Dieses Archiv enthält einen Auszug des Forums für deutsche Geschichte vom 12.10.2001 bis zum 22.12.2005. Wenn Sie mitdiskutieren möchten, besuchen Sie unser Forum unter forum.balsi.de.

Kämpfe rund um Heidelberg (200km)???

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AutorBeitrag

SE


2.7.04 14:54:50
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Hallo,ich bin neu hier und möchte erstmal ein großes Kompliment an die Macher der Seite ausprechen.

Mich würde interessieren ob es 1945 rund um Heidelberg am Neckar (bis ca. 200km Entfernung) noch Kämpfe gegeben hat und wenn ja welche deutschen Einheiten daran beteiligt waren. Mich interessiert einfach alles rund um Heidelberg-egal was. Bin für jede Info dankbar.

Balsi


2.7.04 15:03:17
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also zu den Kampfhandlungen muss ich erst schauen.. habe aber das Buch zum IR 110 das in Heidelberg in Garnison lag.

SE


2.7.04 17:12:09
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ja das wäre nett.

ich weiss nur das um heilbronn & crailsheim noch gekämpft wurde. daran war das 3. Bataillon des 398. US-Infantrie-Regiments beteiligt. Mich würde interessieren welche deutsche Einheit ihnen gegenüberstand-weiss nur das es Wehrmacht gewesen sein muss.

Habe auch erfahren das in Neckargemünd bei heidelberg ein amerikanischer Bomber abgeschossen worden ist und in einem Dorf in der Nähe abgestürzt ist.

wenn jemand etwas (egal was) über die letzten Wochen in diesem Bereich weiss bitte Bescheid geben. Mich interessiert wirklich ALLES. Smiley mit Danke-Schild

Westwall


2.7.04 18:32:40
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Laut Kartenskizze:15 auf der Seite 176 in dem Buch „Endkampf zwischen Mosel und Inn“, XIII. SS-Armeekorps, von Spiwoks/Stöber, wurde Heidelberg im März 1945 von der 100. amerikanischen Infanterie-Division des VI.US-Corps erobert bzw. besetzt.

Westwall


2.7.04 18:55:54
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Frontverlauf vom 30.03.1945 war laut H. Günther, „Die Sturmflut und das Ende“ Band 3 der Geschichte der 17.SS-Panzergrenadierdivision „Götz von Berlichingen“ ( ISBN 3-88014-103-7 ), etwa die Linie Karlsruhe-Germersheim-Speyer am Rhein entlang und bog südlich Heidelberg ab über Eberbach am Neckar nach Miltenberg.
Einheiten des LXXX. deutschen Armee-Korps hatten laut seiner Lageskizze vom 22.3 – 28.3.1945 die Verteidigung von Heidelberg übernommen ( Karte 6, Seite 450 ).

SE


2.7.04 19:03:12
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danke das ist doch schonmal was. Smiley mit Danke-Schild
steht auch drin ob es noch gefechte gab und wenn ja wo ?

vielleicht hat auch jemand einen buchtip für mich.
freu mich echt über jede kleinigkeit.

Westwall


2.7.04 19:16:47
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Heilbronn wurde definitiv von Einheiten der 2.Gebirgs-Division verteidigt, es kam zu schweren Straßenkämpfen und den Amerikanern gelang es nur mit schweren Waffen in die Stadt einzudringen.
Ein Hochgebirgsjägerbataillon dieser Division unter der Führung von dem Ritterkreuzträger und Ehemann von Leni Riefenstahl Major Karl Jacob warfen sogar die Amerikaner wieder aus der Stadt Crailsheim für kurze Zeit zurück.

Quelle: Es war ein Edelweiss – Weg der 2.GD von M.Kräutler und K.Springenschmid – Leopold Stocker Verlag – 4.Auflage 1962

SE


2.7.04 19:57:36
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Am 3. April 1945 stand die US-Armee noch 20 km vom Neckar entfernt. Das 3. Bataillon des 398. US-Infantrie-Regiments sollte unter dem Befehl der 10. US-Panzerdivision einen Brückenkopf am Ostufer des Neckars bilden, dadurch den Bau einer Brücke ermöglichen und den nachfolgenden Übergang decken.

Am nächsten Morgen setzten die Amerikaner mit 14 Sturmbooten über den Neckar, ohne einen einzigen Schuss abzugeben zu müssen. Das eigentliche Ziel Heilbronn war für die Amerikaner vorerst nur eine Art "Nebenkriegsschauplatz". Eine Entscheidung in Süddeutschland musste nicht schnell erzwungen werden.
Hauptfrage für die Alliierten war, ob ein weiterer Vorstoß nach Berlin notwendig sei und wo man sich mit den russischen Streitkräften treffen wollte. Erst nach dem Stillstand der Amerikaner an der Elbe begann verstärkt die Südoffensive. Nach Beendigung der Kämpfe um Heilbronn stießen die Amerikaner über Flein, Haigern, Talheim weiter nach Schozach vor, wo die US-Truppen wegen starken Widerstands in Schozach an den Waldrändern des Jungholz gestoppt wurden.
Durch Talheim zogen gleichzeitig deutsche Truppen, sie waren auf dem Rückzug von der Front. Selbst ein General nahm in Talheim kurz Quartier. Die Mannschaften nächtigten im Heu der Scheunen. Man kochte für die Soldaten in der Waschküche Kartoffeln.
Oberhalb der Schozach und auf Hundsberg und Haigern geht die Wehrmacht mit Infantriegeschützen in Stellung. Plötzlich liegt Talheim im Kreuzfeuer. Auch Häuser werden getroffen und das Schloss wird beschädigt. Unter der BevölkerVon den "Kinder-Soldaten", das von Kreisleiter Drauz zusammengestellte unnötige "letzte Aufgebot", fordert der Krieg in diesen Tagen noch viele unnötige Opfer. Wehrmachtstruppen und Reichsarbeitsdienst rücken in Talheim ein und meist nachts wieder ab.
Der Talheimer Weinkeller ist seit vielen Tagen Nachtquartier für über 50 Menschen aus Dorf und Schloss. Dass der Krieg auch im Ort direkt einzog, merkte die Bevölkerung lautstark an der Sprengung aller Brücken. Selbst die Fußgängerbrücke zum Kriegerdenkmal wurde gesprengt. Warum bleibt ungeklärt. Strategisch hatte sie keine Bedeutung.
Dann setzte Artilleriebeschuss ein. Die ersten Einschläge lagen sinnigerweise in der Nähe des Adolf-Hitler-Platzes, dem heutigen Rathausplatz. In der kurzen Gasse wurde das Anwesen von Heinrich Henn in Brand geschossen. Es gab Verletzte und später beim "täglichen Sperrfeuer" auch Tote.
ung werden viele verletzt.
Im Steinbruch sprengte die Wehrmacht Munition, die man vorher vom Bahnhof abtransportiert hatte. Alle Fenster im Dorf wurden geöffnet, damit bei dieser Aktion nicht allzuviel zu Bruch ging.
Am 14. April 1945 um 5 Uhr morgens kamen die Amerikaner mit Panzern ins Dorf. Haus für Haus wurde durchsucht, versprengte Soldaten gefangengenommen.
Auf dem Weg von Flein nach Ilsfeld, im Durstwald, wurden die Amerikaner einen Tag lang hingehalten. Auf der kurvenreichen Gefällstrecke der Straße, bei der Abzweigung zum Talheimer Hof, verhinderte eine Panzersperre jedes weitere Vorrücken der Amerikaner. Die deutschen Soldaten - nach amerikanischen Angaben soll sich auch eine Marineeinheit an diesen Kämpfen beteiligt haben - verteidigen die Panzersperre von 7 Uhr morgens bis 17 Uhr abends. Erst als die festliegende 1. US-Kompanie des 339. Infantrie-Regiments Panzer und eine weitere Kompanie Soldaten zur Verstärkung erhalten hatte, konnte nach einem direkten Panzerbeschuss mit 50 Granaten der Widerstand der nur 4 deutschen Maschinengewehrstellungen und der etwa 60 Mann starken deutschen Kampftruppe gebrochen werden.
Am nächsten Tag fanden die Amerikaner in dem Waldstück Lerchenhain 50 deutsche Soldaten, die bei den Kämpfen im Ilsfelder Wald gefallen waren. Das Hofgut Haigern wurde wieder beschossen. Hier befand sich ein letzter Gefechtsstand deutscher Truppenteile. Das Wirtschaftsgebäude mit Scheuer brannte ab, das Kindererholungsheim wurde stark beschädigt.
Amerikanische Divisionsvorhut und Stäbe requirieren jetzt wechselweise das Schloss und Häuser in der Bahnhofstraße um zu übernachten. Immer wieder mussten Einquartierte und Anwohner ein- und ausziehen. Nach langem Hin und Her erhielten sie dann die Erlaubnis, wenigstens in den Wirtschaftsräumen (Knechtkammern, Kornboden oder Scheuern) hausen zu dürfen.
Wie von der Welt abgeschnitten lebte man jetzt in Talheim: Ausgangssperre - nur einzeln und mit Passierschein durfte man sich im Dorf bewegen. 91 Talheimer sind bei Kampfhandlungen im zweiten Weltkrieg im Dienst von Wehrmacht, Luftwaffe und Marine gefallen, 37 werden vermißt.

Wenn jemand einen Buchtipp hat indem die letzten Wochen,Tage im Rhein-Neckar Kreis oder Odenwald & Hessen beschrieben werden bitte melden.





[ Editiert von SE am: 02.07.2004 19:58 ]

Erichx


2.7.04 20:18:06
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"Das Kriegsende - Szenen 1944/45 in Heilbronn, im Unterland und in Hohenlohne" / Uwe Jacobi / 3-921923-03-4 / Heilbronner Stimme 1985.
Einige Zitate (ganz unten):
http://forumarchiv.balsi.de/ss/166602.html

Quintus


3.7.04 08:20:34
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Vielleicht helfen ein paar Link weiter:


Anmerkung
Ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich keinerlei Einfluss auf die Gestaltung und die Inhalte der gelinkten Seiten habe. Deshalb distanziere ich mich hiermit ausdrücklich von allen Inhalten aller folgend gelinkten Seiten!


April 1 Military History Office Dr. Saunders
DIE BESETZUNG VON HEIDELBERG
Lexikon Geschichte Baden+Württemberg: Heidelberg
Literaturliste: Heidelberg im Nationalsozialismus
Heidelberg - Geschichte bei Wikipedia
Heidelberg, Germany

Casi


27.7.04 22:46:16
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Bei Crailsheim müssen auch noch W-SS Einheiten am Werk gewesen sein. Habe ich letztes Jahr im Hohenloher Freilandmuseum an der Beschreibung zu einem Haus gelesen, welches nach dort ins Museum umgezogen wurde. Smiley mit Erleuchtung Dort Stand unter anderem, daß sich Amerikaner und SS - Leute um dieses Haus ein heftiges Gefecht geliefert haben. War wohl das grösste im Dorf.

Gruß, Carsten
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