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Frontverbrüderungen

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AutorBeitrag

The Real Blaze


20.12.03 11:56:22
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Die momentane BILD Serie über Frontverbrüderungen im 1.Weltkrieg wirft doch sofort die Frage auf in welchen Umfang das auch im 2.Weltkrieg geschah.Das muß ja wegen komissarischen Politterrors auf russischer oder NS Führungsoffizieren auf deutscher Seite wohl recht selten passiert sein,wenn überhaupt.Gab es sowas vielleicht in Afrika 41/42 oder noch anderswo zu den Westalliierten?
mfg The Real Blaze

Westwall


20.12.03 15:35:24
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Im November 1944 im Gefechtsstreifen der 89.Infanteriedivision im Hürtgenwald in der Eifel gab es auch Frontverbrüderungen zwischen Deutschen und Amerikanischen Soldaten.
Es geschah im stillen über mehrere Tage an einer Wasserstelle die beide Seiten zur Trinkwasser Auffrischung benutzten.
In Gevert Haslobs Divisionsgeschichte der 89.Infanterie-Division „Ein Blick zurück in die Eifel“ (Geschichtsverein Hürtgenwald e.V.) steht ein Bericht darüber.

Westwall


20.12.03 16:13:49
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Frontverbrüderungen oder andere menschliche Gesten gab es sehr viele im 2.Weltkrieg, egal ob wischen Feind und Freund, oder Soldat und Zivilist.
Ein kürzlich verstorbener Bekannter von mir, ein ehemaliger Angehöriger und Funker eines Transportgeschwaders 1942/43 in Stalingrad, erzählte mir zu diesem Thema einmal eine sehr interessante Geschichte.
Es bestand ein Befehl für sein Geschwader dass alle angehörigen Soldaten des selben Geschwaders, die aus irgendwelchen Gründen im Kessel von Stalingrad festsaßen ( z.B. verwundetes oder angeschossenes Personal ), vorrangig mit den Transportflügen ausgeflogen wurden.
So wurde auch ein Offizier im Luftwaffenkombi dieses Transportgeschwaders in der Maschine meines Bekannten aus Stalingrad rausgeholt.
Jedoch wurde dieser Offizier während des Überfluges der HKL durch einen Granatsplitter der russischen Flak schwer verwundet.
Beim entfernen des Luftwaffenkombis zur Versorgung der Wunde durch deutsche Sanitäter stellte man fest, dass der Offizier zur Waffengattung Infanterie gehörte und so versuchte dem Untergang seiner Einheit zu entgehen.
Bis zur Landung der Maschine war aber der Offizier an seiner schweren Verwundung gestorben, trotzdem wurde dieser Vorfall dem Geschwaderstab gemeldet.
Der Kommandeur rief dazu seine Offiziere zusammen um diesen Fall mit ihnen zu besprechen und es wurde vereinbart diesen Infanterieoffizier als „Stalingradverwundeter“ gefallen zu melden.
Hätte diese Herren damals nach Vorschrift gehandelt, dann hätte dies wohl als Fahnenflucht für seine Familie eine nicht absehbare Konsequenz nach sich gezogen.

waldi44


20.12.03 16:59:56
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Das sind aber Fälle, die mit den Verbrüderungen des 1. WK nichts zu tun haben- meine ich.
Die Verbrüderungen des 1. Wk waren eher politischer Art, geboren aus der Kriegsmüdigkeit aller Parteien und nicht zuletzt gefördert durch die russische Revolution, die zumindest auf Deutschland übergriff!

Westwall


20.12.03 18:17:09
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Hallo Waldi, noch mal zu dem Fall im Hürtgenwald 1944, Kriegsmüde war der deutsche Landser im 5ten Jahr allemal gewesen.
Die Beweggründe des kleinen Mannes waren wohl 14/18 die gleichen wie 44/45.

The Real Blaze


20.12.03 19:03:54
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Ich denke aber im 1.Weltkrieg fehlte noch die sogenannte ideologische Hemmschwelle und erleichterte den Weg zu Verbrüderung.Und viele wußten auch,daß in einem Krieg immer zuerst die Menschlichkeit sich verabschiedete.Dem stemmten sich viele entgegen.Wahrscheinlich trugen auch dämmliche Sturmangriffsbefehle mit bei,die keinerlei Aussicht auf Erfolg hatten.
Im 2.Weltkrieg gab wohl wegen dem Ideologiegegensatz zum Russen hin wohl nur Einzelfälle,wo die Menschlichkeit siegte.Und immer nur dort,wo Kommisare und NS Führungsoffiziere fehten.Zum anderen war der 2.Weltkrieg ungemein grausamer und auf den verfeindeten Seiten baute sich mehr Hass auf,als zu anderer Zeit.Die Hetzpropaganda auf beiden Seiten erstickte wohl auch jede Regung an Gefühlsduselei.
Trotzdem,besonders in den Kriegswintern 41/42 und 42/43 hallte das berühmte "Stille Nacht, heilige Nacht über die Schlachtfelder.
mfg The Real Blaze

Axel43


20.12.03 20:15:16
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Waldi legt hier einen ideologischen Gesichtspunkt an, der mir anachronistisch vorkommt. Diese Weihnachstverbrüderungen geschahen doch sehr früh im Krieg, oder zumindest vor der russuschen Revolution ?

The Real Blaze


21.12.03 11:07:55
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Die Verbrüderungen im 1.Weltkrieg geschahen eigentlich dem ganzen Krieg hindurch und zwar an allen europäischen Fronten.Wahrscheinlich änderte sich aber die Art der Verbrüderungen.Am Anfang war es allgemeiner Kriegverdruß zum Ende hin aber sicher ideologisch durchsetzt von sozialistisch kommunistischen Gedankengut.Die einfache Masse durchschaute nicht diese Ideologie,da ging es nur arm gegen reich.-->und sowas mobilisierte schon seit je her unzufriedene Massen.
Was vielleicht interessant wäre ist herauszufinden,ob an den asiatischen Fronten ebenfalls Verbrüderungen geschahen.Nämlich da wo es keine kulturellen Gemeinsamkeiten gab und gar rassische Abneigungen eine Rolle spielten.
mfg The Real Blaze

waldi44


21.12.03 15:29:50
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Das Ereignis im Hürtgenwald würde ich eher als "Zweckbündniss" bezeichnen. Verbrüderungen fanden erst gegen Ende des 1. WK statt. Im 2. Wk gab es wohl keine, "Zweckbündnisse" schon eher, eines ist ja zB die Waffenruhe zwecks Bergung von Verwundeten und da kam es schon mal zu "näheren" Begegnungen!

The Real Blaze


21.12.03 15:41:01
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Zitat:"Verbrüderungen fanden erst gegen Ende des 1. WK statt.
Ne Waldi,das begann schon 1914/15 und "artete" bis zu Fußballspielen aus,oder der britische Feldfriseur schnppelte auch Deutschen die Haare.
Speziell in Afrika gabs doch diverse "Wasserloch geschichten,wo beide Seiten ihren Nutzen hatten.Wer weiß genaueres?
mfg The Real Blaze

waldi44


21.12.03 17:16:47
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Dann müsssten wir vielleicht den Begriff "Verbrüderung" diffinieren!?

Hoover


21.12.03 17:25:07
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Ich habe einige Berichte von Veteranen, die "Wasserlochverbrüderungen" in Nord Afrika und auf Sizilien erlebt haben. Aber es beschränkte sich auf kurze Kontakte beim Wasserholen, vielleicht mal Zigarettentausch. Das Ganze ist wohl nur als Zweckbündnis zu sehen, denn beide Seiten waren auf das Wasser angewiesen. (Die Deutschen haben übrigens viele Wasserlöcher beim endgültigen Rückzug befehlsgemäß unbrauchbar gemacht).
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