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Hitlers Krieg in der Arktis

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AutorBeitrag

Axel43


25.8.03 03:59:00
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Gerade gelesen, ein Buch, das vor kurzem hier herausgekommen ist: "Hitler's Arctic War", von Chris Mann (einem Engländer) und Christer Jörgensen (einem Dano-Schweden), Thomas Dunne Books, New York, NY.
Interessante Übersicht, Diskussion und Kritik der deutschen, finnischen und sowjetischen Kriegführung in Skandinavien 1939 bis 45, mit besonderer Beachtung von Nordfinnland, Nordnorwegen und den Geleitzügen nach Murmansk. Nach der außerordentlich geschickt aber für die Kriegmarine genauso außerordentlich verlustreichen "Weserübung" stagnierte die Situation zu einem Stellungskrieg (bis zu den fatalen russischen Offensiven), der für die Deutschen verhängnisvoll wurde, denn 1. gelang die Eroberung von Murmansk nicht, 2. konnten die Konvoie nach Murmansk nicht gestoppt werden (und hier fehlte es wohl der KM am Schneid), 3.waren allzuviele Truppen 44 und 45 in Norwegen gebunden.
Das Buch ist nicht ganz problemlos aber eine gute Einführung
in die Sache. Die Illustrationen sind größtenteils aus sowjetischen Archiven geholt. Die Karten könnten etwas besser sein. Wer sich für dieses sehr spezielle geographische Gebiet des 2. Weltkrieges interessiert, sollte es lesen.

elBenco


25.8.03 13:35:03
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ich find kriege praktisch....
die beste art schießwütige idioten loszuwerden hihiih!Laola-Smileys Laola-Smileys Laola-Smileys Respekt-Smiley Laola-Smileys Respekt-Smiley

waldi44


25.8.03 14:18:09
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Tja, das mit dem "Schneid" der Kriegsmarine ist so eine Sache. Die Dickschiffe lieferten sich mehr als eine Geleitzugschlacht, aber immer vor dem Hintergrund: Nur nichts verliehren!
Denn zu verliehren hatten sie viel, nämlich ihre Existenz, deren Berechtigung von Hitler seit 43 angezweifelt wurde. Einerseits Erfolge bringen und die Existenzberechtigung erbringen, andererseits aber seine Kampfkraft nicht unnötig auf's Spiel zu setzen war schon ein Dilemma, aber das als mangelnden Schneid zu bezeichnen...
Naja und die Besetzung Norwegens war ja wohl alles andere als ein "Meisterstück". Mit etwas weniger Glück, wäre sie die erste grosse Niederlage Hitlers geworden, aber Glück gehört eben auch zum Krieg, sonst würden nicht immer soviele "schiesswütige Idioten" überlebenSmiley mit verdrehten Augen!

The Real Blaze


25.8.03 17:17:29
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Der arktische Krieg war ein verzettelter Nebenkriegsschauplatz.Damit meine ich hauptsächlich den Krieg am Juni 41...ach nein so richtig ging das erst los als man nach Kriegsbeginn erst mal eine große Holzbrücke über den Grenzfluß bauen mußte.Man nannte sie "Prinz Eugen-Brücke.Danach dachte man an Hand des Kartenmaterial,schnell vorrücken zu können.Das dumme nur: eingezeichnete Strassen und Wege entpuppten sich als Telegraphenleitungen!Es war eine überwiegend wegelose Tundra.Und um Krieg führen zu können brauchte man Strassen,die jetzt erst gebaut wurden!So kam alles Richtung Murmansk nur schleppend in Gang,Zeit ging verloren,was den Russen entgegen kam.Hier hätte man bereits umdisponieren müssen!Den Zeitgleich ging etwas südlicher im Kandalakscha Abschnitt die SS Gruppe Nord vor,um die Murmanbahn zu durchtrennen.Ohne diese Bahn in das Innere Russlands war der Hafen zwecklos.Dietl hätte hier eine Gebirgsdivision aus den Murmanskabschnitt herausziehen müssen,um im Kandalakscha Abschnitt den Durchbruch zu erzwingen!Den dort hatte man den kürzesten Weg zum Weißen Meer.Was da noch entgegen kam,war das kaum befestigte Gelände.
Den ganzen blutigen Murmanskangriff hätte man sich so sparen können,wenn man so den Hafen neutralisiert hätte.Mit nur 2 Divisionen und finnischen Hilftruppen,war man dort zu schwach(Kandalakscha Abschnitt),aber drei hätten das locker geschafft,wo doch die erfahreneren Gebirgstruppen Dietls keinerlei größere Probleme mit dem Gelände hatten.
Die Konvois wären sicher weiter gelaufen,wenn es so gelaufen wäre.Aber: nur noch 6 Monate im Jahr war das möglich,den der nächste Hafen Archangelsk war die übrige Zeit zugefroren.
Hier hatte man eben taktisch geschlampt,wo doch ein deutscher Erfolg bei klügerer Führung locker drin war.(Hitler pfuschte da kaum rein)Nicht mal zusätzliche Truppen wären da von Nöten gewesen,nur eben gebündelter an der erfolgversprechensten Stelle eingesetzt.Eine Abschnürung Murmansk hätte den Hafen später sowieso in deutscher Hand gebracht.

mfg The Real Blaze

Axel43


25.8.03 19:20:10
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Ich bin mir, selbstverständlich bewußt, daß die KM unter großen Führungsproblemen zu leiden hatte. Aber trotzdem ist es recht schwer, dem Eindruck zu entkommen, daß die Einsätze der Überwasserfahrzeuge doch recht zaghaft waren, zumindest verglichen mit der Royal Navy. Der Wert der Murmansk Konvois war ja nicht zumindest psychologisch, und eine etwas mehr aggressive Haltung der KM wäre zu erwarten gewesen.
Als kombinierte See-, Luft- und Landoperation war Weserübung doch sehr gut durchgeführt, vor allem, wenn man bedenkt, daß soetwas nicht gewöhnlich bzw bis dahin wohl einzigartig war. Der Verlust an Zerstörern war allerdings horrend und baulich einfach nicht mehr aufzuholen, was uns wieder an die begrenzte industrielle Kapazität des Reiches erinnert.

The Real Blaze


25.8.03 20:41:00
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Weserübung war eine Demonstration deutscher Improvisation.Da war aber auch alles im Hau Ruck Verfahren durchgepaukt worden,als Hitler erfuhr(ja von wem eigentlich?) ,daß die Briten in Norwegen landen wollten.
Ja die verluste waren an Schiffen bedenklich hoch,aber der Erfolg wog das wohl mehrfach auf.
Die Kriegsmarine gab sich sowieso keinen Illusionen hin,daß ein Überwasserkrieg gewinnbar sei.Sie setze auf Unterwasserkrieg.Nur eben war es schon richtig,daß man ständig Ressourcenschwerpunkte setzen mußte,weil es eben nicht für alles deckend reichte.Nur ein erfolgreicher Landkrieg hätte da wohl die bescheidene Lage der kriegsmarine(im Verhältnis zu den Briten) verändert.
mfg The Real Blaze

Axel43


26.8.03 21:33:24
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Na, so schlecht war der Ausgangspunkt der KM im Nordmeer an sich nicht. Dicke Pötte hatte man, auch gute Ankerplätze, und der sehr lange Anmarschweg der Konvoie gab reichlich Vorwarnung. Aber z B der Einsatz der Hipper und der Lützow gegen Konvoi JW51B ist nicht gerade ein Ruhmesblatt der KM.
Was nun die Zerstörer betrifft, so war der Verlust von 10 wirklich unersetzbar für die KM, wobei zu merken ist, daß gerade Zerstörer im 2 WK Hauptkampfschiffe waren.

The Real Blaze


26.8.03 21:57:12
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Stehen in dem Buch auch neue Erkenntnisse über einen geheimen Stützpunkt auf der Bäreninsel?
mfg The Real Blaze

Quintus


27.8.03 04:56:31
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Gepostet von Axel43
Aber z B der Einsatz der Hipper und der Lützow gegen Konvoi JW51B ist nicht gerade ein Ruhmesblatt der KM.

Genau! Das führte dann ja auch zu Raeders Ablösung als OB:
Dönitz ersetzt Raeder (Seite meiner HP)

Axel43


28.8.03 01:51:48
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Nein, nichts über die Bäreninseln. Überhaupt enthält das Buch nichts neues sondern ist eine Zusammenstellung und Übersicht von den nordeuropäischen Aktion. Man tendiert ja, die vereinzelt oder gesondert zu betrachten, hier aber wird (z B) Nordmeer und Karelen zusammengehalten, und das glaube ich ist hilfreich. Die Verfasser scheinen auch keine Favoriten zu haben (bei deutscher u finnischer Geschichtsschreibung muß man da ein bißchen vorsichtig sein, von der Sowjetunion ganz abzusehen) sondern geben sich Mühe, sachlich zu sein und Kritik dort zu üben, wo solche angebracht scheint.
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