Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Deutsche Rüstung

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AutorBeitrag

schaefchen1971


24.3.04 11:34:25
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Wie kann es eigentlich sein, daß Russland

- trotz deutscher Besetzung wichtiger Gebiete
("Brotkorb" Ukarine)

- trotz der ztw. Evakuierung wichtiger Industrieanlagen
(und dementsprechendem Produktionsausfall)

- trotz Stalins Säuberungen (Ausfall der Intelligenz)

- trotz der Unzufriedenheit weiter Teile der Bevölkerung (insbesondere Ukraine, Baltikum)

deutlich höhrere Rüstungsziffern erreichte, als das
hochindustrialisierte Deutschland, dem ja die
Industrie und Arbeitskräfte von Frankreich, Italien, Benelux usw...
zur Verfügung standen.

Natürlich haben die Russen wie wahnsinnig T 34 produziert
und die Amis Unmengen an Waffen und auch Lebensmitteln bereitgestellt;
trotzdem hätte Deutschland doch höhere Rüstungsziffern erreichen müssen, oder ?

Natürlich gab es in Deutschland kostenintensive Entwicklungsprojekte (V-Waffe, U-Boot-Krieg, verschieden Panzertypen usw...)
die Kapazitäten gebundne haben, trotzdem verstehe ich nicht, weshalb die Russen bei den Produktionsziffern derart überlegen waren.

waldi44


24.3.04 17:36:14
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Ich zitiere mal Albert Speer, seit Febr. 1942 Rüstungsminister.
"Wenn ich mir vergegenwärtige, dass unter meiner Leitung als Rüstungsminister bürokratische Fesseln, die die Produktion vor 1942 behinderten, entfernt wurden und daraufhin in nur zwei Jahren die Zahl der gepanzerten Fahrzeuge fast auf das Dreifache, der Geschütze auf das vierfache stieg, wir die Zahl der Flugzeuge mehr als verdoppelten und so weiter- dann wird mir schwindlig."

Welche "bürokratischen Fesseln" meinte er?


Ps: Interessant für Isoteriker- Ihm wurde 1918, als 13 jähriger, von einer Wahrsagerin folgendes vorhergesagt:"Du wirst früh zu Ruhm kommen und dich früh zur Ruhe setzen!".
Mit 40 wurde er zur "Ruhe gesetzt";).

schaefchen1971


24.3.04 20:22:32
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Waldi, Dein Humor gefällt mir...

Würde auch egrne mit 40 in Ruhestand gehen und meine Memoiren schreiben...

Wie stehst Du denn eigentlich zu Albert Speer ?

Ich meine, mir grauts bei dem Gedanken, daß ein Architekt, der eigentlich etwas (nützliches) erschaffen sollte, an so
einem düsteren Kapitel unserer Geschichte Anteil hat und so lange Zeit dem Hitler aus der Hand gefressen hat.

Nun habe ich vor einiger Zeit mal sein Buch "Erinnerungen" gelesen, und war doch sehr überrascht, weil das was er schrieb sehr "ehrlich" rüberkommt.

Insbesondere interessant die Ausseinadersetzungen mit den anderen Nazigrößen um Einfluss insbesondere gegenüber Bormann...und angebliche Versuche Himmlers ihn (Speer) zu beseitigen.

Andererseits kann ich nicht verstehn, daß gebildetet Menschen so lange auf Hitler hereinfallen konnten.

Erst als die Niederlage unabwendbar schien, war einzelne zu Widerstand bereit.

waldi44


24.3.04 20:41:43
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An Speer mögen sich die Geister scheiden- aber er war einer der wenigen Grössen im 3. Reich, der zu dem stand was er getan hatte- ohne "wenn und aber" und ohne sich auf Führerbefehle und Befehlsnotstand zu berufen!
Schlussendlich aber verweigerte er Hitlers Hunnenbefehl- die Zerstörung allen lebensnotwendigen auch für die überlebenden Deutschen! Er war damit zwar nicht allein, aber immerhin...

Warum er Hitler folgte? Ich glaube, weil nur Hitler seine Pläne und Wünsche erfüllen konnte oder Stalin, wäre er ein Russe gewesen ;)!

Ronny22


25.3.04 02:24:44
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Speer wollte viel erreichen und nur Hitler konnte ihm das ermöglichen. Speer konnte Hitler für seine Pläne begeistern und so sicher zu einer großen geschichtsschreibenden Persönlichkeit aufsteigen.

Wäre der Krieg anders ausgegangen hätte Speer seine Pläne (Germania) umsetzen können und wäre in die Geschichte eingegangen wie einst die Erbauer der Pyramiden.

Blanker Hans


25.3.04 14:32:53
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Hallo,

auf XXP (mein Lieblingssender, bekommt leider nicht jeder rein) lieg gerade wieder eine interessante Doku über Speer. Habt Ihr die gesehen? Die kommt bestimmt bald wieder, XXP wiederholt ja immer alles etliche Male...
Speer war wohl in erster Linie Egozentriker, aber irgendwo wird auch er schließlich gewisse Skrupel gehabt haben. Daß er zum Schluß Hitler umbringen wollte, wie er im Nürnberger Prozeß sagte, war aber sicher eine Notlüge.

Zu den Produktionszahlen:
In "Deutsche Panzer im 2. Weltkrieg" von einem Engländer oder Amerikaner (ist unauffindbar in irgendeinem Umzugskarton) habe ich gelesen, ein sehr großes Problem bei der deutschen Panzerproduktion sei gewesen, daß das Militär immer wieder Sonderwünsche in bezug auf die Ausstattung der Fahrzeuge hatten. Eine Stelle wollte die kampfkräftigere Bewaffnung, eine andere eine bessere Panzerung... Es gab eben nicht das Standardmodell, welches bei den Russen eben ab 1941/42 der T 34 wurde, sondern etliche verschiedene Ausführungen. Und dann natürlich etliche Typen: Panzer I und II zu Beginn des Krieges, dann die beiden tschechischen Typen, dann den Panzer III, IV, Panther, Tiger I, II... Viel mehr als bei irgendeiner anderen Armee dieser Zeit. Und immer wieder gab es Querelen, welche Typen nun auf Kosten der Produktionszahlen anderer Typen verstärkt gebaut werden sollten (auch konkurrierten noch die Panzer mit den Sturmgeschützen, was die Produktion anging...) All das behinderte eine effektive Massenproduktion.
Aber da gibt es sicher noch andere Aspekte, über die andere hier mehr wissen!

schaefchen1971


25.3.04 15:51:54
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Alles richtig...die Deutschen haben (zu) viele Projekte begonnen, dazu die aufwendigen Festungsbauten zur Abwehr einer Invasion in Frankreich.

Nichtsdestotrotz frage ich mich, haben die Menschen in den Jahren 1940,41 eine ruhige Kugel geschoben oder im Luxus gelebt oder wie kann man sich erklären, daß sich die Rüstungszifferen nach 1941 verdoppeln und verdreifachen und das obwohl immer mehr Fachkräfte an die Front mussten...
die Städte und Infrastruktur zerbombt wurde

Auch unter Speer gab es ja verschiedene Projekte und Konkurrenz der Waffengattungen, da wurden Panther, Panzer IV und Tiger parallel gebaut, also auch verschiedene,
wenig "kompatible" Typen usw..., noch mehr Fachkräft abgezogen für die Entwicklung der Wunderwaffen...

unknown


25.3.04 15:54:24
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Ja, XXP History guck ich auch jeden Dienstag Abend, die Dokus sind sehr gut. Besonders die Dokus die letzten 8 Kriegswochen in Farbe und die Ardennen Offensive waren Top! und die BBC Dokumentationen sind auch oft sehr interessant klatschender Smileyklatschender Smileyklatschender Smiley

FritzR


25.3.04 16:03:02
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Nichtsdestotrotz frage ich mich, haben die Menschen in den Jahren 1940,41 eine ruhige Kugel geschoben oder im Luxus gelebt oder wie kann man sich erklären, daß sich die Rüstungszifferen nach 1941 verdoppeln und verdreifachen und das obwohl immer mehr Fachkräfte an die Front mussten...


Nach Hitlers Planung sollte der Krieg zum Winter 41 vorbei sein! Und das gedachte er mit dem verfügbaren Material zu schaffen. Die Notwendigkeit (aus Hitlers Sicht) einer gesteigerten Rüstungsproduktion kam ja erst mit dem Fehlschlagen (von der Zeit her) des Ostfeldzuges.

waldi44


25.3.04 16:48:59
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Der Zweite Weltkrieg "krankte" an der selben Fehleinschätzung, der man schon im Ersten Weltkrieg unterlag.
Man überschätzte die eigenen Fähigkeiten/Kräfte und als man es merkte und begann ALLE Kräfte zu mobilisieren, war es schon zu spät!
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