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Deutsche "Festungen"

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AutorBeitrag

waldi44


20.2.02 20:38:12
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Der Schauplatz der dramatischen Kämpfe um die
Festung Breslau



12 Wochen lang wurde Breslau von der Roten Armee belagert. NS-Gauleiter Hanke drohte allen Kapitulationswilligen mit der Todesstrafe.
Festung Breslau, den 05.05.1945, Festungs-Gefechtsstand im Kellergeschoss
der Universitätsbibliothek, Neue Sandstraße 4, Nachmittags:
Letzte Ansprache des Festungskommandanten General Niehoff an seine Kommandeure:
Hitler ist tot, Berlin ist gefallen, die Verbündeten von Ost und West haben sich im
Herzen Deutschlands die Hand gereicht. Damit sind die Voraussetzungen für eine
Fortführung des Kampfes um Breslau nicht mehr gegeben. Ich habe mich daher
entschlossen, den Kampf einzustellen und dem Gegner die Übergabe der Stadt und
der Besatzung unter ehrenvollen Bedingungen anzubieten. (vom Original gekürzt)
Der letzte Funkspruch des Oberkommandos der 17. Armee (General Wilhelm Hasse)
an die Verteidiger und Bevölkerung von Breslau:
aok 17, am 5. mai 1945
... über ein vierteljahr hat schlesiens hauptstadt, die festung breslau, den pausenlosen
angriffen eines vielfach ueberlegenen gegners standgehalten - in dieser stunde senken
sich deutschlands fahnen in stolzer trauer vor dem Opfermut der besatzung und der
bevölkerung - gez. hasse


Breslau 1
Breslau 2


Wie Sinnvoll waren solche Festungen?
Wird Fortgesetzt

xmen


21.2.02 07:56:51
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Ich glaube nicht so sehr denn ausser Verbände zu binden hatte es ja keinen Sinn gemacht!
Im TV bei Knopp haben sie auch gezeigt das dort unter schrecklichsten Bedingungen ein Flugplatz gebaut wurde aber ein Flugzeug ist dort nie gestartet!:)

waldi44


21.2.02 16:07:42
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"Festungen" hätten vielleicht noch in einem einfronten Krieg Sinn gemacht, um den Vormarsch zu verlangsamen. Immerhin mußte man zwecks Einkesselung und niederringung schon beträchtliche Kräfte von der Hauptstoßrichtung abzweigen.
Vielleicht bestand der Sinn dieser "Festungen" eher darin, den Vormarsch der Russen zu Verlangsamen um den Amis ein Vordringen in's Reich so weit wie möglich zu gestatten!,
Natürlich war das nicht Hitlers Plan....

~Rainer


21.2.02 17:49:42
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Hallo,
Festungen hatten relativ wenig Sinn im II. Weltkrieg.
Wenn ich an die Festungen(Häfen) am Atlantik denke, dann dienten diese nur dazu, dass die dort befindlichen deutschen Soldaten sich bis Kriegsende selbst versorgten. Dort hielt dann die "FFI" Wache un, geschah bei Dünkirchen, als deutsche Truppen sich in den besitz eines verpflegungslager setzten.d flüchtete bei leichteren deutschen Ausfällen schon sehr weit wegDie zu Festungen erklärten Häfen, die von Bedeutung für die Alliierten waren, wurde alle mehr oder weniger schnell erobert:
Cherbourg, Brest, Gironde. Das Halten dieser Festungen war quasi immer mit dem Verlust, der dort eingesetzten Einheiten verbunden und daher sinnlos.
Gruss
Rainer

Balsi


21.2.02 19:06:21
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nun... das halten zum Beispiel der Festung Stalingrad war zwar sinnlos stabilisierte aber die front... man gewann zeit zur Aufstellung der Donfront-Heeresgruppe... und man band erhebliche Kräfte des Feindes, die wenn sie frei gewesen wären sofort hätten weiter stossen können..denn immerhin stellte eine deustche Streitmacht von 23 Divisionen ein riesige kraft dar

waldi44


21.2.02 19:09:36
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Tja, aber die 6. Armee war futsch und der "Gute Ruf" entgültig ruiniert!

Balsi


21.2.02 19:52:47
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ja sicherlich aber hätte die 6. Armee sofort kapituliert oder wäre ausgebrochen... wäre die gesamte Ostfront vpm Spden her aufgerollt worden... so aber band man die Kräfte

waldi44


21.2.02 19:59:39
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Festung Königsberg


Die Tragödie Ostpreußens, die wohl schlimmste Tragödie des 2. Weltkrieges auf deutschem Boden, begann im Sommer 1944. Vom ersten Russeneinbruch und der ersten Evakuierungsaktion im Juli 1944.
Im August 1944 legten englische Bomber die Innenstadt in Schutt und Asche. In der Nacht vom 26./27. August griff ein britisches Bombergeschwader Königsberg an. Brandstürme, denen viele der Flüchtenden zum Opfer fielen, tobten durch die Straßen. Es wurden nur Wohnviertel bombardiert, so dass man von einem Terrorangriff sprechen muss. Fast alle kulturell wertvollen Gebäude mit ihrem unersetzbaren Inhalt wie Dom, Schlosskirche und Universität wurden ein Raub der Flammen. Die Zahl der Toten betrug 3.500 - 4000, 150.000 wurden obdachlos. Die Industrieviertel beiderseits des Pregels, der Hafen und der Hauptbahnhof, also die militärisch wichtigen Gebiete, sind nicht bombardiert worden, wie in so vielen deutschen Städten.
Den großen Brand im Königsberger Schloss nach dem Bombardement der Royal Air Force hat das Bernsteinzimmer überstanden.
Bis Januar 1945 konnte man in Königsberg und den Teilen Ostpreußens, die noch nicht bei der Oktoberoffensive der Sowjets verloren gegangen waren, hoffen, vom Schlimmsten verschont zu bleiben - etwa durch eine Beendigung des Krieges auf dem Verhandlungswege. Als dann aber am 13. Januar 1945 die sowjetische Großoffensive gegen die Heeresgruppe Mitte losbrach, war der Untergang Ostpreußens besiegelt, so erdrückend war die Übermacht. Am 21.07.44 standen 16 deutsche 160 russischen Divisionen gegenüber.
Im April 1945 sollte dann eine "Festung Königsberg" mit 30.000 abgekämpften Soldaten der übermächtigen sowjetischen Armee trotzen. Dabei war der Krieg längst verloren. Ein aussichtsloser Kampf. Nach ein paar Tagen musste General Lasch kapitulieren.
Am 9.April 1945 gingen in Königsberg die Lichter aus. An diesem Tag war der Kampf um die Festung Königsberg zu Ende, und die Rote Armee besetzte die Stadt. Königsberg mit seinen noch rund 140.000 deutschen Zivilisten wurde russisch
Am 4.Juli 1946 wurde Königsberg in Kaliningrad umbenannt. Der neue Name erinnert an den Präsidenten der UdSSR, Michail Iwanowitsch Kalinin.
Lasch, Otto (1893-1971), Generalleutnant.
Lasch wurde am 25.06.1893 in Pless (Oberschlesien) geboren. Im August 1942 wurde er zum Generalmajor befördert und war ab September 1942 als Kommandeur der 217. Infanteriedivision am Dnjepr eingesetzt. Im April 1943 wurde Lasch zum Generalleutnant befördert, wurde im November 1943 Kommandeur der 349. Infanteriedivision und dann im September 1944 des LXIV. Armeekorps. Im November 1944 war er Kommandant der Festung Königsberg und nach erbitterten Kämpfen um die Stadt Königsberg in Ostpreußen musste Lasch am 9. April 1945 vor den Sowjets kapitulieren. Hitler ließ ihn daraufhin in Abwesenheit degradieren, wegen "Feigheit vor dem Feind" zum Tod verurteilen und seine Familie in Sippenhaft nehmen. Ende Oktober 1955 kehrte Lasch aus sowjetischer Gefangenschaft zurück. Er starb am 29.04.1971 in Bonn.

Bildarchiv und Informationsdienst Ostsicht
Bilder aus Königsberg

~Rainer


22.2.02 00:29:12
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Hallo,
Stalingrad war keine Festung sondern ein Kessel, der durch die überlegene Führungskunst eines ehemaligen Gefreiten erst entstand. Gleichzeitig nach verschiedenen weitgesteckten Zielen greifen war der Grundfehler der Sommeroffensive 1942. Was bei Demjansk teilweise richtig war, war in Stalingrad grundfalsch, bereits in Demjansk hatten die Transportflieger erhebliche Verluste, und danach wurde der mit viel Mühe freigekämpfte Kessel/Schlauch doch geräumt. Eine festung, die nicht aus der Luft ausreichend versorgt werden kann, ist ziemlich schnell übergabebereit. Bastogne wurde massiv aus der Luft versorgt, aber die US-Einheiten war ja auch nur eingeschlossen. Es stimmt, dass die 6. Armee zahlreiche russische Verbände band, aber bei einem rechtzeitigen Ausbruch wäre die Masse der gutausgebildeten deutschen Soldaten gerettet worden, und nicht an Hunger, Kälte etc. elend krepiert. Und hätten später wieder zur Verfügung gestanden. Die Erklärung von Stadten zu Festungen brachte nichts ausser einer kurzzeitigen Fesselung feindlicher beweglicher Kräfte, die, wenn sie das deutsche Blitzkriegskonzept anwandten, diese einfach links liegen liessen und weiter in die Tiefe des Raums vorstiessen. Die Zerschlagung der Festungen überlässt man den nachfolgenden Truppen. Wie war es denn während der Sommeroffensive der Russen 1944? Witebsk zur Festung erklärt mit zwei Divisionen Besatzung(wenn ich mich recht erinnere), die Stadt fiel recht schnell, hielt sich ein paar Tage. Ich kann nur die entsprechende Literatur zu Blitzkrieg, wie Len Deighton und andere empfehlen. Im II. Weltkrieg haben festungen normalerweise nichts gebracht, die dort drin befindlichen Einheiten wurden regelrecht verheizt.
Gruss
Rainer

Balsi


22.2.02 07:32:36
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im Grunde genommen richtig... Stalingrad wurde aber zur Festung erklärt offiziell "Festungsbereich Stalingrad", aber ansonsten denke ich kann man Dir da recht geben... Festungen hatten eigentlich keinen Sinn.. es sei denn man hatte Aussicht auf Rückeroberung des Umkesselungsraumes um die eingeschlossenen Truppen zu befreien... das einzigste was die festungen vermochten war eben nur die Bindung von feindlichen kräften um sie somit für eine gewisse Zeit von der Front fernhalten zu können, allerdings konnte sich das die Wehrmacht nicht leisten, die Amerikaner in Bastogne waren sich doch völlig im Klaren, das die dt. Offensive schnell zusammenbvrechen wird... und sie auch befreit werden... die haben ja nicht so lange ausgehalten nur des Kampfes wegen oder wegen dem heldentum... die wussten schlicht und einfach das sie gewinnen werden ...

~Rainer


25.2.02 14:22:40
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Hallo,
Hitler hat ja alle möglichen Städte zu Festungen erklâren lassen. Für mich war das nur suggestiv, denn im Normalfall gab es keine oder kaum modernere festungstechnischen Anlagen.
Wenn ich an die belgischen Forts um Lüttich denke, konnte man von einem Festungsbereich reden, ein Fort hat sich ja auch bis zum 28.05.1940 gehalten(Waffenstillstand). Es waren die notwendigen Vorräte vorhanden, und die Besatzung war nicht von irgendwelchem Auffangstâben eingesammelte Versprengte, sondern gut ausgebildete Soldaten. Eben-Emael war auch ein Fort, hier hatten die Belgier allerdings etwas die dritte Dimension vernachlässigt.
Gruss
Rainer

xmen


25.2.02 16:35:37
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Nun in diesem Zusammenhang darf man das Wort Festung wohl nicht zu wörtlich nehmen,das sollte damals wohl für die Propaganda nützlich sein....es hört sich doch besser an Festung Breslau als die belagerte Stadt Breslau oder ?:)

Panzermayer


25.2.02 16:57:20
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HI,
Hitler umschrieb den Ausdruck "Kampf bis zur letzten Patrione/bis zum letzten Mann" einfach mit der Bezeichnung eines befestigten oder unbefestigten Platzes als "Festung"!
Meiner Ansicht nach, wie ja auch scon gesagt, hatte das für die Deutschen im Osten keinen Sinn mehr, da die Russen jetzt einfach zahlenmässig in der Lage waren, diese "Festungen" zu "belagern", bis sie wund gerieben waren, und gleichzeitig den Vormarsch fortzusetzen!
Cholm, Demjansk, Stalingrad, vielleicht auch noch Tscherkassy hatten eher einen "Sinn", zumiondest was die augenblickliche Lage anbetrifft, da die Kräfte in den "festen Plätzen" oder "Festungen" die Russen sehr stark am Vormarsch hinderte!
Gruß Panzer

waldi44


23.6.02 20:06:30
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Das doppelte Erbe
Küstrin/Kostrzyn
"Die Deutschen erbten die Geschichte, die Polen die Ruinen". Mit dieser Kurzformel könnte man aus heutiger Sicht die Geschichte der Doppelstadt Kostrzyn/Küstrin beschreiben.

Küstrin, das war einst ein klangvoller Name. Nach Tempelrittern, Askaniern und Deutschem Ritterorden begann hier 1454, als Friedrich der Eiserne die verpfändete Neumark zurückerwarb, die Zeit der Hohenzollern. Von nun an war dieser alte Hauptort der Neumark (neben Landsberg/ Warthe) mit der brandenburgisch-preußischen Geschichte verbunden.
Küstrin – Festung, Stadt und Schloss; als ihr „Vater“ gilt Hans von Küstrin. Kurfürst Joachim I. hatte 1536 die Mark Brandenburg – entgegen dem Hausgesetz – in zwei selbstständige Fürstentümer unter seine Söhne Joachim und Johannes geteilt. Markgraf Johannes – oder wie der Volksmund ihn nannte: Hans von Küstrin – beherrschte die kleinere Neumark rechts der Oder; erst nach seinem Tode fiel sie an Kurbrandenburg zurück.

Hans von Küstrin war ein energischer und erfolgreicher Landesvater, der Wirtschaft, Handel und Wandel in der Neumark durch eine weise und sparsame Haushaltspolitik förderte. Dieser legendäre Markgraf, der auch die Grundlagen für den Ausbau Küstrins zu einem florierenden Ort legte, war mindestens im Brandenburgischen noch lange ein Begriff – Fontane hat uns in den „Wanderungen“ sein Charakterbild – mit manch skurrilen Zügen – übermittelt. Er jedenfalls war es, der die Festung Küstrin schuf: Mit dem italienischen Baumeister Francesco Goromella, der etwa zeitgleich auch den Bau der Spandauer Zitadelle leitete, hat er die Stadt an der Mündung der Warthe in die Oder unter Nutzung ihrer Insellage so befestigt, dass auch in späterer Zeit keine wesentlichen Veränderungen notwendig waren. Schon damals sind die sechs Bastionen errichtet worden. Die drei brandenburgisch-preußischen Fest-ungen Spandau, Küstrin und auch Peitz gehören in einen historischen Zusammenhang.
Für die „preußische“ Geschichte Küstrins erscheint zweifellos jener Moment der „Katte-Tragödie“ als höchst bedeutungsvoll, da am 6. November 1730 in der Festung Küstrin der Mitwisser und Fluchtgehilfe des Kronprinzen Hans Hermann Katte enthauptet wurde, was der in der Festung inhaftierte Kronprinz Friedrich miterleben – allerdings, wie Fontane recherchierte, nicht mit ansehen musste. Fontane war es auch, der wohl die eigentliche Bedeutung jener Vorgänge erfasste, als er den 18. Juni 1675, den Tag des Sieges von Fehrbellin, zum 6. November 1730 in Beziehung setzte: „Mit diesen beiden Tagen beginnt unsere Großgeschichte. Aber der 6. November ist der größere Tag, denn er veranschaulicht in erschütternder Weise jene moralische Kraft, aus der dieses Land, dieses gleich sehr zu hassende und zu liebende Preußen, erwuchs.“
Und noch zwei Daten der Küstriner und der preußi-schen Gesamtgeschichte hängen ganz eng miteinander zusammen, nämlich der 15. August 1758, als im Siebenjährigen Krieg die Stadt durch russische Artillerie bombardiert und vollständig eingeäschert wurde, lediglich zwei Wochen vor der dann für Preußen siegreichen Schlacht von Zorndorf (25. August). Und dann jener 1. November 1806 nach der Unglücksschlacht von Jena und Auerstädt, als der feige und ehrlose Festungskommandant Oberst von Ingersleben die in jeder Beziehung verteidigungsfähige und verteidigungsbereite, für Preußen wegen des Oderübergangs auch äußerst wichtige Festung Küstrin einer nicht einmal ansehnlichen französischen Kolonne kampflos übergab.
Zwischen all diesen Daten war Küstrin eine durchaus wohlhabende Stadt. Wenn man in Aufzeichnungen zur Stadtgeschichte liest, welche wertvollen In-ventarien allein die Pfarrkirche und das Schloss besaßen, wie diese, nach Bränden oder beispielsweise nach der Beschießung von 1758, mit großem Aufwand und unter erheblichen Kosten immer wieder erneuert wurden, wie Türme instand gesetzt, Glocken umgegossen wurden, bekommt man Respekt vor dem Lebenswillen und der Leistungsfähigkeit der Küstriner.
Und Küstrin war eine schöne Stadt. Insbesondere die nach dem vernichtenden Bombardement von 1758 wieder neu errichtete Altstadt mit Pfarrkirche, Markt und Schloss war ein städtebauliches Kleinod. Die Blütezeit Küstrins lag im 19. Jahrhundert, in dessen zweiter Hälfte sich die östlich gelegene Neustadt rasch entwickelte; deren noch existenten Teile wurden zum Kern des heutigen, allerdings von nach 1945 errichteten Wohnblocks beherrschten polnischen Kostrzyn. Die Altstadt dagegen, also das alte kulturhistorisch wertvolle Küstrin – Festung, Stadt und Schloss – ist in den Kämpfen des Frühjahrs 1945 zur Trümmerwüste geworden.
Polnischen Angaben zufolge wurden jedoch Pfarrkirche und Schloss erst in den 60er Jahren abgetragen. Für die Wiederherstellung des Schlosses hatte es eine Sammlung gegeben, doch sei es auf Weisung der Regierung in Warschau schließlich gesprengt und das so gewonnene Baumaterial zum Wiederaufbau der polnischen Hauptstadt abtransportiert worden.
Während die Bastionen der Festung das Inferno überdauerten, blieben von der historischen Altstadt nur Mauerreste, Kellereingänge und Reste der Pflasterung. Wer hier auf den unter Gras, Büschen und Bäumen noch immer wahrnehmbaren Konturen einer alten Stadt entlang ging, wird den erschütternden Eindruck wohl kaum verlieren. Es ist wie ein Aufschrei von 700 Jahren Geschichte. Und es wirkt so fatal endgültig. Und doch soll das nicht so bleiben.
Küstrin

Seelow und Küstrin
Bis Ende 1944 war es der sowjetischen Armee gelungen, die Frontlinie hinter die Grenze der UdSSR zurückzudrängen. Am 12. Januar 1945 begann die Rote Armee eine große Winteroffensive, deren Kernstück die Weichsel-Oder-Operation war. So erreichte sie am Morgen des 30. Januars bei Kienitz das westliche Ufer der Oder. Am 2. Februar wurden bei Reitwein und Lebus weitere Brückenköpfe errichtet. Die sowjetischen Truppen standen siebzig Kilometer vor Berlin. Es gelang ihnen, gegen heftige Angriffe deutscher Verbände die Brückenköpfe zu halten und auszubauen. Zur Verhinderung des weiteren Vordringens der Roten Armee wurde vom Oberkommando der Wehrmacht die Heeresgruppe Weichsel gebildet. Sie hatte die Oderfront von der Ostsee bis zur Einmündung der Neiße zu verteidigen. Zunächst konnte die Wehrmacht die sowjetischen Brückenköpfe durch einen Korridor voneinander getrennt halten. Somit blieb die Verbindung zur Festung Küstrin aufrecht.
Am 22. März 1945 gingen dann sowjetische Verbände zum Angriff über, um die Verbindung der Wehrmacht zwischen Seelow und Küstrin zu zerschlagen und die eigenen Brückenköpfe zu vereinigen. Beide Seiten waren auf die bevorstehenden Kämpfe gut vorbereitet. In wenigen Wochen war auf deutscher Seite ein Verteidigungssystem in einer Tiefe bis zu 40km entstanden. Allerortens wurden die Kirchen gesprengt. Die Türme hätten den sowjetischen Truppen in der flachen Landschaft leicht als Orientierungspunkte dienen können. Die Hauptkampflinien verliefen entlang der Alten Oder und der Seelower Höhen.

Am 16. April um drei Uhr morgens begann die sowjetische Offensive mit einem gewaltigen Artillerieschlag. Eine der erbittertsten Schlachten der Menschheitsgeschichte entbrannte. In den ersten Stunden des Angriffs kamen die sowjetischen Truppen langsam, aber erfolgreich voran. Beim weiteren Vordringen stießen sie jedoch auf starken Widerstand. Beide Seiten erlitten schwere Verluste. Am 17. April entbrannten erneut an allen Abschnitten erbitterte Kämpfe. Es gelang der Roten Armee, an verschiedenen Stellen bis zu 13km vorzustoßen. Nur jeder zehnte Soldat hatte die vergangenen 37 Stunden überlebt. Am 18. April stürmten die Sowjetsoldaten die Höhen auf der ganzen Linie. Die Kämpfe entwickelten sich nun zügig in Richtung Berlin. Am 21. April zogen die ersten Truppen der Roten Armee in den Berliner Vororten ein. Mit dem 8. Mai 1945 ging der bis dahin furchtbarste Krieg der Menschheit zuende.
Die Stele, die an den Übergang
der sowjetischen Truppen erinnert
Mit dem Namen Seelow verbindet sich aber die Erinnerung an jene furchtbaren Tage im Frühjahr 1945, als im Oderbruch wochenlang die Erde bebte, der Geschoßhagel die Bruchlandschaft umpflügte, die explodierenden Bomben und Granaten die Schmerzensschreie der Verwundeten und Sterbenden übertönten und jeder Quadratmeter Oderbrucherde mit Blut getränkt wurde. Über 33.000 sowjetische, ca. 12.000 deutsche und 5.000 polnische Soldaten mußten in den letzten Kriegswochen hier noch ihr Leben lassen.

waldi44


31.8.02 12:08:21
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Hier ein interessanter Beitrag zur Kapitulation der "Festung Norwegen"! Ist zum Kopieren zu lang, sollte man sich aber mal ansehen bzw durchlesen!!
Kapitulation der Festung Norwegen

Die Beendigung des Zweiten Weltkriegs verlief in Norwegen in einer Weise, auf die nur die wenigsten zu hoffen gewagt hatten. Die deutschen Streitkräfte unter Führung von General Franz Böhme legten am 8. Mai 1945 um 24 Uhr auf Befehl des Oberkommandos in Deutschland ihre Waffen nieder ­ und legten danach ein exemplarisches Benehmen an den Tag. Alliierte Streitkräfte - unter anderem norwegische ­ übernahmen, und es dauerte nur wenige Wochen, bis alle Administration auf norwegische zivile Organe übertragen war.
Von Tor Dagre

Die Befürchtung, daß es so nicht ablaufen werde, war groß, weil die Deutschen enorme Kräfte in Norwegen konzentriert hatten. Bis zu 400.000 Mann ­ verteilt auf Heer, Marine und Luftwaffe ­ waren hier stationiert, und kurz vor dem Zusammenbruch standen noch immer 360.000 Besatzer im Lande.
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