichts. Weil aber «the High Court» dominiert wird durch konservative Richter, ist es nicht sicher, wie ggfs eine Rechtssache endet.

Aha, die USFDP und wie heisst der Westerwelle der USA ?

SIEGMAR


5.3.2010 10:07:16
Direktverweis
 

Es gibt in den usa schon seit Jahrhunderten den Kampf zwischen den Vorkämpfern der Freiheit des Einzelnen und denen in Washington.
Das ist das irritierende an diesem Staat, der so unfrei ist und so verstaubt, so versnobt und so extrem verklemmt, aber andererseits auch so viele Freiheiten bei den Bürgern beläßt.

Der Kommunismus wäre ohne die Hilfe der usa schon 1918 spätestens aber in den 1940ern verschwunden. Andererseits aber gilt eben das Anpacken und der "Selfmade-man als Ideal. Der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär (und zurück, das ist in den usa auch durchaus erwünscht, aber auch kein Stigma, das jemanden auf Ewig kennzeichnet), ist durchaus kein Mythos, sondern auch erlebte Wirklichkeit und erstrebenswertes Ziel.


Über allem aber steht der Kampf gegen die da in Washington.
Gegen die da im Bund.
Und denen traut man eben alles Böse zu. Und Sozialisten sind das eh alle.
Was im Übrigen so falsch nicht ist, wenn man sich mal anschaut, wer diese ach so angeblich rechten neocons denn wirklich sind und wo die politisch herkamen. So war Bush bei den Hispanoamerikanern ausgesprochen beliebt. Und die Demokraten haben eh, nicht ganz zu Unrecht, einen Ruf als linke Sozialkämpfer, obwohl das auf unsere Verhältnisse übertragen von der sz oder den fr kaum so gesehen würde.




  Übrigens sind die ach so liberalen Demokraten ja eigentlich ursprünglich die Partei der Südstaaten und die Republikaner die eher des Nordens! Das war zumindest so bis Kennedy.


.

Hero-Dude


5.3.2010 21:08:04
Direktverweis
Ja, das wurde mir auch schon so bestätigt. Kennedy hat im Süden einen Wandel zu den Republikanern gebracht, weil die Demokraten nicht rassistisch genug waren.

Ich hab mir bei der Gelegenheit gerade ein Buch gekauft mit dem Titel: Der Mythos Amerika... Autor Manfred Hennigsen. Auf dem NDR Kultur Radiosender, haben die dies Buch mal vorgestellt. Sehr interessant. U.a. wurden die AfroAmerikaner anfang des 20 Jahrhunderts erfolgreich als Streikbrecher eingesetzt, weil die "weißen" Gewerkschaften mit den "Schwarzen" nichts zu tun haben wollten. Anfang der 30er Jahre wäre es auch beinahe zu einem Holocaust in den USA gekommen.

 

steffen04


6.3.2010 12:40:19
Direktverweis
Nomen Nescio schrieb:
Ach Steffen, da könnte ich Dir Beispiele geben, die kaum zu glauben sind.

Dagegen kenne ich auch Beispiele, daß es fast zum Weinen ist. Wie ungerecht manchmal die Gesetze sind.
Eine Frau braucht ein Medikament, daß ihre Krankheit lindert. Die Krankenkasse weigert sich zu zahlen, weil das Medikament zu teuer ist. Alternativen gibt es leider nicht.

Gegenbeispiel, passiert ständig, Jagdfreund ist Arzt:

Patient (Prekariat) kommt in Praxis, möchte gerne Massagen wg Kreuzschmerzen von zuviel Sofaliegen.

Korrekte Antwort des Arztes: Darf er nach den neuen Bestimmungen nicht mehr genehmigen.

Reantwort: mein Nachbar bekommt´s aber

ReReAntwort: Fragen Sie Ihre Krankenkasse

Antwort der KK: wir bezahlen´s um des lieben Friedens Willen

Das  ist die Realität, nicht die paar Härten in der Presse. Westerwelle hat doch vollkommen Recht: statt Brot und Spielen gibt´s Chips, Dosenbier (von Aldi) und Privatfernsehen (von Helmut Kohl).

Mein jüngster Hassfall: ein Dreissigjähriger ohne jegliche Berufserfahrung bekommt vom AA eine dreimonatige, hochwertige DEKRA-Schulung mit Theorie und Praxis bezahlt, meldet sich in der ersten Woche krank und findet die Veranstaltung immer noch stressig.  Der Typ war nur zur Einführungsveranstaltung da!!

PS: "Pater Barnabas" wurde grade vom Nockerberg abgelöst, weil er den Spruch "Leistung macht frei" über einem HartzIV-Lager gefordert hat. Der Mann hat doch recht!! Auch wenn er das selber gar nicht weiss!!!

SIEGMAR


6.3.2010 19:24:40
Direktverweis
 

Das mit Barnabas ist ja wohl ein Witz.
Die letzte Sendung war wirklich gut!



Und was die Krankenversicherung angeht.
Unser System ist ja ebenfalls schon fast am Ende.
Und da müssen Reformen her.


So bin ich durchaus dafür, daß wir die Leistungen beim Arzt selbst bezahlen, zumindest aber eine Rechnung bekommen, und dann später, kann ja durchaus sofort sein, bei der Krankenkasse unser Geld zurückerhalten (man kann das ja auch so regeln, daß der Patient lediglich die Rechnung unterschreibt und die Krankenkasse das dann zahlt).

Die Idee mit der Pauschale find ich auch nicht so schlecht. Zumindest wird endlich mal diskutiert.




Ob die normalen us-amis wirklich Europa und oder Deutschland beobachten weiß ich nicht, aber wenn sie es tun, dann dürfte unser tatsächlich in die (sozialistische) Planwirtschaft abdriftendes System eher abschreckend wirken. Zumal auch bei uns die ärmeren Versicherten nicht optimal versorgt werden und die privaten Finanzen immer mehr zur bestimmenden Größe bei der Gesundheitsversorgung werden.

.

Nomen Nescio


6.3.2010 19:56:20
Direktverweis
steffen04 schrieb:
Antwort der KK: wir bezahlen´s um des lieben Friedens Willen
Haben wir eine Basisversicherung, dann bekommen wir nur zwischen etwa 250 und 400  Euro physiotherapeutischen Hilfe (genauen Betrag weiß ich nicht). Des weiteren muß man selbst zahlen.
Hat man die Zusatzversicherung, dann liegt der Betrag (welches Versicherungsbetrieb hast Du genommen) zwischen 650 und 1000 Euro. Mehr darf die Versicherung infolge des Gesetzes nicht zahlen.

Da kam eine Frau, die wurde am rechten Knie operiert. Sie bekam Therapie. Ein halbes Jahr später wurde sie linksseitig am Knie operiert. Wieder Therapie. Ein Großteil hat sie selbst zahlen müßen, weil sie das Maximum für Hilfe durch einen Physiotherapeut schon überschritten hatte.
zurück zur Forenübersicht